Das Gelbe Grinsen

  vom Wirken und Wandeln des Ewigen Bananenverkäufers  

 

„Die Banane ist das Lächeln der Natur“
(Volksmund)

„Die Natur hat ganz schön gelbe Zähne!“
(der Ewige Bananenverkäufer)

Nach langer und schwerer Meditation fühle ich mich nun geläutert und gereift, um über das zu sprechen, wovon ich bis dato nicht geschwiegen habe: Von meinen Erfahrungen mit dem Ewigen Bananenverkäufer.

Seinen Namen hörte ich zum ersten Mal vor vielen Jahren, als T.U., ein Freund und Mitbegründer des „Anarchistischen Weltbundes AWB“ (wir waren zu dritt), mir von einem Film erzählte. Darin war ein Mann aufgetaucht, der, einen Karren voller Bananen hinter sich herziehend, unermüdlich versuchte, diese zu verkaufen, den ganzen Film lang. Wir spürten sofort, dass wir es mit einem Charakter archetypischen Ausmaßes zu tun hatten.

In den Wirren meines bewegten Lebens habe ich T.U. lange Zeit aus den Augen verloren. Der Ewige Bananenverkäufer (E.B.) aber ist meinem geschärften Blick noch oft begegnet und lässt sich immer mal wieder bei mir blicken. Und so könnte es auch bei Euch sein, wenn das Wissen um den E.B. nicht verdrängt und verloren wäre. Zum Glück für Euch stelle ich nun meine Forschung und Erfahrung zur Verfügung.

Noch im frühen Mittelalter wusste man um den E.B. Zeugnis davon haben uns neben Anderen Monthy Python in ihrem Meisterwerk „The Holy Grail“ überliefert, in dem der E.B. in der Gestalt des Sir Bedevere erscheint.
Ich zitiere aus dem Drehbuch:

"EXTERIOR - SUNSET
 Fairly close HEAD-ON SHOT of the KNIGHTS riding along. BEDEVERE & ARTHUR at the front of the group, deep in conversation.
 BEDEVERE: And that, my lord, is how we know the Earth to be Banana-shaped.
 ARTHUR: This new learning amazes me, Sir Bedevere."

Bei sanftgelben Licht betrachtet ist die Queste nach dem Hlg. Gral nichts als die sehnsüchtige Suche nach sanftgebogener Gelbheit zu einer Zeit, da sich die grelle Weißheit des Christentums anschickte, alle alte Wahrheit zu überblenden. Nur in verschlüsselter Form konnte das Wissen über den E.B. tradiert werden, wie zum Beispiel in den Karten des Horseman-Hurrie-Tarots, das heute zu den verbreitetsten Tarot-Decks überhaupt zählt. Doch wer erkennt die Hinweise auf den E.B., von denen das Deck nur so wimmelt?

  • Hinter der schönen, zwei Krüge ausgießenden Frau auf der Karte DER STERN befindet sich ein Ibis, der auf einer Bananenpflanze sitzt.
  • DER MOND schimmert blassgelb über einem zwielichtigen Zaubertal – in eindeutiger Bananenform.
  • Zu Füßen der HOHEPRIESTERIN segelt die Bananenbarke ins Ungewisse der Anderswelt.
  • DER WAGEN wird von einer Kriegerin gelenkt. Sie trägt auf ihrer Brust ein Wappen mit gelbem Schräglinksbalken, in Heraldik-Fachkreisen auch
    „Banane“ genannt.
  • DER MAGIER steht vor einem Tisch mit magischen Geräten und reckt, als das mächtigste und wirkungsvollste, eine Banane in die Höhe.
  • DER NARR ist eine androgyne Gestalt, die von einem kleinen weißen Hund begleitet wird und auf einer hohen Bergklippe auf einer Bananenschale ausrutscht.
  • DER TEUFEL hat Hörner, die aussehen wie Bananen.

Dies sind nur wenige Beispiele, doch wer Augen hat und den Blick schärft, wird mehr und mehr entdecken.

Doch nicht nur in verschlüsselten Bildern vergangener Zeiten können wir den E.B. heute schauen. Denn er wandelt leibhaftig unter uns, ja!, noch immer, und so lange, als dass peinliche und blöde Taten uns seine Bananen einhandeln. Ob du ihn erkennst oder nicht, ob du deine Bananen wahrhaben willst, oder ob du sie zu ignorieren versuchst: auch zu dir ist der E.B. schon gekommen, und wahrlich: es war nicht das letzte Mal!

Ich bin das schon gewöhnt, weiß meist, wann ich mir wieder ’ne Banane eingehandelt habe und erkenne den E.B. problemlos. Er erscheint mir als dünner, unrasierter (und ich fürchte, ebenso ungewaschener) Typ mit langen, dunklen, fettigen Haaren.
Er trägt immer dieselbe gelbe Tunika, deren braune Flecken nach seinen Worten angefaulte Stellen von Bananen symbolisieren. Ich halte sie eher für nicht rausgegangene Tee- und Kaffeeflecken. Denn er will immer was Warmes zu trinken, und bei seiner enthusiastischen Erzählweise bleibt kein Teppich trocken.

Aber gleich in welcher Gestalt er zu dir kommt: du erkennst ihn spätestens an dem entnervenden Grinsen, mit dem er dir deine Bananen überreicht.

Diese Bananen sind ganz spezieller Natur. Ich vermute, sie wachsen im Garten der Göttin Oya, doch auf meine diesbezüglichen Fragen pflegt der E.B. wiehernd zu kichern und behauptet, die habe ich mir ganz alleine krummgebogen, die Bananen.

Was in einem gewissen metaphysischen Sinne auch zutrifft.

Wir alle sammeln in unserem Leben zahlreiche Bananen, und die meisten schmeißen diese Früchte ihrer vermeintlichen Niederlagen und Preise der Peinlichkeiten schnell in irgendwelche dunklen Ecken und versuchen sie zu vergessen. So wächst der Bananenstapel, bis er zusammenkracht und die gelben Krummfrüchte sich ins offene Licht ergießen. Und dann ist die Verlegenheit natürlich groß.

Es gibt nur eine Möglichkeit, die Bananen des E.B. für immer loszuwerden: Du musst sie essen!

Und davor scheuen die meisten zurück.

Aber wenn du dir ein Herz fasst, deine Banane akzeptierst und annimmst, sie schälst und hineinbeißt, wirst du feststellen, dass sie gar nicht so schlecht schmeckt.

Und alle Bananen des E.B. bergen ein Geheimnis: in jeder steckt ein kleiner Kosmischer Kicherfaktor, der beim Verdauen zu wirken beginnt.

Dann kannst du Träume haben, irre Inspirationen, unvermutete Kicks in neue Richtungen… Die Wirkungen sind so verschieden, wie die Anlässe, die Bananen einbringen.

Nur eins haben sie alle gemeinsam: sie werden dich heftig lachen lassen.

Und das ist das Schöne, das Wunderbare, die sanftgebogene Gelbheit der Bananen des Ewigen Bananenverkäufers.

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