Katholiken

pray always

Ich habe neulich, noch frisch genervt von der Ansprache des Anführers der hiesigen, heurigen Fronleichnamsprozession–
‚Fronleichnam‘ – allein dieses Wort, das musste dir echt auf der Zunge zergeh- UUUARGH! Ppttt! Puäch!

 

 
Oke… wie find ich jetzt wieder den Einstieg?

Ach egal. Mittenrein. Ich wollte was übers Beten schreiben. Das mach ich jetzt, und ich machs ganz kurz.

In dem wunderbaren, warm empfohlenen Vortrag „Contemplative Prayer“ – ‚kontemplatives Beten‘ von Richard Rohr zitiert er Paulus mit „pray always“ – „betet immerzu“.

Damit, sagt Richard Rohr, kann Paulus unmöglich gemeint haben, dass wir von morgens bis abends Vaterunser und Ave Marias aufsagen sollen.
Gebet, sagt Richard Rohr, bedeutet nicht, Worte aufzusagen. Es ist eine Haltung, eine Art zu leben. „Sobald wir begriffen haben, dass alles, was immer wir in bewusster, liebender Einheit mit der Wirklichkeit tun, Gebet ist, können wir besser verstehen, was Paulus meint.“

Becoming Pure in Heart – Center for Action and Contemplation

If we think of prayer as requiring words, it is surely impossible to pray always. Once we recognize that whatever we do in conscious, loving union with Reality is prayer, we can better understand what Paul means.

Wasser holen und Ecken auskehren – das ist Gebet.
Die Wirklichkeit bezeugen — das ist etwas anderes, als nur zusehen. Bezeugen ist DABEISEIN; mittendrin in der Schöpfung, aus ganzem reinen Herzen. Und das ist Gebet.

Wenn du sitzt, sitze.
Wenn du gehst, gehe.
Schwanke dabei nicht.

 

Amen. =)
 

 

edit:
Und zum zweiten Mal in diesem Blog möcht ich zu einem Artikel auf Suchtfreie Zone verbinden, an den ich grad wieder denken musste. You cannot petition the Lord with prayer! WENN DU WIRKLICH WILLST

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15. Juni 2017 Donnerstag ~ Dankesammlung

Heute morgen bin ich gar nicht wach geworden, und ich hätte wahrscheinlich bis in den Nachmittag geschlafen und geduselt, wenn nicht um 11h rum sanfte Blasmusik in meinen Traum gesickert wäre. Ich war grad dabei, die Uraufführung von „It’s Raining Men“ mitzuerleben — was hatten diese seltsamen Blechblastöne da verloren?
Noch halb im Schlaf torkelte ich auf die Dachterasse und wurde Zeugin vom Beginn der katholischen Prozession. Sowas habe ich nicht mehr erlebt, seit ich aus Passau weg bin. Jetzt wieder in Ludwigshafen, im Hemshof. Das haben wir den vielen italienischen EinwanderInnen hier zu verdanken. Danke! =)

Die sind ne Schleife gezogen, und als sie nach einiger Zeit wieder kamen, hab ich mich aus dem Fenster gelehnt, um voller freundlicher, offener Neugier zu hören, was der junge Anführer der Prozession so erzählt.
Ich wurde – wieder mal – sehr enttäuscht.

„Und die Jünger fragten ‚Oh Herr, wie sollen wir beten?‘. Und Jesus sprach-“

Da bin ich gleich wieder ausgestiegen. Ich weiß, was jetzt kommt. Wenns ganz übel abgeht, dann kommt erst mal das mit dem „Ihr sollt nicht plappern wie die Heiden“, und auf jeden Fall kommt das öde, doofe Vaterunser. So sicher wie das Amen in der Kirche, haha, und genauso einfallslos, langweilig, uninspiriert. Da latschense also durch die Straßen und beten den alten, leeren Kram runter.

Ihr dagegen könnt frohlocken. Ich hatte nämlich sofort den Entschluss gefasst, einen langen HECKENWICKE-Artikel zum Thema „Beten“ zu schreiben, mit vielen Zitaten von Richard Rohr ~ und dann hatte ich keine Lust mehr. Bleibt euch das also erspart. Vielleicht ein andermal.

Stattdessen ein Foto.


In Köln am Straßenrand rufense bei solchen Prozessionen „Frollein! Ihr Täschschen brennt!“

Für den hübschen Anblick sag ich danke. =) Und die Bläser – auch wenn die Musik scho a weng öde und leierig war – haben ihre Sache gut gemacht.

 
Auch heute war wieder ein Räucherstäbchentag, und ich bin in dem Zusammenhang für zwei Dinge dankbar.

Erstens habe ich endlich meinen Ufo-Räucherstäbchenhalter wiedergefunden, den ich seit Tagen suche. Den hab ich noch zu Schulzeiten in Köln gekauft, mein allererster Räucherstäbchenhalter für meine allerersten Räucherstäbchen. Patchouli (natürlich) von Holy Smokes. Dazu habe ich „My Sweet Lord“ von George Harrison rauf und runter gehört – meine Eltern hatten die Platte, und das war das hippiehafteste, das ich dahatte.

Eya. Danke, dass das Ufo wieder da ist!

Desweiteren bin ich dankbar, dass ich heute endlich drauf gekommen bin —
Ich suchte nicht nur das Ufo, sondern auch irgendwas anderes für Räucherstäbchen, wo die Asche reinfallen kann. Ne Dose… Und da fiel mein Blick auf die außerordentlich schöne, magische, mir heilige, uralte Puderdose meiner Omi Solingen. Die Dose ist abgeranzt, es klebt noch Puder drin, ich habe seit vielen Jahren keine Ahnung, was ich damit machen soll, ich weiß nur, dass ich sie liebe. Heute hat sie endlich eine neue, sinnvolle, magische Bestimmung gefunden. Ich hab Sand und kleine Kiesensteine von unten ausm Hof reingetan, und siehe:

Das ist eine wunderWUNDERschöne Dose. Ich bin froh und dankbar!

Außerdem dankbar bin ich für eine andere Idee, die mir auch heute kam. Ich war nämlich insgesamt heute ziemlich missmufflig, matschig und unzufrieden. Außerdem hatte ich Kopfweh, und das wiederum kommt vom Nacken, weil ich den ganzen Tag am Computer hocke. Tu ich. Dadurch bin ich an einem Ort festgeklebt und bin unzufrieden.
Ich habe beschlossen, zu fasten. Computerfasten.
Eine Woche den Rechner auslassen habe ich gleich wieder verworfen. Stattdessen werde ich ausprobieren, den Rechner nur jeden zweiten Tag anzumachen. Morgen fange ich an. Das bedeutet morgen: Kein Internet, kein Tagebuchfile, keine Bildbearbeitung, kein Schnell-mal-was-Nachgucken. Stattdessen kann ich gucken, wie ich mir die Zeit vertreibe. Und ich bin sicher, ich werde zeitweilig sehr schlechte Laune bekommen. Mich langweilen. Und dann werde ich die Bücher in meinem schönen Regal seit langer Zeit mal wieder genauer ansehen. Oder meine Gitarre in die Hand nehmen. Oder die Aquarellfarben aus der Schublade kramen. Oder rausgehn. Oder mit der Hand schreiben. Oder Sachen sortieren, die in dunklen Ecken meiner harren. Oder all das und noch ganz andere Dinge.

Wenns irnzwas Wichtiges gibt, das ich am Computer machen will, kommts auf ne Liste, und übermorgen kann ichs dann machen. Und – es wird nicht nötig sein, ich sags mir nur für den Fall: Wenn ich irnzwas wirklich brauch – ein Rezept, das ich im Rechner habe, einen Weg nachgucken, eine wichtige Sache ausdrucken, sowas – dann darf ich das.

Oke. Das bedeutet: morgen bin ich nicht online, und meine Dankesammlung für morgen schreibe ich übermorgen. Und dann kann ich berichten, wie’s war und ob ich das weiter mache.

Jau, für diese Idee bin ich dankbar. =)

Außerdem erfreulich fand ich heute, wie schön Molly farblich auf den Stuhl passt,
auf dem eigentlich ich ganz gerne manchmal sitzen würde…

Nix auf der Welt gähnt so entzückend wie ne Katze.

So, jetzt noch das Gedicht.

Gewitterschwüle
kein Regen, kein Donner, nur
Wind und Straßensound