Kontaktladen

erster Advent

Weils jetzt wieder losgeht, möchte ich zum Advent (oder gerne auch Apfent) auch was beitragen, nämlich ein Bild der Krippe, die wir 2013 im Kontaktladen hatten. Ich bin heute noch stolz drauf. Josef Warhol ist fast so toll wie der Ninja.
Ihr seht den Ninja nicht?
Tscha. Ist halt’n Ninja.

Krippe

 

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Verlassen, verloren, vergessen

Tja, ich bin meine Bilder durchgegangen und habe festgestellt, dass ich fast nichts derartiges im Programm habe. Was ich habe, ein mittelprächtiges Foto von einem geplatzen Ballon und einem Ins-Single-Loch-tu-Teil, ist schon bei „unten“.

Lost Places hab ich noch keine gefunden, aktiv habe ich noch keine aufgesucht.

Ich hab allerdings in einer Art Lost Place gearbeitet. Dieser Ort war nicht verlassen. Ganz im Gegenteil, dort kommen täglich Leute hin.
Viele dieser Leute könnte ich mit „verlassen“ und „verloren“ beschreiben. Allerdings weniger „vergessen“ als „verdrängt“.

Der Ort ist ein Kontakladen für KonsumentInnen illegaler Drogen. Es gibt dort preiswertes Essen, Kaffee, Soft Drinks, Lebensmittel von der Tafel, einen Billardtisch, die Möglichkeit, was Kreatives zu machen, zwei Computerplätze mit Internet und vor allem: Leute treffen, Zeitung lesen, ratschen. Dazu Beratung, natürlich. Einen Eimer, um gebrauchte Spritzen sicher zu entsorgen. Neue Spritzen und Nadeln, Kondome, ne Dusche. Ne Waschmaschine und eine Kleiderkammer mit gebrauchten Klamotten für sehr wenig Geld.

Ein Ort der Armut.

Die Stadt will, dass es Kontaktläden gibt. Aber es gibt keinen Ort dafür, und kosten darfs auch nix. Der Laden, in dem ich gearbeitet habe, muss bald aus den Räumlichkeiten raus, und so weit ich weiß, haben sie noch nichts Neues gefunden.

Unser Team hätte sehr gut noch zwei bis drei Vollzeitstellen mehr gebraucht. Ich denke, dass ist inzwischen auch nicht anders.

Es wär auch schön, wenn wir mehr KlientInnen nen Arbeitsplatz hätten bieten könnten. Wenigstens mehr 1.- € Jobs.

Naja, zur Sache. In den Jahren, die ich dort gearbeitet habe, habe ich paar Fotos gemacht, die kommen jetzt zum Einsatz bei
V wie verlassen, verloren, vergessen.

Regal der Kontaktladenküche.
Chili in der Kontakladenküche.
Wunderhübsches Eis an der Scheibe.
An der Scheibe eines Raumes, den wir für manche Sitzungen, Seminare und KlientInnenberatungen nutzten. Es war schwierig mitm Heizen in manchen Wintern.
Eine Art Loste Place hatten wir doch auf dem Gelände. Eine alte Werkstatt, die dann zu einem schönen Spendenladen umgebaut wurde. Ich habe paar Fotos von der Werkstatt gemacht, als sie noch im alten Zustand war. Leider mit meiner fast ebenso alten Kompaktkamera…

Trotzdem, die Bilder passen zum Thema.

 


 

Frühüling!

Von einer Veranstaltung bei uns im Kontaktladen sind nämlich Tulpen übrig geblieben, und die in Verbindung mit Abendsonne aufm Heimweg, oh wow:

 

Und aufm Verschenktisch fand ich:

 
und

 

Und unsere aktuelle Burn Out Prophylaxe:

Das Flipchart-Blatt ist aus meiner laufenden KISS-Gruppe.
Ich habs ins Büro gehängt, weil wirs brauchen können!

 

Eselsweisheit

Ich hab mir gestern dieses Buch gekauft. Ich schleich da schon seit einiger Zeit drumrum und war vordem zu geizig, dem Hype zu folgen. Nu setzt bei mir die Altersweitsichtigkeit ein, ich hab jetzt so ne Billigbrille, und wenn ich sie aufsetze (immer öfter) krieg ich nen Frustanfall, weil mir einfällt, dass ich vor nicht allzulanger Zeit ohne Brille noch so klar und deutlich sehen konnte

Naja, hab ich mir also das Buch gekauft, gestern, weil ich mir zum ersten Urlaubstag was schenken wollte. Ich war in der letzten Zeit sehr ausgelaugt und erschöpft und hab viel gehadert mit mir.

Am 19. hatten wir Weihnachtsfeier im Kontaktladen, heute ist mein erster Tag Urlaub, ich muss aber Mo noch mal kurz rein, weil ich noch ein Formblatt ausfüllen muss zum Jahresende (Verbesserungsmanagement, eine QM Vorgabe).
Gleich muss ich in die Kung fu Schule zu einer Filmvorführung. Morgen hab ich ein nicht angenehmes familiäres Telefongespräch zu führen. Gestern auf dem Heimweg aus der Stadt hab ich noch einen Klienten im Bus getroffen. Einen, der mich anzüglich angrinst und mich „goldig“ findet.

Ich kann mir ja wünschen, dass ich jetzt mal meine Ruhe hab und frei bin von Angesaugt werden und Terminen und unangenehmen Pflichten.
Und dann nach den Ferien ist alles gut, oder was?
Ich glaub, es ist heilsamer und nützlicher, wenn ich alles annehme und mich nicht drin verhedder.

Ich übe…

Donnerstag hatten wir Weihnachtsfeier im Kontakladen, es war voll und wg. mancher sehr breiter Leute auch sehr laut, was wieder andere BesucherInnen bisschen irritiert hat. Trotzdem gute Stimmung, nie Aggression.
Zuhause war ich total am Arsch und hätte fast geheult.

Mir fallen grad ständig Sachen ein, da ich nicht zufrieden mit mir bin. Die Guten Sachen, die’s auch gibt, fallen mir nicht ein. Ich glaub, ich hab ne leichte Depression. Ich bin froh, wenn der Mo rum ist und ich mal knappe 3 Wochen nix mit der Arbeit zu tun hab.

Ich erlebe zum ersten Mal dass ich wg. KlientInnen zuhause noch rumhadere. Ich finde bei mir selber viele Unklarheiten im Verhalten. Und ich fühle mich emotional ausgelaugt und angesaugt.
Ich denke, da besteht ein Zusammenhang.

 
Ich zerferzel mich auch zu sehr. Ich hoffe, dass das im neuen Jahr besser wird, wenn der Winter-Weihnachts-Kram auf Arbeit vorbei ist, und wenn ich nur jedes zweite WE nach Mannheim fahre.

 
Ich hab mir dieses Augenübebuch – Eselsweisheit – gekauft, um mir was Gutes zu tun.

Ziemlich am Anfang von dem Buch ist ein Zitat, das mir sofort geholfen hat, mich besser von der Bedürftigkeit anderer abzugrenzen.
Ich bin ja selber grad bedürftig; lauter Bedürftige, Ausgelaugte auf einem Haufen…

… der Autor hatte einen Heiler und dann Lehrer, nen alten Mann (erzählt er), und der Autor war chronisch Nierenkrank und ist zu dem hin, und der Alte schickt ihn weg mit den Worten:

„Geh mit Gott, mein Sohn. Ich behandle keine Leichen. Du bist gekommen, um deine Wampe an meinen alten Hals zu hängen, damit ich auf der Suche nach Wegen zu deiner Heilung was zu leiden habe. Nein – so nicht! Wenn du wieder zu leben begonnen hast, dann komm!“

 
Jo, so sitze ich gestern Abend auf dem Sofa, müde, erschöpft, alle Lampen an, meine Brille auf der Nase, und lese das Kapitel, wo er das Kloster der Feueranbeter besucht.
So gegen Mitte der Geschichte beginne ich zu lächeln (die, die Geschichte kennen, wissen warum :)).
Im letzten Drittel der Geschichte beginne ich zu kichern. Das Weiterlesen wird unterbrochen von immer heftigeren Kicheranfällen.
Tränen steigen hoch (fühlt sich gut an, in meinen leicht brennenden, trockenen Augen), das Kichern lässt meinen ganzen Leib vibrieren.
Ich hab grad die Geschichte zuende, da düdelt das Telefon. Schnuuusel! Ich geh hin, nehm meine Brille ab, und da seh ich, dass innen die Gläser mit kleinen Lachtränentröpfchen bespritzt sind.

Ich bin froh, dass ich das Buch gekauft habe. Mir gehts besser seitdem. Und wenns mir einfällt (immer öfter), lächle ich.

 
Und das Filmgucken in der Kung fu Schule hab ich grad abgesagt.