Schluss mit Wurst

Ein schönes, altes Projekt von mir.

Worums geht –
Um Selbst-Bewusstsein, für sich einstehen, eben nicht mehr die Wurst sein.

Ich hab grad einen Text von Oktober 2009 gefunden, in dem ich mich mal wieder mit dem Projekt beschäftige.

Damals war ich Zeugin eines Gespräches zwischen Gilla und Katja gewesen.
Gilla hatte mich und Katja zu sich eingeladen. Wir hatten alle drei mal zusammen bei einer Wohngemeinschaft für Suchtkranke Frauen gearbeitet. Ich als 1-€-Hiwikraft-Sozialhelferin und Wurst, Katja als Sozial- und Kunstpädgogin, Gilla als Sozialpädagogin.
Katja arbeitete immer noch dort, ich war inzwischen von der Arge abgezogen worden (Maßnahme ausgelaufen) und Gilla hatte gekündigt. Diese Einladung war ein Danke- und Abschiedsessen von ihr an uns.

Im Laufe des Abends bat Katja Gilla um Feedbäck speziell zu ihrer Zusammenarbeit und sich selbst. So ne typische Soz-Päd Sache X)

Was dann kam war schrecklich, und da ich selbst nur Beobachterin war, konnte ich vieles sehr klar sehen.

Gilla fing an, Katja Feedbäck zu geben, über ihre Arbeit und ihr Wirken, so wie Katja es gewünscht hatte. Aber sehr schnell kippte es um, und Gilla begann, über sich selber zu sprechen. Sie erklärte ausführlich und detailliert ihre Handlungen, ihre Beweggründe, ihre Psyche. Sie versuchte, sich vor Katja zu rechtfertigen. Sie wollte Verständnis und Trost. Die arme, schwer strampelnde Gilla. Die strenge Katja.

Das ganze Gelaber war unendlich langweilig und dazu noch anstrengend.

Es war mehr, es war schlimmer.
Es war respektlos und gedankenlos Katja gegenüber. Es war Energievampirismus in Reinform.
Und das Schlimmste war:
Ich habe mich in der sich rechtfertigenden Gilla wiedererkannt.

Was mir als erstes auffiel:
Gilla befand sich nicht auf Augenhöhe mit Katja.
Durch ihren Rechtfertigungstrip stellte sie sich unter Katja und forderte Absolution.
Katja ist aber nicht Gillas Mutter oder Chefin, sondern war ihre Kollegin. Es ist nicht Katjas Aufgabe, Gilla zu trösten.

Sich selber kleiner zu machen und nicht auf Augenhöhe zu diskutieren ist ein bekanntes Muster für mich.

Gestern habe ich erlebt, wie grauenvoll das für mein Gegenüber sein muss.
Die Rechtfertigung beinhaltet viel langes ödes ausführliches Gelaber
(Ich bin so, weil… – und ich konnte nicht, weil…, – und ich habe… weil…)
was dem Gegenüber Zeit und Kraft nimmt.

Außerdem fordert es vom gegenüber eine Reaktion, und zwar, bitte, bitte, eine Tröstende –
„Ah ja mein Kleines, ich verstehe, du kannst nichts dafür. Ego te absolvo.“

Ätzend. Damit versuche ich, Verantwortung abzugeben. Ich muss mein Verhalten aber selber (er)tragen, und wenn ich ständig das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen, dann sollte ich meine Energie vielleicht dafür verwenden mein Verhalten zu verändern, statt es andern zu erklären.

Oder, wenn ich mein Verhalten in Ordnung finde, dann brauch ich es auch nicht rechtfertigen, sondern dann kann ich dazu stehen. Dann sprechen meine Handlungen für mich, und wenn das jemandem nicht passt, dann muss ich lernen, das auszuhalten und nicht ins Wanken zu kommen.

Schluss mit Wurst!

s.a. Selbst-Vertrauen

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