Fügung

Tscha…

ex-Vermieters haben heute krass gelogen und wollen vor Gericht. Ich erzähle nicht, was war und ist, weil ich dem nicht mehr Energie geben will als nötig. Das ist eine Lektion: ruhig und gelassen und bei der Wahrheit bleiben. Mit der Wahrheit kann ich wirken, damit bin ich im Reinen. Und wenn das Gelüge durchkommt, dann würd mich das schlimmstenfalls Geld kosten, mehr nicht. Nicht meine Ehre, nicht meine Würde.

Und wenn ich mich hier so umgucke – wenn ex-Vermieters nicht so gewesen wären, wie sie waren, dann wären wir jetzt nicht hier, in dieser wundervollen Wohnung. Die Umgebung ist auch viel besser, finde ich. Mehr Licht, mehr Raum, mehr Grün. Gestern ist ein wilder Papagei über unsere kleine Dachterasse geflogen. Und auch das Einkaufen ist besser hier.

Es war anstrengend und teilweise schrecklich und qualvoll, und doch ging alles so schnell. Wir wollten im Dezember wg. eines Tropfen ins volle Fass von einem Tag auf den andern von den Leuten weg. Wir haben sofort am nächsten Tag die ersten Wohnungen besichtigt. Zwei Wochen lang fast täglich Wohnungen besichtigt. Es war ziemlich viel Mist dabei, und auch ganz Nettes. Nichts wirklich Gutes, bis auf eine klasse Wohnung in den Quadraten in MA und dieser hier in LU. Die in den Quadraten hatten wir schon fast zugesagt, und da war sie weg wg. plötzlichen Eigenbedarfs des Vermieters. Und dann haben wir diese hier in LU per Mailkontakt gemietet. Haben die alte Behausung gekündigt und unsere Wohnung zum zweiten Mal betreten. Und dann haben wir gedacht, wir hätten einen schrecklichen Fehler gemacht… (In diesem Artikel habe ich das ein bisschen beschrieben und mich dabei sehr zusamengerissen. In Wirklichkeit waren wir richtig entsetzt und in Angst. Wir hatten so viel Angst in dieser Zeit, vorher auch schon. Tscha, wichtige Übungen.)

Und dann kamen drei harte Monate ausmisten, packen, Schleppen, auspacken, einräumen, Möbel aussuchen, herfahren, hochschleppen und aufbauen, einräumen – und seit ein-zwei Wochen sind wir hier wirklich angekommen, gucken uns um und können gar nicht fassen, wie schön es hier ist. Es ist hier alles, alles! so viel besser, gepflegter, schöner, lebendiger, lichter, wärmer, wundervoller! Ich bin so froh, so dankbar, dass wir umgezogen sind. Das haben wir tatsächlich unseren ex-Vermieters zu verdanken. Wenn die nett und korrekt wären, ehrlich und auf Augenhöhe, dann wär uns nicht eingefallen, umzuziehen. Sind sie aber nicht, und drum wollen die jetzt noch Ärger – und ich muss mich nicht ärgern, nur weil die uns ärgern und melken wollen. Und weil die sind wie sie sind, sind wir da WEG und jetzt hier.

DANKE!  

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Über den inneren Zensor und die Augen der Anderen

Grad lerne ich was über meinen inneren Zensor, und wie ich ihn bekämpfe.

Ich bin absoluter Geschmacks-Nazi und Geschmacks-Snob. Meine Eltern haben mich diesbezüglich stark geprägt. Schlicht, klar, klassisch, elegant. Das Wort „kitschig“ kannte und verstand ich schon als kleines Kind.
Es hat lange gedauert, bis ich gewagt habe, zuzugeben, dass ich z.B. auf bunte Lichterketten stehe.

Und jetzt guck ich mir das zweite, ‚bessere‘ Sonnenschiffbild an und wundere mich.
Es ist weder klar noch schlicht noch elegant… es ist vollgestopft und bunt. Ein leicht punkiges Kinderschiff.
Und ich stelle fest, dass das eine Trotzreaktion auf meinen inneren Zensor ist.

Das ist mir aufgefallen, weil es hier eine ungeplante und sehr willkommen Abstimmung unter den geneigten Leserinnen gab, die eindeutig ergeben hat, dass das erste Bild vom Sonnenschiff angemessen und passend und schön ist.

Tscha, und ich habs nach dem Posten durch die vermeintlichen Augen meiner Eltern gesehen.
Ich habe in Wirklichkeit keine Ahnung, wie meine Eltern das Bild finden.
Ich habe aber leider die verhängnisvolle Neigung, das was ich produziere, durch ‚die Augen anderer‘ zu betrachten und zu bewerten. Und dann zu zensieren.

Mich hat an dem ersten Bild im Nachhinein gestört, dass es so gold-sepia eingefärbt ist.
Dabei gefällt mir das, es passt auch zum Spätsommer/Frühherbst, bloß ist das irnzwie so abgenudelt und unecht, deswegen mochte ichs dann doch nicht.
Außerdem haben mich die Notenlinien gestört. Das sieht auch so gestellt und gewollt aus.

Tatsache ist allerdings, dass nichts gestellt war, sondern sich alles so ergeben hat. Den Farbfilter hatte ich aus Versehen drin, die Notenlinienen waren halt auf dem Blatt Papier, das ich in der Schnelle zum Falten gegriffen hatte.
Also ist das Bild genauso geworden, wie es sich gefügt hat.

Und nach meiner eigenen Überzeugung ist das, was sich fügt, das was sein soll.
Da sollte ich mehr drauf hören, auf meine eigenen Überzeugungen…

Das andere Bild mag ich auch, wirklich, weils halt so bunt ist, mit vielen kleinen Sachen und reich an Alligatoren (im Hintergrund ist noch ein roter, der allerdings nicht zu erkennen ist… Ich weiß halt, dass er da ist.)

Aber wenn ich ehrlich bin: Ja, es ist vollgestopft, im wahrsten Sinne überfrachtet, und das andere Bild lässt Raum für die eigene Fracht.
Das erste Bild ist auch viel besser fotografiert, Winkel und so.

Und was lernt mich das?

Dass ich meiner Intuition mehr vertraue.
Dass ich erkenne, wann mein innerer Geschmacks-Nazi versucht, zu zensieren, was sich doch nun mal gefügt hat.
Dass ich aufhöre, mich und meins durch ‚die Augen anderer‘ zu betrachten. Vor allem, weil ich damit sehr oft völlig falsch liege. Es ist tatsächlich ne Anmaßung, zu meinen, ich wüsste, was andere sehen und denken.
Guck ich doch einfach nur durch meine eigenen Augen, wenn ich das mach, ist das ein Riesenfortschritt!

Also, danke für das ganze Feedback!

 

 

The worst of two worlds 😀