Die Geschichte vom Vogel

Zugang zum Sufismus bekam ich über meinen Gefährten, der mir oft aus Idries Shahs Büchern vorliest. Manche sagen ja, der sei gar kein richtiger Sufi. Das kann ich nicht beurteilen. Idries Shah ist einer meiner Lehrer, das genügt mir.

Mein Gefährte sagt, Idries Shah sagt, dass Geschichten eine wichtige Lehrmethode der Sufis sind (vgl. Stories are Maps) und viele Ebenen haben. Viele Aspekte. Sieben Möglichkeiten der Interpretation. 🙂

Mir ist die Tage eine Geschichte eingefallen, der ich zum ersten Mal in diesem Buch hier begegnet bin: Idries Shah: „Die drei Wahrheiten – Weisheitsgeschichten der Sufis.“

Die Geschichte geht so:

Ein Mann fängt einen kleinen Vogel, der sagt zu ihm:
„Lass mich frei, und ich werde dir drei gute Ratschläge geben. Den einen sofort, den zweiten, wenn ich auf den Baum da geflogen bin, und den letzten, wenn ich auf dem Berg dort bin.“
„Na gut. Gib mir den ersten Ratschlag.“
„Wenn du etwas verlierst, beklage es nicht, auch wenn es dir wertvoll wie das Leben scheint.“
Der Mann gibt den Vogel frei. Der flattert auf den Baum und sagt:
„Wenn du etwas Unwahrscheinliches hörst, dann glaube es nicht, ohne es zu prüfen.
Übrigens, hehe, in mir sind drei große, unglaublich wertvolle Edelsteine, die dir gehören würden, wenn du mich getötet hättest.“
Der Mann beginnt zu jammern „Oh nein! Warum nur habe ich auf dich gehört? Jetzt gib mir wenigstens den dritten Ratschlag!“
„Denn kannst du eh nicht brauchen, da du die ersten beiden Ratschläge schon nicht beherzigst.
Du jammerst wegen verlorener Edelsteine, dabei bin ich viel zu klein, als dass drei große Juwelen in mir Platz hätten!“

Und der Vogel flog auf den Berg.


 

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9 Kommentare

    1. Interessant:
      Hab die Geschichte einer Lady vorgelesen, die sagte, der Mann war aber doch gut zu dem Vogel, und so wird ihm das gelohnt?
      Die hat die Geschichte wieder ganz anders wahrgenommen. 🙂

      Gefällt mir

        1. Jo, so unbewusst gierig… Wenn er richtig gierig wäre, hätte er den Vogel wahrscheinlich nicht freigelassen (was ich hab, hab ich).
          Er hat halt auf, hm… schlichte Art reagiert, völlig vorhersehbar. Genau, wie du geschrieben hast: „typisch Mensch“ – wobei ich auch schon hab sagen hören: Dann bist du noch kein wirklicher Mensch, wenn du so unbewusst reagierst.
          Wenn man was lernen will (der Mann wollte die Ratschläge), dann sollte man dafür offen sein. Er hat ja gar nichts angenmommen vom Vogel, also hat er sich selber um den Preis gebracht.

          Hehe, ich find das klasse, was für Überlegungen so ne Geschichte auslösen kann. 🙂

          edit: achja, und jetzt noch das „man“ durch „ich“ ersetzen unds selber alles richtig machen X)

          Gefällt 1 Person

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