Cairns

Ich muss irgendetwas EHRENHAFTES tun!

Das ruft Auda ibu Tayi – der Wüstensheik in „Lawrance von Arabien“. Dabei wirft er angewidert eine kaputte Standuhr in den Sand, die er bei einem der Überfälle auf die türkische Wüstenbahnlinie erbeutet hat.

Er ist es leid, das ewige Überfallen, Morden und nutzlosen Blödsinn Erbeuten.

Da kann ich richtig mitfühlen… Als ich vor vielen Jahren den Film zu ersten Mal sah, hat der Satz mir gleich gut gefallen. Er ist zu einem Motto für mich geworden.

Seit dem neulichen Sommerzoff mit meinem Gefährten denk ich darüber nach, was ich tun kann, damit ich nächstes Jahr um die gleiche Zeit nicht wieder so sehr aus meinem Zentrum geraten bin. Was ich tun kann, um in der Mitte meines Weges zu wandern, in Schönheit, „aufrichtig schreitend“. Metaphern gibts einige, die mir gefallen, und Ideen hab ich viele, und tolle Einsichten und reichlich Texte in diesem Blog dazu.
Und was MACHE ich?

Jetzt, da ich das schreibe, bin ich erschöpft und müde – so gehts mir seit viel zu vielen Tagen. Ich habe Kreuzschmerzen, ein Ziehen in den Beinen und Schmerzen im rechten Handgelenk. Ich schlafe zu wenig, ich geh zu spät ins Bett, liege zu lange noch wach und gucke Film, stehe zu spät und dann mühsam und zerschunden auf. Ich esse nicht gut, zu viel, zu wenig Frisches, zu viel Zucker.
Ich mache zu wenig Schönes, ich webe nicht genug Magie. Ich gehe zu wenig raus.
Ich muss aufladen. Energie kommt beim TUN.

Gestern bin ich mit dem Gefährten zum Garten gegangen (die Kralle ist wirklich super, hätte ich gar nicht gedacht) und auf dem Rückweg hat er mir was erzählt, und das hat mich genervt. Und ich habs gemerkt – das ist GUT.

Nun kommt es oft vor, dass ich mit jemandem unterwegs bin und wir die ganze Zeit reden und unsere Aufmerksamkeit ist nicht da, wo wir sind. Ach, das kann ich auch ganz alleine. Durch die Gegend rennen und innerlich irgendwo sein, nur nicht dort, wo meine Füße mich grad langtragen.

Das ist oft völlig in Ordnung; gestern hatte ich ein anderes Bedürfnis. Während mein Gefährte mir was über Ernährung erzählte, sah ich Samenflusen über den Boden treiben, Gräser und Blümchen in Ritzen wuchern, ich spürte den Wind, sah die Wolken am Himmel und roch die Schokolade in der Luft. Und ich fühlte mich angestrengt vom Reden und abgehalten von dem, was mich in dem Moment rief.
Das sind die Momente, da ich ganz oft gar nicht merkte, dass etwas für mich nicht gut lief. Da ich meine Bedürfnisse nur diffus und verschwiemelt wahrnahm und sie meinem Gegenüber zuliebe ausblendete und ihnen nicht nachging.
(Ich schreibe bewusst in der Vergangenheitsform, um auf allen Ebenen neue Fakten zu schaffen.)
Nur hat mein Gegenüber, in dem Fall der Gefährte, das gar nicht von mir verlangt. Er weiß nichts davon, und er würde überrascht sein, wenns ihm um die Ohren flöge — spätestens nächstes Jahr im August, wenn sich genug angesammel hätte und ich ganz ausgelaugt wäre, weil ich für ihn so viele Opfer gebracht hätte.

Schluss mit diesem Mist! Ich habe mir vorgenommen, Disziplin zu üben, und was ich mir vornehme, das muss ich tun. Denn damit trainiere ich mein Selbstvertrauen — das Vertrauen, das ich tu, was ich mir verspreche.
Disziplin in diesem Fall heißt: Darauf achten, was meine Innere Stimme sagt, wie sich etwas anfühlt. Wenn sich etwas zehrend anfühlt, muss ich mich schützen und etwas verändern.
Dadurch trainiere ich meine Wahrnehmung, und meine Innere Stimme wird mit der Zeit viel deutlicher und klarer. Und ihr kann ich ganz vertrauen. Muss ich. Dafür muss ich sie hören. Und AUF sie hören, so wird sie immer deutlicher und klarer.

Mein Lieblings-I Ging-Buch nennt diese Stimme den „gesunden Menschenverstand“, und ich hab dazu schon viel geschrieben. Tscha, schreiben ist nicht üben…

Gestern habe ich geübt. Es ausgeübt.

Ich blieb stehen, obwohl der Gefährte dringend nach Hause wollte, und sprach also: „Schnusel, ich hab noch Bock bisschen rumzustreunern. Ich geh jetzt ins Café und gönn mir den Schokolade Eisbecher, den ich mir vor ner Woche versprochen hab.“

Und siehe, der Gefährte wars zufrieden. Wir gaben uns nen Kuss und er straxte heim, und ich stromerte los Richtung Adria (Pizzaria und Eiscafé), die wundervolle Mittelstraße längs. Dort war viel Volk unterwegs, und die Dämmerung schlich sich ganz langsam ran, und ich machte blödsinnige Fotos, z.B. von der Fassadenbeleuchtung des einen Wettbüros
ohne, dass deswegen jemand auf mich warten musste, was die Fotografiererei enorm entspannt!

In den Kneipen wurde Fußball geguckt

und ich freute mich an von der Abendsonne vergoldeten Fenstern des Brutalismus.

Dann MJAM!

Falls irgendeine auch so ne rosa Dose hat und sich fragt, warum die auf dem Tisch liegt: Es sind keine Binden mehr drin, sondern Kamerazubehör. Ersatzakku, der kleine Blitz, Speicherkarten, Tuch für die Linse.
Was das Eis angeht: Mei, aus ner Plastikschachtel gepuhlt, Dosensahne drüber, Sauce aus der Plastikflasche drüber – das nächste Mal geh ich in eine unserer Konditoreien, die hatten bloß um die Zeit schon zu. Und ich ess jetzt erst mal sowieso keinen Zucker mehr.
Gestern wars KÖSTLICH und genau das Richtige, wenn die ganze Stadt mal wieder nach Schokopudding duftet.

Und auf dem Heimweg hab ich noch zwei Cairnchen aufgestellt.
Auf dem Poller lag noch ein Schlüssel, das finde ich sehr passend. Für Hekate.

Und das kleine Schnusel steht nun vor unserem Haus:

Der Heimweg nach dem Eis war wunderbar. Es wurde dunkel, Krähen flogen über den Himmel, unter dramatischen Wolken, ich sah ihnen lange nach. Ich hörte Geräusche, roch Gerüche, spürte, sah ~

ich hatte vergessen, wie sich das anfühlt, wenn der Wind geht und mitten durch mich durch fährt.

Und so weiß ich jetzt ganz gut, wie es sich anfühlt, wenn ich Disziplin übe.

Ich hab das Gefühl, es ist wichtig, dass ich dazu ein Journal führe, regelmäßig blogge oder so, damit ich dranbleibe. Ich hab eigentlich alles, was mir jetzt wieder mal bewusst geworden ist, vorher auch gewusst, und doch ist es mir wieder abhanden gekommen.

Machen statt Wissen.

Auch meine Ernährung muss ich wieder ändern, so schön das gestern auch war mit dem Eis. ich bin einfach körperlich zu fertig. Und ich muss früher ins Bett. Jetzt ist es schon wieder nach 23h, dabei wollte ich spätestens um 11 im Bett liegen. Leider werd ich jetzt erst langsam munter. Dafür bin ich dann den ganzen Tag über am-

Eya. Genug geplaudert. MACHEN statt labern. Gute Nacht!

Wilde Altäre

Dieser Beitrag ist inspiriert von zwei Beiträgen veledalantias: Wilde Altäre | Meeresrauschen… und Wilde Altäre (persönliche Beispiele) | Meeresrauschen… Ich hab mir auch einfach den Titel geklaut. X)

Ich finde das eine ganz wunderbare Sache. Ich hab auch ab und zu mal einen Wilden Altar gebaut, leider nicht annähernd so oft, wie ich mir das vorgenommen hatte. So alle paar Jahre mal…
Besonders winzig war der von letztem Jahr, dem ich einen eigenen Artikel gewidmet hatte ― Cairnchen | HeckenWicke ― der Artikel war mehr Gedöns als das Cairnchen… Und dann sollte das der Auftakt für viele viele weitere Cairns werden. Das kam anders…

Das hat auch damit zu tun, dass ich hier in der Stadt so gut wie keine Steine finde. Und Häufchen aus Zigarettenkippen zu bauen, wär zwar einfach, ist aber irnzwie… nicht ganz das…

Ich habe heute beim Weg zum Einkaufen rumgeguckt, weil ich für diesen Artikel jetzt gleich ein Foto mit nem Altärchen vorweisen wollte. Es fand sich nichts zum Altarbaun. Und naja, ich muss mich, hab ich gemerkt als ich unterwegs war, sehr klar daran erinnern, dass mir die Blicke der Leute nichts ausmachen.
Das vergess ich sonst. 😛
Morgen, wenns nicht in Strömen regnet, geh ich an den Neckar und suche mir Steinchen, die ich dann immer auf Tasche haben will.

Jetzt hab ich immerhin ein paar Fotos von Altärchen, die ich damals in München gebaut habe.

 

Dieses eher scheußliche Blitzlichtfoto zeigt einen Altar, den ich zu HelOwEen 2011 in München am Shakespeareplatz gemacht hatte.

 

Der hier ist an der Richard-Strauß-Straße, das war 2009. Nur ein kleines, moppiges Cairnchen unter einem Baum. Hab ich zu nem Vollmond ausgesetzt, und es stand viele Tage lang dort.

Eines Tages kam ich da vorbei und sah schon von weitem ein dunkles Stück Plastik daneben liegen, was mich ärgerte. Ich hin, um den Plastikmüll wegzunehmen, und was seh ich:
Es war ein Lebkuchenstern, den jemand dort dazugelegt hatte.

DAS hat mich gefreut – freut mich immer noch!

 

Das hier ist der kleine Change-Cairn, den ich 2011 vor unserer Wohnung gepflanzt hatte, auch an der Richard-Strauß-Straße:

 

Und den hab ich irgendwann im Herbst 2009 innem Tierheim gemacht, wohin ich jemanden zu einem Vorstellungstermin begleitet hatte. Ich saß draußen auf ner Bank und langweilte mich und dann fand ich die Beeren und die Steine.

Jo. Mehr Fotos hab ich nicht, und viel mehr Altäre hab ich auch nicht gebaut.

Bis jetzt!

 

Hexe in der Stadt – nächster Versuch <|8)

„Hexe in der Stadt“ heißt ein Artikelchen, das ich vor ungefähr 20 Jahren geschrieben habe.
Das Thema hat mich lange beschäftigt: wie in und mit der Stadt wirken?

Das Wichtigste ist ein sozial- und umweltverträglicher Lebenswandel.
Das übe ich seit Jahren und werde langsam besser. Üben, üben, einüben, ausüben, sein.

Das ist Craft. Was ist mit der Magie?

Ich habe in den Jahren diversen magischen Kleinkram ausprobiert, geknüpft an Seifenblasen, Seedballs, Aufkleber, dezente frische Düftöle und Fächer (sehr schön in heißen, vollgestopften U-Bahnen und Bussen), Cairnchen und sowas.
Dazu könnte ich einiges schreiben, auch viele Fäden weiterspinnen, nur-
Ich habe den Eindruck, dass ich mit diesem Glitzerkram nicht weiterkomme, weil mir der SINN dahinter abhanden gekommen ist.
Eine zeitlang haben mich (und andere) Cairnchen, Aufkleber und Blumen aus Seedballs mit Freude erfüllt. Das war in München, da gibts m.E. viel zu wenig davon.
Hier in Mannheim gibts wunderbar viel davon, ganz ohne mein Zutun. (Naja, außer Cairnchen.)

Was also jetzt? Was ist mit der Stadtmagie?

Vielleicht wärs angebracht, zu erfahren, was MA möchte. Also, Mannheim.
Und, vielleicht in meinem Fall noch wichtiger: was möchte ICH mit StadtMagie bewirken?

Schlicht gesagt: Ich möchte, dass Städte ein Ort der Kultur sind, schön, heilsam und belebt. Ich möchte im Paradies auf Erden leben. Ich sehe, dass das möglich ist, also möchte ich dazu beitragen. Und da ich nun mal eine StadtVetch bin, ist die Stadt mein Lebens- und damit Wirkungsbereich.

Jo, das sind meine bescheidenen Vorstellungen.

Was MA mag, das habe ich zu erfahren. Z.B. dem Fahrrad.

Ideen, die mir dazu kamen:

– Einen Ort finden, außerhalb dieser Wohnung, an dem ich mich gerne aufhalte
Ich liebe MA; ich fahr hier gerne rum, streife durch die Straßen und Gassen – bloß: ich streife nur, ich verweile noch nirgends wirklich.
Außer in dieser Wohnung. Ich war schon immer ne grässliche Stubenhockerin.
Also:

– Mehr raus.
Jeden Tag ca. ne Stunde StadtTour. Jeden. Tag.
Das erst mal ne Woche lang. Mit Gelübde, davon hier kurz zu berichten. Das hilft mir beim Durchführen.
Das soll dazu führen:

– Mich mit der Stadt verbinden
Ich wurde und werde immer wieder angeregt, Kontakt zu den Wesenheiten aufzunehmen, die sich in unseren Städten tummeln.
Da antwortete ich immer mit: Kann ich nicht, bin ich nicht begabt für.
Jetzt werde ich etwaigen Wesenheiten bewusst mehr Aufmerksamkeit schenken.
Ob ich dazu begabt bin oder nicht, das werd ich wissen, wenn ichs ausprobiert habe.

Also basics.

Achja, und vielleicht maln kleinen Cairn statt Cairnchen.

Das genügt fürs Erste.
Work in Progress

edit:
Unbedingt angucken, was Sólveig dazu an Input hat: HIER
(gleicher Titel, neuer Text)
Hier ist sie, die gefürchtete Ping-Bäck-Schleife! Oder so fast. Geht jetzt das Interweb kaputt?

Cairnchen


Ausgelöst durch einen Artikel bei Solveig hab ich mich an den Traum mit den 3 Steinen erinnert, hier erwähnt. Und an mein Vorhaben, an bestimmten Orten diese kleinen Cairns aus drei Steinen hinzustellen.

Also hab ich das gleich auf dem Weg zum Einkaufen gemacht. Zu diesem Zweck hab ich drei flache Steine mitgenommen, die ich in München gesammelt hatte. Manche Leute heben einfach alles auf… Ich war jetzt froh, die zur Hand zu haben. Und vor allem war ich beeindruckt, dass ich wusste, in welcher Kiste und darin in welcher Dose die sind. (Hier steht immer noch das meiste von meim Zeugs in Kisten rum.) Das war alles Sein Wille grins

Es war bisschen Volk unterwegs. Andererseits, hier ist immer Volk unterwegs, kümmert sich um die eigenen Angelegenheiten und lässt einander hauptsächlich in Ruhe.
Außerdem hab ich gemerkt, dass die Kamera auch Sicherheit gibt, wenn ich von dem Trip ‚Wie peinlich, ich fotographiere Mülleimer“ runterkomme und einsteige in den Trip „Ich bin KÜNSTLERIN. Ich fotografier sowas, damit werd ich reich und berühmt.“ Hehe.
Hat funktioniert. Das Ergebnis ist ein Winzhäufelchen von Cairnchen, das nur bei konzentriertem Hinsehen zu finden ist.
Und jetzt wirds gepflegt.

Eigentlich wird sowas ja mit den Steinen gemacht, die vor Ort sind. Das ist vielleicht manchmal nicht möglich.
Gucken, was der Ort so bietet. Kronkorken gehen. Vielleicht finde ich Schöneres.

Warum?
– Ganz schlicht: Weil mich sowas, wenn ich es finde, sehr erfreut, und ich wünsche mir, dass es andern auch so geht. Obs nun Leute, freundliche Wesen oder Gottheiten sind.
– Dann: um zu Üben. Das ist Teil meines Projekts Schluss mit Wurst. Schluss mit Wurst Ich übe, mutiger zu werden, indem ich harmlose (bzw. schöne), aber unübliche Dinge in der Öffentlichkeit tu.

Und dann darf ich die auch bisschen größer machen…

Hermes



Go and rest your limbs here for a little under the juniper, O wayfarers, by Hermes, Guardian of the Way, not in crowds, but those of you whose knees are tired with heavy toil and thirst after traversing a long road; for there a breeze and a shady seat and the fountain under the rock will lull your toil-wearied limbs; and having so escaped the midday breath of the autumnal dogstar, as is right, honour Hermes of the Ways.

 

 


Ein Hinweisschild zu einer Apotheke in San Diego. In Amerika wird der Kerykeion (Caduceus) – der Hermesstab – oft verwechselt, mit dem Asklepiosstab ⚕. Der hat nur eine Schlange und gehört zu Asklepios, griechischer Gott der Heilkunde. Ich habe gelesen (wenn ich doch bloß noch wüsste, wo) dass der Kerykeion ☤ von Hermes das Symbol eines amerikanischen Verlages war (da passt er ja auch gut hin), der viele Bücher über Medizin rausgebracht hat. So wurde in Usa der dem Asklepios-Stab ähnliche Hermesstab mit Pharmazie verknüpft.

Seltsam, ich hatte einiges zu ihm geschrieben, im Circle, das war ein  Message-Board, das ich mal betrieben hab. Ich finde Backups von dem Board, und just dieser Faden ist nicht dabei. Seltsam.

Ich wollte das sowieso nicht hier reposten (ist auch auf Englisch), ich wollte da nur nachgucken, wie das eigentlich angefangen hat mit Hermes. Kann mich nämlich nicht mehr so genau erinnern. Ich war in München, das ist sicher.
Auf der Suche nach dem Backup habe ich jetzt die dritte alte Festplatte hergeschleppt und darüber festgestellt, dass ich die ausmisten kann. Ich sag mir: das ist ihm alles wohlgefällig. Message Boards, Internet, Computer, Daten, das mag er. 🙂

Hab jetzt auch das Backup gefunden und nun weiß ich wieder, dass es 2009 im September anfing, ausgelöst durch einen Beitrag einer andern Circle-Mitfrau zu Merkur retrograd. Darin kam naheliegender Weise Hermes/Merkur vor. Und plötzlich fühlte ich mich von Hermes sehr, sehr angesprochen.
Früher konnte ich ihn nicht gut leiden, ich vermute, weil er Apollon ausgetrickst hat – hat ihm ne Herde Rinder geklaut. Und ich war doch in Apollon verliebt.
Ich glaube, er war mir auch zu unbekümmert, zu selbstsicher und frech, zu clever.
Das lag daran, dass ich als junges Mädchen sehr unglücklich war, sehr ängstlich. Fand mich hässlich, war Außenseiterin, Loserin.
Unbekümmert, frech und selbstsicher, clever, das waren die andern. Mein Schmerz, das waren die andern. Also reagierte ich, wie ein unsicherer junger Mensch ohne viel Mut und ohne Erfahrung oft reagiert: Hermes war mir zu doof.

Hier ist ein Bild von der Hermes-Statue im Nymphenburger Park. Diese süßliche Darstellung ist mir, muss ich ehrlich sagen, auch heute noch zu doof… Trotzdem freue ich mich natürlich immer, wenn ich ihm begegne.
Und der Hahn ist klasse!

2009, über die Merkur retrograd Diskussion, wurde mir endlich klar, wie sehr mir Hermes Attribute und seine Wirkungsbereiche gefallen und auch entsprechen. Kommunikation. Information. Umherstreifen. Grenzgänger sein. Verbinden, vernetzen, Handel treiben.
Er ist auch der Gott der Diebe, und Erdbeeren sind ihm heilig. Da war ich doch ganz begeistert, als ich mich erinnerte, dass das allererste, was ich je geklaut habe, eine Erdbeere gewesen ist. X)

 
September 2009 hatte ich auch einen kurzen, schlichten Traum, in dem mir nahegebracht wurde, drei Steine übereinander zu legen. Was ich dann angefangen habe, an Orten in meiner Umgebung zu tun. Gar nicht viele, auch ne Praxis, die ich noch immer vernachlässige.
Ich erzählte am Circle-Board von dem Traum und postete Bilder von meinen kleinen Steintürmchen. Ich erfuhr, dass es sich dabei um mini Cairns handelt. Darüber fand ich raus, dass mit Steinhaufen früher Kreuzwege gekennzeichnet wurden. Orte, die nicht nur Hermes, sondern auch Hekate heilig sind. Orte, wo wandernde Hirten sich trafen, später Handelsreisende, Boten…

Mich selbst spricht am meisten der ältere Hermes an, der bärtige, der Traumbesucher, Grenzgänger. Städtestreuner, Wegekreuzer. Psychopompos.

Ich fand im Netz eine Epigramm, Author unknown, wohl aus dem alten Griechenland, das mich sehr berührt:

 

HERMES OF THE WAYS