Gerald Hüther

Neues von der HP-Psych-Ausbildung

Inhaltlich profitiere ich ganz enorm von den hervorragenden DozentInnen (wirklich!) und den praktischen Übungen. Praxis kommt aber leider in der Ausbildung zu kurz. Denn wir sollen ja auch fit für die staatliche Prüfung gemacht werden, und das bedeutet: ICD-10, und das nimmt einen großen Teil des Unterrrichts ein.
Unser Bereich – Psychologie/Psychiatrie – wird im ICD-10 in den Kapiteln abgedeckt, die mit F anfangen.
Ich hab wirklich keine Lust, zu erklären, was das ist, drum hier nur der Link zur Wikipedia. Schon der erste Blick auf die Seite vermittelt einen adäquaten Eindruck.

Diese Klassifizierung dient dazu, Krankheitsbilder in Schubladen reinzutun zu ordnen und dann die Behandlung bei der Krankenkasse abrechnen zu können. Also ohne bestandene staatliche Prüfung keine Kassenzulassung.

Naja, das ist nicht alles. Es ist auch hilfreich beim Befunden, und ein ordentlicher, zutreffender Befund MUSS am Beginn jeder Therapie stattfinden. Dabei kann die Struktur des ICD-10 helfen. Ich glaub allerdings, ohne ICD-10 ist genauso ein sauberer Befund möglich.

Egal, ich will mich hier nicht über den Sinn eines Klassifizierungssystems von Krankheiten auslassen. Weil – das ist alles nicht mehr mein Problem!

Zuerst, als ich mit der Ausbildung anfing, hab ich noch gedacht, dass ich die staatliche Prüfung machen werde. Dann brach der ICD-10 Wahnsinn über mich herein, und mir wurden mehrere Dinge klar:

Ich könnte mich drauf einlassen und mir selber was beweisen, indem ich die staatliche Prüfung mache und bestehe. Ich bin einigermaßen sicher, dass ich das könnte, auch wenn ich nicht mehr die Jüngste bin – ich könnte pauken und pauken und die Prüfung schaffen. Davon war ich ja ausgegangen, als ich mich zur Ausbildung angemeldet habe.
Bloß – ich bin eh nicht die Fleißigste, und wenn mich was nicht interessiert und ich den Sinn darin auch nicht erkenne, dann fällt mir das Pauken unglaublich schwer. Was keine Besonderheit von mir ist, sondern eine neurophysiologische Tatsache. Wissenschaftlich erforscht. Wir lernen dann, wenn wir etwas oft tun und wenn wir es GERNE tun. Das Gerne Tun ist quasi der Dünger fürs Gehirn. (Wer dazu mehr wissen will, schaue sich auf YT paar Videos von Gerald Hüther an. Sehr zu empfehlen!)

Dann: Ich möchte nicht therapieren, ich möchte beraten. Dazu brauche ich keine Kassenzulassung. Die sowieso einen Rattenschwanz von Formalitäten, Auflagen, Abrechnungsmodalitäten und anderen Quark mit sich bringt, auf den ich auch keinen Bock habe. So einfach ist das.

Und, auch nicht ganz unwichtig: Die Prüfung kostet so um die 700,- €, bestanden oder nicht. Und da habe ich noch kein einziges Buch gekauft.

Also, Fazit: Lieber geb ich noch Geld für ne gezielte Fortbildung aus, wo ich Praxis habe und was LERNE, statt dem Gesundheitsamt 700.- Ocken für was zu bezahlen, was mich nur mit Abscheu und Entsetzen erfüllt und was ich gar nicht wirklich brauche. Oke, es gäbe mir einen gewissen Nimbus von Seriosität und Status, wenn ich staatlich geprüfte HP Psych wär… Draufgeschisn.

Eya.

Dann gibt es noch die Verbandsprüfung vom Heilpraktikerverband. Die ist nicht so teuer und auch viel einfacher zu schaffen (ein Multiple Choice Test und eine Facharbeit von ca. 30 Seiten, so weit ich weiß). Dazu müsste ich Mitglied im Verband werden. Ich weiß nicht, ob ich das will.

Wahrscheinlich werde ich die Verbandsprüfung machen, damit ich irgendeine Art von Abschluss vorweisen kann. So richtig Status und Nimbus bringt die Verbandsprüfung allerdings nicht mit sich.

Vielleicht mach ich auch gar keine Prüfungen und vertraue auf das, was ich lerne, kann und MACHE.

Außerdem habe ich bereits eine ganze Latte an Zertifikaten. Zur Zeit findet in München ein HP-Symposium meiner Schule statt, für das ich mich angemeldet hatte. Weil mir das nach Köln alles zu viel war und es auch so heiß ist und alles, hab ich das gecancelt und bin nicht nach München gefahren. Trotzdem bekomme ich seit 3 Tagen täglich paar Zertifikate zugeschickt, die mir die Teilnahme an Seminaren bestätigen, die ich nicht besucht habe.
Als ich im Suchtbereich arbeitete, war ich auf einigen Fortbildungen und Symposien — also, wirklich, körperlich und geistig anwesend — darum besitze ich diverse Teilnahmebestätigungen und Zertifikate. Da gingen am Ende immer Listen rum, die wir zu unterschreiben hatten, damit genau das nicht passiert: Dass Personen, die sich nur angemeldet aber nicht teilgenommen haben, Teilnahmebestätigungen bekommen.

Wie die das in München handhaben, das stärkt nicht grad mein Vertrauen in die Zertifikate, die meine Schule ausstellt…
Andererseits ist es auch sehr inspirierend. Ich denke, ich werd mir selber paar Zeugnisse und Zertifikate machen. Vetchgeprüfte Psychotarotströmerin – oh, da wird mir noch einiges einfallen. (Vorschläge willkommen!)  Ich werde ein Siegel entwerfen, eine beeindruckende Unterschrift einüben und die richtig schick machen.  Und die hänge ich dann in meinem Laden auf.

Derweil habe ich – ich bin baff erstaunt, zu was für Seminaren ich mich angemeldet hatte! – ich habe Zertifikate, mit meinem Namen und Datum und allem, für Kinesiologie, Krisenintervention, Naturästhetik, Klangschalen in der Praxis, Atemworkshop, Körpermusik, Gesunde Sexualität – was ist das?, Akkupunktur bei Suchterkrankungen und Japanisches Heilströmen. Sogar für meine Teilname an der Begrüßung durch die Studienleitung habe ich ein Zertifikat bekommen. Das hänge ich an ganz prominenter Stelle auf!

Jo, und wenn also jemand von euch mal suchterkrankt Akkupunktur möchte, klangbeschalt oder japanisch heilgeströmt werden will, dann wendet euch vertrauensvoll an mich. Ich hab Zertifikate!

 

Advertisements