Verkörpern von Freude…

Ich hab eben angefangen, einen Kommentar zu einem Artikel von C.A.A. zu schreiben, der so ausgeufert ist, dass ich daraus lieber einen eigenen Blogbeitrag mache.

was habe ich vom Leben und der Welt realistisch zu erwarten? Immer wenn ich mich öffne merke ich, dass die Welt ein schrecklicher Ort ist, voller Gewalt und Dunkelheit. Ich fühle mich hier so falsch, mit meinen überfließenden Gefühlen, mit meiner verf*** Empathie und meiner Gutmütigkeit. Die Welt ist so krass laut und wirr. Ich wollte immer anderen helfen. Soweit ich zurück denken kann, habe ich versucht, oft sogar unbewusst, anderen zu helfen. Ich habe so viel von mir selbst dabei verloren. Der Preis, den ich dafür zahlen musste, war hoch. Und die schlimmste Einsicht dabei: Ich kann niemanden retten. Ich muss aushalten, dass andere vor meinen Augen mit Fullspeed an die Wand fahren, sterben, sich Schlimmes antun und erleben. Ich kann es nicht verhindern, ohne selbst dabei Schaden zu nehmen.

hier

Ich empfinde sehr ähnlich.

Also, die erste Erkenntnis: Ich helfe andern vor allem dadurch, dass es mir gut geht. Ich weiß das von andern Leuten, denen es gut geht: Sie sind eine Energiequelle für alle, die mit ihnen in Berührung kommen.
Wie werde ich so eine Person?

Und ich wünsche mir ja auch eine Gemeinschaft – fellowship – von Menschen mit Niveau und Herzensbildung (altmodische, doch zutreffende Wörter), gemeinsame Visionen, gemeinsames Verwirklichen, Austausch, Kunst, Craft, Kultur… y’know. =) Und ja, im Netz gibts das, doch es ist eben nicht VOR ORT, und vor Ort ist nun mal das Hier&Jetzt, wo’s stattfindet. Das Leben.

Wie werde ich also eine Energiequelle auch für andere?

Ich übe zur Zeit das Verkörpern, was ’nur‘ bedeutet, wahrzunehmen, was in mir stattfindet und DA zu sein, nicht abzuschweifen in Fluchtphanatasien.
Mir ist neulich im Bus aufgefallen, dass ich nicht DA sein wollte, weil ich, wie ich erstaunt bemerkte, Angst von den Leuten um mich herum hatte und mich quasi aus der Situation und aus meinem Körper rausgenommen habe mit Tagträumen. Ne ganz ’normale‘, alltägliche Sache, die mir nie zuvor aufgefallen war.
Wo überall ich Angst habe, und was ich mir für Strategien der Flucht angewöhnt habe. Eine milde Form, eine Vorstufe, denk ich, von Dissoziation. Eine Form, die die meisten von uns oft anwenden.

Ich glaube, wenn viele von uns das nicht täten, würden wir vieles nicht lange aushalten – die grässlichen, hässlichen Städte, in denen viele von uns ‚leben‘, grauenhafte Arbeitsbedingungen – z.B. oft den ganzen Tag lang in Kunstlicht, ohne einmal den Himmel und wirkliches Tageslicht gesehen zu haben – wenn wir uns nicht mental aus unseren Körpern nehmen könnten, würden wir wahrscheinlich sehr schnell eingehen oder zu aggressiven AxtmörderInnen.

Nur, ich möchte DA sein, also möchte ich in einer Welt leben, wo das DAsein Freude macht. Und wenn ichs versuche – s.o., das Zitat.

Was also tun? Ich übe das Verköpern, und ich übe Freude – dabei helfen mir zur Zeit Alana Greene und Mirsakarim Norbekovs Eselsweisheit. (Das Buch ist klasse; mehr weiß ich von dem Hern nicht. Ich denke, ich mag ihn.) Beide erklären sehr überzeugend und inspirierend etwas, das nicht wirklich neu und doch von mir (und vielen vielen andern) leider sehr vernachlässigt wurde:
Um Freude zu erleben, um Freude ins Leben zu ziehen, müssen wir Freude spüren. Jaja, erst die Freude spüren, und dann kommt, was dazu passt. Nicht umgekehrt. Wenn ich z.B. sage: Erst mal brauch ich hier vor Ort tolle Leute und ne funktionierende Gemeinschaft, und dann bin ich froh – jo, dann werd ich halt für den Rest meines Lebens unfroh vor mich hindümpeln. Damit hab ich bereits viel zu viele Jahre verschwendet, also übe ich jetzt mal was anderes. Ich übe, die Freude über diese funktionierende Gemeinschaft hier vor Ort Hier und Jetzt zu spüren, zu glühen und zu strahlen, und dann guck ich mal, was passiert. So weit ich’s jetzt bereits hinbekomme, mach ich gute Erfahrungen damit. Kleine feine Ansätze.

Was ich allerdings die Tage auch feststellen musste: Ich bin richtig entsetzt, wie negativ, wie traurig bzw. depressiv meine Grundgestimmtheit ist. Im Frohsein bin ich ungeübt. Grauenhaft, grässlich ungeübt. Diese Erkenntnis hat mich dann noch mal extra deprimiert. In guten Momenten, die es auch gibt, kann ich darüber herzlich lachen. 😛

Und gestern ist mir noch was aufgefallen:
Über mein geradezu verbittertes Bemühen, Freude zu spüren (auch einen Lacher wert) habe ich das Verkörpern vernachlässigt: Wahrzunehmen, was in mir hier und jetzt IST. Wenn in mir nun mal Melancholie und leichte Angst und der ganze blöde alte Mist unfröhliche Urständ feiern, dann hilft es überhaupt nicht, zu versuchen, da krampfhaft Freude drüber zu klatschen. Ich kann lächeln wie ne Blöde, ich kann beschließen, innerlich zu strahlen – froh werd auf diese Weise nicht.

Also hab ich meinen Schwerpunkt wieder aufs Verkörpern verlagert. Ich stelle fest: Wenn ich wahrnehme – WAHR NEHME – als Wahrheit anerkenne und zulasse und wirklich spüre, was in mir drin los ist, den ganzen Mist, die latente Angst, die Traurigkeit, den Ärger, wenn ich das zulasse und reinspüre, dann löst es sich auf. Und DANN kommt die Freude.

Dass wir unsere Emotionen wahrnehmen müssen, um sie zu zu transformieren und aufzulösen, das ist auch überhaupt keine neue Erkenntnis. Ich bin sicher, dass ich selbst hier im Blog schon oft genau das gepredigt habe. Was mich erschreckt: Wie schwer es mir fällt, und wie schnell ich wieder vergesse.

Wobei das kein Wunder ist, denn die meisten von uns haben nun mal was anderes gelernt, damit wir gut funktionieren in dieser so grauenhaften Normalität, die uns als „die Welt“ verkauft wurde. Ich annuliere dieses Geschäft!
Und ich höre auf, mit mir zu hadern. Ich bemühe mich, ich tu was ich kann, und ich kann mir auf die Schulter klopfen, weil ich tapfer jeden Tag aufs Neue weiterübe, trotz Rückschlägen. Der Herr Norbekov hat geschrieben, wir sollen üben, uns selber zu loben für das, was wir jeden Tag schaffen. Das mache ich jetzt; ich habs meiner täglichen Dankesammlung hinzugefügt, die ich nach wie vor (fast) jeden Tag weiterführe.

Jo… das wollte raus. Zum Verkörpern und zum Freude spüren wollte ich schon lange was geschrieben haben, nur hab ich dazu noch die schlichte Erkenntnis von gestern gebraucht: Erst spüren was IST, das anerkennen, wahrhaben, LASSEN, dann kann es sich auflösen, und dann kann Freude aufkommen. Und dass ich Geduld mit mir habe, auch wenn ich miesepetrig bin. Ich hab halt mit dem zu üben, was IST.

 

 

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9 Kommentare

  1. Super Antwort und Beitrag!
    Seit letztem Jahr mache ich das ja auch mehr, das Wahrnehmen in mir selbst aber auch in der Welt um mich herum. Heute Mittag auf dem Heimweg habe ich mir wieder eingestanden, dass ich „Angst“ spüre, die ich aber normalerweise dissoziiere und dann nur noch die somatischen Auswirkungen spüre. Nervosität… Herzrasen, Schreckhaftigkeit. Als ich zu mir zugestanden habe Angst zu haben, hat sie sich wieder aufgelöst. Sehr seltsam war das. Witzig, dass du das Thema nun auch ansprichst.

    Mein Wahrnehmungsübungen haben dazu geführt, dass ich gesehen habe, dass ich -eigentlich- viele Geschenke und Gaben und Visionen habe. Ich bin sehr dankbar dafür. Aber ich reagiere eben auch weiterhin stark mit Flucht auf die Welt, so wie du es beschreibst. Und diese Schutzreaktion ist schwer abzulegen. Ich merke richtig, wie ich in bestimmten Phasen stärker in Tagträumen hänge.

    Es hat mich erstaunt, wie wenig es braucht um echte Heilung anzustoßen. Die hatte rein gar nichts mit großem, esoterischen und spirituellem Geschwurbel zu tun, nichts tiefgründiges war das, sondern einfach und schlicht. Vielleicht suchen oder erwarten wir auf diesem Weg das Falsche.

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, wie interessant, dass wir diese Dinge scheinbar unabhängig voneinander erleben!
      Es ist was in der Luft. Ich denke, es ist wirklich das Morphogenetische Feld. In der letzten Zeit war wieder schwer schwer was los in der Welt mit Erkenntnis und Heilung. Wie schlicht es ist, und dass es funktioniert.
      Jo, und dann wieder Rückschläge, Angst, Depris –
      und da habe ich meinen Verstand — das gibt demnächst auch noch einen Beitrag, über die heilsamen Kräfte des Intellekts. Der wirkt nur dann unheilsam, wenn er alleine die Führung übernimmt.
      Als Bote der Göttin rettet er mich in solchen Momenten, wie es meinem Heros auch wohl ansteht, indem er mich daran erinnert, dass es auch anders geht, dass ich schon froh war, auch wenn ich mich emotional nicht daran erinnern kann. Der fühlende Teil von mir ist immer nur im Hier und Jetzt, und wenns mir mies geht, fühlt es sich so an, als wärs immer so gewesen und würde immer so sein. Der Verstand erinnert mich – rein intellektuell – daran, dass ich viel kann und dass ich auch sehr strahlen kann. Und dann entscheide ich mich, ihm zu vertrauen. Das ändert erst mal nicht viel; es ändert nur, dass die Verzweiflung schwindet und ich mich ganz aufs Hier & Jetzt einlassen kann, und das führt dann, wie oben beschrieben, zum Wandel.
      Oft kommen in der Phase auch Hilfen ‚von außen‘, Orakel, Bücher, Blogbeitrage, Zufälle – achwas, ‚oft‘. Die kommen immer, wenn ich dafür offen bin. Und die Freude darüber verstärkt sich dann genauso, wie sich das Miese selbstverstärkt, wenn ich mich gehen lasse und ans Miese glaube.

      „Es hat mich erstaunt, wie wenig es braucht um echte Heilung anzustoßen. Die hatte rein gar nichts mit großem, esoterischen und spirituellem Geschwurbel zu tun, nichts tiefgründiges war das, sondern einfach und schlicht.“
      So einfach, so schlicht! Und genug zu tun damit.
      „Vielleicht suchen oder erwarten wir auf diesem Weg das Falsche.“ Eine glitzernde Ablenkung… Es ist alles wirklich sehr schlicht, und dabei so wunderbar, wenns geschieht. ❤

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      1. Ja. Der Verstand kann Feind sein. Du nennst ihn Heros, ich nenne ihn Animus. Und seit der symbolischen „Verwandlung“… tut er auch bei mir genau die Dinge, die du beschreibst. Er sagt mir, was ich alles kann und warum ich es kann und dass ich in Sicherheit bin und vertrauen darf (ihm, mir selbst, anderen Menschen). Früher habe ich mehr versucht mit dieser mächtigen, geistiger Gewalt meine Gefühle zu zähmen und „unten“ zu halten. Jetzt kann ich das nicht mehr, ich bin irgendwie dünnhäutig geworden. Aber nicht im Negativen Sinn. Es hilft mir auch dabei mehr wahrzunehmen. Ich glaube daran, dass ich alle Werkzeuge dazu habe, damit richtig umzugehen, auch wenn ich vor erschreckende Herausforderungen gestellt werde. Denn das habe ich auch in der Vergangenheit schon geschafft. (Leitsatz: ich kann das!)
        Ich weiß nicht ob und was ich glauben möchte. Du sprichst von einem kollektiven Prozess. Ich weiß nicht, ob dieser Prozess nicht immer schon da war, nur nicht so vernetzt wie wir ihn jetzt gerade erleben. Vielleicht macht ihn nur die Vernetzung sichtbar gegenwärtig.

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        1. Ja zu allem!
          Ich find „Heros“ einfach sexier als „Animus“ =)

          Was das Letzte angeht, der kollektive Prozess – ich nehme das so wahr. Obs daran liegt, dass ich mich dahin entwickelt habe, etwas wahrzunehmen, das immer schon da war, oder/und die Technik – Internet z.B., oder obs tatsächlich mehr geworden ist – wer weiß. Ich glaube, es ist wirklich ein kollektiver Prozess, der im Gange ist, z.B auch, weil ichs in unmittelbarer Umgebung hammerkrass erlebe. Wie dem auch sei, ich bin froh, dass ich die Welt in Bewegung Richtung Heilung erlebe. =)

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  2. ich hab das total gerne gelesen. auch eure kommentare. mich holt das auch gut ab. erst vor anderthalbwochen hat mich ein ereignis wieder zurück in meinen spirituellen teil geworfen. da hab ich erst gemerkt, dass ich wieder weit weg von war und versucht habe normalität/funktionalität zu leben. jetzt bin ich wieder offen fürs fühlen und wahrnehmen und das fühlt sich viel richtiger an.

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    1. Da du das schreibst, wird mir klar, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen Auf der Suche sein nach der spirituellen Erfahrung — meist ja mit Vorstellungen, wie das zu sein hat — im Gegensatz zum ’schlichten‘ im Hier&Jetzt Sein und Bei Sich Sein, in dessen Folge spirituelle und/oder magische Dinge, Erfahrungen sich einstellen, weil sie nun Mal Bestandteil des Lebens, des Daseins, des Hier&Jetzt sind.

      Heh, das habe ich schon gewusst, ich habs schon (eher erfolglos) versucht, anderen zu erklären… nur mein Verstand hatte es noch nicht so klar. X)

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      1. Jep. Die spirituelle Erfahrung ist schon da. Stimmt. Dazu reicht hier sein.
        Ich hab seit dem Stupser von Außen wieder täglich meditiert. Seit ca. 9 Tagen. Und wow… wo war ich die ganze Zeit? Von Tag zu Tag komme ich meinem Körper wieder näher. Es fühlt sich so richtig an. Und der Anziehung widerstehen, den wahrgenommenen Energien zu folgen. Zurück zum Körper und zum Boden. Das übe ich, dass brauche ich. Hach ja. 🙂 ❤

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