Licht

Wider die Pest

Ich war — ich schreibe das hoffnungsvoll und auch zur Selbstüberzeugung in der Vergangenheitsform — ich war in der letzten Zeit down wie schon seit langem nicht mehr.

Gründe dafür kann reichlich aufzählen: meine Laune ist sehr lichtabhängig, Persönliches, meine berufliche Situation, eine Disposition zur Melancholie, vielleicht auch Ernährung, Konsumverhalten, Hormone, Merkur im Skorpion, die allgemeine Zeitqualität oder die Kacheln im Bad.
Die Kacheln im Bad?
Ja was weiß ich denn. Es geht mir halt nicht gut, zur Zeit.

Wenn ich so down bin, dann bin ich ganz ’normal‘ depressiv, erschöpft, kraftlos und unglücklich.
Dazu kommen noch Schübe intensiver Pestigkeit. Ich bin stinksauer darüber, dass es mir so mies geht.
Kleine Widrigkeiten erbosen mich dann über die Maßen und ich füge mir in heftigen Wutanfällen selber Schaden zu. In so einem Zustand hab ich mal mein Netbook kauttgehaun und meine rechte Hand verletzt.
Oder ich bin so erschöpft, dass mein Wutanfall sich in trotziger, nöliger Verzweiflung entlädt. Ich weiß dann, dass alles sinnlos ist und sich nichts mehr ändert und ich nichts kann und nichts bin und nichts habe, was irgendwas wert wäre, und dass da auch nichts mehr kommen kann, weil ich so arm/nutzlos/erbärmlich bin, und dass ich jetzt einfach tot umfallen könnte, und dann ist endlich Schluss mit dem Scheiß.

Hier&jetzt habe ich den Eindruck, dass ich wieder mal aufm Weg raus ausm Labyrinth bin. Ich habe immer noch Abstürze ins Loch, grad heute morgen überkam mich diese tiefe Traurigkeit und Mutlosigkeit. Und doch, insgesamt scheint mir, dass die Täler nicht mehr ganz so tief und ganz so breit sind.

Ich sehe bisschen Licht.

Ich habe diesen Beitrag angefangen, weil ich Strategien aufzählen möchte, die helfen können, aus solchen Löchern wieder rauszukommen.

Das Ding ist: Wenn ich mittendrin und tief unten hocke, dann machen mich genau solche Texte mit solchen Strategien ganz besonders pestig. Weil sie mir nicht helfen. Sie helfen den andern, jaja, aber mir nicht. Mir kann nichts mehr helfen. Geht mir weg mit euren blöden Ratschlägen!

Und so verstärke ich mein Elend und zelebriere es. Ich könnte sogar sagen: ich suhle mich darin. Das gehört auch zu meinem Down. Es ist selbstverstärkend. Und das weiß ich natürlich, und das macht mich dann noch mal pestiger und erboster. Ich bin selber schuld, denke ich dann. Ich WILL, dass es mir scheiße geht.

Ich bin natürlich nicht selber schuld. Die Frage nach der ‚Schuld‘ ist völlig daneben.

Die Frage nach dem Willen aber, die ist angebracht, finde ich. Ich hab den Eindruck, dass ich nicht wirklich im Loch sein will. Ich habe den Verdacht, die Reibung zwischen dem, was ich wirklich will — im Hier&Jetzt verankert und lebendig sein — und dem was ich erlebe — im tiefen Loch hockend, abgeschnitten von der Wirklichkeit — diese Reibung erzeugt den Brennstoff für meine pestigen Wutanfälle.
Es gibt Depressionen, da ist kein Funken Kraft übrig für Pestanfälle. Das sind die Lebensgefährlichen, glaube ich. Die hab ich nicht. Ich hab die wütend-weinerlichen.

Oke, das war die Theorie, so viel, wie ich erkennen kann. Wie gesagt, die Ursache der Downs ist mir nicht ganz klar. Muss auch sagen: wichtiger als das Warum finde ich die Frage Wie komme ich da wieder raus?

Verschiedene Faktoren helfen mir dabei.

  1. Zeit: Ich weiß, dass es mir wieder besser gehen wird, auch wenn ich es mir im Loch nicht vorstellen kann und nicht daran glaube. (Zu Wissen und Glauben/Begreifen will ich auch bald mal was schreiben.)
  2. Vernetzen und sich austauschen: Ich fands sehr hilfreich und heilsam, dass ich durch den Liebster-Award quasi gezwungen war, hier was zu schreiben. Ich finds auch sehr hilfreich, die Tage von andern zu lesen, denen es auch nicht gut geht. Das ist nun mal so, damit bin ich plötzlich … ’normaler‘, nicht mehr so isoliert, und das ist hilfreich.
  3. Licht reinlassen: Das Vernetzen und sich austauschen führt dazu, dass ich offenlege, wie es mir geht, und das hat auch heilsame Wirkung.

  4. Für mich sorgen.

Das ist der Teil, zu dem ich eigentlich den Artikel schreiben wollte. Was ich da konkret mache. Nu ist mir der Text hier drübergeströmt. Dann ist das halt so. Der Artikel mit den konkreten Rezepten folgt morgen, ich geh nämlich jetzt ins Bett. Weil ich jetzt wieder besser für mich sorge.

Ein Ring sie zu knechten…

Yea, the the Satinist conspiracy!
Like the Satanist conspiracy but with nicer curtains!

Rasputin in den Kommentaren zu Oklahoma Victory

 

Die Wurzel allen Übels ist die Gier.

Ich muss was loswerden, weil ich neulich Neuigkeiten aus München bekam: Jemand, ich nenn ihn mal Sauron, den ich bis vor Kurzem noch als einen meiner spirituellen Lehrer bezeichnet habe, hat meinen Respekt verloren.
Es gab immer Gerüchte, die mir aber, als ich mich zu seinen Schülerinnen zählte, nichts bedeuteten.
Dass jemand nichts anbrennen lässt und gerne Sex hat, damit hab ich kein Problem. Meinetwegen auch mit seinen Schülerinnen, wenn die auch ihren Spaß dabei haben.
Oh holde Unschuld, oh Vetch, und da sind deine Alarmglocken nicht losgegangen?
Nein. Ich wollte es nicht wahrhaben.

Er hat auch mich angebaggert – auf respektvolle Art. Und lustig wars, ich hab u.A. eine SMS bekommen, die hat mich mit ihrer brünstig-mehrdeutigen Schwülstigkeit wochenlang erheitert.
Das war einerseits dann doch ganz eindeutig, andererseits tatsächlich höflich. Anfragen find ich völlig oke. Ich habe mich nicht bedrängt gefühlt und mir nichts weiter dabei gedacht. Bin nicht darauf eingegangen und trotzdem nicht aus dem Kreis der SchülerInnen geflogen. Und auch weiter nicht belästigt worden. Wie unter erwachsenen Menschen halt.
Ich war im Reinen mit Sauron.

Nun hab ich Infos über andere Frauen bekommen, die sich mit Sauron eingelassen haben.
Diese Infos sind aus dritter Hand, drum will ich nichts weiter darüber schreiben. Ich kann allerdings sagen, dass für mich nun viele Puzzlestücke an ihren Platz fallen und ich keinen Zweifel habe, dass ich die Wahrheit gehört habe.

Was mich an dieser Geschichte so beutelt und beschäftigt:
Ich fand Sauron echt gut. Er hat wenig gesagt, das ich nicht schon wusste, aber es gab zwei, drei Gelegenheiten, da hab ich bei ihm nen Input bekommen, der mich weiter gebracht hat.
Das klingt sehr anmaßend von mir. Ich nehm mich da nicht mehr zurück, sondern sag wie’s is: Ich habe eine echt hohe Meinung von mir, was spirituelle Theorie angeht. Außerdem habe ich einen zwar langsamen, aber gründlichen, hervorragenden Bullshit-Detektor. Sauron hat in den von mir besuchten Lesungen keinen Bullshit von sich gegeben.

In Technik, Ausübungspraxis und Disziplin ist mir Sauron natürlich um Lichtjahre voraus. Er ist sehr klug, vielgeübt und weitgekommen. Sehr weit. Drum ist er ja ein so mächtiger Vampir…
Und ich, mit meinem super BS-Detektor, bin – war! – in andern Dingen unglaublich naiv.
Ich hatte geglaubt, jemand, der so viel begriffen hat und technisch so weit ist, so einer wär auch ein guter Mensch.

Dabei hat er selber immer wieder gesagt, er sei ein Mensch ohne Moral.

Und ich hab naiv gedacht, damit meint er, dass er zivilisatorische Konventionen, Gebote der Realität nicht ernst nimmt. In diesem Sinne bin ich nämlich auch ziemlich unmoralisch.
Aber es gibt Leute, die meinen, sie stünden über den Regeln der Wirklichkeit.
Es gibt Leute, die sind gesegnet mit Begabungen, können so viel und scharen Bewunderer um sich, und dann werden sie gierig, verlieren die Bodenhaftung und meinen, das fundamentalste Gesetz allen Wirkens gelte nicht für sie:

Do what thou wilt and it harm none..

Tu was du willst und schade nicht.
Da haben schon ganz andere gedacht, sie stünden da drüber. Dem ist nicht so.

Sauron ist nicht der einzige spirituelle Lehrer, den ich persönlich erlebt habe und dem ich ne zeitlang vertraut habe.

Eine ist Heide Göttner-Abendroth, die einzige, die ich noch mit Namen nenne, weil ich bei ihr NULL Tendenz zur Sektenbildung und AnhängerInnen-an-sich-ketten erlebt habe.

Dann war ich kurz mal bei einer andern Lady, auch in München. Nenne ich sie… Yzma. Yzma ist eine fröhliche, energiegeladene, wilde, inspirierende, schöne Frau. Auch bei ihr hab ich einige für mich wichtige Dinge erfahren, auch bei ihr bin ich weiter gekommen.
Und ich sah, wie gierig sie ist, und wie manipulativ. Sie hat SchülerInnen, die sie seit Jahren anhimmeln und die sie nicht loslässt, weil sie nicht versteht, dass gute Lehrer Schüler brauchen, die von ihnen unabhängig sind.
Yzma ist süchtig nach Geld und Hingabe. Ich bin da ziemlich schnell wieder weg.

Die Informationen, Impulse und Erfahrungen, die ich bei Sauron und Yzma gewonnen habe, die sind immer noch wahr und gültig. Ich will sie nicht missen, ich bin dankbar.

Ich bin vor allem dankbar, dass mein Weg mich an Orte und zu Gelegenheiten geführt hat, wo ich Wichtiges gelernt habe.
Ich bin mir selber dankbar, dass ich meine Autonomie und Unabhängigkeit immer bewahrt habe.

 

Warum ich das hier aufschreibe? Weil es nen Sumpf gibt in der Sprit-Maggi Szene, der ist tiefer und weiter als viele von uns ahnen. Und da muss LICHT rein.

Die Wurzel allen Übels ist die Gier.

 

Reibung

Manchmal gerate ich ins Predigen. Das passiert z.B. wenn ich jemand anders etwas rate, das ich auch selber sehr zu beachten habe.
Das hier hab ich für Leute geschrieben, die sich in Online-Foren rumärgern.

Reibung nährt ungute Egofilme.
Schlicht gesagt: Reibung ist eine der Hauptnahrungsquellen für Monster.
Zusätzlich erzeugt Reibung (immer?) Angst, die auch eine Hauptnahrungsquelle von Monstern ist.

Nun sind Reibung und Angst an sich nicht schlecht.
Sie sind Bestandteile des Ego-Abenteuers hier auf Erden.
Im Übermaß sind sie ungesund und deuten auf Suchtverhalten.

Prüfe, wenn du dabei bist, zu reiben, ob es wirklich sein muss.
Ob es die Sache wirklich wert ist. Manchmal ist das der Fall.
Und sehr oft wird nur gerieben um der Reibung willen.
Ob das so ist, kannst du nur für dich alleine feststellen.
Wenn du ungute Reibung erkennst, halte dich fern davon.
Halte. Dich. Fern.

Das erscheint uns oft wie eine unlösbare Aufgabe.
Wir meinen, dass wir uns nicht raushalten können, und /oder, dass die Reibung uns verfolgt.
Wenn das der Fall ist, ist vielleicht ein Gespräch mit einer neutralen Person angebracht, um die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Da wo ständig Reibung ist, muss Licht hin. Licht vertreibt Monster.


„Das Chaos ist die Liebe der Andersdenkenden“

Ich bin nicht ganz sicher, was der Satz bedeutet. Immerhin kommen wichtige, schöne Dinge darin vor: Chaos, Liebe und Andersdenken. Das will ich gerne in meinem Herzen verknüpfen, dann reg ich mich nicht mehr so AUF, wenn jemand im Internet UNRECHT hat. grins