Liebe

Abou Ben Adhem

Grad fährt draußen ein Auto mit sehr lauter Musik vorbei. Arabische Musik. Es ist schwül, es duftet nach Curry (wir essen gleich), Papageien fliegen durchs grüne Carob-Laub vor meinem Fenster.
Oke, Leute können behaupten, ich wär in Ludwigshafen. Mag sein. Hier, wo ich bin, ist Magie.

Ich hab grad ein Gedicht gefunden, das möchte mal wieder in die Welt. Ich habs unten drunter unbedarft einfach wörtlich übersetzt, das ist jedenfalls lyrischer, als wenn ich mich mit Knittelversen versuchen würde.

 

Abou Ben Adhem
by Leigh Hunt

 
Abou Ben Adhem (may his tribe increase!)
Awoke one night from a deep dream of peace,
And saw, within the moonlight in his room,
Making it rich, and like a lily in bloom,
An angel writing in a book of gold:
Exceeding peace had made Ben Adhem bold,
And to the presence in the room he said,
„What writest thou?“ The vision raised its head,
And with a look made of all sweet accord,
Answered, „The names of those who love the Lord.“
„And is mine one?“ said Abou. „Nay, not so,“
Replied the angel. Abou spoke more low,
But cheerly still; and said, „I pray thee, then,
Write me as one that loves his fellow men.“

The angel wrote, and vanished. The next night
It came again with a great wakening light,
And showed the names whom love of God had blest,
And lo! Ben Adhem’s name led all the rest.

 

Abou ben Adhem (möge sein Stamm gedeihen!)
erwachte eines Nachts aus einem tiefen Traum des Friedens
und sah inmitten des Mondlichts in seinem Zimmer
das es reich machte, und wie eine Lilie in Blüte
einen Engel in ein goldenes Buch schreiben.
Andauernder Frieden hatte Ben Adhem mutig gemacht
und zu der Präsenz in seinem Zimmer sprach er
„Was schreibst du?“ Die Erscheinung hob den Kopf
und mit einem Blick ganz aus süßem Einvernehmen
anwortete: „Die Namen derer, die Gott lieben.“
„Und ist meiner darunter?“ sagte Abou. „Nein, der nicht.“
antwortete der Engel. Abou sprach leiser.
Doch fröhlich immer noch; und sagte, „Dann bitt ich dich,
schreib mich ein als einen, der seine Mitmenschen liebt.“

Der Engel schrieb und verschwand. In der nächsten Nacht
kam er wieder, mit einem hellen erweckenden Licht,
und zeigte die Namen derer, die von Gottes Liebe gesegnet waren,
und siehe! Ben Adhems Name stand über allen.
 


 

6. Mai ~ Dankesammlung

Ich hock hier zwischen gepacktem Zeugs aufm Boden in meinen Zimmer, der Gefährte wischt draußen alle Böden (heute ist Putztag), und wenn trocken ist, fahren wir los nach München. Ich werd nämlich hingefahren, danke, oh Oger ❤ Smoooch!

Gestern das Konzert war sowas von schön! Die Sängerin, Nawal, war letztes Jahr Anfang April schon mal bei uns und nahm am mannheimer Zik’r (Sufi-Musik-Meditation) teil. Das Konzert fand im Sufizentrum statt – das klingt so großartig – das ist ein großer Raum. Hier (Foto von letztem Jahr):

Auf der Bank unter dem Bild von Inayat Ali Khan und seiner Musiktruppe saßen Nawal und Ali Ungan, wir saßen auf den Bänken, das Licht war schöner als auf dem Foto. Es war absolut unplugged, ohne Mikro. Wir haben teilweise mitgesungen – so wurde es auch ein bisschen ein Zik’r.

Hachja. :‘) Das war ein Wunsch, der sich erfüllt hat. Er erfüllt sich ja immer, wenn wir dort am Zik’r teilnehmen; gestern wars noch mal besonders magisch.

Nawal brachte was zur Sprache, das mir zur Zeit oft begegnet. Ich habe den Eindruck, es ist eine Vibration, die grad um die Welt und durch uns durch geht: Das ‚Negative‘ anzusehen, zu verstehen und zu integrieren. Dem Negativen mit Liebe zu begegnen. There is nothing that is not God, sang Nawal, es gibt nichts, das nicht Gott ist. Teal Swan hat dazu grad letzten Samstag, selbst sehr bewegt, ein Video gemacht (englisch). Ich werd auch noch einiges dazu schreiben, hab ich ja die Tage schon. Ist leicht gesagt und hingeschrieben und auch keine neue Idee. Neu ist die Verbreitung, und für mich, dass ichs auch endlich einigermaßen verstehe, so dass ich damit was anfangen kann, praktisch.

Danke also für das Konzert und die Erkenntnisse und ihre Anwendung. Das ist alles Heilung. ❤

Dann auch noch danke – das war alles gestern, und heute bewegts mich weiterhin – für einen sehr schönen Traum, den ich morgens hatte und der mir inzwischen von jemandem aufs Wunderbarste auch gedeutet wurde.

Und jetzt mach ich hier Schicht und fahr nach München. Hoffentlich bin ich dort online.

Wie auch immer: bis bald! =)

Narzissmus – dritter Teil

Warum brauche ich so lange, um endlich zu dahin zu kommen, worum es mir wirklich geht bei meinen Artikeln über Narzissmus?

Weil ich hin und her gerissen bin.

Ich habe viel zu dem Thema gelesen und mich darüber unterhalten, und sehr oft bin ich mit einer Haltung konfrontiert worden, die mir verzapft
1. ein eine kleine Menge Narzissmus sei gesund und normal.
2. ich solle Narzissmus in meiner Umgebung ‚einfach‘ an mir abperlen lassen. Dass ich mich ‚triggern‘ lasse, sei mein Problem, ich könne mich nicht abgrenzen, es würde helfen, wenn ich mich vom ausgelebten Narzissmus einfach nicht mehr stören ließe.
3. Manche Websites liefern gar Tips zum Umgang mit Narzissten: z.B. immer Recht geben, loben und bauchpinseln, manipulativ dazu bringen, gute Ideen von anderen als ihre eigenen anzunehmen und umzusetzen.

Zum ersten Punkt hab ich gestern was geschrieben.

Der dritte Punkt ist für mich inakzeptabel. Sowas gehört, wenn überhaupt, ins Therapiesetting, wo die Therapeutin erst mal ein Vertrauensverhältnis ausfbauen muss.
Und es mag eine kurzfristige Überlebenstrategie für Leute sein, die in einer verstrickten Beziehung mit einem Narzissten sind, aus der sie nicht sofort rauskönnen.
Das ist richtig ARBEIT, die Kraft kostet und den Wahnsinn unterstützt. Ich will den Dämonen, der unsere Lebensenergie verbraucht, verhungern lassen und nicht noch füttern!

Aber der zweite Punkt… der zweite Punkt.
Was reg ich mich so auf? Wenn ich mich ordentlich abgrenzen könnte und würde, dann gäbs doch gar kein Problem!
Stattdessen gefalle ich mir in der Rolle als Vampirjägerin, die Narzissmus ausmerzen will, die den Dämonen beim Namen nennen und vernichten will, die Vampire entlarven und ihnen einen Pflock durchs Herz treiben will, damit sie nie wieder Schaden anrichten.

Jaja, Vampirjägerin ist was Heldenhaftes und Ehrenvolles. Die Vorstellung, eine zu sein, erfüllt mich mit Begeisterung –

und dann meldet sich die Stimme aus meiner Mitte, die mir flüstert, dass das typisch narzisstische Tendenzen sind.
Die Anderen müssen sich ändern, und ICH bringe sie dazu! Ich mache die Welt heiler, indem ich Narzissmus entlarve und erlöse. Geiles Selbstbild, dochdoch.
Nur sind Selbstbilder halt leider richtig schädlich. Auch die Wundervollen.
Narziss, der schöne Jüngling aus der Mythologie, nach dem die Krankheit ihren Namen hat, starb, weil er sich in sein Selbstbild verliebt hatte.

Wenn ich also wirklich erleuchtet voller Liebe in meiner Mitte wäre, dann könnte ich den Narzissmus toben lassen, ohne dass er mich stört.
Und wenn mich doch narzisstische KollegInnen quälen, dann wechsel ich halt die Arbeitsstelle, und wenn mir der narzisstische Nachbar das Leben zur Hölle macht, mei, dann zieh ich halt einfach weg.

Und da werd ich wieder wütend. Ich soll dem Narzissmus ausweichen, nachgeben, mich schützen, indem ich den Raum meide, in dem er sich breit macht? I think not.

Ich bin auf meiner Suche im Netz auf eine Seite gestoßen, wo der Knoten beschrieben wird, den ich aufdröseln will.

Das Dilemma mit konstruktiver ziviler Konfliktbearbeitung

Der Artikel scheint auf den ersten Blick langweilig und wortreich. Und dann kommt ein Absatz nach dem anderen, wo in Worte gefasst wird, was mich umtreibt. Wie wenig hilfreich es ist, wenn ich versuche, mich abzugrenzen, mich höflich zu verhalten, nicht heftig zu werden, wenn jemand mich ununterbrochen provoziert und meine Energie zieht.
Ich rate allen Interessierten, den Artikel zu lesen und auch die Buchempfehlungen zu beachten. Ich zitiere nur einen kleinen Absatz aus diesem erhellenden, klugen, hilfreichen Text:

Das Dilemma mit konstruktiver ziviler Konfliktbearbeitung | Lebenshaus Schwäbische Alb

Dazu kommen noch Aufforderungen, doch mehr Souveränität zu wahren und die Angriffe nicht so ernst zu nehmen, kommen oberflächlich ansetzende Vermittlungs- und Versöhnungsversuche, kommen Appelle, nicht eindeutig zu handeln, z.B. keine Trennung durch Vereinsausschluss herbeizuführen, kommt das angewiderte Abwenden und Wegschauen – solches Verhalten, das den idealen Nährboden für seelische Gewalt bereitet, macht es verdammt schwierig, eine entschieden eindeutige Haltung einzunehmen.

So. Da sind sie, die Schlüsselworte, nach denen ich gesucht habe: eine entschiedene, eindeutige Haltung.

Eine Haltung – NEIN zum Narzissmus in jeder Form (auch in mir selber) – ist kein Selbstbild. Sie ist eine Technik, um in Balance, um in meiner Mitte zu bleiben.

Ein anderes Selbstbild dagegen, eins, das mich in diesem Zusammenhang sehr gequält hat, ist das von der liebevollen, reifen, abgeklärten Vetch.

Jedesmal, wenn ich mich in den letzten Wochen über narzisstisches Verhalten aufgeregt habe, habe ich mich insgeheim als Versagerin gefühlt. Warum bin ich so aggressiv? Ich muss doch alle und alles lieben, auch im Narzissten steckt ein verletzter Mensch (stimmt!), dem muss ich mit Liebe begegnen. Liebe heilt alles!

Und das stimmt wirklich. Liebe heilt alles, JA!

Nur — ich muss von innen nach außen vorgehen. Bevor ich die narzisstischen Dödel beiderlei Geschlechts lieben kann, die mir in letzter Zeit so nachhaltig auf den Sack- sorry, auf die Ovarien gegangen sind, muss ich erst mal Zugang zur Quelle haben, wo diese Liebe fließt.
Schlicht gesagt: Ich muss mich selber lieben. Selbstliebe, Eigenliebe.

Wenn ich mich als Versagerin fühle, weil ich statt Liebe Groll verspüre, dann verbau ich mir selber den Zugang zur Quelle. Darum habe ich beschlossen, erst mal das an mir zu lieben, was IST.
Ich liebe meinen Groll. Ich liebe mich so, wie ich bin. Mal bin ich richtig gut, mal nicht. Immer wertvoll und liebenswert. Das übe ich jetzt.

Und wenn ich das kann, dann geschehen wunderbare Dinge auch im Außen. Ich habe das schon erlebt.

Immer, wenn ich selbst heiler geworden bin, hat sich in meiner Umgebung, in der Welt etwas mit zum Heilsamen verändert. Das mag wie esoterischer Schmonzes wirken – ich weiß, dass es wahr ist.

Es kann auch geschehen, dass es sich trotzdem mal entlädt (nicht ‚ich‘, sondern ‚es‘) und ich sehr deutlich Grenzen ziehe. Aus meiner Mitte heraus und darum wirkungsvoll. So eine Entladung kann einen Narzissmus-Vampir dann auch mal zu Asche zerbröseln. Wunderbar! Aber solche Entladungen sind nicht mein Beruf, sondern ein möglicher Nebeneffekt meiner Selbstliebe und Selbstfürsorge.

Ich muss unterscheiden, ob ich aus verletzem Stolz und im Selbstbild der Rächerin auf einen Narzissten losgehen will. DAS ist unheilsam und hilft niemandem.

Oder ob ich aus Höflichkeit, aus Feigheit und aus Angst, mich bloßzustellen, den Mund halte und den Narzissmus toben lasse. Das ist auch unheilsam für alle.

Ich habe also beschlossen, dass ich liebevoll auf mich selber schauen will. Liebevoll und wachsam, im Vertrauen, dass aus meiner Mitte im passenden Moment das Passende kommt. Das kann ich nicht planen und nicht beschließen. Ich beschließe stattdessen, dass ich mich liebe und gut finde, auch wenn ich mal aus der Balance gerate. Denn wer lieben kann und sich selber liebt, ist immun gegen Narzissmus.

 

UFFZ!

 

da bin ich schon wieder

Langer Riemen in eigener Sache, der Vollständigkeit halber. Muss niemand lesen. Ich muss es schreiben, solche Beiträge kommen immer mal wieder vor, in diesem Blog.

Ich hab auf meinen letzten Beitrag mitfühlende und ermutigende Komentare und unterstützende Sternchen (so haben die „gefällt mir“ Klicks sich für mich angefühlt) von euch bekommen.

Drum will ich hier der Welt (naja, der geneigten LeserInnenschaft) verkünden, dass mir das was bedeutet und mir Kraft gegeben hat. Im Internet haste schnell mal gute Wünsche und Mitgefühl hingeschrieben, und ich selbst achte sehr darauf, dass ich das nur mache, wenn ichs auch wirklich meine, und wenn ich dazu auch das Passende empfinde, auch wenns nur paar Worte oder nur ein Sternchen sind.
Und bei denen, die sich zu meinem letzten Post geäußert haben, da habe ich das Gefühl, dass es auch so ist. Danke!

Es ist mir ja fast peinlich, berichten zu können, dass wir uns vertragen haben. Vor allem, weil wir vor fast genau einem Jahr ein ähnliches Drama hatten. Ich hab nicht vor, das alle Jahre zu wiederholen!

Als ich vorgestern den Post „Pause“ geschrieben habe, da war ich sicher, dass es aus ist. Morgens war der Tropfen ins Fass gespritzt, ders nicht zum Überlaufen sondern zum Explodieren brachte. Ich hab ca. ne Viertelstunde am Stück rumgebrüllt und dem Gefährten (und der umliegenden Neckarstadt…) mitgeteilt, was mir alles stinkt, was JETZT aufhört und wie ich meine Zukunft zu gestalten gedenke. Nämlich ohne ihn, und nicht in dieser Wohnung.

Das einzige, was mich danach beschäftigte, war die Art der Abwicklung, weil ich nicht einfach aus unserer gemeinsamen Wohnung rauskann. Ich muss ja erst mal was haben, wo ich hinkann. Ich hab den „Pause“-Post geschrieben und mich dann in meinem Tagebuch mit mir selber unterhalten, um runterzukommen und mich zu sammeln.

Ich war so traurig, denn wir haben es sehr schön hier, und ich empfinde es als wirkliche Sünde, im reinsten, konservativsten Sinne des Wortes ist es Sünde, das Schöne, das uns gegeben ist, zu missachten. Wenn wir diese Sünde begehen, sind wir SOFORT in der Hölle. Und da hatten wir uns reinmanövriert: in die Hölle. Ich war so traurig über die Verschwendung.

Dann kam der Gefährte rein, mit nem Kaffee für mich. Er wollte ein Gespräch. Hat mich überrascht, nach meinem Ausbruch vorher. Es gab von meiner Seite aus auch nichts mehr zu besprechen – außer, wie wir bis zu meinem Auszug miteinander umgehen wollen.
Oke, also reden wir darüber, das ist auch in meinem Interesse.

Mit der Zeit merk ich, nee, es geht ihm darum, ob und wie wir unsere Beziehung weiterführen.

Okee…? Ich war wieder überrascht, ich hatte gedacht, ich hätte alle Brücken verbrannt bei meinem Ausbruch.

Aber gut, na schön. Prinzipiell bin ich offen dafür, dass wir weiterhin ne Beziehung haben – unter anderen Voraussetzungen. Mein Vater hat mehr als 20 Jahre eine Beziehung und dann Ehe mit meiner „Stiefmutter“ geführt, bei der beide in ihren eigenen Wohnungen geblieben sind. Ich bin sicher, die getrennten Wohnungen haben dazu geführt, dass die beiden immer noch zusammen sind (jetzt in ihrer Wohnung, weil er bisschen dement und krank ist – und lieb haben die beiden sich immer noch sehr).

Und dann, nach redenredenreden, der Tag schon halb rum, fall ich richtig aus allen Wolken, als ich endlich merke:
Er denkt, mein Auszug wär noch verhandelbar. Er will unbedingt, dass ich bleibe.

Jo…

Der Stand der Dinge jetzt ist: Wir bleiben zusammen, in dieser Wohnung, die ich liebe, wo ich mich und meine Sachen eigewoben habe, die ich mitgestaltet habe, wo unsere Katzen sind – ich WILL hier nicht weg, wenns geht, ich wohne hier. Ich brauch allerdings auch mein eigenes Reich, innen wie außen.

Im Außen wird das so gelöst, dass meine Ma hier im Mannheim eine kleine Wohnung mietet, an der ich mich so weit beteilige, wie ich finanziell kann. Dann kann sie mich oft besuchen und hat hier ihrs. Vielleicht zieht sie ja auch mal ganz nach Mannheim, wer weiß. So richtig glücklich und verknüpft ist sie ja nicht in München. Ich find, sie soll herkommen!
Jedenfalls, in der Wohnung bekomme ich einen Raum, in dem ich Beratungen anbieten kann. Und wo ichs mir einrichte und wo ich immer hinkann, wenn ich mag. Meins, MEIN Reich.

Und Mein Reich im Innern, das kann ich jederzeit haben. Ich habs sehr vernachlässigt. Vor 3 Tagen noch hätte ich Seiten vollschreiben können mit Dingen, die mich am Gefährten stören, die er ändern muss, wo ich mich schlecht behandelt fühle, war er falsch macht … Ich war immer bei ihm, im Guten wie im Schlechten. Als würde ich endlich glücklich sein, wenn ER sich ändert. Als ob ich endlich glücklich sein könnte, wenn ich mich von ihm löse und meine eigene Wohnung habe. Fluchtreflex – und dabei nehm ich mich doch mit.

ER ist nicht mein Problem! Mein Problem war mein Verhalten (da passt ja auch so schön das dazu, was Sólveig gestern verlinkt hat – a bisserl Psychologie… – Tales of an Urban Priestesshttps://www.marathonfitness.de/selbstdisziplin-lernen/), mein Problem war, dass ich – oh elendes altes Muster – mal wieder und immer wieder gestrampelt und gewinselt hab, damit er gut findet und mir erlaubt, was ich will. Dazu fallen mir sofort diverse Beiträge ein, in denen ich das wortreich analysiert habe (z.B.), und mal wieder muss ich erkennen, wie dringend ich Disziplin üben muss, um umzusetzen, was ich verstanden habe.

Disziplin, das habe ich nun doch endlich begriffen, bedeutet nicht, dass ich mich zu Dingen zwingen soll, zu denen ich keine Lust habe.
Disziplin bedeutet, dass ich diszipliniert verfolge, was mir guttut, was mir Freude macht, was ich gut kann und gerne tu. Dass ich diszipliniert spüre, wo meine Grenzen sind. Dass ich diszipliniert nur noch strample, um wieder in meine Mitte zu kommen. Dass ich diszipliniert nachspüre, was ICH will und brauche, statt zu erahnen und zu erfüllen versuche, was andere, z.B. der Gefährte, vermeintlich oder wirklich von mir erwarten.

Das wird uns beide entlasten. Weil ich dann nämlich auch nicht mehr so bedürftig und hungrig bin.

Und um das zu üben, muss ich nicht ausziehen. Im Gegenteil, das kann ich hier wunderbar üben. Das Leben als Videospiel, das ist jetzt das Level, das aktuelle Adventure, ich hab die Skills, die mich hergebracht habe, ich erwerbe neue Skills. Also weiter! Disziplin!

Und ganz im ernst, wenn ich das diszipliniert übe und es dann nicht funktioniert mit dem Gefährten und mir, dann werden wir damit umgehen, wie es angemessen ist. Keine Flucht, bei der ich meinen ganzen Mist und meine Muster mitnehme und sie mich nur deswegen nicht quälen, weil sie nicht getriggert werden. Sondern ein Sich Weiter Entwickeln.

Ich bin grad wirklich zuversichtlich. Ich bin dankbar – für meine Freundinnen, und auch für den Gefährten, der überraschenderweise nach allem, was jetzt war, mit mir zusammen sein möchte. Er will auch seinen Teil beitragen, und ich habe erlebt, dass er nicht nur labert, sondern auch wirklich macht. Drum vertraue ich ihm.

Ich hatte weniger Vertrauen in mich selber, ich war erst nicht bereit, hier zu bleiben, ich wollte lieber weg und traurig aber endlich wieder frei und unabhägig sein. Jetzt habe ich mich darauf eingelassen, verknüpft zu bleiben, und das hat mich zunächst sogar ein bisschen frustriert und geängstigt.

Aber wir haben ja weiterhin viel viel geredet, gesagt und besprochen, und ich bin dabei zu den obigen Schlüssen gekommen. „Das Ziel ist der Marktplatz“ hat unser Sufi Lehrer gesagt. Das Marktplatz ist das Leben, und da wird geübt, nicht in der einsamen Abgeschiedenheit.

Jo. Soweit. Also, ich bin tatsächlich wieder froh, außerdem sehr dankbar, auch all den Helfern, die ich in meiner Not angerufen habe. Muss auch an das I Ging denken, das mir für den „achten Monat Unheil“ angesagt hat. Da gings um die HPΨ Ausbildung, dachte ich, aber wer weiß. Und außerdem spielt natürlich auch das Berufliche in mein vermeintliches Elend mit rein. Ich hatte den Orakelspruch dann ernst genommen und mir so gedeutet, dass ich sehr aufpassen muss, dass ich nicht in meine alten Muster rutsche. Und genau das ist passiert. Der Beutler jetzt hat dringend sein müssen!

Hier noch ein Bild von unserm urbanen Garten, den wir seit letzten Sonntag haben. Wie schön, dass ich davon doch erzählen kann!

Geburtstage

Mein LieblingsAstroBlog bringt oft Beitrage zu Geburtstagen, nur leider guck ich da gar nicht jeden Tag rein, und so hab ich zwei (für mich) interessante Geburtstage verpasst.
Interessant für mich, weil sie mir jeweils die Gelegenheit geben, schöne Zitate zu bringen.

Am 30. September 1207 wurde Mevlana Muhammed Celaleddin-i Rumi in Wachsch in der Region Balch, Afghanistan geboren.

Man sagt, die Liebe öffnet eine Tür
von einem Herzen zum andern.
Doch wo es keine Mauer gibt,
wo soll dann eine Türe sein?

aus: Dschelal ed-Din Rumi, Das Lied der Liebe

Im Netz habe ich noch ein ins Englische übersetzte Gedicht von ihm gefunden. Ich will es nicht ins Deutsche übertragen, weil ich fürchte, dabei geht mehr von seiner Essenz verloren.

These spiritual window-shoppers,
who idly ask, ‚How much is that? –
Oh, I’m just looking.‘
They handle a hundred items and put them down, shadows with no capital.
What is spent is love and
two eyes wet with weeping.
But these walk into a shop,
and their whole lives pass suddenly in that moment,
in that shop.
Where did you go? – „Nowhere.“
What did you have to eat? – „Nothing much.“
Even if you don’t know what you want,
buy something, to be part
of the exchanging flow.
Start a huge, foolish project, like Noah.
It makes absolutely no difference
what people think of you.

 

Dann war vorgestern, am 2. Oktober, der Geburtstag von Ghandi, und R. Wilkinson (Betreiber des Astro-Blogs) zitiert bei der Gelegenheit gern Ghandis postulierte „seven deadly socials sins“:

Wealth without Work, Pleasure without Conscience, Science without Humanity, Knowledge without Character, Politics without Principle, Commerce without Morality, Worship without Sacrifice.

Die sieben tödlichen sozialen Sünden:
Reichtum ohne Arbeit, Genuss ohne Gewissen, Wissenschaft ohne Menschlichkeit, Kenntnisse ohne Character, Politik ohne Prizipien, Geschäfte ohne Moral, Anbetung/Religion ohne Opfer.

Meine Übersetzung ist bisschen holprig. Ich denke, der Spirit kommt durch.

Netz

 

Reibung

Manchmal gerate ich ins Predigen. Das passiert z.B. wenn ich jemand anders etwas rate, das ich auch selber sehr zu beachten habe.
Das hier hab ich für Leute geschrieben, die sich in Online-Foren rumärgern.

Reibung nährt ungute Egofilme.
Schlicht gesagt: Reibung ist eine der Hauptnahrungsquellen für Monster.
Zusätzlich erzeugt Reibung (immer?) Angst, die auch eine Hauptnahrungsquelle von Monstern ist.

Nun sind Reibung und Angst an sich nicht schlecht.
Sie sind Bestandteile des Ego-Abenteuers hier auf Erden.
Im Übermaß sind sie ungesund und deuten auf Suchtverhalten.

Prüfe, wenn du dabei bist, zu reiben, ob es wirklich sein muss.
Ob es die Sache wirklich wert ist. Manchmal ist das der Fall.
Und sehr oft wird nur gerieben um der Reibung willen.
Ob das so ist, kannst du nur für dich alleine feststellen.
Wenn du ungute Reibung erkennst, halte dich fern davon.
Halte. Dich. Fern.

Das erscheint uns oft wie eine unlösbare Aufgabe.
Wir meinen, dass wir uns nicht raushalten können, und /oder, dass die Reibung uns verfolgt.
Wenn das der Fall ist, ist vielleicht ein Gespräch mit einer neutralen Person angebracht, um die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Da wo ständig Reibung ist, muss Licht hin. Licht vertreibt Monster.


„Das Chaos ist die Liebe der Andersdenkenden“

Ich bin nicht ganz sicher, was der Satz bedeutet. Immerhin kommen wichtige, schöne Dinge darin vor: Chaos, Liebe und Andersdenken. Das will ich gerne in meinem Herzen verknüpfen, dann reg ich mich nicht mehr so AUF, wenn jemand im Internet UNRECHT hat. grins