Guru

Viel zu sagen ~ zu viel Schreiben

Seit Tagen bekomme ich keinen Blogeintrag hin. Ich hab wieder so viel Input erhalten, so viel angehört, gelesen, ausgetauscht, ausprobiert ~ vorgestern was von Neil Kramer – zu dem muss ich auch noch einen  Vorstellungs-Beitrag schreiben, der zählt zur Zeit zu meinen Gurus (Guru = dispeller of darkness – Zerstäuber/Zerzauberer/Vertreiber/Verbanner von Dunkelheit), so wie mein geliebtes I Ging Buch und Richard Rohr. Dabei mag ich Neil Kramer oft gar nicht besonders leiden, und einiges, was er sagt, passt mir nicht in meinen Kram.

Und sowas bläht mir dann meinen Blogbeitrag auf, weil ich erst mal erklären möchte, wer Neil Kramer ist, und warum ich ihn mag, und wann nicht, und-

ACH EGAL!
Hier der Vollständigkeit halber ein Link zu seiner Homepage (englisch), der Vorstellungsbeitrag kommt noch.

Ich will erzählen, was er in dem einen Vortrag gesagt hat, den ich neulich angehört habe. Etwas, das ich seit dem im Herzen bewege, weils angedockt hat bei mir: Er sagt, er schreibt fast nicht mehr.
Das geschriebene Wort, sagt er, ist fern. Feuer ist im gesprochenen Wort. Das gesprochene Wort ist dem Göttlichen nah, Wahrheit ist ein Funken, der dem Mund entspringt.

Er’s manchmal bisschen blumig, wenns ihm wichtig ist.

Das geschriebene Wort, sagt er, sei früher ein Wegweiser gewesen zu einer Frau, einem Mann, die sich hinsetzen und mit dir reden.

Jo, das berührt mich, das trifft mich. Nicht erst neuerdings wünsche ich mir einen Laden, in dem ich schöne Dinge verkaufe, (Tarot)-Beratungen und Seminare anbiete. Nicht erst neuerdings wünsche ich mir Vernetzung HIER VOR ORT, in Mannheim. Keiner meiner zaghaften Schritte, die ich dazu unternommen habe, hat mich in dieser Richtung für mich wahrnehmbar weitergebracht.
Stattdessen schreibe ich. Ich schreibe Tagebuch und in mein geliebtes Reinschreibebuch, und in meine Blogs, und in Mails. Ab und zu schreibe ich sogar einen richtigen Brief. Ich LIEBE Schreiben.

Und was Neil Kramer da sagt, das gefällt mir nicht.
Es ist trotzdem wahr.

Es ist viel Schönes und Heilsames in meinem Schreiben, jaja. Und es ist Ersatzhandlung, Zeitvertreib, die Illusion, etwas zu schaffen, das ich anfassen und aufheben kann, oder auf ner Festplatte speichern. Der Washi Tape-Beitrag im VETCHBLOG zeugt genau davon.
Ich hab übrigens gestern noch eins gemacht.

Wie hübsch.

Ich werd auch weiterhin schreiben. Ich erlebe wirklichen Austausch übers Schreiben, auch wenn er nur über Buchstaben geht. Geschriebenes hat Wirkung, auch wenn sie nicht so voller Feuer ist, wie das gesprochene Wort. (Wie dankbar bin ich für mein I Ging Buch!) Oder Tagebuch schreiben – in der Not hat sich das unzählige Male als wunderbar, magisch, lebensrettend heilsam erwiesen. Ich werde auch weiterhin mein Reinscheibebuch führen (und alles mögliche reinkleben, auch Washi Tape), es unterstützt mich dabei, Heilsames und Notwendiges zu tun, und es macht mir FREUDE.

Das DARF ich.

Andere wichtige Themen, die mich zur Zeit beschäftigen, sind nämlich Wahrheit, Schuldgefühle und damit verwoben: Wo sitzt eigentlich die Autorität, die mir sagt, was ich zu tun habe?

WAHRHEIT
Wir alle haben unsere eigene, einzigartige Wahrheit. Zusammen ergeben sie die Reine Wahrheit.
Die Reine Wahrheit ist zur Zeit so gar nicht mein Aufgabe. Meine Aufgabe ist, den anderen ihre Wahrheit zu lassen (ja, auch wenn sie täglich 5 Kaffee im beschichteten Pappbecher konsumieren) und vor allem: MEINE Wahrheit zu erkennen und ihr zu folgen.

Auch kein neues Thema, viele Blogbeiträge hier zeugen davon. Und ich bin dankbar, denn auf diesem Weg komme ich weiter, immer dichter zu meiner eigene Wahrheit.
MEINE WAHRHEIT erkenne ich nicht, indem ich nach ihr wühle. Sie wird mir immer deutlicher, weil ich sie spüre. Ich spüre, wenn mir was gegen den Strich geht. Oft sind mein Verstand, mein Stolz, alte Programme, Pflichten, die Normalität etc. anderer Meinung. Seit ich übe, meinen Gespür zu folgen, sogar scheinbar gegen meine ‚Interessen‘, geht es mir besser.

Und seit ich übe, nicht mehr daran zu leiden, dass andere Leute ganz andere Wahrheiten als ich verfolgen, geht es mir besser und besser. Ich habe plötzlich so viel Kraft übrig, meine eigene Wahrheit zu spüren.

Suche nicht nach der Wahrheit! Entferne alles, was unwahr ist – die Wahrheit bleibt übrig“ sagt Osho. Rumi hat auch sowas gesagt – „Deine Aufgabe besteht nicht darin, die Liebe zu suchen, sondern darin, alle Hindernisse zu beseitigen, die der Liebe im Weg stehen.

 

Und das führt mich zu einem der Hindernisse:

SCHULDGEFÜHLE
Darauf hat das I GIng mich aufmerksam gemacht. Ich habe STÄNDIG Schuldgefühle. Das ist viel tiefer verankert, als mir klar war. Z.B. hatte ich welche, als mir bewusst wurde, dass mein vieles Schreiben keine heilsame Tugend ist, sondern eine Ersatzhandlung für das, was ich wirklich will: Kontakt, Austausch, Vernetzung, LEBEN. Gespräche mit Menschen an einem wirklichen Ort, wo wir körperlich anwesend sind. Wo alle Sinne beteiligt sind.

Das will ich, und dann hab ich Schuldgefühle bekommen, weil ich so viel schreibe; und Frust, weil ich doch so gerne schreibe; und Angst, dass ich so viel Zeit und Energie verschwendet habe und jetzt mein Reinschreibebuch wegwerfen kann, und mein Tagebuchfile löschen…

Ja so ein QUARK! Ich DARF schreiben. Schreiben war schon so oft so unendlich heilsam für mich!
Wenn es Zeit ist, dann wird das von selber versiegen. Das heißt nicht, dass ich weitermache wie bisher. Die Erkenntnis, dass Schreiben kein Selbstzweck ist, die bekomme ich nicht mehr weg.
Und jetzt übe ich das Naheliegende: Z.B. darauf zu achten, wie ich meine Zeit verbringe. Statt Texte zu scheffeln vielleicht doch lieber was kochen oder aufräumen.
Und ich übe, nicht dem Impuls nachzugehen, ‚alles richtig‘ machen zu müssen, weil irgendeine ‚Autorität‘ – Neil Kramer z.B. – mir was gesagt hat. Das I Ging Buch ist da schon lange mit mir dran, das WEIGERT sich konsequent, mir zu sagen, was ich tun soll. Es lobt mich auch nicht, wenn ich meine, was gut gemacht zu haben, es feuert mich nicht an – Es sagt mir: Bewerte nicht, hör nicht auf andere, tu das Naheliegende. Was gut ist, was Heilsam ist, das weißt du selber, in der jeweiligen Situation. Übe, dein fühlendes Bewusstsein wahrzunehmen! Da geht der Weg lang.

Das ist WAHR.

So, genug für jetzt. Ich hab was in der Küche zu tun.
 

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Richard Rohr

Weil ich den doch immer wieder erwähne – ein für alle Mal ein Beitrag zu ihm, zu dem ich in Zukunft linken kann. Und nein, ich bin immer noch nicht zum christlichen Glauben übergetreten. Darum gehts nämlich überhaupt nicht, mir nicht, und Richard Rohr auch nicht.

Den amerikanischen Franziskanermönch Richard Rohr erwähne ich immer wieder, seit ich Ende März 2016 von meinem Gefährten ein Buch von ihm zu lesen bekam.*

Richard Rohr ist Amerikaner, katholischer Mönch und hat eine Art spiritueller Männerbewegung ins Leben gerufen. Oh, das bedient meine Vorurteile. Ein männerbewegter amerikanischer Katholik! schauder

Er ist TOLL, der HAMMER, heilsam, genial, klug, weise, ein Lehrer, ein Seelsorger, ich bin SO FROH, dass ich ihn entdeckt habe!

Allen, die Englisch lesen, lege ich sein Buch Falling Upward ans Herz.

Auf meiner Anschaffen-Liste steht an oberster Stelle ein Buch, das er zu den 12 Schritten geschrieben hat – Breathing under Water. Sobald ich das gelesen habe, berichte ich davon!

Auf YouTube sind viele Vorträge und Predigten von ihm zu finden, die sich wirklich lohnen. (Es gibt auch manches auf Deutsch, da hab ich mir bloß noch nie was von angehört, weil das jedes Mal für mich zu betulich rüberkam. Aber wer weiß, wahrscheinlich sind da auch gute Sendungen dabei.)

Viele seiner Bücher sind ins Deutsche übersetzt worden – wendet euch an die Buchhandlung eures Vertrauens!

Außerdem leider auch nur auf Englisch:

Ich bekomme täglich erbauliche E-Mails vom „Center for Action and Contemplation“, einer Organisation, die Richard Rohr gegründet hat.
Ich muss ehrlich zugeben, die meisten dieser Mails habe erst gar nicht gelesen, sondern sie ‚für später‘ in einen Ordner gepackt.
Seit ich die meisten doch gleich lese, stelle ich fest, dass ich fast immer was darin finde, dass ich SOFORT weiterverbreiten will.

Ich kann sehr empfehlen, sich für diese Mails anzumelden. (Es gibt auch nen wöchentlichen und monatlichen Rhythmus.)
Zusätzlich zu den regelmäßigen Schätzen im Postfach bekam ich einen Link, über den ich auf Soundcloud einige Vorträge von R. Rohr herunterladen kann. Einer davon, „Contemplative Prayer“, ist so subversiv, radikal, hilfreich, heilsam, erhellend und befreiend (es geht, neu-eso-deutsch gesagt, ums Meditieren – wozu, warum und wie), dass ich den schon zig mal per Mail verschickt, auf CD verschenkt und hier gepostet hätte, wenn ich dürfte. Ich habe deswegen beim CAC nachgefragt, und die möchten das nicht. X) Das ist halt nur für die, die sich für die regelmäßigen Mails angemeldet haben. Also meldet euch an! (Und solltet ihr dann Probleme beim Runterladen haben – die ham das da auf Soundcloud umständlich in kleinen Häppchen hochgefummelt – dann helfe ich gerne! Einfach Mail an mich.)

Eins von vielen Videos, eher zufällig rausgesucht. Sehr gut. Klar!


* Blogeintrag dazu hier. Da gehts um verschiedene Sachen, ich linke der Vollständigkeit halber.