Tag: 27. Mai 2017

27. Mai ~ Dankesammlung

Und aus dem Chaos kam eine Stimme, die sagte
„Lächle, es hätte schlimmer kommen können.“
Und ich lächelte.
Und es kam schlimmer.

 

Heute nach dem Aufstehen fehlte unsere Katze Nelly. Sie ist weg. Wir sind ratlos. Sie ist nicht mehr in der Wohnung. Gestern abend war sie noch da. Das einzige, was uns einfällt: Sie könnte durchs gekippte Badezimmerfenster getürmt sein.

Ich hab viele verschiedene Erklärungsmuster, warum das jetzt grad passiert.
Astrologisch: Die Große Irrationalität ist grade wieder akut. Es geschehen Dinge, die keinen Sinn ergeben. Ich brauch keinen suchen.
Matrix-Kram: Uns geht es hier zu gut, wir schwingen zu hoch. So gehen wir Empire flöten, also schickt es uns Widrigkeiten, um uns fertig zu machen und wieder in der Mutlosigkeit zu fesseln.
Seelenschule: Wir sollen uns von Anhaftungen lösen.
Realistisch: Blinder Zufall. Pech. Katze hat sich halt davongemacht.
New Age I: Wir haben was falsch gemacht – vielleicht waren wir zu hochmütig -, und das ist jetzt die Strafe. Wenn wir erleuchteter wären, wäre die Katze noch da.
New Age II: Licht und Liebe durchfluten uns und der Katze geht es wunderbar, sie findet ein neues, besseres Zuhause, es soll so sein, alles ist gut.
etc.pp.

Egal, unter welchem Blickwinkel ich an die Sache rangehe, ich komme immer an der selben Stelle raus: Es ist wie es ist, und ich folge meinem Herzen und tu das Naheliegende. Heute ist Putztag, und wir putzen. Und wir sind sehr traurig, Tränen fließen immer wieder. Und ich koche gleich was Gutes, der Gefährte ist eben zur Muckibude aufgebrochen. Wir sorgen für uns. Es ist schön hier, und ich finde auch heute wieder viele Dinge, für die ich dankbar bin, ja wirklich. Das Licht; die Vögel draußen; die Molly-Katze, die so hingebungsvoll in der Sonne schläft; dass der Gefährte und ich gut zueinander sind; die schöne Bettwäsche (hab das Bett frisch überzogen) ~
Eben in der Küche hab ich Linsen gewaschen und mich erinnert, wie ich früher selten Linsen oder Naturreis gegessen habe, weil mir das Waschen so lästig war. Heute denke ich nicht mehr darüber nach, ich tu’s einfach. Und dann macht es mir Freude, weil ich mich dann mit unzähligen andern Menschen – die Mehrzahl davon Frauen – auf der Welt verbunden fühle, die jetzt und seit hunderten, wahrscheinlich tausenden von Jahren Reis und Linsen gewaschen haben, waschen, waschen werden.
Danke.

Wir üben Disziplin: Wir müssen nicht trauern. Wir dürfen weinen und traurig sein, wann immer es will. Und wir dürfen putzen, kochen, Essen, trainieren gehen, ins Internet schreiben…
Wir üben, uns keine grässliche Dinge auszumalen. Wir üben da strenge Disziplin. Nur gute Gedanken. Traurig sein ist eines, in Elend schwelgen und sich Szenarien ausdenken etwas ganz anderes. Ich will, dass es ihr gut geht, wenn ich jammere hilft das niemandem. Wenn wir energetisch verbunden sind – wovon ich ausgehe – ist Nelly nicht geholfen, wenn ich mir grässliche Sorgen mache und Schreckliches ausmale. Es soll ihr gutgehen.

Und ja, wir machen, was uns einfällt, um Nelly wiederzufinden. Aushänge, Anrufe im Tierheim und bei hiesigen TierärztInnen.

Und jetzt koche ich was.

 

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