Tschö, A-Amt

Morgen 10h ist es so weit: Ich unterschreibe den Vertrag für die Ausbildung zum HP Psych.

Die Ausbildung startet am 12. Januar und geht bis März 2017, die staatliche Prüfung kann ich frühestens im Herbst 2017 machen.

Über den HP Psych hab ich schon oft nachgedacht. Die Idee tauchte wieder gegen Ende meiner letzten Depriphase auf und ist jetzt zur Entscheidung herangereift.

Ich hatte letzte Woche ein kurzes (Werbe)Gespräch in der Schule, bei dem ich und die nette Lady ziemlich aneinander vorbei geredet haben… Ich wollte signalisieren, das sich sehr erpicht darauf bin, mehr vom ‚Handwerk‘ zu lernen und mich darauf freue, mal wieder bisschen in eine Materie einzusteigen und zu büffeln und so. Sie dagegen beschrieb den Unterricht als eine einzige wundervolle Selbsterfahrung, und lernen müsse man so gut wie gar nicht.

Na dann.

Ich mach mir keine Illusionen: Der HP Psych ist für sich allein wenig wert. Wenn ich als Psychologin arbeiten will, muss ich zur Uni. Wenn ich mit dem HP Psych arbeiten will, werde ich weitere spezifische Ausbildungen absolvieren müssen. Das alles ist nicht nur ne Frage des Geldes, sondern auch der Zeit. Ich werd bald 50…

Trotzdem bin ich, seit diese Idee wieder aufgetaucht ist und konkrete Formen angenommen hat, wie ausgetauscht. Ich hab das Gefühl, ich bin wieder am Leben. Ich bin aus der elenden Warteschleife raus, in der ich seit nem halben Jahr oder so vor mich hindümpel.

Gestern hatte ich meinen wahrscheinlich vorletzten Termin beim A-Amt. Die Ausbildung wird nicht gefördert (das wäre möglich, wenn danach konkrete Aussicht auf Anstellung bestünde). Ich machs trotzdem. Meine Beraterin beim A-Amt war, wie immer, echt cool. Die haben mich jetzt ziemlich lange ziemlich in Ruhe gelassen, haben mir diese Selbstständigkeitsberatung bezahlt, haben nur sehr wenig von mir verlangt. Trotzdem habe ich mich immer wieder grässlich gefühlt, unter Druck, ungenügend, erbärmlich. Das liegt in der ‚Natur‘ der Sache, am System.

Als ich gestern vom A-Amt nach Hause ging, war ich plötzlich wieder unglücklich und ängstlich. Ich hätte froh sein sollen, die Dinge sind entschieden und statt mich für grässliche Sozialausbeutungsjobs bewerben zu müssen, werde ich etwas machen, das ich machen will.

Trotzdem hab ich mich plötzlich wieder grässlich gefühlt. Voller Angst, voller Zweifel.
Wie bin ich auf diese idiotische Idee gekommen? Das kostet nur Geld, ist ne total unsichere Sache, hinterher hab ich so gut wie nix in der Hand, jetzt bin ich einfach bloß ein gutes Jahr verräumt und dann wieder in der selben Situation wie jetzt: arbeitslos, ohne ‚richtige‘ Ausbildung. Nur älter.

Ich war erstaunt, als diese Ängste sich gestern regten und mich niederdrückten. Wo kamen die plötzlich wieder her?

Oh, die kamen daher, dass ich mich durch den Termin beim A-Amt mal wieder durch die (vermeintlichen!) Augen anderer betrachtet habe. Und dass ich nach dem A-Amt Termin plötzlich wieder mit dem Maßstab der Normalität gemessen habe. Und was solche Messung ergibt, steht oben, im kursiven Absatz.

Als ich mich nämlich daran erinnert habe, was ich tatsächlich vorhabe, und warum ich den HP Psych machen will, da gings mir sofort wieder besser.
Ich hab nicht vor, das Ausbildungsjahr in der Warteschleife zu verbringen. Ich hab vor, das große, wunderbare Selbsterfahrungsevent zu nutzen und genau das zu üben: Selbsterfahrung. Und zwar zusammen mit anderen Leuten.
Ich hab da nicht besonders viel Übung, und ich habe eine ganz bestimmte Vorstellung davon, auf was für Leute ich da treffen werde: Auf verquaste Esoschwebsen beiderlei Gechlechts (allerdings 98% weiblich).
Und diese Vorstellung nährt sich aus meiner Arroganz, die die Kehrseite meines Minderwerigkeitskomplexes ist. Wenn die Normalität mich überrollt, dann finde ich mich nicht gut genug, dann kann ich nix und mach nix und verschwende meine Zeit.
Und wenn mein Messias-Wahn mich beflügelt, dann bin ich die einzige, die den Durchblick hat, die nicht mitmacht bei den kranken Ritualen unserer Zivilisation, die über allem steht–

Dabei bin ich selber genau die Art Person, die ich in dem HP Psych-Kurs vermute: Ne Esoschwebse. Na UND? Wer sagt, dass ich das nicht sein darf?
Und woher will ich wissen, wie die andern in dem Kurs drauf sind?

Also, ab in die Selbsterfahrung, und wenns nur dazu dient, mich mehr in die Wirklichkeit zu holen. Ich freu mich auf wirkliche Begegnung und Austausch mit andern Leuten. Wird mir guttun.

Während der Ausbildung habe ich außerdem reichlich Zeit, einiges von dem zu verwirklichen, was ich vorhatte, als ich mich selbstständig machen wollte.

Ich habe gestern, als es mir wieder nicht so gut ging, auch Morgan’s dazu befragt. Es kam The Virgin Sun Queen.
Die Karte finde ich bisschen rätselhaft, und doch liebe ich sie, Vor allem auch wegen des Textes dazu.

The ego sits in a morning sunlit room facing the forested mountains and meadows of the southeast. Before him lie his mirrored tools. On the left wall an intricate calendar shows the position of all astrological forces at any given moment. On the right wall stands a huge mirror inscribed with the words: „What is happening now.“

The Queen stands in front of him and her question burns him.

„Now that you are Lord of the Realm, what will you do?“

„In the South there will be charts and graphs but for the present we are building stone huts within the etheric castle. We shall uncover the plot, identify with the gods, increase the energy level, enter the kingdom, weave a pattern of gold, form matter, make love, and hope that the process leads to knowledge.

Schlicht übersetzt: Es liegt an mir, was mich mit den Werkzeugen mache, die mir gegeben sind.

Seit ich mich wieder daran erinnere, geht es mir richtig GUT! Bzw. ich renne hier armefuchtelnd durch die Wohnung und rufe

ICH BIN FREI! ICH BIN FREI!

Noch einmal A-Amt, und dann nimmermehr!

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16 Kommentare

  1. Lustig, das Thema von Deiner Seite aus zu lesen. Ich habe mich Anfang des Semesters nämlich für etwas ähnliches eingeschrieben und grüble gerade intensiv über der Frage, ob das nicht eine Schnapsidee war, die mich nur viel Geld kostet und v.a. neben der Uni auch viel Zeit. Aber dann wiederum sagt mein inneres Kaninchen, dass ich wenigstens lerne, wie man nicht zu graben beginnt – hat auch was! 🙂

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    1. Nicht zu graben beginnen – damit kann ich sehr viel anfangen; auch wenn ich gar nicht sicher bin, ob ichs so verstehe, wie dein inneres Kaninchen es meint.

      Und desweiteren sag ich nur TSCHAKKA!

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  2. März 2008 hab ich meinen HPpsych gemacht und seitdem eine Menge Aufwand (Weiterbildung, Werbung etc.) betrieben. Jetzt, November 2015 schmeiße ich den Kram hin. Ich würde es nicht wieder machen und kann es aus vielen Gründen auch nicht empfehlen. Sorry.
    Schlauer geworden bin ich in der ganzen Zeit zwar schon, nützt nur leider nix.

    Ansonsten, die berufliche/existentielle Situation, die Du beschreibst, kenne ich ganz genau. Ist einfach scheiße.

    Und Kanninchen, innere oder äußere, find ich gut. Solltet Du das trotz allem machen, wünsch ich Dir entgegen aller Erkenntnis ganz viel Glück und Erfolg damit.

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    1. Oh, wie gesagt, ich hege keinerlei Illusionen, dass ich mit dem HP Psych irnzwas Zertifiziertes in der Hand hätte, das mir in der Normalität weiterhilft. Ich hab auch erfahren, dass der grad ziemlich Mode ist, also, viele Leuts machen den, die sich dann versuchen werden, Jobs wegzunehmen, die’s eh nicht gibt.

      Meine Vermieterin hat nen richtigen HP und den HP Psych und es nützt ihr so gut wie nix.

      Ich machs für mich. Ich will ne Struktur (hehe). Ich will genug Zeit, Kreatives zu machen (da hab ich … bin ich… gebunden. Auf ne gute Art.) Ich will was lernen, und ich will auch diese ‚Selbsterfahrung‘. Das wird mir gut tun, aus meinem Elfenbeinturm rauszukommen.

      Ich muss allerdings Disziplin (hehehe) zeigen. Gar nicht mal so sehr für den HP Psych, sondern ich muss nebenher MEINS machen. Bzw. MEINS machen, und nebenher den HP Psych.

      Ein Gemeinschaftsprojekt der speziellen Art… Innere Prinzessinnen, Hohepriesterinnen, Zwerge (ich hab nen ganzen Haufen innerer Zerge, von denen ich hier noch nie erzählt habe), bestimmt auch das ein oder andere Kaninchen, etc – die müssen alle mitmachen.

      Und ich hab das Gefühl, die Ausbildung wird mich dabei unterstützen.

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  3. Wenn die Schule taugt, lernst du auf jeden Fall was. Und der Abschluss gibt dir eine rechtliche Absicherung. Du kannst ja auch offene Angebote machen. Aufstellung, Bachblüten, Meditation… Viel Glück jedenfalls.
    Du wirst da auch sicher ganz realistische Leute treffen, die sich auf die pragmatischen Seiten (und mutmaßten finanziellen) stürzen. Esoschwebse – nettes Wort. Schweben die unter der Decke und die Pragmatiker sitzen unten? Hehe, doppelte Raumkapazität. 😀

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    1. Ah, das mit dem Schweben ist noch mal eine neue Dimension. Ich hab das bis jetzt „Esoschwäbbse“ ausgesprochen. Aber ja, so ist der Raum doppelt so nutzbar.

      Pragmatische Leute wünsch ich mir.

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  4. ich bin furchtbar gespannt auf deine selbsterfahrungen und finde den ansatz, den du für dich gefunden hast ganz wunderbar. raus aus der alles-muss-für-irgendwas-in-der-zukunft-taugen-nummer. das erinnert mich auch, mich selbst darin zu stärken, wenn wieder im außen menschen/systeme mich in etwas anderes ziehen wollen.

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    1. Oh, das ist eine Herausforderung!

      Andernorts (auf einem Messageboard) hab ich die Tage Struktur und Disziplin gelobt. Ausgerechnet ich; ja genau!
      Beides werde ich pflegen bzw. ausüben müssen, in eigener Sache, damit ich mich nicht verzettel und ablenken lasse. Genau davor hat mich (so weit ichs verstehe….) auch das I Ging gestern gewarnt.

      Ich bin auch sehr gespannt 😀

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  5. Erstmal, herzlichen Glückwunsch, dass du das A-Amt los bist! Ich freue mich sehr für dich! Was fiebere ich auf den Tag hin … Zweitens: Du bist fast 50? 50? Ich hab dich jetzt vom Schreibstil, Ausdrucksweise, Themen irgendwo zwischen 30-40 verordnet.

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    1. Ich fühl mich ja eher wie 13… Im Januar werd ich 48.
      Und ich weiß immer noch nicht genau, was ich mal werden will, wenn ich groß bin. <- Und den Spruch bring ich jetzt auch schon seit ca. 15 Jahren.

      Ich werd bestimmt ne arg verschrobene Alte werden. Ich habe fest vor, jeden Tag brav meine Goldene Milch zu trinken, damit ich fit im Kopf bleibe und die jungen Leute nicht nerve.

      Danke für die Glückwünsche, und dass die Dinge sich für dich heilsam fügen!

      Was ich jetzt mache ist oberfllächlich bloß ein ‚Jahr Schule und dann…?‘ –
      Ich will dafür sorgen, das ich nach dem Jahr meine Berufsausübung zum Erwerb meiner Mittel gefunden habe.

      Wow, da hab ich mir jetzt eins abgebrochen wg. positiver Formulierung…

      Schmuss jetzt ins Bett; mein Gefährte steht jeden Morgen um 6h auf und geht so um 12h schlafen, ich könnt das nicht. Erinnert mich an deinen neuesten Blogbeitrag, dazu mag ich auch noch was schreiben – morgen.

      Und das Buch nehm ich gerne, glaub ich. Weiteres auch morgen. Ab ins Bett! Und alles Gute für dich, heilsame Träume!

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