Geschichten

Mäßigkeit

Ich hab ja vor einiger Zeit einen Beitrag zu den 4 Engel-Karten im Tarot geschrieben und war bei der Mäßigung nicht weiter gekommen.

Ich bin auch nicht sicher, ob ich überhaupt in Worte fassen konnte, was ich in den vier Karten sehe. Weil ich die Worte nicht hatte, nur Annäherungen und Ahnungen.

Ich habe mich vor zwei drei Wochen bei einer christlichen amerikanischen Website angemeldet (für mich war sowas bis vor Kurzem noch, hehe, ne Manifestation des Bösen: amerikanische Christen. Ist doch auch schön, wenn Vorurteile sich auflösen und ich stattdessen sehe, was IST). Die schicken mir täglich so Meditationen. Ich steckte schon ca. ne Woche in Überlegungen zu TEMPERANCE fest, da kam ein Text mit dem Titel „Liminal Space“ – Grenzgebiet. Und da hats klick gemacht.

So kann ich jetzt besser in Worte fassen, was diese vier Karten für mich bedeuten:
Sie zeigen verschiedene Aggregatzustände des Bewusstseins.

Noch mal kurz und knapp:

Der Teufel zeigt Bewusstsein, das auf die materielle Welt fokussiert ist.
Keine Tarot-Karte ist ‚gut‘ oder ’schlecht‘, auch der Teufel nicht.
Das Bewusstsein hier kann sich natürlich gefangen und ausgeliefert fühlen, es kann sich ganz dem Materiellen verschrieben haben und damit blind und taub gegenüber dem Weckruf (Auferstehung) sein. Dann liegt unter allem, was es macht, Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Angst, was wiederum die Gier nährt.
Das ‚teuflische‘ Bewusstsein kann aber auch sehr heilsam sein, weil es sich nicht täuschen lässt von nichtmateriellem Nimbus, Status und Behauptungen, sondern guckt, was wirklich IST. Ein gutes Beispiel dafür ist das Kind in Des Kaisers neue Kleider. Der Kaiser hat nämlich gar nichts an und ist in Wirklichkeit bloß ein nackter Mann. (Erst hatte ich „fetter nackter Typ“ geschrieben. Vorurteil! Ich weiß nicht, ob er fett ist.)

Die Auferstehung zeigt einen „Weckruf“, eine Erfahrung/Inspiration, die das Bewusstsein aus dem Materiellen hebt – also, die Erkenntnis, dass die materielle Welt eine Manifestation der Wirklichkeit ist, ein Wahrnehmungszustand, und dass die Welt/Wirklichkeit so viel mehr ist.

Die Liebenden zeigt Bewusstsein, das in der materiellen Welt agiert, das das Ich/Ego als Gefährt/Avatar begreift und sich nicht damit indentifiziert. Der ‚Antrieb‘, die Energie, die diesen Avatar antreibt, sind nicht materielle Dinge und nicht die Geschichten, Wünsche und Dramen des Ego. Der Antrieb ist das Leben selber, das SEIN.

Die Mäßigung – ich hatte eine Ahnung in die Richtung – zeigt das Bewusstsein im Grenzgebiet. In der Meditation, vielleicht auf schamanischer Reise (da hab ich keine Erfahrung). Die Landschaft auf der Karte hat für mich etwas Unwirkliches, Verzaubertes. So ein Ort, den wir in einer Visualisationsübung aufsuchen. Ort/Zeit innerhalb des magischen Zirkels, im Ritual.
Richard Rohr (s.o., Liminal Space) würde diesen Zustand wahrscheinlich prayer (Gebet) und contemplation (Versenkung, Kontemplation) nennen.
Das ist der Moment, da das Ego/Ich schweigt und wir die Wirklichkeit erfahren und gestalten. (Es geht dabei nicht um Wunscherfüllung des Ego!) Ein Name für diese Wirklichkeit ist Gott, und der Engel auf der Karte trägt den hebräischen Namen Gottes auf der Brust. יהוה – das sogenannte Tetragrammaton. JHVH – Jahwe. *
<- Die Falten des Kleides, genau über dem Quadrat mit dem Dreieck darin.

Ich sehe in der Mäßigkeit auch den Teil der Mondmeditation, bei dem wir anerkennen was IST, ohne uns damit zu identifizieren. So verstehe ich die beiden Gefäße und das Wasser, das darin bewegt (gemischt, transformiert) wird, ohne dass es ausgeschüttet wird.
Das Quadrat auf der Brust des Engels ist ein Symbol für die Materie (die Welt des ‚Teufels‘), das Dreieck darin – das auch ein Symbol für Feuer ist – symbolisiert das SEIN, den Spirit.
Auf der Stirn trägt der Engel das Symbol für die Sonne 𐌏. Das und die roten, mächtigen Flügel deuten auf Schöpferisches, aufs Erschaffen. Kreation – Kreativität durch Anerkennen und Neumischen dessen, was ist. Transformation. Alchemie.
Und so. Ich will mich hier nicht in Deutungen und Erklärungen verlieren. Es gibt noch so viel – die Lilien (gelb, nicht weiß), das Wasser, das Land, das Leuchten über den Bergen im Hintergrund, der Weg dahin…
Ah, das noch: Ich deute den Weg hier&jetzt als den Weg zur Erleuchtung.
Meditation, Gebet, Kontemplation, Ritual, Beobachten des Erlebens (da muss ich an die „Direct Pointing“ Methode denken, von der Sophie0816 neulich geschrieben hat) können da hin führen.

Schließlich habe ich die Karten noch mal angeordnet. Es gibt da keine Hierarchie und eigentlich keinen Anfang, und doch ist der Teufel unten für die meisten von uns der Ausgangspunkt, und für alle hier Inkarnierten nun mal die Basis, der Boden auf dem wir stehen. Über den Weckruf – Die Auferstehung – und/oder Meditation etc. – Mäßigkeit – können wir in den Zustand der Liebenden kommen. Dieses Bewusstsein ist im Hier&Jetzt, in der materiellen Welt („Das Ziel ist der Marktplatz“ hat mir ein Sufi-Lehrer gesagt). Es – das ist der Plan – genießt die Abenteuer, die das Ego im Sein erlebt.

Und dann ist mir der Stern in die Mitte geraten. Ist einfach so, ich kanns nicht genau erklären. Die Frau auf dem Bild hat keine Flügel, und sie gießt das Wasser aus.

Das, so seh ich das zur Zeit, ist das SEIN. Dieses Sein ist nicht mehr verhaftet an ein Ego und erlebt keine Abenteuer. Es IST das Abenteuer. Das ist der Moment in der Mondmedi, in dem wir loslassen. Ich nenne diese Karte auch Vertrauen.

Zuerst ist ein Berg.
Dann ist kein Berg.
Dann ist.


*Zu diesem Namen Gottes hat Richard Rohr auch eine ganz wundervolle Geschichte zu erzählen – ein Wissenschafter, der auch Rabbi ist, hat ihm erklärt, warum der Name Gottes nicht ausgesprochen werden kann. Wer Englisch versteht: hier. Wer kein Englisch kann und Geduld hat, versteht das Wesentliche auch ohne Englisch, wenn R. Rohr zum Wesentlichen kommt. Und wer Englisch kann: Die ganze Predigt ist voller Wunder und lohnt sich, wie so vieles von Richard Rohr.

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Shöppen

Ich war mal bei einem spirituellen Lehrer, der sprach oft über Verzicht.
Vor allem über emotionalen Verzicht – z.B. bezüglich der Suche nach der perfekten Beziehung. Dass das alles Quark sei (meine Worte), dass eine Beziehung keine Lösung, keine Rettung, keine Erfüllung sei. Dass wir, statt auf der Suche danach Zeit und Energie zu verschwenden, besser Verzicht üben sollten.
Einmal sagte er – und da stimme ich ihm aus ganzem Herzen zu -:
„Wenn sich hier und jetzt all Ihre Wünsche erfüllen würden, Sie wären trotzdem nicht glücklich.“

Ja, da hat er recht. Wie das I Ging sagt: Du kannst die Stadt wechseln, aber du kannst nicht den Brunnen wechseln.
Die Erfüllung unserer Wünsche macht uns nicht glücklich.
Nur durch den Kanal zu unserer eigenen Quelle kann wirkliches Glück fließen.
Wobei „Glück“ sowieso nur ein Wort ist, und unsere Vorstellung davon hier&jetzt nur ein Konzept, das mit der Zeit an Wichtigkeit verliert, je mehr wir in unsere Mitte und in die Wirklichkeit kommen. (Wie C.G. Jung sinngemäß sagte: Auf die wichtigsten Fragen des Lebens können wir niemals eine Antwort finden – wir können nur aus ihnen herauswachsen.)

Aaaber. Hier&Jetzt, in meinem unerleuchteten, irdischen Zustand, möcht ich doch mal eines sagen zum vielgepriesenen Verzicht:

Aus dem Mangel heraus sich alles verkneifen zu müssen, das ist kein Verzicht.
Das ist einfach nur Mangel.

Genau dazu gibt es eine sehr schöne Zen-Geschichte – hehe, ich hab sie schon einmal hier auf WP erzählt, in einem Kommentar zum Thema Verzicht. Na, hier noch mal:

Ein Meister hatte einen wunderbaren Schüler, der übte auf die passende Weise und war klug und weit fortgeschritten, und doch kam er nicht zum Satori; er erlangte die Erleuchtung nicht.
Der Meister nahm diesen Schüler mit auf eine Reise. Und wie sie auf der Straße gehen, zeigt der Meister auf ein wunderbares Anwesen am Berghang in der Ferne und sagt:

“Du bist als Findelkind zu uns ins Kloster gekommen und hast dich immer nach deinem eigenen Zuhause gesehnt. Dieses Anwesen dort ist dein Zuhause. Ich schenke es dir.”
In diesem Moment erlangte der Schüler die Erleuchtung.

Da kann ich mir noch so oft einreden, dass ich eigentlich gar nicht brauche, was ich mir so sehnlichst so lange schon wünsche. Erst wenn ich die Wahl habe, dann kann ich mich für den Verzicht entscheiden.

Wenn ich zum Beispiel darunter leide, dass ich keine Beziehung eingehen kann, dann ist die Lösung des Problems nicht, zu beschließen, dass ich keine Beziehung brauche und keine will.
Dazu kann ich mich erst entschließen, wenn ich beziehungsfähig bin.

Dass ich da natürlich dran zu arbeiten habe: an meiner Beziehungsfähigkeit, und nicht daran, den perfekten Partner zu finden, das sollte klar sein. DAS muss ich tun.

Verzicht ist da keine Lösung, wo Mangel herrscht.

 
Anderes, schlichteres Beispiel zu Konsumverzicht: Ich wollte mal superdringend ein Notebook von Alienware, und dann gabs im Kommerzstore ein runtergesetzes, das ich mir super hätte leisten können. Und dann habe ich beschlossen, dass ich das Dings nicht wirklich brauche und mir lieber einen 2ndhand Computer kaufe. Alienware interessiert mich seitdem nicht mehr, und ich schreibe das hier auf dem alten Büro-Notebook meines alten Jobs, das ausgemustert wurde und das ich für genau 10.-€ bekommen habe. Kann alles, wunderbar. Auf den Alienware-Schischi habe ich aus der Fülle verzichtet. Freiwillig.

Und was hat das mit Shöppen zu tun?

Was IST Shöppen?!?

Shöppen ist shoppen mit RöckDöts, und Röckdöts sind Rock’n’Roll, und Rock’n’Roll ist gut! Gesund. Nuff said.

Shöppen geht so:

Manchmal, wenn ich von der Schule nach hause schlendere, und die Sonne scheint, und ich so durch die Quadrate stromer und streife, da komme ich an vielen grauenhaften und vielen sehr schönen Läden vorbei. Und ich hab natürlich immer Geld in der Tasche, wg. Lebensmitteleinkaufen, und dann bekomme ich manchmal Lust, mir was Schönes oder zumindest was Lustiges zu schenken. Ihr kennt das Gefühl bestimmt auch.

Früher hab ich auch immer was gefunden, irnznen billiges Deko-Teil, ein presiwertes Buch, Bürobedarf, generische Schilder, ne Schweinerei zum Essen oder sogar mal ein Kleidungsstück, oder oder oder. Das war Shoppen.
Heute, beim Shöppen, streif ich durch die Läden, erfreue mich an dem nachgemachten Vintage-Geschirr, den echt hübschen Blümchenmusterklamotten, dem sinnlosen aber wirklich lustigen Spülschwämme-Halter, den tollen Filzstiften mit Piselspitze und diesem und jenem und sellem, und dann sag ich aus tiefstem Herzen: NÖ. Brauch ich alles nich!

Und dann geh ich fröhlich heim, ohne was gekauft zu haben. Und fühl mich dabei genauso gut wie – oder gar besser als – damals beim Shoppen.

Das ist Shöppen.

 

 

KALI

Ich möcht was erzählen von der Indischen Stadt am Ganges,
die ich im Fernsehen gesehen habe,
wie einen Traum.

Eine Stadt der Toten,
für die Gestorbenen, die niemals wiederkehren.
Dort verlassen sie das Rad der Wiedergeburt.
Ich glaube, es ist Varanasi ~ Benares.

Als ich die Stadt sah,
auf dem Bildschirm
ich auf dem Sofa vom meim Ex
allein in seiner Wohnung
in Passau
Als ich die Stadt sah
gings mir durch den ganzen Leib bis ins Knochenmark.
 

Diese Stadt am heiligen Fluss,
Necropolis
vollgestopfter, zugebauter Großstadtdschungel
unsagbar alt
weißgrau und schwarzgrau
wie aus Stein und Asche
und die Feuer, die Feuer am Ufer,
und wer gestorben ist und dort verbrennt
wird nicht wiedergeboren.

Und gegenüber am anderen Ufer
das karstige Land
dorthin geht niemand.

 

Und der blondschnäuzerte deutsche Filmmacher da durch wie Sigfried,
völlig naiv —

Der deutsche Filmemacher musste natürlich auf die andere Seite, die der Kali gehört, ins Totenreich,
wo niemand hin fährt.
Klar, da musste er unbedingt hin, dieser junge Mann, frei von Aberglaube.
Brauchte ne Zeit, niemand wollte ihm helfen.
Schließlich fand er doch tatsächlich einen, der bereit war, ihn überzusetzen.

Über den Ganges.

Hin zum karstigen Land.

Der Fährmann war ein Knabe, vielleicht fünfzehn, sechzehn. Völlig entrückt. Drogen? Visionen? Weiß nicht.
Der junge semmelblonde schnäuzerte Filmemacher hielt jedenfalls die Kamera drauf, beim Übersetzen.
Voll ins Gesicht des rudernden Knaben.
Und der war nicht da. Er ruderte, aber er war woanders.

Dann lief das Boot auf den Sand, am anderen Ufer
wohin niemand geht
das Totenreich
Land der Kali
Und da war bloß öder Sand und Steine und gar nichts los
gar nichts Tolles, keine gähnende Höhle, keine Monster
voll öde

bloß
diese drei kleinen Köter da
drei kleine wilde kläffende Köter
die kläfften und kläfften völlig irre waren die
ganz außer sich
griffen nicht an, regten sich auch nicht ab
kleine Köter, ganz ungefährlich
gar nicht lustig  gar nicht niedlich
der Semmelblonde hatte gar keine Angst
paar Schritte, graue Steine, Sand
kläffkläffkläfffgrrrKLÄFF
wie irre, wie verrückt
kläffKLÄFFgrrrrKLÄFFKLÄFFF

und der Semmelblonde machte keine weiteren Schritte ins karstige Land
wo nichts wuchs
bloß diese drei Hunde
sondern zuckte die Achseln
sagte sowas wie „sehr enttäuschend, hier ist gar nichts“
und trat schleunigst den Rückzug an
beunruhigt
bisschen nervös
denn da war ja gar nichts (kläffkläffgrrrrrkläffKLÄFF)

und so fuhr er
mit dem entrückten dunklen Knaben
wieder weg von dem Ort
wohin kein Lebender fährt

zurück auf unsere Seite

Am diesseitigen Ufer betete ein
Typ
Der hatte orangenes Tuch um die Lenden, lange Fingernägel und wirre Haare
Er wirkte eigentlich recht fit
er betete zu Kali: er rockte vor und zurück und schrie und wimmerte wie ein Baby
Er hatte den Dreizack der Göttin vor sich gesteckt,
Kalis dreizackige Gabel,
mit leuchtendem Orange geschmückt

Und ich glaube, er versuchte den Tod zu fassen. In seinem kleinen Körper.
Und sollte sich doch lieber mal die Haare aus dem Gesicht tun, damit er was sieht.

Vielleicht hatte er alles gesehn und wusste nicht mehr, wo hin.

Und der Filmmacher die Kamera drauf, und sagt, er weiß auch nicht, was der hat-
dieses Gebaren, diese Extase, ganz seltsam und fremd
exotisch halt, mystisch, ‚das verstehn wir nicht‘

Und ich guck mir den so an, da heulend und betend in Krämpfen am Strand gegenüber dem Reich der Toten,
in der Stadt wo du verbrannt und nicht wiedergeboren wirst
und ich guck mit den so an, junger dürrer Mann mit Bart und langen Fingernägeln
und ich sach dem so
allein, vom Sofa aus, in Passau, in Gedanken
sach ich dem:

Hey, Typ, Tod ist noch nicht dran.
Kümmer du dich um die Lebenden, du bist jung und gesund.
Schneid dir die Haare und die Fingernägel, du hast zu tun
gibt viel Arbeit, die Lebenden leiden Not
um das mit dem Tod und dem Ende der Wiedergeburten kümmer dich, wenn es so weit ist.
Dann wirds dich auch nicht beuteln.
Hier und Jetzt hast du anderes zu tun. Tu Gutes, pflege das Leben.

Wie ich das so denke, plöppt der Typ auf dem Bildschirm aus der Extase,
hört auf mit Schaukeln und Schreien,
guckt sich um, steht auf,
zieht seinen Dreizack aus dem Sand und geht

Das Universum ist Größer als wir, und es gibt Gegenden, wo sich die Dimensionen verbiegen. Das kannst du nicht fassen.
Und du musst auch nicht überall hin. Reläx, Mann!
Diese Stadt

Dort am Ufer macht mir Angst.
Ich konnte sie wirklich nicht fassen
Oder sie war mir zu vertraut, was weiß ich.
so vertraut, Nekropolis, die Stadt vor dem endgültigem Tod.
Den wir alle so fürchten.

Die grausame Kali.

Hier diese Stadt
Die ist doch von Menschen gemacht

Und dazwischen der Fluss, das tröstete mich.

Dazwischen der Fluss.

Das Universum ist Größer als wir, und es gibt Gegenden, wo sich die Dimensionen verbiegen. Das kannst du nicht fassen
Hier und Jetzt.
Und du musst Hier und Jetzt
auch nicht überall hin.

 

 

 

Berufsbild

Ich wollte was zu dem seltsamen Bild schreiben, das ich neulich gepostet habe:

Das Bild ist vom November letzten Jahres und war ein Ausprobieren der bunten Sternchen. Das sind GIMP-Pinsel, die ich zu der Zeit gemacht habe.
Sehr sehr SEHR beschäftigt hat mich (wie immer noch) zu der Zeit meine Berufsausübung, der Erwerb meiner Mittel. Ich will mich selbstständig machen, nach wie vor. Das Herstellen der Sternchen hatte damit zu tun (kreativ sein und etwas MACHEN und Herstellen), und das Bild ist in dieser Stimmung, in diesem Sog entstanden, und so deute ich es auch.

Haus und Baum, das ist ne Standartkonstellation bei so Psychospielen, bei denen Bilder zu malen sind. So weit ich mich erinnere, steht das Haus für mich, und der Baum für meinen Partner.
Insgesamt ist das ein fröhliches, energiegeladenes Bild.
Der Baum ist größer als das Haus – mein Gefährte hat eine Festanstellung und übt seinen Beruf aus. Ich nicht.
Der Baum steht vielleicht auch – das ist jetzt meine persönliche Idee, und die ist auch gültig – der Baum steht vielleicht auch für meine Vergangenheit. Er steht links und neigt sich zum Haus, er spendet Schatten und repräsentiert, find ich, meine Erfahrungen, den Reichtum, den ich mitbringe. Wir alle haben einen Reichtum an Begabungen, Erfahrungem, Wissen in unserem Leben gesammelt. Ich sach mal, dass der Baum diese organisch gewachsene, lebendige, schöne Sammlung repräsentiert.

Er trägt allerdings noch keine Früchte.

Und das Haus hat keine Tür und kein Fenster.

Das deutet darauf hin, dass ich beruflich nicht im Austausch mit der Umwelt bin.

Ich will Türen und Fenster!

Und vielleicht noch einen Turm, von dem aus ich das Meer sehen kann.

 

 

 

“A man inherited a field in which was an accumulation of old stone, part of an older hall. Of the old stone some had already been used in building the house in which he actually lived, not far from the old house of his fathers. Of the rest he took some and built a tower. But his friends coming perceived at once (without troubling to climb the steps) that these stones had formerly belonged to a more ancient building. So they pushed the tower over, with no little labour, and in order to look for hidden carvings and inscriptions, or to discover whence the man’s distant forefathers had obtained their building material. Some suspecting a deposit of coal under the soil began to dig for it, and forgot even the stones. They all said: ‚This tower is most interesting.‘ But they also said (after pushing it over): ‚What a muddle it is in!‘ And even the man’s own descendants, who might have been expected to consider what he had been about, were heard to murmur: ‚He is such an odd fellow! Imagine using these old stones just to build a nonsensical tower! Why did not he restore the old house? he had no sense of proportion.‘ But from the top of that tower the man had been able to look out upon the sea.”
― J.R.R. Tolkien, Beowulf and the Critics

 

Unearthing

Die Anfänge von so Phasen sind ja fließend. So ein Verschieben, das mit einer Wandlung einhergeht.
Im Mai letzten Jahres habe ich aus verschiedenen Gründen (u.A. Austausch hier auf WP)  begonnen, mich wieder mit Magie und Gottheiten zu beschäftigen, nachdem ich das über Tai Chi und Meditation ziemlich abgelegt hatte. Auch mit guten Gründen.

Und doch rufts und lockts…

Obwohl es mir unterwegs nicht so vorkam, wurden doch einige meiner Fragen beantwortet übers Jahr.

Und bestätigt. Und in Kunst gefasst, in Worte und Sound. Z.B. in diesem Hörbuch von Alan Moore, das ich im Herbst zum Einschlafen gehört habe: Unearthing.
Ich habs oft gehört, viele Nächte lang. Beim ersten mal hab ich so gut wie nichts verstanden. Schließlich hab ichs tagsüber am Stück angehört und Teile mitgeschrieben.

Das Buch dazu hab ich vom Schnusel zu Weihnachten bekommen!

Ich könnte dazu mehrere Blogposts vollschreiben, stattdessen beschränke ich mich, einen Absatz daraus zu zitieren, in dem der Umgang mit ‚dem nicht Geheuren‘ („the uncanny“) beschrieben wird:

This is how it is is,
of the approach of the uncanny:
Each progression
in our comprehension of the concept
like a footfall
treading softly closer.

This is how we act:
No awe, no terror,
just bland reassurance
in our default certainty
that this can’t possibly be happening.

Das ’nicht Geheure‘ sind in diesem Fall Synchronizitäten und Manifestationen der Mondgöttin Selene im Leben des Protagonisten, Steve Moore. (Alan Moores Mentor; die beiden sind nicht verwandt.)
In der Geschichte geht es viel um Magie. Und um Lokale Magie, Ortsmagie. Und um Comics. Und um London. Und dies und das.
(Sehr lustig auch der kurze Abstecher des Protagonisten in eine londonder Chaos Magie Loge.)

Schon bin ich mittendrin und auf dem Weg in die Tiefe. Dabei möchte ich seit Tagen einfach nur einen Blogpost verfassen, in dem ich kurz erzähl, wie es so war um Yule rum und in den Rauhnächten (die ich ja gar nicht bewusst begangen habe, und sie hatten es doch in sich!), und dann weiß ich nicht, wo ich anfangen soll.

Ich habe sehr viel gelesen, angehört und angeguckt in dieser Zeit, und davon will ich jetzt erst mal was weitergeben, bevor ich erzähle, was bei mir so war. Weil ich das wichtiger finde. Und weil es ja sowieso tief verwoben ist mit dem, was bei mir so war.

Da möchte ich euch als Erstes das hier sehr sehr ans Herz legen:

Ein Auszug aus der Doku-DVD „the Mindscape of Alan Moore“ in dem er erzählt, dass er mir 40 Magier geworden ist. Dann spricht er über Magie und Polytheismus und moderne Reklame-Schamanen (-> kulturelle Trance) und dies & das. Sehr dicht, von Anfang bis Ende. LOHNT SICH!


(Englisch mit englischen Untertiteln)

Edit: Ich wollte was zu Sache schreiben, nämlich, dass ich einen Bölog gefunden habe, deren Autorin ähnlich wirkt – Magie ist Kunst ist Magie https://cambraskade.wordpress.com/

Dabei stelle ich fest, dass ich meinen reader nicht mehr erreiche und daher keine Blogs mehr abbonieren kann, wenn sie es mir nicht per Button anbieten.
Außerdem stelle ich beim Schreiben dieser Ergänzung fest, was ich shocn wusste: Dass im ‚classic‘ Editor der text aus dem Festner springt, wenn er ein bisschen länger als eine Seite wird und ich noch was ergänzen will. ich schreibe grad blinf in ein weißes Fenster und kann nut hoffen, dsas ich mich nicht oft vertippe, denn jedes Korrigieren ist echt ätzenbd, mit viel hoch und runter Scrollen nach der Eingabe JEDES EINZELNEN BUCHSTABENS. WQeswegen ichs mir spare.

Ich hab keine Lustt mehr, und ich hab das Gefühl,m dass ich wahrscheinlich dsa Blöoggen bald wieder lasse. So gehts jedenfalls nicht.

Wie der Feind nach Thlunrana kam

Mal wieder ausgelöst durch Posts von Sólveig, diesmal u.A. zu Elfen und zu Freyr, durch zwei Träume, Nachdenken, im Herzen bewegen und Beobachten dessen, womit ich mich selbst zur Zeit so umtreibe und beschäftige und erfreue (und womit nicht) — kam mir der Einfall, dass ein Aspekt von „Elfen“ vielleicht gar keine so fremde Kraft von außerhalb ist, sondern etwas, das wir in uns wecken können.

Besonders gepiekst hat mich die Information in Sólveigs Freyr-Artikel, dass Freyr zur Götterdämmerung ohne Schwert antritt. Was nicht bedeutet, das er unbewaffnet ist.

Elfen, Alben, albern ~ ich will nicht weiter versuchen, meine Gedanken und Empfindungen in Worte zu fassen; mir kam stattdessen der Impuls, eine ganz kurze Geschichte von Lord Dunsany ins Deutsche zu übersetzen.

Lord Dunsany ist derjenige, bei dem Tolkien und Lovecraft gelernt haben. Was er den beiden voraus hat, ist-
Na, die folgende Geschichte wird es zeigen.

Ich bitte um Nachsicht mit meiner Übersetzung. Das Original folgt dahinter; es ist inzwischen public domain, darum kann ich es hier vollständig einstellen. Es gibt natürlich deutsche Übersetzungen, aber da ich an denen keine Rechte habe, hab ichs halt selber gemacht. Ich habe mich bemüht, den atmosphärischen, mit Adjektiven üppig durchtränkten, schwülstig-altmodischen Stil getreu wiederzugeben, und auch die langen Sätze habe ich nicht gekürzt.

Für mich eine der genialsten Geschichten überhaupt; passt eigentlich immer, und vor allem auch hier & jetzt zum Zeitgeschehen. Und ganz persönlich ist es genau das, was mir heilsam gut tut.

 

 

WIE DER FEIND NACH THLUNRANA KAM

Vor langer Zeit ward es prophezeit, und geweissagt in alten Tagen, dass über Thlunrana sein Feind kommen werde. Und der Zeitpunkt des Untergangs war bekannt, und das Tor, durch das er hereinkommen würde, doch niemand hatte vorhergesagt, wer der Feind sei, nur dass er von den Göttern komme aber bei den Menschen wohne.
Unterdessen war Thlunrana, dieses geheimnisvolle Lamakloster, diese Hauptkirche der Zauberkunst, der Schrecken des Tales, in dem es stand, und der Schrecken all der Länder umher. So schmal und hoch waren seine Fenster und so seltsam des Nachts beleuchtet; sie schienen die Menschen mit anzüglichem, dämonischen Hohn zu belächeln, wie etwas, das im Dunkeln Geheimnisse hegt. Wer die Magier dieses verstohlenen Ortes waren, und die Vize-Magier, und der Große Erzmagier, das wusste niemand, denn sie gingen verschleiert und mit Kapuzen und ganz in Schwarz verhüllt.

Obwohl sein Untergang unmittelbar bevorstand und der Feind aus der Prophezeiung in just dieser Nacht durch die offene, südliche Tür kommen sollte, die Das Tor des Untergangs genannt wurde, trotz dem blieb das steinige Bauwerk Thlunrana unerklärlich still, altehrwürdig, schrecklich, dunkel und grauenhaft gekrönt von seinem Schicksal. Es geschah nicht oft, dass jemand wagte, des Nachts nah Thlunranas zu streifen, wenn das Stöhnen der Magier, die wir wissen nicht Wen beschworen, undeutlich aus den inneren Gemächern aufstieg und vorbeisegelnde Fledermäuse erschreckte: doch in der allerletzten Nacht kam ein Mann von der mit schwarzem Schilf gedeckten Kate bei den fünf Kiefern, denn er wollte Thlunrana noch einmal sehen, bevor der Feind, der göttlich war, doch bei den Menschen wohnte, über es käme und es auslöschte.
Das dunkle Tal hinan ging er wie ein tapferer Mann, aber seine Angst lastete mächtig auf ihm; sein Wagemut ertrug das Gewicht, doch war er ein wenig gebeugt davon. Er ging hinein durch das südliche Tor, genannt Das Tor des Untergangs. Er kam in einen dunklen Saal und stieg eine Marmortreppe hinauf, um zum letzten Mal Thlunrana zu sehen.

Oben hing ein Vorhang aus schwarzem Samt, und er ging hindurch in einen Raum, üppig verhängt und von einer Finsternis durchdrungen, die schwärzer war als alles, was Vorhänge erzeugen konnten. Weiter dahinter, in einer tristen Kammer, die durch einen leeren Bogendurchgang zu sehen war, betrieben Magier mit brennenden Kerzen in den Händen ihre Zaubereien und flüsterten Beschwörungen. Alle Ratten machten sich fort von diesem Ort und flohen pfeifend die Treppen hinab. Der Mann aus der schwarzbeschilften Kate durchschritt dieses zweite Zimmer: die Magier sahen nicht nach ihm und hörten nicht auf, zu flüstern. Er ging von dort durch schwere Vorhänge, nach wie vor aus schwarzem Samt, und kam in einen Raum aus schwarzem Marmor, wo nichts sich regte. Nur eine Kerze brannte in dem dritten Raum; es gab keine Fenster. Auf dem glatten Boden, zwischen den glatten Wänden stand ein seidener Pavillon, die Vorhänge eng zugezogen: dies war das Allerheiligste jenes unheilvollen Ortes, sein innerstes Geheimnis. An jeder Seite davon kauerte eine dunkle Gestalt, entweder Mann oder Frau oder verhüllter Stein, oder Tiere, die gelernt hatten, still zu sein. Als die schreckliche Starre des Mysteriums so groß war, dass er sie nicht mehr ertragen konnte, ging der Mann aus der schwarzbeschilften Kate bei den fünf Kiefern hin zu dem seidenen Pavillon, und mit einem kühnen und nervösen Griff zog er den Vorhang beiseite, und er sah das innerste Geheimnis, und er lachte.

Und die Prophezeiung erfüllte sich, und Thlunrana war nie mehr der Schrecken des Tales, denn die Magier verließen ihre grässlichen Hallen und flohen durch die weiten Felder, sie heulten und schlugen sich an ihre Brust, denn Lachen war der Feind, dem bestimmt war, über Thlunrana zu kommen, durch das südliche Tor (genannt Das Tor des Untergangs), und Lachen ist göttlich und weilt bei den Menschen.

 

 

HOW THE ENEMY CAME TO THLUNRANA

It had been prophesied of old and foreseen from the ancient days that its enemy would come upon Thlunrana. And the date of its doom was known and the gate by which it would enter, yet none had prophesied of the enemy who he was save that he was of the gods though he dwelt with men. Meanwhile Thlunrana, that secret lamaserai, that chief cathedral of wizardry, was the terror of the valley in which it stood and of all lands round about it. So narrow and high were the windows and so strange when lighted at night that they seemed to regard men with the demoniac leer of something that had a secret in the dark. Who were the magicians and the deputy-magicians and the great arch-wizard of that furtive place nobody knew, for they went veiled and hooded and cloaked completely in black.

Though her doom was close upon her and the enemy of prophecy should come that very night through the open, southward door that was named the Gate of the Doom, yet that rocky edifice Thlunrana remained mysterious still, venerable, terrible, dark, and dreadfully crowned with her doom. It was not often that anyone dared wander near to Thlunrana by night when the moan of the magicians invoking we know not Whom rose faintly from inner chambers, scaring the drifting bats: but on the last night of all the man from the black-thatched cottage by the five pine-trees came, because he would see Thlunrana once again before the enemy that was divine, but that dwelt with men, should come against it and it should be no more. Up the dark valley he went like a bold man, but his fears were thick upon him; his bravery bore their weight but stooped a little beneath them. He went in at the southward gate that is named the Gate of the Doom. He came into a dark hall, and up a marble stairway passed to see the last of Thlunrana.

At the top a curtain of black velvet hung and he passed into a chamber heavily hung with curtains, with a gloom in it that was blacker than anything they could account for. In a sombre chamber beyond, seen through a vacant archway, magicians with lighted tapers plied their wizardry and whispered incantations. All the rats in the place were passing away, going whimpering down the stairway. The man from the black-thatched cottage passed through that second chamber: the magicians did not look at him and did not cease to whisper. He passed from them through heavy curtains still of black velvet and came into a chamber of black marble where nothing stirred. Only one taper burned in the third chamber; there were no windows. On the smooth floor and under the smooth wall a silk pavilion stood with its curtains drawn close together: this was the holy of holies of that ominous place, its inner mystery. One on each side of it dark figures crouched, either of men or women or cloaked stone, or of beasts trained to be silent. When the awful stillness of the mystery was more than he could bear the man from the black-thatched cottage by the five pine-trees went up to the silk pavilion, and with a bold and nervous clutch of the hand drew one of the curtains aside, and saw the inner mystery, and laughed.
And the prophecy was fulfilled, and Thlunrana was never more a terror to the valley, but the magicians passed away from their terrific halls and fled through the open fields wailing and beating their breasts, for laughter was the enemy that was doomed to come against Thlunrana through her southward gate (that was named the Gate of the Doom), and it is of the gods but dwells with man.

John Coultharts { feuilleton }

Auf deutsch würd er nicht wirklich Hans Kultherz heißen. Würd aber passen. :)

Seine Online-Galerie und seinen Blog habe ich vor einigen Jahren gefunden, als ich das Internet nach schönen Bildern des kabbalistischen Lebensbaumes absuchte. Er hat das Coolste von allen gemacht, finde ich. Hier.

Ich find bei ihm ganz viel, dass ich selber mag: Jugendstil, Symbolismus, Lovecraft, Hawkwind, Oscar Wilde, Wicker Man, Alan Moore, True Detective, Steampunk, Melechesh (arabische Metal-Band, für die er Cover macht) – das sind bloß paar Stichworte, die mir grad einfallen, zu denen er was gepostet hat.
Und dann finde ich auch immer wieder was, das ich eben noch nicht kannte, und das mir richtig gut gefällt. Nicht zuletzt seine Kunst.

Jo, mehr wollt ich gar nicht schreiben, ich wollt den Blog bloß denen empfehlen, die ihn noch nicht kennen und vielleicht auch Spässken dran haben.

{ feuilleton }