Narzissmus – erster Teil

Das Thema wieder. Brainstorm.

Der erste Narzisst, unter dem ich bewusst gelitten habe, ist mir online begegnet. Ist viel Jahre her. Da habe ich zum ersten Mal begriffen, wie ausgeprägter Narzissmus wirkt, wie niederträchtig, gierig, zerstörerisch und völlig wahnsinnig diese Störung einen Menschen macht.

Ein Narzisst ist wie der Geisterfahrer auf der A8, der im Autoradio hört „Auf der A8 kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen“ und brüllt „Einer? HUNDERTE!“

Manche haben sich konsequent hochgebissen und werden so Abteilungsleiter, Chef, Steve Jobs oder Präsident von Amerika.
Dazu gibt es noch die unzähligen ‚kleinen‘ Narzissten, die sich zu ihrem Leidwesen mit durchschnittlichen Lebensumständen rumschlagen müssen. Sie trollen in Foren, mobben in Betrieben und Büros, stiften Umfrieden in ihren Nachbarschaften, saugen in Lerngruppen, quälen in Familien…
Ihr Name ist Legion.

Ein Narzisst definiert sich die Welt im Sekundenbruchteil neu und weiß, dass er Recht hat. IMMER.

Mit ihm zu diskutieren, zu versuchen, logische Argumente auszutauschen, ist völlig sinnlos. Es dient nur dazu, ihm Aufmerksamkeit zu verschaffen, und die braucht er.

Und er bekommt niemals genug. Weil er ein schwarzes Loch an Bedürftigkeit ist. Unersättlich. Du kannst strampeln und geben und dich aufopfern, es wird niemals genug sein, und das ist DEINE Schuld, du erbärmlicher Wurm!

Aufmerksamkeit durch Bewunderung und Anbetung sind dem Narzissten sehr wichtig, doch sie genügen niemals. Seine Hauptenergiequelle ist Reibung. Von ihm verursachtes Leiden anderer Menschen.
Er provoziert und verletzt und belästigt. Er findet instinktsicher deine wunden Punkte. Er quält, und das auf so manipulative, bösartige, niederträchtige Weise, dass wir es oft nicht erkennen. Und wenn wir beginnen, zu erkennen, können wir es erst gar nicht glauben. Weil wir nicht glauben wollen, dass ein Mensch so grauenhaft sein kann.

Um das Ausmaß des Entsetzens zu verstehen, hilt mir persönlich ein Bild:
Ein Narzisst ist kein Mensch, sondern ein Dämon, der einen Menschen in Besitz genommen hat. Dazu müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Niemand wird so geboren. Unsere Gesellschaft erzeugt den Narzissmus. Die Narzissten, die ich erlebt habe und erlebe, tragen großen Schmerz und grässliche Ängste in sich. Der Mensch in den Klauen des Dämons hat mein Verständnis, mein Mitgefühl. Das verletzte Kind ist nicht ’schuld‘. Nur ist an diesen Menschen kein Herankommen, denn der Dämon gaukelt ihm vor, er sei sein Verbündeter. Und der Dämon hat Hunger, und der Dämon will überleben. Wir – Dämon und gefangener Mensch – gegen die anderen.

Das verstehe ich.
Das heißt nicht, das ich Verständnis für den Dämon aufbringe. Ich habe mit ihm kein Mitleid, ich empfinde kein Mitgefühl.
Ich will ihn verhungern lassen. Ich will, dass er im brennenden Sonnenlicht zu Staub zerfällt. Ich will ihm einen Holzpflock durchs Herz treiben.

Denn Narzissten – männliche wie weibliche – sind Vampire.

So. Das ist noch lange nicht das, worüber ich zur Zeit nachdenke und worüber ich schreiben möchte. Das ist hier ist nur… eine Begriffsdefinition. Worum es mir geht ist der Umgang mit dem Narzissmus – in meinem eigenen Innern wie im Außen.

Dazu später, ich brauch jetzt erst mal ne Pause…

Love’n’Peace!

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13 Kommentare

    1. Ich bemerke grad mal wieder und immer deutlicher, wie sehr unsere Gesellschaft davon durchzogen ist. Und ich hab keinen Anlass, mich selbst da rauszunehmen, ich hab auch welchen in mir.
      Jetzt mach ich erst mal in der Küche sauber und reg mich wieder ab. Das Thema lässt mich heißlaufen. Teilweise ist das genau die heiße Sonnenlichtenergie, die es braucht, um den Vampir zu Staub zerfallen zu lassen.
      Und teilweise ist es narzisstische Kränkung und Empörung über ‚die Anderen‘ – die bösen Narzissten. Narzissmus IST böse; bloß, wenn ich mich darüber aufrege, dann geb ich dem Dämon Futter.

      Eya. Das kommt dann in Teil zwei. Wenn ich wieder heiter und gelassen bin X)

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        1. Das mag wohl sein…

          Es ist ein einigermaßen klar definierter Fachbegriff aus der Psychologie, und ich muss selbst vorsichtig sein, dass ich ihn auch richtig verwende. Und grad merke ich wieder, dass ich überhaupt keine Lust habe, mich in psychologischer Terminologie zu verlieren, die zu erklären und dann ‚korrekt‘ anzuwenden.
          Also, ’narzisstische Kränkung‘ wird gestrichen, hast schon recht. Viel zu abgedroschen und darum vage, weil alle meinen, sie wüssten, was gemeint ist. Da erkläre ich lieber in meinen eigenen Worten, was ich meine.

          In Teil II 🙂

          Gefällt 1 Person

  1. Ich habe erst vor einigen Tagen mal wieder Bekanntschaft mit sowas gemacht, im Internet. Trotz Logik und drüber reden fällt es mir schwer, es einfach hinter mir zu lassen. Es kommt zum Glück nur selten vor, dass sich ein „Troll“ zu mir verirrt, aber es kommt vor. Was mir am meisten zugesetzt hat, waren diese Gutmenschen, die meinten, diese Typen hätten doch auch das Recht, ihre Meinung zu äußern und ihre Kommentare zu löschen oder sie zu blockieren wäre „Zensur“…ich hab mich dann darauf besonnen, dass Leute, die auf MEINEN Plattformen posten, dies als „Gäste“ tun. Und Gäste benehmen sich – oder bekommen Hausverbot. Eigentlich ganz einfach. Zumindest online. Im wahren Leben nicht so einfach, vor allem, wenn die Sorte hohe Positionen besetzt. Sich von diesem „Sadismus“ zu erholen, braucht manchmal Jahre.

    Gefällt 3 Personen

    1. Oh ja.

      Das hab ich auch erlebt, dieses „oh, der arme Mensch, lass das doch einfach an dir abperlen, da musst du drüber stehen, du darfst nicht zensieren…“ blahblubb.

      Was ich alles darf! Ich darf NEIN sagen, ich darf meine Grenzen schützen, ich darf unlogischen Schwachsinn als genau das löschen – es ist nämlich nicht jeder Wortschwall eine gültige Meinung, die ein Recht auf Raum hat. Manches ist einfach uninformierter, unlogischer, provokanter, schädlicher MIST und darf/muss auch als solcher entsorgt werden. Sobald ich merke, dass es nicht um die inhaltliche Diskussion geht, sondern darum, Reibung zu erzeugen, wird erbarmungslos gelöscht.
      Ist auf meinen Blogs nicht nötig, da bin ich froh. (Und so soll das bleiben! 🙂 Hab ja auch nicht sooo viele LeserInnen.)

      Und im richtigen Leben, da wo wir kein Hausrecht haben, und dem Narzissmus mehr oder weniger (leider viel zu oft mehr) ausgeliefert sind – tja, das treibt mich zur Zeit um. Was ist da zu tun?

      Wir finden was, das ist ein Thema unserer Zeit. 🙂

      Gefällt 2 Personen

      1. Es geht denen wirklich um die Aufmerksamkeit, da keulen die sich einen drauf! Sorry…Nee echt wahr.
        Grenzen ziehen ist wichtig, unbezahlbar. Vor allem für Leute, die Freude am Austausch mit anderen Menschen haben. Wenn unsereins aufhört, diese Freude zu empfinden und zu teilen, nur weil irgendwelche Mistviecher es mögen, andere nieder zu machen, dann wäre es eine Katastrophe, sie gewinnen zu lassen.

        Gefällt 4 Personen

  2. Das kommt mir alles sehr bekannt vor.

    Auch die Suchtstrukturen im Narzisstischen Verhalten oder die Tendenz zum Mitgefühl (Co-Abhängigkeit) wenn der Narzisst seinen Stoff nicht bekommt, wenn er WIRKLICH leidet.

    Am schrecklichsten finde ich, dass man sich eine Art narzisstisches Sockpuppet zulegen muss um zu überleben und einigermaßen erfolgreich zu sein. Damit sollte man sich dann keinesfalls identifizieren, aber in manchen Bereichen kommt man nicht umhin es als Werkzeug zu benutzen. Ansonsten verarmt man nur als rührseliger Idealist.

    Gefällt 1 Person

    1. Also, das mit dem nötigen Sockpuppet, das seh ich nicht so. Das sollen wir glauben. Damit werden wir in Angst gehalten und füttern den Wahnsinn weiter.
      Heh, das führt sehr viel weiter, weg vom Narzissmus in die Richtung Ich erschaffe meine Wirklichkeit selbst. Auch ohne narzisstisches Sockpuppet wirst du immer alles haben, was du brauchst. Bzw. erst dann wirklich.
      Diese Haltung sieht auf den ersten Blick nach so Schmonzes wie „The Secret“ und „Bestellungen beim Universum“ aus.
      Aber so ist das ganz und gar nicht. Was wir brauchen, ist oft gar nicht so angenehm und wundervoll wie das, was ich mir beim Universum zu bestellen versuche…

      Eya, blah. Ich fühle eine neue Artikelserie in mir aufsteigen. 😛 grins

      Gefällt 2 Personen

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