Ikarus

Fliegen

Als ich vormittags den Artikel zum gestrigen Neumondtag schrieb, hab ichs noch nicht gesehen. Dabei ist es doch glasklar und ganz einfach!

Erst kam der fliegende Teppich ~


Viktor Mikhaylovich Vasnetsov – Fliegender Teppich
(Eine Illustration des Märchens Ivan und der Feuervogel. Den Teppich hat Ivan von der Baba Yaga bekommen.)

Dieses wundervolle Bild hab ich über Godharmas Blog1 gefunden, passend zum Sabischen Symbol des gestrigen Widder-Neumonds – The flying carpet.

Dann, wie im Beitrag vorher erzählt, bin ich gestern morgen auf dem Weg zur Schule zweimal Ikarus begegnet. Das kam in meinem Leben nicht oft vor (also, eher nie…), und ich hatte den Eindruck, das will mir was sagen.

So hat mich Ikarus den ganzen über Tag begleitet, und ich habe über Hybris und Größenwahn nachgedacht.

Abends beim Zikr dann der Text über Hochmut, Überheblichkeit, Eitelkeit und nachher noch das Gespräch darüber, in dem wir zu dem Schluss kamen, dass dieser „Stolz in Gott“ ein Werkzeug ist, nicht mehr und nicht weniger. Das ist erst mal überraschend, da uns üblicherweise gesagt wird, Stolz sei etwas Schlechtes. Und nun höre ich, er sei göttlich2 und gehöre zu unserem Leben.
Unsere Aufgabe ist es, dieses Werkzeug zu verfeinern und angemessen und kunstvoll zu verwenden. Das, was wir sind, und unsere Begabungen.

Und eben les ich noch mal den Beitrag von Godharma zum Neumond, sie schreibt dort:

Godharma´s Astrowoche 6.-18. April 16

Lasst eure Fantasie walten und bleibt im Schutze eurer Herzangelegenheiten. Expansives Verhalten in Richtung Ehrgeiz und Karriere werden sich durch Saturn und Mars, beide im rückwärtstrend (Mars dreht bald) nur kräftezehrend und frustrierend äußern.

Und so hab ich gefunden/beschlossen/erkannt, dass mir Ikarus gestern zum Neumond-Neujahr begegnet ist, weil er die gleiche Botschaft bringt: Fliege, nutze deinen Gaben! Und das vor-sichtig und rück-sichtig.
Ikarus ist derjenige, dessen Name uns ein Begriff ist. Er jedoch führt uns zu Daedalus, seinem Vater, der die Flügel gebaut hatte, mit denen er und Ikarus aus der Gefangenschaft geflohen~geflogen sind. Daedalus konnte solche tollen Dinge herstellen, das war eine seiner Gaben, die er – vielleicht ist das auch eine Form von Hoch-Mut – genutzt hat, um nicht mehr in Gefangenschaft dienen zu müssen.

Ikarus ist uns eine Warnung – mit fremden Federn sozusagen ist er zu hoch geflogen und abgestürzt. Dafür ist er jetzt ziemlich berühmt.
Daedalus ist uns ein Vorbild.  Mit seiner Kunst und Craft hat er den Weg in die Freiheit gefunden.

Und das ist ein Thema, eine Strömung, ein zu spinnender und zu verwebender Faden, eine Aufgabe für uns alle dieses Jahr.

Oke, und gez Schluss mit dem Predigen. Ich mach das echt gern, ist auch eine meiner Gaben – finde ich   – und dann is auch mal wieder genug.

peeees


1 – Mehr zur Symbolik des Bildes, wie gut es zu diesem Neumond passt und was so ansteht in unseren interessanten Zeiten könnt ihr euch über das dortige Video anhören. Link s.o. vor dem Zitat.

2 – Zu ‚göttlich‘ eine Anmerkung. Ich seh das so: Nicht Gott ist die Wahrheit, sondern die Wahrheit ist Gott. Das funktioniert mit fast allen Namen Gottes, und es ist ein ganz großer, entscheidender Unterschied.
Oh, und zu dem Namen Gottes der YHVH ist, hab ich – dank Richard Rohr – auch noch was zu schreiben. Demnächst. 🙂

Advertisements

Nach-dem-Neumond-Bericht

Das war ein sehr schöner Neumondtag gestern. Zum Schluss saß ich tatsächlich auf dem fliegenden Teppich

Trotz zu späten Aufstehens hatte ich morgens doch Zeit, ein bisschen zu sitzen. Gut, weil ich mir das vorgenommen hatte, und dann muss ichs auch wirklich machen. Das ist Training des Selbstvertrauens (-> ich kann mir trauen, wenn ich mir selbst was verspreche).

Auf dem Weg zur Schule in der Straßenbahn las mir gegenüber ein kleiner Junge seinem Vater aus seinem Schulbuch die Geschichte von Ikarus vor. Als ich ausstieg, sah ich an einem Laternenpfosten einen Aufkleber von nem DJ oder was weiß ich:

Das nenn ich Synchronizität. Jaja, der Aufkleber wäre mir an einem andern Tag nicht aufgefallen. Trotzdem.
Ikarus hat mich den Tag begleitet. Erste Ergebnisse: Es ging mir ziemlich lang das Lied „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ im Kopf rum. Wow. Manchmal quält mich mein innerer DJ-Dämon sehr.
Ich dachte außerdem über Hybris nach und hatte auch mal Grund und Gelegenheit, das Wort zu verwenden. Ich seh die natürlich oft bei andern… und doch, und doch… irgendwie hab ich den Verdacht, es könnte auch was mit mir selbst zu tun haben …
Ich bewegs weiter im Herzen.

In der Schule hatte ich mein Licht aufm Pult:

Es sind auch einige Mitschülerinnen mit dabei bei der Mondmedi, was mich sehr freut!

In der Pause ergab sich eine Runde um den Kaffeemaschinentisch zwecks Unterhaltung. Ich holte das Tarot-Deck dazu, um mit dem Bild der Sonne etwas zu illustrieren. Daraufhin wollten einige Ladies eine Karte ziehen. Ich war sehr in meinem Element.
Nu keinen Höhenflug (Ikarus) ~ trotzdem überlege ich, ein Seminar zu Tarot abzuhalten. Kostenlos; der Preis, den die Interessierten bezahlen müssen ist, mich ungebremst reden zu lassen. Ich kann lang und viel und reichlich zu Tarot reden, oh ja, und ich machs GERN.
Ist alles Training.

Abends waren mein Gefährte und ich seit langer langer Zeit endlich wieder bei den hiesigen Sufis zum Zik’r. Das ist eine Gruppen-Meditation mit Musik und Singen, ums ganz schlicht zu erklären.


Es gab neue Sitzbänke, und es waren richtig viele Leute da. (Die sitzen auf dem zweiten Bild alle noch an dem andern Tisch beim Tee.)

Vor dem Zikr wurde noch etwas gelesen, es ging dabei u.A. um Eitelkeit, Stolz, Überheblichkeit – das arabische Wort dafür habe ich leider vergessen. Kabria oder so. Ich muss nächste Woche noch mal fragen, oder hier kann mir vielleicht jemand weiterhelfen.

Sehr faszinierender Text: Diese Eitelkeit ist Teil von uns, hieß es da, sie ist von Gott, und wenn wir sie bei uns ausmerzten, würden wir sterben. Stattdessen ist sie zu schleifen und zu verfeinern – ich erinnere mich, dass es hieß, wenn sie als derber Dornenstrauch im Garten wächst und wir sie ausreißen, dann kommt sie im selben Garten als Apfelbaum zurück, und wenn wir den fällen, kommt sie im selben Garten als duftender Rosenstrauch zurück.
Ich denke darüber nach, mir gefällt das. Unser … wie soll ich ihn nennen… Lehrer, Musikmeister, Freund, Anleiter – Mehmet halt, nannte das im Gespräch nachher „Stolz in Gott“. „Wie ein Schwan“, sagte er und seine Köpersprache dazu sagte ‚aufrecht, selbst-bewusst und prächtig‘.
Es ist unsere Aufgabe, aus unseren Gaben etwas zu machen. Nicht grob, nicht aufdringlich, nicht stechend wie ein Dornenbusch.
Oke, jetzt Schluss mit dem Gedeute. Vor allem, da ich das nur aus dem Gedächtnis wiedergebe.
Und natürlich knüpfe ich hier eine Verbindung zu Ikarus.

Eine wunderbare Sängerin , Nawal, war auch zu Gast und begann den Zik’r mit kraftvollem, gänsehauterzeugenden Singen (ich empfand es als Ehre, dabeizusein und mitzusingen), und als wir schon mittendrin waren (auch so Klötze wie ich kommen so in leichte Trance) erhob ein begnadeter junger Mann die Stimme und trieb mir noch mal verstärkt Tränen in die Augen.

Ja, das war ein Glück und ein wundervoller Abschluss des Tages: singend auf dem fliegenden Teppich.

Neumond ist ein so schöner Termin zum Anfangen; der Zik’r hat uns gefehlt, wir warn bisschen träge und abgelenkt, und jetzt gehn wir wieder hin.

Jo, wie ich auch von andern gehört und gelesen habe: Das war ein schöner Neumondtag. Ich wünsch mir, dass es auch für euch so war.