KALI

Die Umzugs-Oper von Wohindemit

Atmelose Arien der Umzugsoper:

Zuallererstmal, warum ich überhaupt diesen Post hier poste: Ich les fast nix mehr online, ich klicke nichts an, ich kommentier so gut wie nicht mehr. Das ist, weil ich fast nicht mehr online bin, und wenn, dann bekomm ich nur noch wenig in den Kopf. Bitte nehmts mir nicht übel! Das kann sich auch noch hinziehen bis Mitte/Ende März.

Unsere neue Wohnung in LU ist viel kleiner als wir dachten, was wir erst gemerkt haben, als wir den Mietvertrag schon unterschrieben und hier schon gekündigt hatten. Wir haben auch viel Dachschräge, was mich besonders fasziniert, weil das beim Wohnungssuchen eins der absoluten Kriterien für NEIN war. Die Dachschräge haben wir beim Besichtigen einfach ausgeblendet. Auch die Küche ist winzig, das war ein weiteres Kriterium: eine große Küche.
SEUFZ.
Da wir beide die Wohnung haben wollten und tatsächlich bekommen haben, obwohl sie in vielen vorher definierten wesentlichen Punkten eine NEIN-Wohnung ist, und wir also unbewusst ganz viel ausgeblendet haben, gehe ich davon aus, dass wir die Wohnung haben, die wir haben SOLLEN.
Damit wir dort leben können, müssen wir ganz viel ausmisten. Viel mehr als wir vorhatten. Das sind so Fügungen, über die bin ich FROH und dankbar.

Gruselig ist mir auch immer wieder. Die Küche ist wirklich winzig. Oje.
Und es sind nach wie vor eine Menge Dinge zu klären, auch mit unseren Noch-Vermietern.

Ab Morgen geht Merkur wieder langsam vorwärts. Wie sich bei uns die Dinge zum Merkur retro und zum Neumond gefügt haben, das ist wirklich faszinierend. Die Overtüre der Umzugsoper und ihr erster Akt sind genau in diese Zeit gefallen, und an entscheidenden astrologischen Punkten fügten sich hier wesentliche Dinge. Und die Phase ist noch nicht vorbei. Wenn wir durch sind und ich dazu komme, dann möcht ich das gerne mal aufdröseln.

Das Ausmisten/Reduzieren/Vermindern soll weitere Veränderungen Richtung HEILUNG mit sich bringen. Ich werde meinen Medienkonsum reduzieren. Ich will in LU nach wie vor bloggen und Blogs lesen, allerdings nicht mehr in dem Ausmaß wie zu meinen Hochzeiten. Ich will stattdessen heilsamere, wirklichere, unmittelbarere Dinge tun. Ich hab zur Entspannung und zum Einschlafen in der letzten Zeit viel Input zum Lebensbaum und von Neil Kramer gehabt.
Ich glaub nicht, dass ich auf meine alten Tage noch mit ner hermetischen Schule anfange, und doch sind in der letzten Zeit (Merkur retro…) bei mir eine Menge Puzzlestücke angefallen, alte, sehr alte und ganz neue. Ich seh das Bild noch nicht komplett (Merkur retro… noch nicht vorbei, die Phase). Und doch: ich seh was. Vor allem seh ich, dass ich viel mehr als jetzt SEIN will, verkörpern will. Embodiment.

Jo.

Nachgeblubber zum Abschluss:
Das Moll hat sichs noch mal voll gegeben und kurz vorm Auszug Orte in der Wohnung erkundigt, die zuvor noch nie eine Pfote beschlichen hat.
Ich hatte vorher so ein seltsames Kratzen und Schaben kleiner Krällchen gehört und konnte das überhaupt nicht einordnen. Bis ichs über meinem Kopf maunzen hörte. Sie muss sich irnzwie den schrägen Balken entlang hochgezogen und -geschoben haben.
Die Heizung unten im Bild ist noch maln halben Meter höher als ich, nur damit die geneigte LeserInnenschaft sich ne Vorstellung machen kann, wie hoch das Kätzchen da hockt. (Und warum wir – u.A. – umziehen. Diese Wohnung bekommen wir im Winter nicht warm.)

Gerettet wurde sie durch eine Gemeinschaftsaktion. Ich stand auf der Leiter und hielt ein dickes großes Sofakissen über den Kopf, mein Freund gab Anweisungen, und das Kätzchen ist dann aufs Kissen gesprungen.

Puh.

Wiedereinstieg…

Ich muss dringend einen Beitrag schreiben, weil ich die letzten beiden Beiträge jetzt mal langsam nach unten sinken lassen will. Ich bin im Reinen mit denen, die passen, und jetzt bin ich wieder woanders. Wie im richtigen Leben halt.

Es folgt eine Bestandsaufnahme mit Links zu älteren Beiträgen (hauptsächlich) von mir. Das ist für mich selber.

Zu den Jahreszeitenfesten, die ich dieses Jahr richtig amtlich feiern wollte (hier beschrieben):

Hat sich erledigt. Das geplante Lichtmessfest ist wg. Krankheit und Erschöpfung ausgefallen. Stattdessen habe ich in dieser Zeit ne mal wieder sehr intensive Auseinandersetzung mit meinem Schnusel gehabt. Schicht um Schicht geht es in die Tiefe. Dann kam Besuch aus München, das war auch sehr intensiv und interessant, und für uns alle auch anstrengend. Darüber wurden Schnusel und ich halt krank (Immunsystem angeschlagen…) und als der Termin zu Lichtmess da war, konnte er nicht mitmachen und ich verspürte überhaupt keinen Anlass, irgendwas alleine zu machen. Das Wetter war der übliche matschig-trübe Herbst, den wir seit letztem Herbst hier hauptsächlich hatten, ich war sehr erschöpft und hatte viel zu verarbeiten. Nach Feiern war mir überhaupt nicht. Für mich alleine kam es mir hohl und sinnlos vor.

Ich habe das genutzt, um zu üben, nicht zu hadern. In der Zeit haben wir mehrere schöne Vorhaben gelassen, und ich habe festgestellt, dass ich damit gut leben kann, solange ich keine emotionale Pest aufkommen lasse.
Ich habe tatsächlich in jedem ‚Scheitern‘ was Gutes gefunden.

Die ausgefallene Goa-Party: Die war zu Neumond, ich war extrem müde und gar nicht mal so traurig, als ich nicht gegangen bin. Meine Karte habe ich einer jungen Frau verkauft, hab ihr noch 5.- nachgelassen und sie hat sich sehr gefreut.
Ich geh noch auf so ne Party, und da guck ich, dass es vorm Vollmond ist. 🙂

Das ausgefallene Lichtmess: Ich hatte ja vorgehabt, übers Jahr zu gucken, wie sich die Feste anfühlen, ob ich sie noch als stimmig empfinde. Und nu finde ich: Durch den Lichtmess-Ausfall hab ich mir ein Jahr sinnloses Rumprobieren gespart. Ich kann hier&jetzt sagen: Nein, die Feste fühlen sich nicht mehr stimmig für mich an.
Statt mir das dies Jahr noch mal richtig reinzureiben, kann ich gucken, was ich stattdessen machen will. Ich bin dankbar, dass mein Lichtmess ausgefallen ist.

Und dann wollten wir nach Hockenheim zu Hagen Rether. Da warn wir dann auch zu krank zu. Die Karten konnten wir telefonisch zurückgeben. Und Ende des Jahres kommt er nach Mannheim ins Capitol, da mag ich eh viel lieber hin als nach Hockenheim. Alles ist gut. 🙂

Ungefähr zeitgleich mit den Lichtmess-Plänen und in der darauf folgenden kranksei-und-alles-fällt-aus-Zeit kam der Sieben-Elemente-Test daher, und mit ihm einige Anmeldungen an meinem eigenen Messageboard. Das hat mich erst sehr gefreut, das hatte ich mir doch so gewünscht. Und dann konnte ichs nicht pflegen, weil ich teilweise aufm Schlauch stand und außerdem fast nicht online (sondern im Bett) war.

Ich war und bin seit der Zeit sehr mit meinem Horoskop beschäftigt, das mir neue Erkenntnisse bzgl. meines Berufes und meiner Berufung beschert. Entweder, das wird ein eigener Blogbeitrag, oder ich behalts einfach für mich, da es nur für mich wichtig ist.

Jo… und in all das rein kam KALI.

Das war, so seh ich das jetzt, die Overtüre zu einer ganz grässlichen Zeit. Also, sie hat sich grässlich angefühlt, es ging mir schlecht. Stimmig wars auch.
Da ging so langsam mein MarsT-quadrat-MarsR los, das mich in der folgenden Zeit gebeutelt hat, am 19. Februar exakt wurde, und sich dann am 21. auch hier im Blog entladen hat. Das ist in Ordnung, denn die Dinge, die meine Wut und meinen Zorn entfachen, sind wirklich. Ich bin sehr dankbar, dass KALI schon da war, um meinen Zorn zu aufzunehmen.
Dass ich dieses Mars-Mars-Quadrat hatte, das hab ich auch erst um die Zeit rum festgestellt. Das war schon ein kleiner Trost.
Ein weiterer sehr großer Trost, auch wenn ich weinen musste (und muss), weil wir die Erde so unglaublich vergiftet haben, war dann die aktuelle Astrovorschau von Godharma. Bei allem Entsetzlichen kam sehr stark zu mir durch: ZUVERSICHT und SEI REALISTISCH: PLANE EIN WUNDER! (Osho). Und im nächsten Godharma-Artikel dazu begegnete mir auch KALI wieder, im Tanz mit Shiva. Ich hab mich so gefreut, das Bild dort zu sehen, ich hab das nämlich selber 2012 im Netz gefunden, ausgedruckt, laminiert, und seitdem begleitet es mich.


ca. 1780 – Indian, Punjab Hills, Guler 18th century

Noch im ganz akuten Zorn und in Verzweiflung hab ich mir ein wundervolles Sea Shepherd Unterhemd geschenkt, dazu das Buch EARTHFORCE! von Captain Paul Watson (Begründer von Sea Shepherd). Okee, ich bin jetzt nicht so die superaktive Umweltkriegerin, auch wenn ich mich sehr schick in military Klamotten find ~
Das Buch ist dennoch auch für ältere Computerhockerinnen wie mich inspirierend. Ich les es grad mit großer Freude. Ich bin dankbar: Sea Shepherd, dem Captain und auch mir ein bisschen, weil ich mir das Buch (und das Hemd) geschenkt hab.

Achja, es ist noch was ausgefallen in der Ausfall-und-kranksei-Zeit. Drei Unterrichtseinheiten der HPΨ Schule. Praktische Übungen, das wurmt mich. Der Wiedereinstieg war dann mit einer Einheit zu Humanistischer Therapie und da speziell Gestalttherapie. Das war TOLL. Und dann auch extrem frustrierend – so etwas abgehandelt in, was weiß ich, 2-3 Stunden. Naja, das wusste ich vorher, also will ich dankbar sein, dass diese 2-3 Stunden sehr bereichernd für mich waren. Auf YouTube finde ich derweil jede Menge wunderbarer Videos zu psychologischen Themen. Zu Gestalttherapie hat mich vor allem dieses hier begeistert:

Als die Lady zum wiederholten Male erwähnte, dass der alte Fritz (Perls) Schwierigkeiten hatte, seine eigene Mitte zu halten, da war ich plötzlich überzeugt, dass der die Mondknoten genau wie ich von der Waage in den Widder hat. Achse ☋♎―☊♈. Hab ich nachgeguckt, hat er die Mondknoten von der Waage in den Widder.
Ich mach mich als Astrologin selbstständig! Oder vielleicht werd ich doch lieber Gestalttherapeutin, noch ein paar Videos, dann kann ich das! (Da gibts viele mit dem alten [kettenrauchenden] Fritz himself auf YouTube. Sehr faszinierend! Viel mehr als die Monknoten hab ich nicht mit dem gemeinsam…) Oder doch lieber Bioenergetik.

Eya.

Also, reich und berühmt werd ich wohl nicht mehr, in diesem Leben. Naja, reich vielleicht. Kurz bevor das Geld abgeschafft wird. Wodrauf ich mich schon sehr freue.

Das war die Bestandsaufnahme. Demnächst in diesem Blog: MondMedis.

Was tun mit der Wut

„Mögest du in interessanten Zeiten leben!“
Chinesischer Fluch

Ich bin gebügelt von den Nachrichten, die mein Gefährte bei gmx vorfindet und mir weitererzählt, von brennenden Flüchtlingsheimen. Von dem Bus voller Flüchtlinge, der von verbrecherischen Volksverhetzern aufgehalten wurde, wo die Polizei zuschaut und schließlich verängstigte Kinder im Schwitzkasten rauszieht, und dann erzählt, die seien ja selber schuld, sie hätten sich gewehrt. (Wahrscheinlich haben Focus, Bild, Welt etc. aufregendere Artikel, hier was dazu von der ruhigeren FAZ. Reicht mir.)

Ich bin angewidert, ich bin den Tränen nahe, ich könnte kotzen, ich könnte Sachen durch die Wohnung schmeißen und schreien, ich könnte auf die Straße rennen und dem nächsten armen Typen, der auch nur vage aussieht wie Söder oder Seehofer eins in die Fresse haun-
Ich will das nicht. Ich kenne diese hilflose, verzweifelte Wut von früher. Ich will das nicht mehr.
Mein Gefährte und ich, wir versuchen, uns zu beruhigen. Wir versuchen, uns nicht selber zu hassen, weil es uns so gut geht. Wir leben im Überfluss und haben sogar von den allerrechtesten Geistesgestörten nichts zu fürchten, weil wir beide blaue Augen haben und besser deutsch können als die meisten unserer stolzdeutschen MitbürgerInnen. Ich will mich deswegen nicht schuldig fühlen!

Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Ich will umweltfreundlich leben, ich will aus dem Konsumterror raus. Ich will den nicht um mich rum haben. Ich will auch keine wahnsinnigen, gewalttätigen, rechten Bürger-Terroristen um mich rum haben. Ich will nie mehr volksverhetzende Scheiße von irznwelchen AfD Leuten hören oder lesen.

Und ich will auch nicht so wütend werden, dass ich irnzwann mit der Axt um die Häuser renne und meinen Teil zur Gewaltspirale beitrage.
Niemandem ist geholfen, nichts ist besser geworden, wenn es mir schlecht geht oder wenn ich selber zur Brandstifterin werde, auch wenns – meiner Meinung nach – ‚die Richtigen‘ treffen würde.

Ich sag mir, das wird dieses Jahr noch viel schlimmer werden. Es war immer immer schlimm auf der Welt, so ca. seit 8000 Jahren. Nur, es kommt uns immer näher. Vordem war das halt früher oder woanders. Jetzt kommt es immer näher, die Ausbeutung, die ausgelebte Nazimentalität.

Ich bin sicher: Unsere interessanten Zeiten sind eine Zeit der Entscheidung. Wir müssen uns offen bekennen, wir müssen konsequent handeln. Wir müssen uns für eine Seite entscheiden.

Und das erst mal so Verwirrende dabei: Es stellt sich nicht die Frage nach ‚links‘ oder ‚rechts‘. Es stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln wir kämpfen wollen, und an welcher Front.

Denn die Mittel heiligen den Zweck.

Und das bedeutet für mich: Klar geh ich auf ne Demo, wenn es sich fügt. Klar unterzeichne ich Petitionen und spende kleine Beträge für wichtige Zwecke, wenn Avaaz, Campact, SumOfUs, Walkfree, We Move, Sea Shepherd etc. darum bitten. Klar verteilen wir Anti-TTIP-Türanhänger in der Nachbarschaft.

Und vor allem gebe ich meinen hilflosen Zorn ab. Ich will den nicht. Ich gebe meinen Zorn und meine Wut der Erde, KALI, TARA ~ sie weiß, was damit zu tun ist. Das ist nicht meine Entscheidung, ich habe kein Recht auf Vergeltung, Sühne, Gerechtigkeit. Das liegt nicht in meiner Hand. Ich hab mit mir selber genug zu tun: Heil sein, in meine Mitte finden. Nur wenn ich dort bin, kann ich heilsam wirken, und das maße ich mir ja an: Ich will heilsam wirken.

Wie das geht, das muss ich lernen. Üben. Ausüben. Das ist jetzt gefragt, wir alle sind gefragt. Und ich vertraue darauf, dass die Menschen Frieden wollen und heilsames Sein verwirklichen. Ich hoffe nicht, und ich warte nicht – ich VERTRAUE darauf, weil ich sehe, dass viele andere Menschen so fühlen, sich entscheiden, dementsprechend handeln. Hier wächst z.B. etwas auf dem Boden von Foodsharing: YUNITY

Es gibt viele Menschen, von denen ich lernen kann – und ich will mich vernetzen. Ein Schritt nach dem anderen.
„Nach innen spirituell, nach außen politisch“ hat Heide Göttner-Abendroth gesagt.

 
edit:
Das ist ja nicht das erste Mal, dass mich dieses Thema umtreibt. Ein schönes Zitat dazu, das mir grad gut tut, findet sich hier: Jenseits von Bekämpfen oder Mitmachen.

Warum

Den Text zu KALI habe ich vor einigen Jahren geschrieben, das dazugehörige Fernseherlebnis ist noch viel länger her. Ich hab den eben gefunden, diesen Text, als ich was zu Hermes und Hekate gesucht habe.

Ich hatte das erst als geplanten Beitrag für den November vorgesehen. Ich fand erst, diese Überlegungen zu Tod und Ende der Wiedergeburten und KALI – das gehört in den November, das das passt nicht zu Lichtmess, Brigid, Frühling.

Tuts nicht… was passt überhaupt? Das Wetter jedenfalls nicht. Und dieser Text ist mir nun mal jetzt auf den Bildschirm gekommen und hat mich jetzt beim Wiederlesen berührt. Und ich hatte so einen Impuls, dass ich ihn sehr passend finde zu dem, was ich von 2016 erwarte. Ich zitier mich jetzt selber vonnem Messageboard, dann muss  ich nicht alles doppelt formulieren:

~ 2016 wird spannend. Und ich glaub, eine wichtige Lektion ist, sich nicht belügen zu lassen und erst mal gar nichts zu glauben, was offiziell erzählt wird – ob es uns in den Kram und ins Weltbild passt oder nicht – sondern unsere Mitte zu finden, zu halten und dort die „Wahrheit“ zu wissen und uns nicht beirren zu lassen.

Ich glaub, es kommt ein hammerkrasses Jahr auf uns zu. Ich glaub, es wird ziemlich schreckliche Dinge ins kollektive Bewusstsein spülen (diese schrecklichen Dinge gibt es schon, nur wills eben niemand wissen. Der Zustand der Weltmeere z.B.).

Und ich glaube auch, dass dadurch sehr starke, sehr heilsame, transformierende Kräfte frei werden. Durch uns alle, wenn weil wir das so wollen. ~

Was hat das mit dem KALI-Text in dem Beitrag davor zu tun? Wenn ichs doch in Worte fassen könnt… Es hat mit Transformation zu tun, mit Wandel. Mit dem, was wir anschaun müssen, was wir ertragen müssen, und dass wir zu tun haben. Und dass das Leben schön ist, und voller Wunder.

 

 

KALI

Ich möcht was erzählen von der Indischen Stadt am Ganges,
die ich im Fernsehen gesehen habe,
wie einen Traum.

Eine Stadt der Toten,
für die Gestorbenen, die niemals wiederkehren.
Dort verlassen sie das Rad der Wiedergeburt.
Ich glaube, es ist Varanasi ~ Benares.

Als ich die Stadt sah,
auf dem Bildschirm
ich auf dem Sofa vom meim Ex
allein in seiner Wohnung
in Passau
Als ich die Stadt sah
gings mir durch den ganzen Leib bis ins Knochenmark.
 

Diese Stadt am heiligen Fluss,
Necropolis
vollgestopfter, zugebauter Großstadtdschungel
unsagbar alt
weißgrau und schwarzgrau
wie aus Stein und Asche
und die Feuer, die Feuer am Ufer,
und wer gestorben ist und dort verbrennt
wird nicht wiedergeboren.

Und gegenüber am anderen Ufer
das karstige Land
dorthin geht niemand.

 

Und der blondschnäuzerte deutsche Filmmacher da durch wie Sigfried,
völlig naiv —

Der deutsche Filmemacher musste natürlich auf die andere Seite, die der Kali gehört, ins Totenreich,
wo niemand hin fährt.
Klar, da musste er unbedingt hin, dieser junge Mann, frei von Aberglaube.
Brauchte ne Zeit, niemand wollte ihm helfen.
Schließlich fand er doch tatsächlich einen, der bereit war, ihn überzusetzen.

Über den Ganges.

Hin zum karstigen Land.

Der Fährmann war ein Knabe, vielleicht fünfzehn, sechzehn. Völlig entrückt. Drogen? Visionen? Weiß nicht.
Der junge semmelblonde schnäuzerte Filmemacher hielt jedenfalls die Kamera drauf, beim Übersetzen.
Voll ins Gesicht des rudernden Knaben.
Und der war nicht da. Er ruderte, aber er war woanders.

Dann lief das Boot auf den Sand, am anderen Ufer
wohin niemand geht
das Totenreich
Land der Kali
Und da war bloß öder Sand und Steine und gar nichts los
gar nichts Tolles, keine gähnende Höhle, keine Monster
voll öde

bloß
diese drei kleinen Köter da
drei kleine wilde kläffende Köter
die kläfften und kläfften völlig irre waren die
ganz außer sich
griffen nicht an, regten sich auch nicht ab
kleine Köter, ganz ungefährlich
gar nicht lustig  gar nicht niedlich
der Semmelblonde hatte gar keine Angst
paar Schritte, graue Steine, Sand
kläffkläffkläfffgrrrKLÄFF
wie irre, wie verrückt
kläffKLÄFFgrrrrKLÄFFKLÄFFF

und der Semmelblonde machte keine weiteren Schritte ins karstige Land
wo nichts wuchs
bloß diese drei Hunde
sondern zuckte die Achseln
sagte sowas wie „sehr enttäuschend, hier ist gar nichts“
und trat schleunigst den Rückzug an
beunruhigt
bisschen nervös
denn da war ja gar nichts (kläffkläffgrrrrrkläffKLÄFF)

und so fuhr er
mit dem entrückten dunklen Knaben
wieder weg von dem Ort
wohin kein Lebender fährt

zurück auf unsere Seite

Am diesseitigen Ufer betete ein
Typ
Der hatte orangenes Tuch um die Lenden, lange Fingernägel und wirre Haare
Er wirkte eigentlich recht fit
er betete zu Kali: er rockte vor und zurück und schrie und wimmerte wie ein Baby
Er hatte den Dreizack der Göttin vor sich gesteckt,
Kalis dreizackige Gabel,
mit leuchtendem Orange geschmückt

Und ich glaube, er versuchte den Tod zu fassen. In seinem kleinen Körper.
Und sollte sich doch lieber mal die Haare aus dem Gesicht tun, damit er was sieht.

Vielleicht hatte er alles gesehn und wusste nicht mehr, wo hin.

Und der Filmmacher die Kamera drauf, und sagt, er weiß auch nicht, was der hat-
dieses Gebaren, diese Extase, ganz seltsam und fremd
exotisch halt, mystisch, ‚das verstehn wir nicht‘

Und ich guck mir den so an, da heulend und betend in Krämpfen am Strand gegenüber dem Reich der Toten,
in der Stadt wo du verbrannt und nicht wiedergeboren wirst
und ich guck mit den so an, junger dürrer Mann mit Bart und langen Fingernägeln
und ich sach dem so
allein, vom Sofa aus, in Passau, in Gedanken
sach ich dem:

Hey, Typ, Tod ist noch nicht dran.
Kümmer du dich um die Lebenden, du bist jung und gesund.
Schneid dir die Haare und die Fingernägel, du hast zu tun
gibt viel Arbeit, die Lebenden leiden Not
um das mit dem Tod und dem Ende der Wiedergeburten kümmer dich, wenn es so weit ist.
Dann wirds dich auch nicht beuteln.
Hier und Jetzt hast du anderes zu tun. Tu Gutes, pflege das Leben.

Wie ich das so denke, plöppt der Typ auf dem Bildschirm aus der Extase,
hört auf mit Schaukeln und Schreien,
guckt sich um, steht auf,
zieht seinen Dreizack aus dem Sand und geht

Das Universum ist Größer als wir, und es gibt Gegenden, wo sich die Dimensionen verbiegen. Das kannst du nicht fassen.
Und du musst auch nicht überall hin. Reläx, Mann!
Diese Stadt

Dort am Ufer macht mir Angst.
Ich konnte sie wirklich nicht fassen
Oder sie war mir zu vertraut, was weiß ich.
so vertraut, Nekropolis, die Stadt vor dem endgültigem Tod.
Den wir alle so fürchten.

Die grausame Kali.

Hier diese Stadt
Die ist doch von Menschen gemacht

Und dazwischen der Fluss, das tröstete mich.

Dazwischen der Fluss.

Das Universum ist Größer als wir, und es gibt Gegenden, wo sich die Dimensionen verbiegen. Das kannst du nicht fassen
Hier und Jetzt.
Und du musst Hier und Jetzt
auch nicht überall hin.