Beruf, Berufung und Gelderwerb

Das wird bisschen Seelenstriptease. Ich finde das angebracht, um einige offene Fäden hier zu verweben. Für die, die’s interessiert.

Ers schon ganz gespannt… Wayne

Also.
In den Kommentaren zu einem Beitrag nebenan im Vetchblog hat Sólveig mich gefragt, wie weit ich mit meiner Selbstständigkeit bin.
Das hatte ich ja groß hier erzählt und verkündet, dass ich mich selbstständig mache.

Ich hatte dabei sehr vage Vorstellungen.
Das heißt, ich habe eine sehr klare Vorstellung:
Ich will einen Laden mit Raum für Trommelkreise, Feste, Seminare. Im Laden solls alles geben, neu und 2nd Händ, was ich, Vetch, für angebracht erachte. Von Klamotten über Bücher, Musik, Postkarten, Schmuck, Esoterika bis hin zu Deko-Kram und was halt vorbeikommt und mir in den Kram passt, im wahrsten Sinne des Ausdrucks. Ich hab z.B. eine Quelle für ganz wunderbare Geschirrtücher, die würden da auch ein Plätzchen finden.
Der Rote Faden dieses Konzeptes bin ICH. So viel Selbstbewusstsein habe ich tatsächlich, dass ich davon ausgehe, damit kann ich Erfolg haben.
Ich kann keinem Buchhandel, keiner Media-Mall und keinem exquisiten 2nd Hand Klamottenladen Konkurrenz machen, und Läden mit hübscher Heimdeko haben wir hier eh schon einige.
Ich habe nur meinen Geschmack und meine Intuition, und ich vertraue darauf, dass meine KundInnen dann mir vertrauen – und dem, was ich für sie ausgesucht habe.

So weit so fein. Das ist ein hübscher Plan.

Über die Beratung zur Existenzgründung veränderte sich dieser Plan bis zur Unkenntlichkeit. Das liegt daran, dass ich kein Startkapital habe und nicht einfach einen Laden mieten und einrichten kann.
Was dann zum Schluss rauskam: Onlineshop einrichten.

Das fand ich kurz ne tolle Idee. Und dann wurde mir klar, dass ich überhaupt keine Ware habe, außer bunter Armreifen aus Fummelperlen und paar Postkarten…

Wenn ich Gewerbe anmelde, dann muss ich mich privat krankenversichern. Das sind so 300.- € im Monat. Dazu kommen viele andere Auflagen, die der normale Geschäftsmensch locker durchschaut und bewältigt. Mich lähmt das nicht nur, es erbost mich. Ich bekomme dann so nen widerlichen, pestigen Zorn.
Ich würd ja gerne, aber SIE lassen mich nicht, mit diesen bescheuerten Regeln und Gesetzen, die alles Kreative hier in Deutschland im Keim ersticken. Hier bekommst du doch kein Bein auf den Boden, wenn du nicht genug Geld, ne super Ausbildung hast (ich hab Ergotherapeutin ‚gelernt‘ und kann und will in dem Beruf nicht arbeiten), und abgebrüht bist–

Jo, da kann ich lange toben und hadern.
Da ist auch was dran, es ist allerdings nicht die ganze Wahrheit.

Was ich auch nicht habe sind Erfahrung und Mut. Und so richtig was gelernt hab ich auch nicht.

Jo. Dieser Erkenntnisprozess zog sich so über den Sommer, und ich hab mich auch echt geschämt. (Drum hab ich hier davon auch nichts mehr erzählt…)
Die Depression die Tage hatte natürlich auch damit zu tun.
Ich bin jetzt an dem Punkt, da ich kapituliere, wie ich es zum Thema „Beziehung“ in den A-Gruppen gelernt habe: Ich habe KEINE AHNUNG, was ich machen soll.

Ich bewerbe mich jetzt wieder für den Sozialbereich. Und ich mache weiter Postkarten. Und so.

Tatsächlich gehts mir bisschen besser. Ich tu das Naheliegende und das ist eh reichlich. Eben kam eine Absage rein, ich muss also nicht Arbeitsvermittlerin im Rahmen des SGB III werden. Ist doch gut…

Auch interessant, dass ich fast alle Beiträge zum Thema Job und Gelderwerb mit „Angst“ tagge…

Naja, hier&jetzt das Naheliegende.

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9 Kommentare

    1. Und wenn ich jetzt neu entflamme, ist die Tasse nicht mehr leer –
      Also üben, den Weg zu gehen ohne Erwartungen und ohne Bedingungen.
      Und vor allem: den Weg zu gehen!

      Ich hab das oft erlebt, dass ich erst bekomme, was ich mir so sehnlichst wünsche, wenn ich begriffen habe, dass ichs nicht bekommen werde und trotzdem weiterleben kann. Sogar glücklich weiterleben kann.
      UND ich hatte auch jedes Mal was getan, wenn sich was erfüllt hat. Was gewagt, oder/und mich um Alternativen bemüht. Ich weiß, dass Erkenntnis ohne Umsetzung und Handlung GAR NICHTS ist. Aber ich halt mich nicht oft genug dran.

      qed X)

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  1. Es freut mich, dass dir bewusst ist, dass es funktionieren kann zu sein, was du bist. Du hast eine klare Vorstellung und wenn du die beschreibst, entsteht auch gleich ein inneres Bild bei mir dazu, wie das aussehen kann und funktioniert, dein kleines Lädchen mit ganz individuellen hübschen Sachen, wo Hein herz drin wohnt und du entsprechend agierst. Wer wollte da nicht gerne stöbern und das eine oder andere Kleinod erstehen.

    Ich bin sehr gespannt, was du weiter erlebst.

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    1. Boa, die schöne Magierin in ihrem Wunderzelt, jetzt sach nich sowas!

      Ich hab morgen A-Amt Termin, und da muss ich dann wieder sagen, dass ich mich nirgends beworben habe.
      Und dass ich nen HP Psych mach, das hab ich unterdessen beschlossen.
      Da hab ich schon oft drüber nachgedacht, und ich schreib jetzt nichts von dem hin, was mir dazu einfällt, ich will nämlich nicht unken. Ich freu mich drauf, und daneben hab ich genug Zeit, einiges aus dem Text oben zu verwirklichen. Und ich komm aus dem Haus.

      Mein Hadern und meine Depression nähren sich hauptsächlich aus zwei Quellen, habe ich rausbekommen:

      Die Augen der Anderen: Erwartungen und (oft vermeintliche) Bewertungen, die nichts mit mir zu tun haben und mich unter Druck setzen. Inkl. Zukunftsängste.

      Meine Trägheit (Angst, klitze[?]kleine Sozialphobie), die dazu führt, dass ich viel zu viel in der Bud am Computer hocke und Lebenszeit verschwende. Da werd ich nach ner Zeit auch tieftraurig von, klar.

      Ich hab den Verdacht bei dir isses vielleicht mehr Punkt 1?

      Gefällt 1 Person

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