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Logotherapie und Existenzanalyse

Ich wollte unbedingt was zu Logotherapie schreiben. Was jetzt kommt, ist das, was ich mir gemerkt habe oder aus dem gemacht habe, was ich im Unterricht gehört hab.

In der Logotherapie besteht der Mensch aus drei Teilen. In der Schulmedizin sind wir Körper, in der Tiefenpsychologie Körper und Seele. In der Logotherapie kommt noch eine Dimension dazu.

KÖRPER
Vitalität, körperliche Funktionen, Symptome, Erkrankungen

PSYCHE
bewusst ~ unbewusst
Kognition, Verstand, Verhalten, psychische Erkrankungen

GEISTIGE PERSON
bewusst ~ unbewusst
Sinngefühl, Wertegewissen, Herzensweisheit, Intuition („Bauchgefühl“)

Das find ich auch faszinierend, weils ein bisschen dem Drei-Instanzen-Modell von Freud ähnelt, dem Es (Triebe), dem Ich (Bewusstsein) und dem Über-Ich (Moral, Normen, Regeln).
In dem Modell muss das Ich zwischen den andern beiden Kräften balancieren, die so oft gegeneinander wirken.

Im Modell der Logotherapie haben wir statt des Über-Ichs: Intuition, Bauchgefühl, Wertegewissen. Wertegewissen. Was für ein schönes Wort, was für eine Macht.
Überich zerfällt zu Staub in diesem Licht.

 
Jeder Mensch ist absolut einzigartig.

Zitat aus dem Unterricht – ich weiß leider nicht mehr, wer das gesagt hat. Wahrscheinlich Frankl selbst, der Begründer/Entdecker der Logotherapie:

„Wenn ich zwei Menschen mit dem gleichen Therapieplan behandle, dann habe ich mindestens einen falsch behandelt.“

 
Notizen aus dem Unterricht:
„Hauptschlagader der Logotherapie“:
Weg von mir selbst hin zu jemandem oder etwas. (SINN)
Selbstdistanz und Selbsttranszendenz.
Die Geistige Person ist unzerstörbar und nur in eine Richtung durchlässig:
zur Psyche hin.
Die Geistige Person ist „nicht übertragbar“.
Werte als Straßen zum SINN
Gelebte, verwirklichte Werte geben etwas zurück: Sinnhaftigkeit.

 
edit:
der Kommentar von gann uma hat mich erinnert: das soll hier keine Anleitung zum Selbsttherapieren werden – die folgenden Fragen zu den jeweiligen Wertekategorien gehen schon in Richtung Praxis, ich geb sie hier wieder, weil sie außerdem sehr schön klar machen, was jeweils gemeint ist.
Und, das muss ja wohl klar sein – das ist hier nur der winzige, bescheidene Eindruck von Logotherapie, der bei mir nach sehr wenigen Unterrichtsstunden angedockt hat, mehr nicht.
Und nu weiter. 🙂

 

Drei Straßen zum SINN – von Frankl benannte Wertekategorien.

ERLEBNISWERTE
SCHÖPFERISCHE WERTE
EINSTELLUNGSWERTE

Erlebniswerte:
Was bereitet mir Freude?
Bei welchen Erlebnissen geht mir das Herz auf?
Was genieße ich?

Schöpferische Werte:
Worin bin ich wirksam?
Wo erschaffe ich etwas?
Worin bin ich kreativ?
Meine Talente?
Manche schöpferischen Werte können auch bei den Erlebniswerten schon erschienen sein. Z.B. Trommelzirkel: Es geht mir das Herz auf, wenn ich in einer Runde trommle und der Funke überspringt und wir zusammen Musik machen. Erlebniswert.
Ich trommel mit andern und gebe den Bassteppich: Schöpferischer Wert.
Dabei kann das, was bei den Schöpferischen Werten erscheint, auch überhaupt keinen besonderen Spaß machen. Regelmäßig Wohnungputzen gehört hier auch rein. „Das Sinnvolle ist nicht immer das Angenehme.“

Einstellungswerte:
Was musste ich an Unveränderlichem ertragen?
Wie gehe ich mit Leid, Schmerz und Krankheit um?
Wo wachse ich über mich hinaus?

So jetzt knall ich das einfach so hier hin, und will auch noch zur Website des Dozenten linken, mit etwas strukturierterer Info…
und der uns das so außergewöhnlich gut nahe gebracht hat.

http://www.praxis-kaercher.de/index.html

🙂

Vertrauen bedeutet für mein Leben…

Puh. Komme grad vom heutigen Wörkschop zurück. Thema waren die humanistischen Therapiemethoden, die wir in drei Unterrichtseinheiten durchgenommen hatten. Gestalttherapie, Bioenergetik und zuletzt Logotherapie und Existenzanalyse.

Heute haben wir eine Eingangsübung gemacht. Entspannung, Visualisieren, mit einem Begriff zurückkommen. -> Mit einen Phänomen. Meins war „Vertrauen“.

Dann haben wirs in einer Partnerübung besprochen, dann haben wirs in einer Partnerübung modelliert: eine Körperhaltung finden, die sich zum Phänomen passend anfühlt.

So üben wir mit dem Verstand und mit dem Empfinden (Köper), dem Phänomen auf die Spur zu kommen.

Dann haben wirs gemalt. Dann wurden die Bilder aufgehängt, mit einem Din A 4 Blatt darunter, auf das die anderen möglichst mit nur einem Wort schreiben sollten, was das Bild in ihnen auslöst.

Und dann sollten wir eine Geschichte schreiben mit der Überschrift [Mein Phänomen] bedeutet für mein Leben…, in der alle Begriffe, die die andern zu unserem Bild geschrieben hatten, vorkommen sollten.

Ich hatte im Verlauf dieses Workshops reichlich Gelegenheit, Vertrauen zu üben. Es gab ein paar Fügungen, wegen derer ich normalerweise schrecklich gehadert hätte. Nu will ich ja gar nicht normal sein, sondern heil, also habe ich geübt, mich vertrauensvoll der Herausforderung zu stellen und davon auszugehen, dass mir das Universum und seine BewohnerInnen nicht feindlich gesonnen sind… Ich habe auch Vertrauen geübt, als ich das Bild gemalt hab. Dass ich genug Zeit habe, fertig zu malen. Und das es nicht schön oder gut sein muss. Ich wollte, dass es vollständig ist, und fertig, und das wars.

Das Schreiben der Geschichte – bei mir eher eine Art Gedicht – entlang der Begriffe, die ich dann auf meinem Blatt fand, das war TOLL. Ein Puzzle zusammensetzen. Die Begriffe waren:

Fröhliches Dorf ~ Paradies ~ kindliche Freude / Kindheit erleben! ~ Fröhlich in der Natur leben ~ zu Hause ~ Leben in vollen Zügen ~ Märchenland ~ Kindheitsphantasie ~ schillerndes Leben ~ pralles Leben ~ Familie ~ bunt ~ Farbe ~ Träume ~ Idylle ~ Wohnmöglichkeit.

Ich glaub, ich habe doch paar Begriffe ausgelassen… Sie haben mich ausnahmslos alle berührt, und ich könnte wirklich oh tief und viel dazu schreiben. Dazu war die Zeit nicht. Hier das, was ausgelöst durch den ganzen Input dieser Tage und durch die Begriffe zum geschriebenen Text wurde.

 
Vertrauen bedeutet für mein Leben…

aus meinem inneren Märchenland
heraus aus dem verlorenen Paradies
das ich nur ahnen konnte.

In warmer Sonne, Gräserduft und Staub der Straße –
das zieht mich heraus aus der Kindheitsphantasie
dieses Sehen
hinein ins pralle Leben
ins schillernde Leben
ins Leben

in die Wirklichkeit

Keine Idylle – Idyllen sind schal und leer
meine Träume lassen mich erschöpft zurück
ich seh keine Wohnmöglichkeit für sie in der Realität

So verlasse ich die Familie
ich will Farben, ich will es bunt in der Welt
und fröhlich in der Natur zu leben
war mir nie gegeben
in den grauen Städten,
die bis zum Horzont reichen.

Das sind Realitäten.
NICHT die Wirklichkeit.

Kein fröhliches Dorf
nicht zuhause
nirgendwo

lebe ich doch in vollen Zügen
an den Rändern
wo es funkelt
wo die Wirklichkeit dräut und lockt

dort will ich sein

lebendige Heimat
nicht ortsgebunden
nur ans Hier
im Jetzt

SEIN

Vertrauen, dass ich finde
dass ich habe und bin:
lebendige Heimat
und so viel mehr
als ich mir hier&jetzt
vorstellen kann.

 

 
Jo, zu mehr bin ich hier&jetzt nicht imstande. Ich werde mehr zu Logotherapie schreiben. Zur passenden Zeit.

Das war schöner Unterricht, voller Wunder. Danke!