Köln

Samstag, 1. Juli & Sonntag, 2. Juli & Dienstag, 11. Juli ~ Dankesammlung

Ich habe grad in meinem Kalender geguckt und festgestellt, dass noch Dankesammlungen vom 1. bis zum 6. Juli nachzuliefern sind. Ich hab keine Lust, sie zu schreiben, ich kann mir nur schwer vorstellen, dass von euch jemand Lust hat, sie zu lesen, und doch – ich habs mir vorgenommen. Also durch, die nächsten zwei alten Tage, kurz und knapp. Und Gedichte gibts auch heute nicht. Ich hab beschlossen, dass ich mir diesbezüglich die ganze Woche frei gebe. Und dann seh ich weiter.

 

Samstag, 1. Juli

Wegen dieses Tages sind wir nach Köln gefahren: Die Frau meines Vaters feierte ihren Geburtstag. Es war sehr viel los an dem Tag, und ich glaube, deswegen hab ich auch den Stau beim Nachliefern meine Dankesammlungen. Es war nämlich der Tag, da ich unter den Gästen diesen grauenhaften Nazi erleben musste. Dafür bin ich eher nicht so dankbar.
Und ich will auch davon erzählen und weiß nicht so recht, in welchem Rahmen. Hier&Jetzt:
Der Typ ist 47 Jahre alt, sehr reich, gut vernetzt, hat zwei Kinder (um die ich mir wirklich Sorgen mache). Er macht u.A. Geld mit, wie hat er das genannt? Opportunistische Immobiliengeschäfte oder so. Immobilien kaufen, die runtergekommen sind, sanieren, sehr teuer vermieten oder verkaufen. Also so was richtig Soziales. Besonders charmant lief mir das rein, weil neben ihm eine Freundin von mir saß, die was wirklich Heilsames macht: Massagen, von denen sie nicht leben kann, weswegen sie noch in zwei fetten Villen für irnzwelche Bonzens putzen geht. Fast jeden Tag. Das Geld reicht trotzdem nicht so wirklich. Ich sagte ihr, wie unfair ich das finde, und sie sagte „Ja mei, der arbeitet eben hart…“ „Wie bitte? Du hast doch gehört, womit der sein Geld verdient,“ sag ich, „er hat’s doch eben erzählt!“ „Ach, das hab ich nicht so mitbekommen…“
Da haben wir die zivilisatorische Trance. Wenn einer viel Geld hat, dann hat ers natürlich auch verdient, weil er so hart arbeitet.

Der Typ hat an dem Tag hauptsächlich viel geprahlt (er war mit seiner Yacht gekommen. Wirklich, den Rhein längs), und richtig hart hat er gesoffen. Weil er eine andere Freundin (und ihren Mann) beeindrucken wollte, die sich zu seiner Verwunderung nicht auf seinen Schoß setzen wollte, zog er im Laufe des Abends dann supermachomäßig vom Leder. Es fing damit an, dass er erzählte, dass er sich ne Waffe besorgt. Dazu machen er und seine Nachbarn/Kumpels/was weiß ich nen Jagdschein, weil, anders darfste ja in Deutschland keine Waffe besitzen. Auch so eine linke Schweinerei. Und dann werden diese schwarzhaarigen Untermenschen ausm Orient weggelatzt, die sich hier breit machen, und Deutschland wird befreit. Ja, und die Machtübernahme steht bevor. Meint er. Das meint er wirklich, und er will dabei mitwirken. Das hat er vor.
I kid you not, solche Sachen hat der gesagt. Er hat sich gesteigert, erst dachte ich, der lässt so AfD-Parolen von sich; mit der Zeit wurde mir klar, dass der da weit drüber raus ist. Mir wurde dann auch klar, warum er immer versucht hat, meinen alten Vater zum Singen abartiger Pimpfenlieder zu bewegen. Und der meint das ernst.

Jaja, das wär vielleicht sogar was für den Verfassungsschutz, nur waren alle besoffen (nur ich nicht, hab nix getrunken), der Depp hat diesen Scheiß nur vor mir und zwei andern rausgelassen (die meisten haben das nicht mitbekommen). Manches hat er auch nur mir gesagt. Jo, die Welt ist bunt, und ich treff also im Wohnzimmer meiner Stiefmutter einen echten, widerlichen Neonazi.
Achja, und nicht, dass ihr meint, der wär politisch motiviert. Oh nein, was der will, ist Dicke Hose, der Herrenmensch sein und Rumballern. Der will Leute abknallen, da hat der Spässken, und dazu hat er halt den perfekten ideologischen Überbau gefunden.

Oke, nu ist es endlich raus, Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Die sind halt unter uns, und die, die’s wirklich ernst meinen und auch was durchziehen, die sind in Gesellschaftsschichten unterwegs, wo die meisten von uns nicht sind…
Wenns dann mal in Deutschland Ballereien und/oder nen Putschversuch geben sollte, dann wurdet ihr, die ihr das hier lest, zumindest vorgewarnt…

Und ich war trotzdem dankbar an dem Tag:

Es hat schrecklich geregnet und war kühl in Köln, und ich hatte für die Feier extra nen Rock mit, der viel zu leicht war für das Wetter. Und keine Jacke. Und meine Schuhe hatten sich aufgelöst. Die hatte ich jahrzehntelang (ja, ca. 20 Jahre) aufgehoben und geschont, und die Gummisohle hat sich einfach aufgelöst, weil diese Schuhe nicht darauf angelegt waren, jahrelang zu existieren. Typischer Kommerzschund, und typisch Steinbock, ein paar Schuhe jahrzehntelang zu schonen…
Jedenfalls: mein Mutter hat mich gerettet, indem sie mir ein anderes paar Schuhe geliehen hat, und sie hatte ein Wolljackett, das ich zur Jeans tragen konnte und das mir erstaunlicherweise supergut gestanden hat. Damit sah ich richtig ungewohnt schick aus (viel besser als mit dem Rock), mochte mich trotzdem selbst noch leiden, UND sie hat es mir geschenkt. ❤

Tatsächlich was zum Dankbarsein im Zusammenhang mit dem Dödel: Ich bin ihm gegenüber sehr deutlich gewesen — als einzige von den drei Leuten, die sich das anhörten; und zumindest eine hat sich dafür später mehrmals bei mir bedankt. Ich bin dabei trotzdem nicht aggressiv geworden. Das ist erstaunlich. Früher hätte ich mich so aufgeregt, dass wahrscheinlich was kaputt gegangen wäre. Ich bin wirklich, wirklich dankbar, dass ich cool geblieben bin. Ich hab den bloß ausgelacht. Es ist zwar einerseits so gar nicht lustig, weil der das wirklich ernst meinte. Andererseits schon, weil der Mann so schrecklich dumm ist, so wenig peilt, so leicht zu durchschauen ist und sich wahrscheinlich eh in paar Jahren totgesoffen hat.

SCHLUSS JETZT DAMIT! Es war sehr schön, so viele Leute wiederzusehen. Vor allem eine ganz alte Freundin (naja, sie ist 3 Jahre jünger als ich und sieht blendend aus). Jetzt haben wir Mailkontakt. Mit der hatte ich an dem Tag auch Gespräche mit Tiefe und Inhalt. Das war sehr gut.

Ich bin dankbar, dass ich nichts getrunken habe. Nur Wasser. Das war auch mal anders…

Abends mussten meine Ma und ich kein Taxi zum Hotel in Furunkelstadtteil nehmen, weil supernette Leute uns noch hingefahren haben.

Hotelzimmerkram

 

Sonntag, 2. Juli

Das war der Tag der Heimfahrt. Ich bin mit grauenhaftem Kopfweh aufgewacht, das sich am Tag vorher schon bemerkbar gemacht hatte, doch im Gewimmel des Gewühls der Feier nicht so in den Vordergrund trat. Am Sonntag wars nicht mehr zu ignorieren. Es ging mir richtig elend. Kurz dachte ich, ich hätte vielleicht Migräne. Dann, dass es die ungesunden Vibes von Köln wären, und das Klima dort. Ich hatte ja letztes Jahr in Köln auch so fieses Kopfweh. Doch ich konnte spüren, dass es vom Nacken ausging, und ich vermute, es kam hauptsächlich von den dicken harten Hotelzimmerkopfkissen. Jedenfalls habe ich wirklich sehr gelitten und so konnten Ma und ich leider auch nicht mehr zum Abschiedsfrühstück zu Däd und Stiefma. Stattdessen sind wir gleich zum Bahnhof gefahren.

Dort, am Bahnhof und Domplatz, waren wir noch im Früh (Brauerei und ehrliche Touriekaschemme). Ich habe den ersten Kaffee des Tages getrunken und einen Halven Hahn gegessen. En Halve Hahn ist zwar nicht vegan, doch sehr, sehr lecker.

Fahrt nach MA ging ratzfatz, nett mit meiner Ma unterhalten, freundlich miteinander (das ist bei Müttern und Töchtern ja auch nicht immer der Fall…), der Schnusel hat uns am Bahnhof abgeholt und dann waren wir endlich wieder daheim in LU. Wir haben meine Ma im Hotel eingecheckt (sie wollte ins Hotel), und das war – im Gegensatz zu dem Hotel in Köln – ein freundliches, elegantes, sehr angenehmes Hotel an einem schönen Ort.

Ich war SO DANKBAR, wieder daheim zu sein! Mein Kopfweh war noch da und doch gleich viel besser. Hier war die Luft klarer und der Himmel voller Vögel. Und kein Regen – in Köln hatte es die ganze Zeit geregnet. Und Nazimist hab ich seit dem auch keinen anhören müssen.


aufm Bahnhof in Köln

 

Heute.

Heute habe ich das Bedürfnis, zu erwähnen, dass auch viele Dinge passieren, für die ich überhaupt nicht dankbar bin. Siehe oben. Meine Kamera spinnt, das ist MIST. Wir denken viel an den Termin beim Anwalt übermorgen. Und so dies&das.
Wenn ich hier meine Dankesammlungen aufschreibe, dann finde ich manchmal, dass die ein bisschen ein falsches Bild vermitteln. Als wär hier alles supertoll und heile Welt.
Das Dankbar-Sein tut mir gut, es ist heilsam, ich find das eine feine Sache und ich mach weiter damit. Und doch ist es nicht die Ganze Wirklichkeit. Ich werd jetzt bestimmt keine „Was alles Mist ist“-Listen machen, ich wollte das nur erwähnen, weils —
weils wahr ist.

Heute bin ich froh:

Ich bin unglücklich aufgestanden. Die letzten Tage bin ich gar nicht richtig wach geworden, alles war körperlich anstrengend, heute hab ich verpennt und bin nicht in die Schule gegangen, obwohl ichs wollte, das hat mir auch auf die Laune geschlagen. Und die Gedanken an den Anwaltstermin. Das alles hat mich deprimiert, und im Laufe des Tages ist es irnzwie besser geworden. Ich hab meine Mitte wieder bisschen gefunden, es ist auch wirklich abgekühlt, weswegen ich körperlich nicht mehr so am Ende bin ~ ich bin einfach dankbar, dass es mir jetzt, abends (naja, es ist inzwischen nachts… 22:55 h) viel viel besser geht als heute morgen. Physisch und psychisch.

Wir haben hier noch ein Zimmer, das soll mal Gäste- und Arbeitszimmer werden. Noch ist es grässlich vollgestopft mit meinen Anziehsachen – ich hab mich noch nicht durchringen können, noch mal paar Hunnies für einen Kleiderschrank auszugeben. Dann viel Flohmarktzeugs und anderen Kram, der in den Kellerraum soll, der uns versprochen wurde. Derweil haben wir halt nur dieses Zimmer als Abstellkammer (Mein Ma hätten wir bei mir im Zimmer einquartiert, wo es sehr schön ist). Jetzt hat es mir der Schnusel immerhin so weit freigeräumt, dass ich an den Schreibtisch kann. Seit paar Tagen steht kein Computer mehr in meinem Zimmer, weswegen es dort jetzt noch schöner ist, und ich sitze hier viel besser. Darüber bin ich sehr froh!

Ich hab grad in mein Reinschreibebuch geguckt, ob ich da heute noch was notiert habe wg. Danke. Hab ich tatsächlich:
„♥Nelly ♥Molly ♥Schnusel ♥Mangold“. Achja, heute gabs wieder ne Ernte Mangold vom Balkon, und ich finde, selbst immer noch und immer wieder erstaunt: Ich kann wirklich gut kochen. Zumindest für meinen Geschmack. =) Und der Schnusel mag’s auch. ❤

Und das reicht für heut.
Morgen ist compfreier Tag. Ich hab zwar paar Stunde gut; ich denke, ich werd die aufheben.
Falls jemand bis hierhin durchgehalten hat:
Danke für die Geduld und das Interesse♥. Bis übermorgen!

Mein neuer Wirkungsbereich an Comptagen. Das ist nicht der neue Drachenbaum.

 

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Donnerstag, 29. Juni und Freyjatag 30. Juni und 7. Juli ~ Dankesammlung

Ich hab ja viele, viele Tage Dankesammlung nachzuholen. Ich mach das jetzt wunderbar chaotisch der Reihe nach und durcheinander. Hauptsache, ich machs! =) Für heute und für die ersten zwei Tage nach meinem letzten Eintrag.

 

Dotach, 29. Juni
Das war ein Tag bevor ich nach Köln gefahren bin. Ich war in Mannheim und hab geshopped. Ganz ohne Röckdöts – ich hab richtig viel Geraffel und Zeugs gekauft. KONSUUUUM!
Dankbar war ich an dem Tag für

Viel Spaß beim Sachenkaufen. Mach ich nicht sooo oft. Ich habe wundervolle neue Holy Smokes Räucherstäbchen erstanden, und vor allem: ganz wundervolle, ENTZÜCKENDE Fächer (Sandelholz) aus China, in einer wunderschönen Pappchachtel. Glas Deckel statt Plastik. Ich guck morgen, ob ich da noch welche von finde, die sind wundervoll zum Verschenken. Vor allem im Plastikfreien Juli (und überhaupt im Plastikfreien Leben).

Im Weltladen hatte ich ein sehr nettes Gespräch mit der Lady hinterm Tresen. Es ging um Spirituelles – es ist wunderbar, wie einfach und oft sowas möglich ist. Als ich ging, sah sie meine Tasche und rief erfreut: „Und eine Shiva-Tasche!“ ❤

Vorher habe ich denen im Weltladen einen großen Dienst erwiesen. Als ich reinkam, waren die Lady und ihr junger Kollege hinterm Tresen festgelabert von einem lieben älteren Herrn. Er kaute ihnen das Ohr ab mit seiner politischen Arbeit, seinen Forschungen, die niemand veröffentlichen will, weil ja alle gleichgeschaltet sind – achja, das kenne ich doch gut, so ein Denken und Empfinden. Von mir.
Dann erzählte er, wie sein Computer Bäckups seiner wichtigen Texte löscht, seit er sie auf einer externen Festplatte archiviert. Das seien natürlich SIE – achja… so ein Denken und Empfinden kenne ich leider auch sehr, sehr gut. X) Ich mischte mich ein, indem ich den Herrn fragte, was er auf seinem Computer hat. Windows. Na dann. Ich hab ihm Linux empfohlen. Der junge Mann hinterm Tresen rief „Sehr gut! Danke!“
Ich hab dem Herrn gesagt, dass er auf seinem Computer der Chef sein muss, hab ihm Posteo statt Web.de empfohlen und desweiteren die Welt ein bisschen erklärt. (Leute zulabern kann ich besser als  – als eigentlich alle!)
Währenddessen, befreit, verzupfte sich der junge Mann hinterm Tresen aus dem Laden, nicht ohne sich bei mir noch grinsend zu bedanken. Nach einer kleinen Weile hatte ich den lieben älteren Herrn so weichgelabert, dass er sich auch verzupfte, auch mit viel Bedanken bei mir. Hehe, das Gute Werk des Tages.
Danach kam es noch zu dem oben erwähnten schönen Gespräch mit der Lady hinterm Tresen.

In dem Zusammenhang — Sólveig bin ich auch sehr dankbar, da sie mich neulich an etwas erinnert hat, das ich vergessen hatte. Ich hatte so ein-zwei Wochen vor Köln mal wieder so einen kleinen Absturz. Hier hab ich vor fast zwei Jahren drüber geschrieben, und neulich hatte ichs mal wieder völlig vergessen. 😛 Danke also an Sólveig!

In einem Laden sah ich eine Tasche, die ich fast gekauft hätte. Sie war leider nicht schön und dafür zu teuer, drum hab ichs nicht getan, doch ich durfte sie freundlicherweise fotografieren. Der Spruch darauf ist toll:
Freiheit heißt nicht, alles tun zu können, was man will.
Freiheit heißt, nicht alles tun zu müssen, was man soll.
Jean-Jaques Rousseau

Das reicht.

Gedicht, oje, ein Gedicht!

Das Gedicht zum Donnerstag
wird kurz und knapp
weil der Tag schon lange her ist
und ich bin heute schlapp.

 

Freyjatag, 30. Juni

Oke. Das war der Reisetag. Da war ich dankbar für

Es ist bisschen kühler gewesen.

Ich hatte fast alles schon am Tag vorher gepackt. Das war das erste Mal in meinem Leben, glaub ich. Das war super! =)

Mein Schnusel und Gefährte kam rechtzeitig aus der Arbeit, um mich zum Zug zu bringen. Alles gut geklappt, und die Reise war auch gut.

Ich habe ein Buch wieder angefangen, dass der Schnusel und Gefährte mir vor, weißnich, zwei Jahren oder so geschenkt hat, Arabian Nightmare von Robert Irwin. Sehr sehr schönes Buch! ❤
„The brain secretes thought as the liver secretes bile.“
(„Das Hirn sondert Gedanken ab, so wie die Leber Gallensekret absondert.“)

Ich hab am Bahnhof in Köln meine Mutter wunderbar gefunden – die kam zur gleichen Zeit aus München. Und dann nahmen wir ein Taxi und fuhren ins Hotel.

Das Hotel war in Furunkelstadtteil am Arsch von Köln. Gewerbegebiet, TRIST. Am Tag der Ankunft war das Wetter trüb, nass und kühl. Ich war trotzdem guter Dinge und habe mich erst mal im Hotelzimmer eingerichtet. Geräuchert hab ich z.B., das ist hier zu sehen (das erste Bild). Ich hatte ein seltsames Déjà-vu — früher, als ich Roadie war (Musicals und dem Copperfield seine Zauberschau) habe ich viel Zeit in Hotelzimmern verbracht. Darum hab ich von dem Tag auch so ne Art Gedicht:

Wieder im Hotelzimmer
ich erinnere mich
weiß noch die alten Zauber
well prepared
Essig, Rauch und Karten
Kerze und Wasser und Klang
Brot und Buch und mein Öl
alles da.
Hier ist Schutz und Zuflucht.
Paris~Dakar.

Was es mit Paris~Dakar auf sich hat — davon erzähle ich ein anderes Mal.

 

Heute.

Sprung in die Gegenwart. Heute bin ich dankbar weil

Ich bin wieder daheim im schönen LU, beim Schnusel und den Katzen, in unserer magischen, wundervollen Wohnung. ❤

Ich hab also angefangen, die Dankesammlungen der letzten Tage zu schreiben. Den Rest erzähl ich auch noch. Erbarmungslos! Mal sehn, wann das ist. Morgen hab ich compfrei, übermorgen haben wir Besuch. Demnächst.

Heute beim Kochen ist mir aufgefallen, dass ich sehr dankbar dafür bin, wie praktisch und schön alles in der Küche geordnet ist. Alles an seinem Platz, griffbereit, wunderbar. Und ich bin dankbar für das superscharfe Messer.

Wir haben den Ablauf bis zum Besuch am Sonntag so geplant, dass es mir gut in den Kram passt. Putzen ist überfällig, wir haben noch andere Dinge zu tun, morgen Schule ~ wir bekommen das alles geregelt. Gut.

Lady of the Dan hat geschrieben:

Ach ja, die Schienen, die in der Sonne braten … ich weiß genau, was Du meinst, und finde es mindestens so toll. Nur leider braten da nicht die Schienen, sondern die zur Unverrottbarkeit in Altöl getränkten Schwellen selbiger Schienen. Schlimm, aber wahr, genau das isses, und essis geil.

Ich eiere derweil durch die Welt, aber es wird besser, und Dein Blog hilft. Ich schreib mir jetzt nicht mehr Erledigungszettel, sondern ausformulierte Listen mit „Heute möchte ich …“ – und das Leben ist plötzlich ganz anders. Ich mach das nämlich alles freiwillig, das vergesse ich immer wieder.

Das freut mich SEHR, dass mein Blog hilft, und wenn ich selber meine Artikel öfters lesen und mir zu Herzen nehmen würde, dann würd ich vielleicht selber auch nicht so oft so Wichtiges vergessen… vgl. oben. X)

So, und nu reichts. Das waren nur drei Tage und schon so viel Text.

JajajaJA, bin dabei… öm…

Es ist SCHWÜL SCHWÜL SCHWÜL.
Das Gewitter in der Nacht
hat die Luft durchnässt.

 

Wieder da – und wieder weg…

Oha, das war eine intensive Reise. Jetzt muss ich mich erst mal in wieder einweben hier.

Das Erste, was ich sortieren muss, sind meine Prioritäten.
Ich war gestern schon mal kurz online (trotz compfrei, hatte Stunden gut) und war schwer gebügelt von der Fülle an Beiträgen in meinem Reader und dem, was ich hier erzählen möchte.

Ich kann auf keinen Fall alles, was derweil in den von mir abbonierten Blogs erschienen ist, der Reihe nach durchgehen. Das pack ich nicht, das fühlt sich an wie grässliche Hausaufgaben. Was es nicht ist, und mit der Zeit, die Tage, werd ich alles angucken – nur nicht der Reihe nach und vor allem nicht jetzt.

Ich kann auch nicht der Reihe nach erzählen, was war – ich hab z.B. unter den Gästen der Feier einen hammerkrassen Nazi erleben müssen, das will ich unbedingt in Ruhe erzählen! Außerdem traf ich andere Leute, die ich sehr lange nicht gesehen habe. Dann hatte ich das bestialische Kopfweh wieder, das ich vor einem Jahr, bei meinem letzten Besuch in Köln auch hatte.

Eya. Später.

Ich mach das jetzt so: gaaanz langsam, in Ruhe, chaotisch vielleicht, und doch eins nachm andern. Wir bekommen diesen Sonntag Besuch (die Schwester vom Gefährten mit Familie), da hab ich Naheliegendes zu tun und keine Ruhe am Computer.

Oke… das wars also für heute schon wieder. Meine Dankbarkeitslisten und Gedichte und alles kommen noch – weil ich mir’s vorgenommen habe! – und dankbar bin ich hier&jetzt dafür, das ich mir grad selber den Druck rausgenommen habe.

Bis bald! 

Zurück

Ich bin schon seit vorgestern wieder da. Hab erst mal Zeit zum Ankommen gebraucht. Oh wie FROH bin ich, dass ich wieder zuhause bin, in Mannheim. Ich bin so froh, dass ich nicht mehr in Köln wohne!

Sheila und Ali im Hotelzimmer. Das war kein teures Hotel…

Immer, wenn ich rausging, hatte ich den Impuls, Sheila und Ali mitzunehmen, um ihnen Köln zu zeigen. Dann hab ich überlegt, wie das aussieht, wenn aus meiner Tasche diese zwei Nasen rausgucken und ich mit ihnen rede. Dann hab ich sie im Hotelzimmer gelassen. Mit ein bisschen Bedaudern.
Naja, es war ihre Hochzeitsreise, und sind aus dem Hotelzimmer nicht rausgekommen. Auch stimmig.

Ganz gegen meine Gewohnheit habe ich fast keine Fotos gemacht. In den Fotos, die ich gemacht habe, ist eine Tristesse, die ich wiedererkenne: Es ist das Grundgefühl, das ich hatte, als ich in Köln lebte.

Ich zeige hier paar Fotos, weil sie abbilden, wie ich mich in Köln gefühlt habe. Schöne, gute Fotos hätten nicht gepasst. Außer als wir im Museum waren… dazu unten noch.

Um den Zülp rum und die zülpicher Straße entlang schien es mir runtergekommener als früher. Das ist, glaub ich, die Wahrnehmung einer älteren Dame, die die hippen Läden und coolen Schuppen ihrer Jugend nicht mehr findet.
Da gibts jetzt andere schicke Konsumtempel mit buntem Schischi für die Jugend und Junggebliebene und ranzige Schuppen, die ich nicht kenne und nicht betreten mag.
Aber wenn ich mich ehrlich zurückerinnere, fühlte ich mich damals in einem der ranzigsten Schuppen am wohlsten. Die hippen Läden allerdings, die sind nicht mehr da.

Ich habe auch das Gefühl, dass ich mich bei diesem Besuch endlich mit Köln ausgesühnt habe.

Erst war ich entsetzt, weil es dort immer seelenloser wird. Die Einkaufszonen – Breite Straße, Pfeilstraße, um den Dom rum: Teure teure Läden, sehr viele Menschen und doch überwiegend tot. (In meiner Wahrnehmung zumindest.)

Diese drei Totenköpfe sind kurz vom Rudolfplatz (da gehts zum Kommerzzentrum) an einem Laternenpfahl. Kölns Wappen hat drei Kronen über elf Flämmchen. Totenschädel kannte ich noch nicht. Schick!

Köln ist durchdrungen von Reichtum und Tristesse. Und doch habe ich an manchen Ecken, vor alten Häusern, in Gassen, etwas gespürt, das Köln auch ist, seit hunderten von Jahren. Das wird halt zugewuchert vom Kapitalismus, vom Empire.
Und von Architektur. Köln ist die Stadt der Ampeln und der Architektur. Vollgestopft und zusammengewürfelt. Es architekturt sich den Arsch ab, in Köln.
Manches ist auch atemberaubend schön. Wie die neuen „Kranhäuser“ (finde ich).
Und was es kostet, darin zu wohnen, ist unanständig.

Es war auch unglaublich heiß und drückend und zwei Tage lang hatte ich eklige, einseitige Kopfschmerzen. Ein Besuch im Museum war Balsam und Heilung.

Ich bin mit Bildern und Objekten dieses Museums aufgewachsen, es war wie ein Besuch beim Clan, es war wunderbar. Außerdem ist das Museum selbst weit, klar, still, ein Tempel im allerbesten Sinne. Ein wirklich guter Grund, Köln zu besuchen, das Museum Ludwig.

Franz Gertsch: Marina schminkt Luciano, 1975

Jo, und mehr Zeigenswertes find ich nicht. Im Museum hab ich echt grässliche Fotos gemacht.

Und jetzt bin ich FROH, dass ich wieder in Mannheim bin. Meine Geplante Reise nach München nächste Woche hab ich grad gecancelt.

Julipläne

Pläne für den Juli: Ich fahre morgen nach Köln, und Montag abend komm ich wieder. Ich werde meinen Schlepptop mitschleppen – wenn er doch nun mal so heißt – es kann allerdings gut sein, dass ich ihn nicht auspacke (so wars das letzte Mal).
Jaja, ich hab nen Knall, ich weiß.
Kann also sein, dass ich paar Tage nur selten oder gar nicht online bin.

Zur Temperance-Karte – Mäßigkeit – sind mir tatsächlich paar Eingebungen gekommen, ich kann sie nur noch nicht in Worte fassen. Dazu kommt noch was. Juliplan.

Ende Juli bin ich dann ne Woche in München, und dann sind Große Ferien.

Und JETZT probier ich die neue Haarseife aus, dann wird gekocht und gepackt, dabei räum ich hier noch bisschen den Slum auf, und dann ab ins Bett.
Morgen nach der Schule bleib ich gleich dort (die ist genau am Bahnhof) und treffe dann im Zug meine Ma. Ich freu mich auf Köln.

Bis bald!

alte Fotos

Es ist hier ein neuer Scanner eingetroffen. Einer, der wirklich gute Bilder macht. Ich geh grad durch alte Fotos, also, so richtige Fotos, zum Anfassen. Aus der Zeit als ich noch eine richtige Spiegelreflex-Nikon mit Film drin hatte. Ich konnte nicht wirklich gut damit umgehen, viel hab ich gar nicht. Nur drei Bilder zum Vorzeigen sind rausgekommen.

 

Das hier ist natürlich technisch grauenhaft, unterbelichtet – und ich liebe es. Das war in unserer Wohnung in Köln-Mülheim. Damals gab es noch Sozialhilfe, mein damaliger Freund lebte davon. Ich ging noch zur Schule.  Das Bild heißt Vanitas. Wenns ein Gemälde wär, wärs echt gut…

 

Das hier ist auch in Köln, auch ewig her. In der Straße hatte die Oma von meinem damaligen Freund ihr kleines Hexenhäuschen mit Garten, das sie nicht verkauft hat. Der Rest drumrum…

Ich mag das Bild. So ist das in unserer lebensfeindlichen Industriestadtrealität. Außerdem mag ich das Licht. Das Licht ist wirklich.

Und zum Schluss noch ein schönes, erbauliches Bild.

Diesen Aquarellkasten hab ich als Teenie von einem Freund der Familie geschenkt bekommen. Ich hab ihn immer noch. Gebrauchte Farbkästen sind so extrem fotogen, und ich mag auch die leichte Unschärfe und die gedämpften Farben. Keine Ahnung, wo oder wann das war. Lange her, dass ich die Nikon hatte.

 

Was mich eben richtig froh gemacht hat: Ich habe viele (nicht wirklich tolle) Bilder aus Köln, München und Passau, die Ausschnitte zeigen, Häuserfassaden, Gestrüpp und Gras, Himmel, Straßen, Läden, die erahnen lassen, wonach ich mich damals so sehr gesehnt habe. Nur wars das nie wirklich, es sah immer nur ein bisschen so aus. Und jetzt, in Mannheim, ist es wirklich. Ich bin da, wo ich sein will. Dafür bin ich sehr dankbar!

 

Das allerdings ist Köln. 🙂

 

Köln, die Medien & die Heuchelei

Reblogged von fadegrad.

Köln, die Medien & die Heuchelei

Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, nicht von Ethnien.

Zwei Vergewaltigungen (die gleiche Frau, zwei Täter), unzählige sexuelle Übergriffe und das trotz über 2000 Polizeieinsätzen … oh, sorry, das war nicht Köln, das war das Müncher Oktoberfest 2015. Gerade mal 3 1/2 Monate her und schon vergessen.

Damals gabs keine Sonderberichterstattung. Es gab keine Aussagen wie «Mit dem kulturellen Hintergrund war sowas ja zu erwarten. Die leben faktisch noch im Mittelalter, reine Machokultur». All die Journalistinnen und Journalisten, die sich jetzt «für die Opfer stark machen», verurteilten nicht ganz Bayern, oder jeden Lederhosenträger. Sie machten sich nicht mal die Mühe, die Mechanismen hinter den Übergriffen zu hinterfragen oder nur schon aufzuzeigen. Es gab keine politischen Sondersessionen, keine betrübt wirkenden Politiker zischten wütende Sätze in die Kameras der gespannt wartenden Presse.

Versteht mich nicht falsch: Ich will die Übergriffe in Köln nicht mit denen in München entschuldigen. Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, immer und überall. Da gibts nichts zu entschuldigen. Arschlöcher haben keine Nationalität, sondern nur ein Verhalten.

Mir gehts nicht um die Täter, um die soll sich der Rechtsstaat kümmern. Mir gehts um die politische und wirtschaftliche Instrumentalisierung der Übergriffe von Köln. Damit lassen sich Menschen mobilisieren, damit lässt sich hetzen – und nicht zuletzt: Damit lässt sich in den Medien Geld verdienen. […]

 

Spricht mir aus dem Herzen.
Das ist nur ein Kritzelbild, das ich vor Jahren gemacht habe,
mit einem Zitat von C. J. Cherryh (von mir sehr geschätze SciFi-Autorin).
Eine sehr kluge Erkenntnis für mich, dieser Satz.