Jenseits von Bekämpfen oder Mitmachen

Und weiter gehts. Wieder ein Post, der als Kommentar zu einem von Sólveigs oft so inspirierenden Artikeln angefangen hat.

Gestern hat sie das hier gepostet:
the rest is silence… | Tales of an Urban Priestess
Da schwingen Themen drin, die nicht nur mich grad beschäftigen (vgl. die Kommentare zu Sólveigs Artikel).
Es geht u.A. um Bescheidenheit, um die Gradwanderung zwischen Mit-Teilen und Selbstdarstellung, und auch darum, wie wir heilsam wirken können, ohne den Status Quo zu füttern, in dem wir leiden.

Grad eben hab ich was gelesen, das nahtlos dazu passt:

Die Entfaltung der natürlichen sozialen Ordnung beginnt mit der Transformation des Einzelnen. Nichts wird von außen auferlegt und keine Anstrengung ist erforderlich, die bestehende Ordnung zu verändern. Es geht weder darum, eine neue Ordnung über die alte zu stülpen, noch darum, sich gegen die alte Ordnung aufzulehnen und sie zu stürzen. In dem Maße, wie die natürliche Ordnung spontan aus den Bemühungen einzelner Menschen entsteht, sich vom Ego zu befreien. wird die alte Ordnung allmählich von innen heraus transformiert; dies geschieht dadurch, dass die Betreffenden harmonisch miteinander und mit ihrer Umgebung umgehen. Dann werden die wahren Bedürfnisse der Menschen befriedigt und das Ganze, einschließlich der Natur, erfährt Mehrung.

Aus: Carol K. Anthony und Hanna Moog: I Ging – Das Kosmische Orakel

Manche könnten sich von Begriffen wie „Ego“ oder „Transformation“ etc. genervt fühlen. Bitte erkennt die Bedeutung hinter den Begriffen.

Die beiden Damen verwenden oft den Begriff „kollektives Ego“. Damit meinen sie etwas, das auch Mary Daly erkannt und als „foreground“ bezeichnet hat. Ich nenne es „Realität“. Idries Shah, wieder eine ganz andere spirituelle Richtung, erzählt Geschichten vom Exil (aus der Wirklichkeit in die Realität, oder, wie’s im I Ging Buch genannt wird: aus der Kosmischen Ordnung ins kollektive Ego). Er erzählt auch eine Geschichte von den Menschen, die alle wahnsinnig werden, weil das Trinkwasser sich verändert. Nur einer hat noch einen Vorrat vom gesunden Wasser, aber da er völlig isoliert unter lauter Irren leben muss, trinkt er schließlich auch das ’normale‘ Wasser und fällt in die kollektive Trance.

Es ist also eigentlich nichts Neues in dem I Ging Buch. Nur mal wieder neu formuliert, von zwei Ladies, die auf ihrem Weg mit dem I Ging zu diesen Schlüssen gekommen sind.

Wie der Mann in Idries Shah Geschichte, der das verseuchte Wasser trinkt, so geraten wir (also, auf jeden Fall ich!) immer wieder in die Fänge des individuellen und kollektiven Egos, verlaufen uns immer wieder in Realitätstunneln.

Indikatoren dafür sind eine innere Leere und Angst, nicht nur offen. Sie lauert auch unter und hinter allen Siegen und vielen ‚Erfolgen‘ (wir müssen ja doch sterben, der Siegestaumel vergeht, die nächste Niederlage droht, der Dieb kann kommen, man muss sich vorm Mangel schützen—)
Ich habe mich die letzten zwei Tage damit beschäftigt, I Ging-Hexagramme, die ich in der vergangenen schlimmen Depressions- und Pestphase geworfen habe, noch mal mit Hilfe des neugekauften Buches durchzugehen.
Dabei bekomme ich einen neuen Pestanfall nach dem andern. Ich verstehe vieles nicht, fühle mich unter Druck gesetzt, bekomme nicht die Antworten, die ich haben will–
Ich bin inzwischen sicher, dass mir da das dazwischenfunkt, was in dem Buch Ego genannt wird (ich habs oft als „Monster“ bezeichnet). Fazit: Üben. Wenn die Pest kommt: weg davon!

Das Gefühl in der Wirklichkeit eingebettet zu sein, das habe ich schon erlebt. Ich hab auch davon geschrieben, und kurz drauf bin ich wieder in der Realität verwirrt und verstrickt und am ARSCH. (Pardon my Klatchian.)

Ich glaube auch – das sag ich ja schon lange, und die Ladies im I Ging Buch sagen das auch: Das Monster/Ego strampelt, täuscht, droht, verführt. Es ist ein Parasit, der mich nicht freiwillig lassen wird. Eher tötet das Ego seinen Wirt als sich freiwillig aufzulösen.

Und wenn ich es bekämpfe, dann füttere ich es.

Also gibt es scheinbar (im Realitätstunnel) kein Entkommen.

In Wirklichkeit genügt ein klares inneres NEIN. Es genügt, um Hilfe zu bitten (z.B. „Den Weisen“).

Das will ich jetzt üben. Vor allem das innere NEIN will ich üben. Die schwarze Phase der letzten Zeit steckt mir noch in den Knochen und ich will mich nie mehr so vergessen.
(Lenk mich nicht ab, Ego!)

Hier und Jetzt, während ich mit dem Buch und dem Orakel arbeite, hadere und leide, und dann wieder Glück und Leben verspüre, merke ich immer wieder deutlich, wo der Weg langgeht. Der Weg ist da, wo keine Reibung ist. Zum Weg gehört auch, klar innerlich NEIN zu sagen zu Geboten des Egos.
Dass ein klares NEIN immer Reibung und Schuldgefühl erzeugt, das ist auch so ein Gebot der Realität. Es ist unwahr, wie ich selber deutlich merke.

Da wo ich hadere und leide, da ist die Realität, da tobt das Ego. Da weiter langzupressen, um Lösung und Klarheit zu finden, ist schlicht bescheuert.
Was tun?
Naja, das Naheliegende, Heilsame!
Ich mache dazu Übungen, z.B. welche aus dem I Ging Buch (z.B. inneres NEIN zu Geboten des individuellen und kollektiven Ego).

Achja, und um wieder auf den Anlass dieses Beitrags zu kommen. Ich werde üben, mich nicht mehr im Außen zu zerferzeln, andere und anderes anzuprangern und an der schlimmen Weltlage zu leiden. Durch Missionieren, Meckern und Bekämpfen gebe ich nur wieder Energie in den ungesunden Film und verzettel mich.
Drum hätte ich vielleicht besser, statt das hier zu schreiben, Übungen aus dem Buch gemacht… 😛
Das I Ging hat aber gesagt, ich soll bloggen. Da bin ich aber froh! Und wenn ich das I Ging wäre, würd ich Vetch jetzt nen Tritt in den Hintern verpassen, weil sie immer noch meint, sie braucht ne Erlaubnis von Außen/Oben, um das sein zu können, was sie ist und das machen zu dürfen, was sie macht.

Ich bin aber nicht das I Ging. Das I Ging tritt niemanden. Es rollt nicht mal mit den Augen.
Ich will auch das HEXIKON nach und nach heilsamer gestalten, indem ich die Aggression gegen das kollektive Ego rausnehme. (Das W-Wort bleibt also doch nicht… :P)
work in progress

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8 Kommentare

  1. kann ich sehr, sehr mitgehen. mit was genau, weiß ich nicht mehr, aber hab viel innerlich genickt. 🙂
    innerhalb meines prozesse, habe ich so langsam das gefühl, dass ich mir nicht vornehmen muss, etwas zu üben. das erkennen, daraus lernen, das stürzen, daraus geklärter erwachen, um wieder zu stürzen, es scheint mir ein prozess zu sein, der einfach läuft, ob ich mir nun etwas vornehme oder nicht. nichts lässt sich vermeiden. kein loch, keine verstrickung, keine dunkelheit. kein ego. sie scheinen sogar gebracht, für weitere erkenntnis, klärung usw.. das bewusstsein dafür, scheint von alleine dabei zu wachsen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich wollte eigentlich nur drüber schreiben, dass Sand im Getriebe zerrieben wird, dass du mit den Werkzeugen des Meisters sein Haus nicht abreißen kannst, dass wir uns also nicht im ‚Gegen etwas‘ verlieren sollen — und dann war ich plötzlich beim Ego und so.

      Ich glaub, du schreibst da was Wichtiges:
      „innerhalb meines prozesse, habe ich so langsam das gefühl, dass ich mir nicht vornehmen muss, etwas zu üben.“
      Ich hab diesen superstarken Film am Laufen, dass ich alles ‚richtig‘ machen muss. Das ich z.B. üben muss, nach Anleitung.

      Üben ist wunderbar, spricht nichts dagegen. Außer, wenn das wieder zu nem Film wird mit ‚du musst‘ etc.
      Ich glaub, Üben ist vor allem für die Zeiten, wenns mir gut geht und ich Gefahr laufe, zu vergessen, was ich grad lerne.

      Der Kommentar wurde von einem Telefonanruf untebrochen, von ner Freundin, die auch grad so ne krasse Depri Phase hatte. Auch mit Erkenntnissen, und sie sagt auch: sie hat nicht ‚geübt‘. Die Erkenntnisse und das Umsetzen, das machen wir dann halt. Wir wollen ja heil werden. Also, leben. X)

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      1. ohja, dass kenne ich zu genüge – der „muss-film“. aktuell bemerke ich ihn leichter. scheint mich sogar auf krisen hinzuweisen. um so mehr ich fühle „ich muss“, um so ärger ist es um mich bestellt, um so näher an allgemeiner panik.
        auch dieses innere richtig-falsch-ding ist bei mir super ausgeprägt. eine ganz tiefe rille in meiner persönlichkeit. ich darf sie liebevoll annehmen. augenroll 🙂

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          1. ich brauch das mit dem liebevoll annehmen ganz unbedingt, weil ich so verteufelt viel selbstabwehr, in jeder erdenklichen form in mir trage. wenn ich da mit ’nein‘ anfangen würde, wäre da gleich wieder ein ‚ich will das nicht haben‘, ‚ich will nicht so sein‘, ‚ich bin scheiße so‘ dahinter verpackt. das ’nein, ich mache es jetzt anders‘, folgt bei mir oder geht erst bei mir, wenn ich es vorher liebevoll angenommen habe, also in meine person integriert, als zu mir gehörig anerkannt. urgs, wie mir dieses gequatsche mittlerweile selbst so auf den geist geht. noch mal augenroll

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            1. Mei, das ist das ganze Gestrampel. Ich hab den Verdacht, so wie du oben geschrieben hast, wg. üben, untendrunter verarbeiten wir solchen Input (der durch den Intellekt reinkommt, durch Bücher oder Personen etc), und wenden an, was uns hilft, während der Geist halt strampelt.

              Und dann hilft nicht immer und jeder dasselbe. Die Freundin, die ich oben erwähnt hab, die hatte mal ein Mantra am Start, das ihr sehr half: „Ich darf durchschnittlich sein.“ Gut gegen diese überzogenen Erwartungen von anderen und uns selbst.
              Und mir half dann „Ich darf überdurchschnittlich sein.“, das half mir gegen das Gefühl dazugehören zu müssen und nicht sagen zu dürfen, was ich weiß, weils manchen zu far out ist.

              In Wirklichkeit bin weder ich überdurchschnittlich, noch ist meine Freundin durchschnittlich. Wir sind alle einzigartig, und der Weg dahin, das endlich zu glauben und zu wissen, der führt halt über unterschiedliche Techniken, Straßen-

              Eya…

              „urgs, wie mir dieses gequatsche mittlerweile selbst so auf den geist geht“

              X) Ich könnt ja damit aufhören… AHHH NEEEINNNNN!

              Gefällt 2 Personen

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