Hausfrau

Rübstiel

Vor ungefähr einer Stunde stand jemand in unserer Küche, sah durchs Fenster in maigrüne Baumkronen und schnippelte frisch geerntetes Gemüse ausm Blumentopf. Auf dem Herd köchelten Kartoffeln, der Milchmacher machte Mandel-Cashewmilch, überall stand Zeugs rum. Siebe, Brettchen, Messer, Töpfe, und auch einige wunderschöne Schüsseln. In einer war aufgefangenes Gemüsewaschwasser für die Blumenkästen, in einer andern heiße Gemüsebrühe (instant, nur damit kein falscher Eindruck entsteht) für das zu kochende Gemüse.

Diese Jemand war ich, ehemals bekannt als Sie, Die Nicht Kocht.

Und das kam so:

Wie gestern angekündigt habe ich heute das Rübstiel geerntet.

Rübstiel kenne ich von meiner Omi Solingen, die das zumindest einmal für mich gekocht hat. Ich war noch klein, und es war ab da mein absolutes Lieblingsessen. Leider habe ich es danach nicht mehr oft, vielleicht sogar nie wieder bekommen. Ich kann mich nicht genau erinnern, ich weiß nur sicher, dass ich immer, wenn ich Omi Solingen besuchte, Rübstiel haben wollte, und dass sie immer sagte, sie mache das überhaupt nicht gern, weil das so ne Arbeit sei.
Ich hab auch noch nie Rübstiel auf dem Markt oder im Geschäft gefunden. Darum hab ichs im Topf angebaut, und es hat geklappt! Eine schöne Portion Rübstiel ist auf unserer Dachterasse gewachsen.

Heute wurde es geerntet. Jetzt kann der Mangold die Sonne sehen.

In der Küche überkam mich zeitweise Verzweiflung und ich fühlte mich von der Größe der Aufgabe überfordert. Ich hatte auch vielleicht bisschen viel auf einmal gemacht, Kartoffeln schälen, und Mandeln schälen für die Milch, und Knoblauch drücken, und Kartoffeln kochen und immer wieder was spülen, und Brühe aufgießen und Mandeln und Cashews waschen und dann durchs Sieb abgießen und- (Jaja, die erfahrene Hausfrau hebt jetzt irritiert eine Augenbraue, weil ich mich so anstelle. Hey, ich bins, Sie, Die Nicht Kocht.)

Und das Rübstiel putzen. Bald klebten überall kleine Blättchen, an mir und am Messer und um mich herum. Als ich so ungefähr die Hälfte geputzt hatte, wusste ich, warum Omi Solingen, die mich wirklich sehr geliebt hat, mir trotz meines Bettelns kein Rübstiel gekocht hat. Und ich hatte ein Rübstiel, bei dem ich die Blätter dranlassen konnte. Bei den alten Sorten sind die Blätter zu hart und die Putzerei ist noch mal um einiges aufwändiger.

Das war der Moment, als ich so richtig die Lust verloren hab.
Ich hab Foto-Pause gemacht, danach gings dann wieder. Einigermaßen. Es half, dass ich Hunger hatte, und der Oger auch. Also, der half nicht beim Kochen, der hatte auch Hunger. =)

Schließlich war alles im Topf und mir wurde klar, dass ich viel zu viel Gemüsebrühe genommen hab.


Oh grässlich! Viel zu matschig! Das ist Rübstielsuppe. =(

Naja, das war mein allererster Versuch, und ich hab leider keine weiteren Vorräte, ums das nächste Mal besser zu machen.
Und was soll ich sagen – es war bisschen matschig, und es war KÖSTLICH!

Eya.

War das jetzt einen Blogbeitrag wert?

Doch, ja. In Memoriam Omi Solingen. ❤  


MJAM

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