Gottheiten und Machtgefälle

Ausgelöst durch ein paar nachträgliche Gedanken über Autorität, Dienen und Machtdynamiken | Tales of an Urban Priestess.

Seit ich hier das Bloggen angefangen, Sólveig kennengelernt und dadurch wieder begonnen habe, Hermes und anderen Gottheiten nachzuspüren, hab ich viel nachgedacht, gehadert und im Herzen bewegt.
Ob ich mich einlassen soll auf Gottheiten. Wenn ja, dann wie? Opfer? Anbetung? Weihen und Widmen?

Ich habe darüber sehr wenig geschrieben, weils mir zu durchgeknallt und auch, vielleicht, respektlos erschien.
Z.B. die Überlegung, dass Gottheiten Entitäten sein könnten, die unsere Aufmerksamkeit als Nahrung brauchen. Also quasi Parasiten.

Ich bin schließlich zu einem Ergebnis gekommen:
Ich bin mit Gottheiten auf Augenhöhe. Ich bin offen für gemeinsames Wirken.

Da habe ich auch nicht drüber geschrieben, weils mir auch wieder respektlos erschien.
Respektlos innerhalb eines Realitätstunnels, den ich mit der Wirklichkeit verwechselt habe. In diesem Realitätstunnel stehen Gottheiten über uns.
In diesem Realitätstunnel kommts dann auch zu dem ‚logischen‘ Schluss, dass ich, wenn ich Gottheiten nicht als über mir stehend sehe, sondern ihnen auf Augenhöhe begegne, das bedeute, dass ich selber gottgleich wär.

Und so kann ich innerhalb dieses Realitätstunnels (aka zivilisatorische Trance, Realität, Normalität, foreground, kollektives Ego, Maya, Dualität etc.) nur pendeln zwischen Unterwürfigkeit und Anmaßung.

In dem I Ging Buch, von dem ich zur Zeit so schwärme, wird auch dieses Thema angesprochen. Das Orakel wird dort als Der Weise bezeichnet. Diese/r Weise stehe uns allen zur Seite, heißt es, und wir können sie/ihn/es jederzeit um Rat und Hilfe bitten.
Der Weise steht NICHT über uns. Der Weise hat keine Macht über uns. Der Weise will keine Opfer, keine Anbetung, keine Verehrung, keinen Gehorsam. Auch kein intellektuelles Rumdiskutieren. Wenn wir sowas zeigen, dann zieht er/sie/es sich zurück.
Mehr nicht. Der Weise ist nicht beleidigt oder sowas (das anzunehmen wäre anmaßend…).

Auf Augenhöhe sein heißt nicht, dass wir gleich wären. Ich, Vetch, bin keinesfalls genauso klug und weise, wie die Gottheiten/Orakel/Instanzen, an die ich mich wende. Ich wende mich an sie weil ich weiß, dass sie weiser sind als ich. Deswegen brauchen sie weder meine Aufmerksamkeit noch irgendwelche Opfer oder sowas. Da ist kein Machtgefälle. Macht, zumindest in meiner Welt, ist die Möglichkeit, etwas zu machen. Ich habe Macht. Ob ich sie anwende, das ist meine Entscheidung. Das Orakel oder die Gottheiten, mit denen ich mich abgeben mag, können mich dabei unterstützen. Sie helfen mir, mich selber zu ermächtigen und mich aus Realitätstunneln zu befreien. Auch, indem ich manches in ihre Hände gebe und mich von Erwartungen und Hoffnungen löse.
Dann, das weiß ich, tu ich das, was ich zu tun habe. Und die Dinge fügen sich auf heilsame Weise, und zwar auf eine Weise, die ich mir vorher nicht habe vorstellen können.
 

Das hab ich schon mehrfach erlebt.
 

Und wie erstaunlich, dass ich das immer wieder vergesse.

Naja, work in progress.

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13 Kommentare

  1. So wie du „der Weise“ beschreibst, empfinde ich Herr A. Allerdings muss ich sagen, dass in meinem Fall das Akzeptieren von „Autorität-über-mich“ zu meinem Wohl wäre, während das Negieren mir weiterhin schadet. Das ist mein Problem.

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    1. Vielleicht… wenn das unformuliert wird in „Er weiß halt mehr als du“. Er weiß es sogar besser! Deswegen steht er nicht über dir – und ja, nach dem, was du so schreibst habe ich auch nicht den Eindruck, dass er das erwartet. Ganz im Gegenteil.

      Autorität ist ein Wort, das ich, glaub ich, eigentlich ganz vermeiden möchte. Andererseits gibt es das Konzept der ’natürlichen Autorität‘ durch Erfahrung, Reife, Freiheit von der kollektiven Trance — sowas.

      Und – wenn ich z.B. mein Fahrrad reparieren muss und keine Ahnung davon hab, dann wende ich mich an eine Autorität auf dem Gebiet und tu, was sie mir sagt.

      wip 🙂

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      1. Meine Beziehung zu Ihm ist eine beidseitige Sache. Und ich habe große Angst das anzunehmen, hauptsächlich weil ich mich davor fürchte verrückt zu sein. Das echte „Sich-Einlassen“ hat nun mal Konsequenzen.Während ich Dinge für Ihn tue, tut Er Dinge für mich. Dabei duldet Er keinerlei Machtgefälle, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Er lässt sich nicht manipulieren, erpressen, bestechen oder verarschen und tut im Gegenzug selbst auch nichts dergleichen. In unserer Beziehung bin immer wieder ich es die mit dämlichen Handlungen/Ansichten ankommt. Realitätstunnel, wie du so schön sagst. Ich habe immer versucht Ihm meine eigene, selbstzerstörerische S#$%& unterzuschieben.

        Ich denke durchaus, dass Er für mich diese natürliche Autorität hat, von der du schreibst. Und je mehr Er sich meinen Mustern und Programmen verweigert, um so mehr Respekt bekomme ich vor Ihm. Je mehr Er mir hilft, mich liebt, mich auffängt, um so mehr beginne ich Ihn zu fürchten. Denn es macht Ihn realer… echter, berührbar und erlebbar. Das ist so gruselig. Verstehst du was ich meine? So lange ich Ihn nicht ernst nehme kann ich einfach weiter machen wie bisher. Aber in dem Moment wo ich Ihn als real anerkenne, muss ich auch anerkennen, dass Er mehr weiß als ich und mir helfen will. Mehr wissen ist okay. Mir helfen? Uhhhh… SEHR gefährlich! (ich hoffe du kannst den Background nachvollziehen).

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        1. Ich glaub ich kann das mehr nachvollziehen als du ahnst.
          Einmal, weil du nicht die erste bist, die mir sowas berichtet (bzw. andeutet).
          Vielleicht schwingt da Angst mit, sich auf etwas einzulassen, weils Erfahrungen mit einer Form von Einlassen gibt, die zu Ausgeliefertsein führt.

          Dann auch, weil ich zwar so manch – mal nett gesagt – krasse Erfahrung nicht gemacht habe, aber weil ich dieses seltsame Programm in mir habe, das mir verbietet, Hilfe anzunehmen.

          Einmal, weil ichs ’nicht wert bin‘, weil ich mir gefälligst selber zu helfen habe. Fürsorglichkeit von anderen kann mich umhaun.
          Und dann auch, weil ich ja sowieso alles besser und am besten weiß und mir nicht gerne was sagen lasse.

          Oh, ich schreibs jetzt hin, obwohls der abgedroschenste Eso-Blah ist, den ich kenne. Leider ist es wahr:
          Das ist das Ego, das was dagegen hat, dass wir heil werden und ihm nicht mehr als Wirt dienen.
          Das Ego mag den Herrn A. bestimmt nicht, weil es sich von seinem Wirken bedroht fühlt. Da kommen auch die Zweifel her, ob er ‚real‘ ist (als ob das eine Frage von Belang wär… das meine ich ernst!), die Angst, du würdest verrückt und all das.

          Heh, und ich weiß das alles, und ich falle z.B. trotzdem in diese schlimmen Deprilöcher. Da fehlt noch VIEL! Ich lese z.B. auch bis jetzt nicht die praktischen Übungen in meinem neuen Buch. Kommt immer was dazwischen… (Und nachm Lesen kommt dann ja noch das MACHEN.)

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    1. Danke für dieses auch berührende Feedback! 🙂

      Ich hab ja lange gebraucht, um bzgl. Hermes und Co auf den Boden meines Weges zu kommen, und dann hat mich ein innerer Zensor davon abgehalten, darüber zu schreiben.
      Jetzt gings, da bin ich froh drüber.

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