LU

15. Juni 2017 Donnerstag ~ Dankesammlung

Heute morgen bin ich gar nicht wach geworden, und ich hätte wahrscheinlich bis in den Nachmittag geschlafen und geduselt, wenn nicht um 11h rum sanfte Blasmusik in meinen Traum gesickert wäre. Ich war grad dabei, die Uraufführung von „It’s Raining Men“ mitzuerleben — was hatten diese seltsamen Blechblastöne da verloren?
Noch halb im Schlaf torkelte ich auf die Dachterasse und wurde Zeugin vom Beginn der katholischen Prozession. Sowas habe ich nicht mehr erlebt, seit ich aus Passau weg bin. Jetzt wieder in Ludwigshafen, im Hemshof. Das haben wir den vielen italienischen EinwanderInnen hier zu verdanken. Danke! =)

Die sind ne Schleife gezogen, und als sie nach einiger Zeit wieder kamen, hab ich mich aus dem Fenster gelehnt, um voller freundlicher, offener Neugier zu hören, was der junge Anführer der Prozession so erzählt.
Ich wurde – wieder mal – sehr enttäuscht.

„Und die Jünger fragten ‚Oh Herr, wie sollen wir beten?‘. Und Jesus sprach-“

Da bin ich gleich wieder ausgestiegen. Ich weiß, was jetzt kommt. Wenns ganz übel abgeht, dann kommt erst mal das mit dem „Ihr sollt nicht plappern wie die Heiden“, und auf jeden Fall kommt das öde, doofe Vaterunser. So sicher wie das Amen in der Kirche, haha, und genauso einfallslos, langweilig, uninspiriert. Da latschense also durch die Straßen und beten den alten, leeren Kram runter.

Ihr dagegen könnt frohlocken. Ich hatte nämlich sofort den Entschluss gefasst, einen langen HECKENWICKE-Artikel zum Thema „Beten“ zu schreiben, mit vielen Zitaten von Richard Rohr ~ und dann hatte ich keine Lust mehr. Bleibt euch das also erspart. Vielleicht ein andermal.

Stattdessen ein Foto.


In Köln am Straßenrand rufense bei solchen Prozessionen „Frollein! Ihr Täschschen brennt!“

Für den hübschen Anblick sag ich danke. =) Und die Bläser – auch wenn die Musik scho a weng öde und leierig war – haben ihre Sache gut gemacht.

 
Auch heute war wieder ein Räucherstäbchentag, und ich bin in dem Zusammenhang für zwei Dinge dankbar.

Erstens habe ich endlich meinen Ufo-Räucherstäbchenhalter wiedergefunden, den ich seit Tagen suche. Den hab ich noch zu Schulzeiten in Köln gekauft, mein allererster Räucherstäbchenhalter für meine allerersten Räucherstäbchen. Patchouli (natürlich) von Holy Smokes. Dazu habe ich „My Sweet Lord“ von George Harrison rauf und runter gehört – meine Eltern hatten die Platte, und das war das hippiehafteste, das ich dahatte.

Eya. Danke, dass das Ufo wieder da ist!

Desweiteren bin ich dankbar, dass ich heute endlich drauf gekommen bin —
Ich suchte nicht nur das Ufo, sondern auch irgendwas anderes für Räucherstäbchen, wo die Asche reinfallen kann. Ne Dose… Und da fiel mein Blick auf die außerordentlich schöne, magische, mir heilige, uralte Puderdose meiner Omi Solingen. Die Dose ist abgeranzt, es klebt noch Puder drin, ich habe seit vielen Jahren keine Ahnung, was ich damit machen soll, ich weiß nur, dass ich sie liebe. Heute hat sie endlich eine neue, sinnvolle, magische Bestimmung gefunden. Ich hab Sand und kleine Kiesensteine von unten ausm Hof reingetan, und siehe:

Das ist eine wunderWUNDERschöne Dose. Ich bin froh und dankbar!

Außerdem dankbar bin ich für eine andere Idee, die mir auch heute kam. Ich war nämlich insgesamt heute ziemlich missmufflig, matschig und unzufrieden. Außerdem hatte ich Kopfweh, und das wiederum kommt vom Nacken, weil ich den ganzen Tag am Computer hocke. Tu ich. Dadurch bin ich an einem Ort festgeklebt und bin unzufrieden.
Ich habe beschlossen, zu fasten. Computerfasten.
Eine Woche den Rechner auslassen habe ich gleich wieder verworfen. Stattdessen werde ich ausprobieren, den Rechner nur jeden zweiten Tag anzumachen. Morgen fange ich an. Das bedeutet morgen: Kein Internet, kein Tagebuchfile, keine Bildbearbeitung, kein Schnell-mal-was-Nachgucken. Stattdessen kann ich gucken, wie ich mir die Zeit vertreibe. Und ich bin sicher, ich werde zeitweilig sehr schlechte Laune bekommen. Mich langweilen. Und dann werde ich die Bücher in meinem schönen Regal seit langer Zeit mal wieder genauer ansehen. Oder meine Gitarre in die Hand nehmen. Oder die Aquarellfarben aus der Schublade kramen. Oder rausgehn. Oder mit der Hand schreiben. Oder Sachen sortieren, die in dunklen Ecken meiner harren. Oder all das und noch ganz andere Dinge.

Wenns irnzwas Wichtiges gibt, das ich am Computer machen will, kommts auf ne Liste, und übermorgen kann ichs dann machen. Und – es wird nicht nötig sein, ich sags mir nur für den Fall: Wenn ich irnzwas wirklich brauch – ein Rezept, das ich im Rechner habe, einen Weg nachgucken, eine wichtige Sache ausdrucken, sowas – dann darf ich das.

Oke. Das bedeutet: morgen bin ich nicht online, und meine Dankesammlung für morgen schreibe ich übermorgen. Und dann kann ich berichten, wie’s war und ob ich das weiter mache.

Jau, für diese Idee bin ich dankbar. =)

Außerdem erfreulich fand ich heute, wie schön Molly farblich auf den Stuhl passt,
auf dem eigentlich ich ganz gerne manchmal sitzen würde…

Nix auf der Welt gähnt so entzückend wie ne Katze.

So, jetzt noch das Gedicht.

Gewitterschwüle
kein Regen, kein Donner, nur
Wind und Straßensound

Die Umzugs-Oper von Wohindemit

Atmelose Arien der Umzugsoper:

Zuallererstmal, warum ich überhaupt diesen Post hier poste: Ich les fast nix mehr online, ich klicke nichts an, ich kommentier so gut wie nicht mehr. Das ist, weil ich fast nicht mehr online bin, und wenn, dann bekomm ich nur noch wenig in den Kopf. Bitte nehmts mir nicht übel! Das kann sich auch noch hinziehen bis Mitte/Ende März.

Unsere neue Wohnung in LU ist viel kleiner als wir dachten, was wir erst gemerkt haben, als wir den Mietvertrag schon unterschrieben und hier schon gekündigt hatten. Wir haben auch viel Dachschräge, was mich besonders fasziniert, weil das beim Wohnungssuchen eins der absoluten Kriterien für NEIN war. Die Dachschräge haben wir beim Besichtigen einfach ausgeblendet. Auch die Küche ist winzig, das war ein weiteres Kriterium: eine große Küche.
SEUFZ.
Da wir beide die Wohnung haben wollten und tatsächlich bekommen haben, obwohl sie in vielen vorher definierten wesentlichen Punkten eine NEIN-Wohnung ist, und wir also unbewusst ganz viel ausgeblendet haben, gehe ich davon aus, dass wir die Wohnung haben, die wir haben SOLLEN.
Damit wir dort leben können, müssen wir ganz viel ausmisten. Viel mehr als wir vorhatten. Das sind so Fügungen, über die bin ich FROH und dankbar.

Gruselig ist mir auch immer wieder. Die Küche ist wirklich winzig. Oje.
Und es sind nach wie vor eine Menge Dinge zu klären, auch mit unseren Noch-Vermietern.

Ab Morgen geht Merkur wieder langsam vorwärts. Wie sich bei uns die Dinge zum Merkur retro und zum Neumond gefügt haben, das ist wirklich faszinierend. Die Overtüre der Umzugsoper und ihr erster Akt sind genau in diese Zeit gefallen, und an entscheidenden astrologischen Punkten fügten sich hier wesentliche Dinge. Und die Phase ist noch nicht vorbei. Wenn wir durch sind und ich dazu komme, dann möcht ich das gerne mal aufdröseln.

Das Ausmisten/Reduzieren/Vermindern soll weitere Veränderungen Richtung HEILUNG mit sich bringen. Ich werde meinen Medienkonsum reduzieren. Ich will in LU nach wie vor bloggen und Blogs lesen, allerdings nicht mehr in dem Ausmaß wie zu meinen Hochzeiten. Ich will stattdessen heilsamere, wirklichere, unmittelbarere Dinge tun. Ich hab zur Entspannung und zum Einschlafen in der letzten Zeit viel Input zum Lebensbaum und von Neil Kramer gehabt.
Ich glaub nicht, dass ich auf meine alten Tage noch mit ner hermetischen Schule anfange, und doch sind in der letzten Zeit (Merkur retro…) bei mir eine Menge Puzzlestücke angefallen, alte, sehr alte und ganz neue. Ich seh das Bild noch nicht komplett (Merkur retro… noch nicht vorbei, die Phase). Und doch: ich seh was. Vor allem seh ich, dass ich viel mehr als jetzt SEIN will, verkörpern will. Embodiment.

Jo.

Nachgeblubber zum Abschluss:
Das Moll hat sichs noch mal voll gegeben und kurz vorm Auszug Orte in der Wohnung erkundigt, die zuvor noch nie eine Pfote beschlichen hat.
Ich hatte vorher so ein seltsames Kratzen und Schaben kleiner Krällchen gehört und konnte das überhaupt nicht einordnen. Bis ichs über meinem Kopf maunzen hörte. Sie muss sich irnzwie den schrägen Balken entlang hochgezogen und -geschoben haben.
Die Heizung unten im Bild ist noch maln halben Meter höher als ich, nur damit die geneigte LeserInnenschaft sich ne Vorstellung machen kann, wie hoch das Kätzchen da hockt. (Und warum wir – u.A. – umziehen. Diese Wohnung bekommen wir im Winter nicht warm.)

Gerettet wurde sie durch eine Gemeinschaftsaktion. Ich stand auf der Leiter und hielt ein dickes großes Sofakissen über den Kopf, mein Freund gab Anweisungen, und das Kätzchen ist dann aufs Kissen gesprungen.

Puh.