Burn Out

Jammer

Hier ein Haufen Jammern. Wahrscheinlich lieber nicht lesen; ich musses halt schreiben. Isso. Hab das Gefühl, das hilft.

Ich geh jetzt nämlich wieder ins Bett. Es ist der Erste Mai, das Wetter ist tristtrüb, und ich bin krank.
Ich war auch in München zum Schluss krank, erst im Februar anderthalb Wochen, die ich fast nur im Bett verbracht habe. Dann ganz zum Schluss hats mich noch mal erwischt, noch schlimmer, und ich hab meine allerletzte Woche auf meiner alten Arbeit, die ich MOCHTE, mit super Team, die Woche hab ich im Bett verbracht.
Bei meiner Abschiedsparty, die’s Team ganz ohne mein Mitwirken für mich auf die Beine gestellt hat, wäre ich auch am liebsten im Bett geblieben. Es ging mir auch auf der Party echt mies. Und in Mannheim war ich dann noch ne weitere Woche im Bett.
Und das war echt elend, und ich war so froh, als es mir endlich wieder gut ging.

Ich hab dann überlegt, was wohl der tiefere Grund für diese zwei grässlichen Erkältungen war. Ich hab den Verdacht, das war für mich die einzige Möglichkeit, nicht mehr zur Arbeit zu gehen. Ich glaub, es war genug, ich glaub, ich konnte nicht mehr. Wir hatten ja fast alle Burn-Out Symptome im Team.

Und jetzt bin ich wieder erkältet (nicht ganz so mies, wie in München, immerhin, aber mies genug). Just zu dem Zeitpunkt, da es ernst wird mit’m AAmt, da ich mich bewerben muss und mich auch bewerbe. Ich hab auch Stellenangebote bekommen, die ich theoretisch gut finde. Und trotzdem will ich das alles nicht machen, ich will mich nicht mehr im Sozialbereich nach Regeln, die ich nicht vertrete, aufreiben und verheizen lassen. Mit KlientInnen, die mich nicht um meine Hilfe gebeten haben. Da kommt nichts bei rum.

Und ich weiß immer noch nicht, was ich stattdessen machen will. Ich habe vage Wünsche, ich habe zu wenig Mut, zu wenig Selbst-Vetrauen, fühle mich zu sehr unter Druck von Außen, und weil mir nix Besseres einfällt, werd ich wieder krank.

Das muss anders gehn!

Ich leg mich jetzt wieder ins Bett. Das ist generell grad ne krasse Phase in unseren sowieso interessanten Zeiten. Ich hab gut jammern, ich hab mehrere Freundinnen, die haben ganz andere Sorgen grad. Oder ich kann nach Nepal und Boston gucken und meinem Schicksal danken, dass ich da bin, wo ich bin.

Das Naheliegende tun, das ist jetzt erst Mal wieder gesund werden. Und rausfinden, was ich zu tun habe.

HEKATE

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Frühüling!

Von einer Veranstaltung bei uns im Kontaktladen sind nämlich Tulpen übrig geblieben, und die in Verbindung mit Abendsonne aufm Heimweg, oh wow:

 

Und aufm Verschenktisch fand ich:

 
und

 

Und unsere aktuelle Burn Out Prophylaxe:

Das Flipchart-Blatt ist aus meiner laufenden KISS-Gruppe.
Ich habs ins Büro gehängt, weil wirs brauchen können!

 

Eselsweisheit

Ich hab mir gestern dieses Buch gekauft. Ich schleich da schon seit einiger Zeit drumrum und war vordem zu geizig, dem Hype zu folgen. Nu setzt bei mir die Altersweitsichtigkeit ein, ich hab jetzt so ne Billigbrille, und wenn ich sie aufsetze (immer öfter) krieg ich nen Frustanfall, weil mir einfällt, dass ich vor nicht allzulanger Zeit ohne Brille noch so klar und deutlich sehen konnte

Naja, hab ich mir also das Buch gekauft, gestern, weil ich mir zum ersten Urlaubstag was schenken wollte. Ich war in der letzten Zeit sehr ausgelaugt und erschöpft und hab viel gehadert mit mir.

Am 19. hatten wir Weihnachtsfeier im Kontaktladen, heute ist mein erster Tag Urlaub, ich muss aber Mo noch mal kurz rein, weil ich noch ein Formblatt ausfüllen muss zum Jahresende (Verbesserungsmanagement, eine QM Vorgabe).
Gleich muss ich in die Kung fu Schule zu einer Filmvorführung. Morgen hab ich ein nicht angenehmes familiäres Telefongespräch zu führen. Gestern auf dem Heimweg aus der Stadt hab ich noch einen Klienten im Bus getroffen. Einen, der mich anzüglich angrinst und mich „goldig“ findet.

Ich kann mir ja wünschen, dass ich jetzt mal meine Ruhe hab und frei bin von Angesaugt werden und Terminen und unangenehmen Pflichten.
Und dann nach den Ferien ist alles gut, oder was?
Ich glaub, es ist heilsamer und nützlicher, wenn ich alles annehme und mich nicht drin verhedder.

Ich übe…

Donnerstag hatten wir Weihnachtsfeier im Kontakladen, es war voll und wg. mancher sehr breiter Leute auch sehr laut, was wieder andere BesucherInnen bisschen irritiert hat. Trotzdem gute Stimmung, nie Aggression.
Zuhause war ich total am Arsch und hätte fast geheult.

Mir fallen grad ständig Sachen ein, da ich nicht zufrieden mit mir bin. Die Guten Sachen, die’s auch gibt, fallen mir nicht ein. Ich glaub, ich hab ne leichte Depression. Ich bin froh, wenn der Mo rum ist und ich mal knappe 3 Wochen nix mit der Arbeit zu tun hab.

Ich erlebe zum ersten Mal dass ich wg. KlientInnen zuhause noch rumhadere. Ich finde bei mir selber viele Unklarheiten im Verhalten. Und ich fühle mich emotional ausgelaugt und angesaugt.
Ich denke, da besteht ein Zusammenhang.

 
Ich zerferzel mich auch zu sehr. Ich hoffe, dass das im neuen Jahr besser wird, wenn der Winter-Weihnachts-Kram auf Arbeit vorbei ist, und wenn ich nur jedes zweite WE nach Mannheim fahre.

 
Ich hab mir dieses Augenübebuch – Eselsweisheit – gekauft, um mir was Gutes zu tun.

Ziemlich am Anfang von dem Buch ist ein Zitat, das mir sofort geholfen hat, mich besser von der Bedürftigkeit anderer abzugrenzen.
Ich bin ja selber grad bedürftig; lauter Bedürftige, Ausgelaugte auf einem Haufen…

… der Autor hatte einen Heiler und dann Lehrer, nen alten Mann (erzählt er), und der Autor war chronisch Nierenkrank und ist zu dem hin, und der Alte schickt ihn weg mit den Worten:

„Geh mit Gott, mein Sohn. Ich behandle keine Leichen. Du bist gekommen, um deine Wampe an meinen alten Hals zu hängen, damit ich auf der Suche nach Wegen zu deiner Heilung was zu leiden habe. Nein – so nicht! Wenn du wieder zu leben begonnen hast, dann komm!“

 
Jo, so sitze ich gestern Abend auf dem Sofa, müde, erschöpft, alle Lampen an, meine Brille auf der Nase, und lese das Kapitel, wo er das Kloster der Feueranbeter besucht.
So gegen Mitte der Geschichte beginne ich zu lächeln (die, die Geschichte kennen, wissen warum :)).
Im letzten Drittel der Geschichte beginne ich zu kichern. Das Weiterlesen wird unterbrochen von immer heftigeren Kicheranfällen.
Tränen steigen hoch (fühlt sich gut an, in meinen leicht brennenden, trockenen Augen), das Kichern lässt meinen ganzen Leib vibrieren.
Ich hab grad die Geschichte zuende, da düdelt das Telefon. Schnuuusel! Ich geh hin, nehm meine Brille ab, und da seh ich, dass innen die Gläser mit kleinen Lachtränentröpfchen bespritzt sind.

Ich bin froh, dass ich das Buch gekauft habe. Mir gehts besser seitdem. Und wenns mir einfällt (immer öfter), lächle ich.

 
Und das Filmgucken in der Kung fu Schule hab ich grad abgesagt.