Muhmenpott

Ein Tag nach der Sommersonnenwende. Eben lugte die Sonne kurz durch die Wolken und warf schöne Schatten, Farben und Reflexe auf den Tisch.
Und jetzt ist es wieder so trüb. Seufz.

Die Blütenblätter in dem Glas hab ich auf dem Balkon gesammelt, wo ich täglich Verblühtes abschneide. Das kann ich ja nicht einfach in den Müll schmeißen. Erst kommen die bunten Blütenblätter in das Glas auf dem Esstisch.
Später kommen sie dann in meinen Muhmenpott.

Der Muhmenpott ist ne alte Tonvase, die ich schon seit – wow, die habe ich noch zu Schulzeiten angelegt.
Ich will nicht drüber nachdenken, wie lange das her ist. grusel Fühlt sich an wie neulich.

Der erste Input dazu kam mir in den 80ern, als ich noch zur Schule ging, durch ein Buch von Luisa Francia. Das war Zaubergarn, mein allererstes Hexen-Frauen-Sprit-Maggie Buch. Es lag bei uns in der Wohnung rum, weil Luisa Francia in einer Sendung meines Vaters aufgetreten war. (Mein Vater war damals beim Regionalfernsehn.) Ich hatte die Sendung nicht gesehen, er hatte mir nichts darüber erzählt, und ich kannte auch Luisa Francia nicht. Ich kannte nichts dergleichen. Und dann fand ich dieses hübsche Buch bei uns rumfliegen und war sehr sehr SEHR angetan davon.
Heute habe ich kein Buch von Lusisa Francia mehr, aber damals hat sie mich inspiriert und in gewisser Weise auch initiiert. Darum danke, Luisa!

Jedenfalls, in einem ihrer Bücher las ich was über das Anlegen eines Ahninnentopfes.
Bevor ich da jetzt lang drüber erzähle ― ich habe ->hier<- einen Blogeintrag gefunden, der den Ahninnentopf gut erklärt. (Das steht auch, in welchen Büchern von L. Francia der vorkommt: Steinreich und Der Magische Alltag. Ja, die hatte ich wohl beide. Ist mir ja auch beides ein Anliegen. <\8) )
Was mich damals gleich bewogen hat, den Muhmenpott anzulegen, war Luisas Beschreibung vom Schicksal der Dinge, die wir dann hineingeben. Der Muhmenpott/Ahninnentopf ist nicht nur für Schönes, sondern dient auch als Transformations-Kessel. Zum Beispiel für unangenehme Briefe und andere eher eklige Sachen, die uns vielleicht auf der Seele liegen. Die werden dann von den Ahninnen durch den Sand gezogen, in den Wind geworfen, verwirbelt, verkichert und in ihrer Wirkung verändert.
Sowas kann sehr gesund sein!

Ich hab ein Foto von 2003 gefunden, da hab ich noch in Passau gewohnt.

Das ist derselbe Muhmenpott, den ich Jahre zuvor noch zu Schulzeiten angelegt hatte. Heute steht er bei uns im Schlafzimmer auf nem Schränkchen.

Wenn ich auf Reisen gehe, nehme ich einen kleinen Muhmenpott-Ableger mit, ein Schraubglas, in das ich bisschen Krümel aus dem Mama-Muhmentopf fülle.
Unterwegs kommt dies und das dazu, und das kommt dann zuhause wieder in den Muhmenpott.

Ich kann das Anlegen und Pflegen eines Muhmenpotts nur empfehlen!

Muhmenpott

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