Monster

Input

Jetzt ist über ein Monat vergangen, und ich hab das Gefühl, ich kann erst sinnvoll weiterbloggen, bis ich erzählt habe, was mir die letzten Wochen die Sprache verschlagen hat.

Ich hab damit gezögert, weils mir bisschen peinlich ist und weil ich auch finde, es ist sehr persönlich, und was muss ich die Leuts damit belämmern, und ich muss ja nicht ALLES erzählen, so interessant ist das ja nun auch wieder nicht.

Jo, ich merke nur, dass ich seit dem nicht mehr richtig bloggen kann, also raus jetzt damit. Die geneigte und geschätze LeserInnenschaft möge sich rauspicken, was sie interessiert, wenn sie was interessiert.

Ich machs kurz. Dochdoch.

Aaaalso.

Vor mehr als einem Monat bin ich beim Rumlesen in einem Forum auf einen Begriff gestoßen, den ich nicht kannte, habe im Netz danach gesucht und stieß dabei auf eine Seite, auf der Uta-Jenseits-Medium Readings und Channelings anbietet. So gar nicht mein Ding. Überhaupt nicht. Sowas kann man nicht ernst nehmen.
Hehe.
Auf der Site habe ich mich sofort festgelesen und ‚ganz spontan‘, bevor mein Verstand die Chance hatte, sich dazu zu äußern, ein Guide-Reading bestellt. Das hat noch ein kleines bisschen mehr gekostet als der Soja-Milch-Macher (über den ich mich jeden Tag freue). Wenn ich meinen Verstand gefragt hätte, hätte der mir gesagt: Du schöpfst hier grad mit vollen Händen aus deinen Ersparnissen, die in absehbarer Zeit aufgebraucht sind, und du hast keine Ahnung, wo dann Geld herkommen soll. Und wofür? Für eine esoterische, dubiose Dödelsache von Leuten, die du nicht kennst.
Mein Verstand hat noch viel mehr gesagt, das ich hier nicht hinschreibe.

Ich habe die Einwände meines Verstandes zur Kenntnis genommen (SEIN gelassen), Mails gingen hin und her, ich habe sofort das Geld überwiesen, und dann kam der erste Kontakt. Zu Vollmond, wie ich im Nachhiniein feststelle. Wie schön.

Das war ein Telefongespräch mit Uta Hierke-Sackmann, bei dem sie meine Seele – wie soll ich das nennen… sie hat sich auf mich eingestimmt, damit sie dann meinen Guide findet, und sie empfing dabei folgendes Bild:

Eine alte Frau hockt vor einer Jurte in einer total leeren Landschaft. Uta H.-S. sagte, so was Leeres, ohne jedes Leben, habe sie noch nie erlebt. Die alte Frau kratzt mit einem Stock heilige Zeichen in den Sand, die niemand sieht. Ob der Vergeblichkeit ihres Bemühens frustriert, genervt, erbost, wirft die alte Frau den Stock schließlich hin und stapft hinter die Jurte, wo Hühner scharren. (Ohje, jetzt erwürgt sie die Hühner, dachte ich, als ich das hörte.) Die sie füttert. (Uffz!) Ärgerlich, aggressiv schmeißt sie den Hühnern das Futter hin.
Und am Himmel statt der Sonne eine riesige Uhr.

(Dieses Bild habe ich im Blog schon beschrieben, als ich Gann Umas tolle Fragen zum Liebster-Award beantwortet habe. Die Frage war „Welches Monster muss erlöst werden?“)

Ich hatte ja fest damit gerechnet, dass Frau Uta H.-S. meine Seele als kleines Mädchen sieht, das fröhlich über eine sonnige Blumenwiese hüpft.

Tjaja ~
Die Alte vor der Jurte hab ich sofort erkannt, und ich war nicht erfreut.
Naja, während ich dann tagelang auf den Termin für das Reading wartete, hatte ich Zeit, mich mit der Alten auseinander zu setzen.

Das Reading kam, wie passend, einen Tag nach Neumond.
Auch da ent-Täuschung. Ich war ziemlich zuversichtlich gewesen, dass mein Guide ein raabencooler indischer Yogi ist.
Nee, Friedrich. Hildegard ham die aus mir gemacht <|8)

Ich hätte andere Sätze rausgepickt als Einleitung, z.B.

Nein, es geht auch nicht darum, den „richtigen“ Platz dafür zu finden. Sondern darum, JEDEN Tag, jede Stunde dir bewusst zu sein, dass JETZT der richtige Platz ist, um du SELBST zu sein.

Es wird wichtig bleiben, Verstand und Emotion nicht als getrennte Pole wahrzunehmen, sondern als die zwei Pferde, die den Wagen deines Seins ziehen. Wer aber hält die Zügel?
Dein Selbst, dein ewiges ICH BIN, das MUSS die Zügel halten und tut es noch nicht. Meistens gibt die Richtung der Verstand vor, sogar dann, wenn du meinst, hoch emotional zu sein. Aber das sind Emotionen, die dein Verstand durch sein Denken verursacht hat.
Es sind nicht deine tiefen, wahren Emotionen.

Du hast gehört: Da, wo die Angst ist, da geht es lang. Das ist FALSCH!
Da, wo Freude ist, liebevolle Solidarität, herzerfüllendes Engagement, DA geht es lang! Und das sind alles Emotionen aus den Tiefen deines Selbstes heraus.
Das GANZE Herz ist dabei! Das ist der richtige Platz, der richtige Moment, das rechte Sein.

Damit hab ich jetzt zu tun.

Wie kann ich SICHER sein?!?

Gestern hat mir das I Ging (so schiens mir) was empfohlen, das ich NICHT machen will.
Ich habs dann, angepisst, gefragt, ob ich auf ewig verdammt wär, wenn ichs nicht mache.
Die Antwort: JA.

Aha.
Okeee.

Dann hab ich gefragt, obs mich verarschen will.
Die Antwort: JA.

Das zu fragen war ein Tabubruch, weil man sich dem I Ging höflich und mit Respekt zu nähern hat. Hab ich mal gehört.

 

Aus der ganzen Fragerei und den erhaltenen Antworten kann ich jetzt Verschiedenes schließen.

Vernünftig: Dass ist alles völlig sinnlos. Die ‚Antworten‘ des I Ging, die ich über geworfene Münzen erhalte, sind in Wirklickeit einfach nur ZUFALL.

Weinerlich-fatalistisch: Ich bin auf ewig verdammt, ich muss Sachen machen, die ich nicht mag, und dann verarscht mich das I Ging auch noch!
Weil ich respektlos war, und ich bin selber schuld, und es gibt für mich sowieso keine Hoffnung, weil ich nicht kann, was ich soll, und weil ich nicht verstehe, was ich soll und weil alles zu spät ist. Also, für mich.

Wütend: Ich such mir jetzt ein Orakel, das mir sagt, was ich hören will!

Überheblich: Das I Ging hat halt auch nicht immer recht, und ich mach, was ich für richtig halte!

usw usf

Ich neige insgesamt zur ersten Reaktion, der vernünftigen. Die nimmt mir allerdings den Funken, das Vertrauen, und sie negiert die Erfahrungen, die ich gemacht habe, wenn sich die Dinge fügen und ich eingebettet in der Wirklichkeit bin.

In Wirklichkeit – das ist meine derzeitige Reaktion – in Wirklichkeit habe ich so seltsame Antworten bekommen, weil meine Fragen daneben waren. Wieso frage ich das I Ging, ob ich was Bestimmtes machen soll, wenn ich das definitiv nicht machen will? Sowas kann ich fragen, wenn ich offen bin für die Antwort. Das war ich nicht. Ich wollte nur Bestätigung, ‚offizielle‘ Erlaubnis für mein (Nicht-)Handeln, Autorisierung.
Die Antwort des I Ging ist mir im Nachhinein klar:
„Wenn du im Außen nach Erlaubnis für das suchst, was du im Innern für heilsam hälst, dann bist du weit aus deiner Mitte. Ab mit dir in deine Mitte!“

 
In Wirklichkeit merke ich, wann ich vom Universum heilsame Information bekomme. Das hat dann eine ganz eigene Qualität, und ich weiß dann, was es mir sagt.
Gestern habe ich mich brav an ‚die Regeln‘ gehalten (in dem Fall: Anleitungen aus dem I Ging Buch) und gedacht, wenn ich alles ‚richtig‘ mache, dann werde ich belohnt.
Und so isses nun mal nicht. Ich kann mich auf nichts verlassen.
Und in der Realität gefangen denke ich dann, ich könne mir deswegen auch nie sicher sein.

Dabei war ich mir schon oft wirklich sicher, und wenn ich dann dem Weg, den ich gespürt (manchmal sogar gesehen) habe, gefolgt bin, kam ich in Phasen des Heilseins.

Diese Sicherheit kommt aus meinem Innern. Sie kommt niemals aus einem Orakelspruch, sie kommt auch niemals von irgendwas, das jemand anders sagt oder in einem Buch schreibt o.Ä.
Das Wissen, die innere Sicherheit, kann durch all das (und noch mehr) ausgelöst werden. Wenn ich einen Input bekomm, der in Resonaz schwingt mit dem, was meiner Inneren Wahrheit entspricht. Das kann auch etwas sein, das mir nicht bewusst war, also scheinbar ‚vor außen‘ an mich herangetragen wurde.
In Wirklichkeit wird da ein Wissen geweckt, das in uns allen ist, weils wirklich ist, und wenn wir das erfahren, dann sind wir sicher.

Und wenn ich nicht sicher bin, dann ist das ein Indikator dafür, dass ich grad wieder voll verstrickt bin und Ego-Filme mit der Wirklichkeit verwechsle.

 

Puh, heute hier voll der Output… Und ich hab niemanden gefragt, ob ich das darf oder soll. :)

Jenseits von Bekämpfen oder Mitmachen

Und weiter gehts. Wieder ein Post, der als Kommentar zu einem von Sólveigs oft so inspirierenden Artikeln angefangen hat.

Gestern hat sie das hier gepostet:
the rest is silence… | Tales of an Urban Priestess
Da schwingen Themen drin, die nicht nur mich grad beschäftigen (vgl. die Kommentare zu Sólveigs Artikel).
Es geht u.A. um Bescheidenheit, um die Gradwanderung zwischen Mit-Teilen und Selbstdarstellung, und auch darum, wie wir heilsam wirken können, ohne den Status Quo zu füttern, in dem wir leiden.

Grad eben hab ich was gelesen, das nahtlos dazu passt:

Die Entfaltung der natürlichen sozialen Ordnung beginnt mit der Transformation des Einzelnen. Nichts wird von außen auferlegt und keine Anstrengung ist erforderlich, die bestehende Ordnung zu verändern. Es geht weder darum, eine neue Ordnung über die alte zu stülpen, noch darum, sich gegen die alte Ordnung aufzulehnen und sie zu stürzen. In dem Maße, wie die natürliche Ordnung spontan aus den Bemühungen einzelner Menschen entsteht, sich vom Ego zu befreien. wird die alte Ordnung allmählich von innen heraus transformiert; dies geschieht dadurch, dass die Betreffenden harmonisch miteinander und mit ihrer Umgebung umgehen. Dann werden die wahren Bedürfnisse der Menschen befriedigt und das Ganze, einschließlich der Natur, erfährt Mehrung.

Aus: Carol K. Anthony und Hanna Moog: I Ging – Das Kosmische Orakel

Manche könnten sich von Begriffen wie „Ego“ oder „Transformation“ etc. genervt fühlen. Bitte erkennt die Bedeutung hinter den Begriffen.

Die beiden Damen verwenden oft den Begriff „kollektives Ego“. Damit meinen sie etwas, das auch Mary Daly erkannt und als „foreground“ bezeichnet hat. Ich nenne es „Realität“. Idries Shah, wieder eine ganz andere spirituelle Richtung, erzählt Geschichten vom Exil (aus der Wirklichkeit in die Realität, oder, wie’s im I Ging Buch genannt wird: aus der Kosmischen Ordnung ins kollektive Ego). Er erzählt auch eine Geschichte von den Menschen, die alle wahnsinnig werden, weil das Trinkwasser sich verändert. Nur einer hat noch einen Vorrat vom gesunden Wasser, aber da er völlig isoliert unter lauter Irren leben muss, trinkt er schließlich auch das ’normale‘ Wasser und fällt in die kollektive Trance.

Es ist also eigentlich nichts Neues in dem I Ging Buch. Nur mal wieder neu formuliert, von zwei Ladies, die auf ihrem Weg mit dem I Ging zu diesen Schlüssen gekommen sind.

Wie der Mann in Idries Shah Geschichte, der das verseuchte Wasser trinkt, so geraten wir (also, auf jeden Fall ich!) immer wieder in die Fänge des individuellen und kollektiven Egos, verlaufen uns immer wieder in Realitätstunneln.

Indikatoren dafür sind eine innere Leere und Angst, nicht nur offen. Sie lauert auch unter und hinter allen Siegen und vielen ‚Erfolgen‘ (wir müssen ja doch sterben, der Siegestaumel vergeht, die nächste Niederlage droht, der Dieb kann kommen, man muss sich vorm Mangel schützen—)
Ich habe mich die letzten zwei Tage damit beschäftigt, I Ging-Hexagramme, die ich in der vergangenen schlimmen Depressions- und Pestphase geworfen habe, noch mal mit Hilfe des neugekauften Buches durchzugehen.
Dabei bekomme ich einen neuen Pestanfall nach dem andern. Ich verstehe vieles nicht, fühle mich unter Druck gesetzt, bekomme nicht die Antworten, die ich haben will–
Ich bin inzwischen sicher, dass mir da das dazwischenfunkt, was in dem Buch Ego genannt wird (ich habs oft als „Monster“ bezeichnet). Fazit: Üben. Wenn die Pest kommt: weg davon!

Das Gefühl in der Wirklichkeit eingebettet zu sein, das habe ich schon erlebt. Ich hab auch davon geschrieben, und kurz drauf bin ich wieder in der Realität verwirrt und verstrickt und am ARSCH. (Pardon my Klatchian.)

Ich glaube auch – das sag ich ja schon lange, und die Ladies im I Ging Buch sagen das auch: Das Monster/Ego strampelt, täuscht, droht, verführt. Es ist ein Parasit, der mich nicht freiwillig lassen wird. Eher tötet das Ego seinen Wirt als sich freiwillig aufzulösen.

Und wenn ich es bekämpfe, dann füttere ich es.

Also gibt es scheinbar (im Realitätstunnel) kein Entkommen.

In Wirklichkeit genügt ein klares inneres NEIN. Es genügt, um Hilfe zu bitten (z.B. „Den Weisen“).

Das will ich jetzt üben. Vor allem das innere NEIN will ich üben. Die schwarze Phase der letzten Zeit steckt mir noch in den Knochen und ich will mich nie mehr so vergessen.
(Lenk mich nicht ab, Ego!)

Hier und Jetzt, während ich mit dem Buch und dem Orakel arbeite, hadere und leide, und dann wieder Glück und Leben verspüre, merke ich immer wieder deutlich, wo der Weg langgeht. Der Weg ist da, wo keine Reibung ist. Zum Weg gehört auch, klar innerlich NEIN zu sagen zu Geboten des Egos.
Dass ein klares NEIN immer Reibung und Schuldgefühl erzeugt, das ist auch so ein Gebot der Realität. Es ist unwahr, wie ich selber deutlich merke.

Da wo ich hadere und leide, da ist die Realität, da tobt das Ego. Da weiter langzupressen, um Lösung und Klarheit zu finden, ist schlicht bescheuert.
Was tun?
Naja, das Naheliegende, Heilsame!
Ich mache dazu Übungen, z.B. welche aus dem I Ging Buch (z.B. inneres NEIN zu Geboten des individuellen und kollektiven Ego).

Achja, und um wieder auf den Anlass dieses Beitrags zu kommen. Ich werde üben, mich nicht mehr im Außen zu zerferzeln, andere und anderes anzuprangern und an der schlimmen Weltlage zu leiden. Durch Missionieren, Meckern und Bekämpfen gebe ich nur wieder Energie in den ungesunden Film und verzettel mich.
Drum hätte ich vielleicht besser, statt das hier zu schreiben, Übungen aus dem Buch gemacht… 😛
Das I Ging hat aber gesagt, ich soll bloggen. Da bin ich aber froh! Und wenn ich das I Ging wäre, würd ich Vetch jetzt nen Tritt in den Hintern verpassen, weil sie immer noch meint, sie braucht ne Erlaubnis von Außen/Oben, um das sein zu können, was sie ist und das machen zu dürfen, was sie macht.

Ich bin aber nicht das I Ging. Das I Ging tritt niemanden. Es rollt nicht mal mit den Augen.
Ich will auch das HEXIKON nach und nach heilsamer gestalten, indem ich die Aggression gegen das kollektive Ego rausnehme. (Das W-Wort bleibt also doch nicht… :P)
work in progress

Gottheiten und Machtgefälle

Ausgelöst durch ein paar nachträgliche Gedanken über Autorität, Dienen und Machtdynamiken | Tales of an Urban Priestess.

Seit ich hier das Bloggen angefangen, Sólveig kennengelernt und dadurch wieder begonnen habe, Hermes und anderen Gottheiten nachzuspüren, hab ich viel nachgedacht, gehadert und im Herzen bewegt.
Ob ich mich einlassen soll auf Gottheiten. Wenn ja, dann wie? Opfer? Anbetung? Weihen und Widmen?

Ich habe darüber sehr wenig geschrieben, weils mir zu durchgeknallt und auch, vielleicht, respektlos erschien.
Z.B. die Überlegung, dass Gottheiten Entitäten sein könnten, die unsere Aufmerksamkeit als Nahrung brauchen. Also quasi Parasiten.

Ich bin schließlich zu einem Ergebnis gekommen:
Ich bin mit Gottheiten auf Augenhöhe. Ich bin offen für gemeinsames Wirken.

Da habe ich auch nicht drüber geschrieben, weils mir auch wieder respektlos erschien.
Respektlos innerhalb eines Realitätstunnels, den ich mit der Wirklichkeit verwechselt habe. In diesem Realitätstunnel stehen Gottheiten über uns.
In diesem Realitätstunnel kommts dann auch zu dem ‚logischen‘ Schluss, dass ich, wenn ich Gottheiten nicht als über mir stehend sehe, sondern ihnen auf Augenhöhe begegne, das bedeute, dass ich selber gottgleich wär.

Und so kann ich innerhalb dieses Realitätstunnels (aka zivilisatorische Trance, Realität, Normalität, foreground, kollektives Ego, Maya, Dualität etc.) nur pendeln zwischen Unterwürfigkeit und Anmaßung.

In dem I Ging Buch, von dem ich zur Zeit so schwärme, wird auch dieses Thema angesprochen. Das Orakel wird dort als Der Weise bezeichnet. Diese/r Weise stehe uns allen zur Seite, heißt es, und wir können sie/ihn/es jederzeit um Rat und Hilfe bitten.
Der Weise steht NICHT über uns. Der Weise hat keine Macht über uns. Der Weise will keine Opfer, keine Anbetung, keine Verehrung, keinen Gehorsam. Auch kein intellektuelles Rumdiskutieren. Wenn wir sowas zeigen, dann zieht er/sie/es sich zurück.
Mehr nicht. Der Weise ist nicht beleidigt oder sowas (das anzunehmen wäre anmaßend…).

Auf Augenhöhe sein heißt nicht, dass wir gleich wären. Ich, Vetch, bin keinesfalls genauso klug und weise, wie die Gottheiten/Orakel/Instanzen, an die ich mich wende. Ich wende mich an sie weil ich weiß, dass sie weiser sind als ich. Deswegen brauchen sie weder meine Aufmerksamkeit noch irgendwelche Opfer oder sowas. Da ist kein Machtgefälle. Macht, zumindest in meiner Welt, ist die Möglichkeit, etwas zu machen. Ich habe Macht. Ob ich sie anwende, das ist meine Entscheidung. Das Orakel oder die Gottheiten, mit denen ich mich abgeben mag, können mich dabei unterstützen. Sie helfen mir, mich selber zu ermächtigen und mich aus Realitätstunneln zu befreien. Auch, indem ich manches in ihre Hände gebe und mich von Erwartungen und Hoffnungen löse.
Dann, das weiß ich, tu ich das, was ich zu tun habe. Und die Dinge fügen sich auf heilsame Weise, und zwar auf eine Weise, die ich mir vorher nicht habe vorstellen können.
 

Das hab ich schon mehrfach erlebt.
 

Und wie erstaunlich, dass ich das immer wieder vergesse.

Naja, work in progress.

Eine Geschichte vom Labyrinth

Der Weg durchs Labyrinth

Der Sage nach haust inmitten des Labyrinths ein grässliches Monster, das besiegt werden muss.

Um dorthin zu gelangen, müssen wir dem einen Weg folgen.
Wir können uns nicht verirren, aber es kann ziemlich fürchterlich werden, denn der Weg führt um viele Windungen und Kurven, und wir können nicht weit voraus sehen.
An jeder Kurve müssen wir etwas ablegen, bis wir schließlich auf unsere Essenz reduziert, nur mit dem Faden in der Hand, im Zentrum ankommen.

Dort wartet das Monster auf uns.
Das Monster ist ein Teil von uns selbst.
Jetzt müssen wir uns entscheiden, ob wirs weiter füttern, oder ob wirs verhungern lassen wollen.

Sobald wir anfangen, dem Monster Nahrung vorzuenthalten und beginnen, uns von ihm zu entfernen, um es verhungern zu lassen, sind wir einen Schritt auf dem Weg aus dem Labyrinth heraus gegangen.

Der Weg aus der Mitte des Labyrinth ist dunkel. Wir können fast nichts sehen, der Weg windet sich um enge Kurven.
Wir folgen dem Faden.

An jeder Kurve finden wir ein Geschenk.
Es wird heller. Wir können mehr vom Weg vor uns sehen.

Schließlich sehen wir wieder das Licht der Welt.

 

Das Bild vom Labyrinth begleitet mich zur Zeit, es kam auf in der Zeit zur rüchkläufigen Venus und hat sich bei mir eng mit Überlegungen zu rückläufigen Planeten verknüpft.

Ich erkläre es jetzt offiziell zu einem Werkzeug Bunter Magie.
 

s.a. Ein Labyrinth zeichnen

Die Alte, das Mädchen und die Königin

Diesen Text habe ich Dezember 2012 in einem Message-Board gepostet, nachdem ich mich dort über einige Beiträge eines Mitglieds geärgert hatte.
Ich hatte einen Traum erzählt, der mit meiner Beziehungsunfähigkeit zu tun hatte und war dabei zu dem Schluss gekommen, dass ich aufhören muss, die kleine Prinzessin zu sein, die auf den Prinzen wartet. Dass ich stattdessen Königin werden muss.
Der Betreffende, der übrigens immer schon und immer noch sehr gute und sehr hilfreiche Beiträge schreibt, vor allem bei Fragen zu Träumen, mochte das Wort „Königin“ nicht und nannte es ‚Ideologie‘. Wir hatten eine sanfte Auseinandersetzung darüber, ohne Einigung. Ich fühlte mich (zu Recht, wie ich immer noch finde) völlig missverstanden.

Ich sah zu dieser Zeit zwei Möglichkeiten, zwei verschiedene Impulse regten sich in mir:
Auf der einen Seite fand ich es schrecklich, dass ich ausgerechnet mit diesem Mitglied uneinig war. Er hat da ein sehr gutes Standing, er schreibt meistens sehr gute Sachen, er hatte sich die Mühe gemacht, meinen Traum zu analysieren ― ich hatte das Bedürfnis, alles wieder gut zu machen, Harmonie und Einigkeit herzustellen. Liebe und Frieden.
Auf der anderen Seite war ich wirklich erbost und fühlte mich von diesem Missverstehen bedroht und ausgelöscht.
Und wenn ich mich bedroht fühle und erbost bin, kann ich formidabel, kalt brutal und zielsicher verletzend sein. Manche kennen das vielleicht von sich selber…

Nu hatte ich zu der Zeit schon einige Erfahrungen und Lernphasen hinter mir, drum wusste ich, dass keiner dieser beiden Pole irgendetwas mit der Souveränität der Königin zu tun hatte, die ich gerne sein wollte.

Also habe ich einen Weg zwischen den beiden Polen gefunden.
Statt einerseits einzuknicken, zu winseln und zu schleimen,
statt andererseits meine Position brutal zu behaupten und durch Streiten zu verteidigen
habe ich beschlossen, dass ich nichts verteidigen und nichts entschuldigen muss.
Ich habe stattdessen den Text unten geschrieben und in dem Board gepostet.

Und ich poste ihn hier noch mal, weil er auch ein Thema behandelt, dem ich hier immer wieder begegne:
Den inneren Stimmen in uns. Den verschiedenen Rollen, Wesenheiten, Mustern, Aspekten, persönlichen Archetypen, wie auch immer wir sie nennen wollen. Oft sind es Selbsthasser, destruktive Muster, kleine und große Monster.
Die Prinzessin und die Hohepriesterin sind beileibe nicht die einzigen, die sich in mir tummeln. Sie sind allerdings beide sehr stark, und sie haben mir beide in meinem Leben sehr geschadet. Der Text ist ein Versuch, klar zu machen, wer bei Vetch das Sagen hat. Wenn ich meine inneren Muster nicht weg bekomme, dann sollen sie sich gefälligst auf meine Seite schlagen, mich unterstützen und aufhören, unbeaufsichtigt auf Autopilot Mist zu bauen.

Außerdem ist der Text ein Beitrag zu meinem Projekt Schluss mit Wurst.

Und jetzt genug eingeleitet. Here goes:

Die Alte, das Mädchen und die Königin

Ich wanderte neulich meine Grenzen entlang – ich kenn die immer noch nicht wirklich gut. Manchmal scheinen sie gar nicht da zu sein, manchmal kann ich nicht genau erkennen, wo ich aufhöre und mein Gegenüber anfängt.
Und doch war ich da nicht zum ersten Mal unterwegs, in meinem Grenzgebiet. Mit den Jahren hab ich dort einige Erfahrung gesammelt.

Ich war grade damit beschäftigt, etwas wegzuschaufeln, das neulich über meine Grenzen in meinem Reich abgeladen worden ist (auf meine eigene Einladung hin, muss ich dazu sagen) aber da überhaupt nicht hingehört.
Angenehme Arbeit, hat was Meditatives, tut mir gut. Ich finde sogar ab und zu nen kleinen funkelnden Stein in dem Haufen, den ich gebrauchen kann und aufhebe. Ich sing mir eins dabei.
Wie ich so am Schaufeln bin, da stapft plötzlich an mir vorbei, hoch aufgerichtet, entschlossenen Schrittes, diese große hagere Frau mit der Maske. Wie immer ganz in Weiß. Ihre rechte Hand liegt auf dem Griff des Schwertes, das sie immer an ihrer Seite trägt. Schnurstracks steuert sie auf die Grenze zu, und sie hat doch tatsächlich das Schwert schon halb aus der Scheide gezogen! Das geht ja mal GAR nicht!
Ich brülle
STOP!
Sie erstarrt.
„Wo willst du hin, wenn ich fragen darf?“
Wie ein Turm steht sie da, das Schwert halb aus der Scheide, den Rücken zu mir. Wie eine Salzsäule.
„Wo willst du hin?“ frage ich noch mal, freundlicher.
Sie rührt sich immer noch nicht, aber ich höre ihre brüchige, kratzige Stimme sagen
„Rüber. Den zerleg ich!“
„Huh? Wen? Warum?!?“
„Er hat dich beleidigt!“
„Hä? Unfug und Humbug. Niemand hat mich beleidigt; das wüsst ich.
Reg dich ab! Steck dein Schwert wieder ein und komm zurück.
Sofort!“
Sie rührt sich nicht, sie gehorcht mir nicht, nur das Schwert zuckt noch ein kleines bisschen weiter aus der Scheide.
„Ich zerleg ihn“ flüstert sie heiser
Sie sieht sogar von hinten furchterregend aus.

Ich weiß nicht, wo der Impuls herkommt. Ich lasse die Schaufel fallen, laufe zu ihr und umarme sie von hinten.
Unglaublich, sie wird sofort noch steifer.
„Hey“, sag ich. „Hey, reläx. Das ist nicht gesund, wenn du dich immer so aufregst! Das muss dich doch schrecklich anstrengen. Außerdem will ich hier kein Blut sehen. Von niemandem!“
Die Salzsäule wird ein bisschen weicher. Ich löse meine Arme und drehe sie um. Sie wehrt sich nicht. Sie steht mir gegenüber, meine Hände auf ihren Armen. Ihre weiße, glatte, blinde Maske ist entsetzlich anzusehen.
Ich hebe die Hände zu ihrem Gesicht und nehme ihr die Maske ab. Sie lässt es geschehen.
Darunter ist eine alte Frau. Eine alte Frau mit einem strengen Gesicht, mit tiefen, bitteren Furchen um den Mund und um die Augen. Und in diesen Augen stehen Tränen.
Aber sie blinzelt nicht. Wenn sie blinzeln würde, würden ihr die Tränen über die Wangen laufen, und ich weiß: bevor sie das zuließe, würde sie sich eher selber in ihr Schwert stürzen.
Ich tu so, als sähe ich die Tränen nicht. Ich sage
„Sag mal, hast du nicht diesen schönen großen Kessel?“
Sie runzelt die Stirn, sie überlegt. Sie nickt.
„Den brauch ich, ich will was kochen. Ich erwarte Gäste.“
„Ich weiß nicht…“ sagt sie mit ihrer krächzenden Stimme „Ich weiß nicht genau, wo er ist…“
„Dann such ihn!“ sag ich.
Sie nickt wieder. Setzt sich in Bewegung ins Landesinnere, wo sie ihr Haus hat. In dem irgendwo der Kessel sein muss.
„Lass das Schwert hier!“ sag ich.
Sie dreht sich um. „Mein Schwert? Das habe ich noch nie aus der Hand gegeben!“
„Du brauchst es nicht, im Landesinnern. Ich kanns hier brauchen, an der Grenze. Gibs mir.
Bitte.“
Zögernd gibt sie mir das Schwert.
Dann, mit einem viel leichteren Schritt, eilt sie in Richtung ihres Hauses, den Kessel zu finden.

Gut.

Ich guck mir das Schwert an. Es ist echt schön, ich mag Schwerter. Ich kann mit ihnen umgehen, beim Tanzen geben sie so einen ganz eigenen Schwung, wennde sie geschickt schwingst.
Aber das hier ist wirklich sehr lang und breit und echt schwer.
Weil das hier mein eigenes magisches Reich ist, gehorchen mir die Dinge, wenn ich wirklich WILL. Diesmal will ich wirklich, und das Schwert schrumpft ein zu einem praktischen, scharfen Küchenmesser.
Fein.
Ich stecke das Messer in meinen Gürtel, bücke mich nach der Schaufel und will grad weiterschaufeln,
da steuert an mir vorbei, auf die Grenze zu, eine Frau.
Sie ist aufgedonnert in einem schwarzen Minirock, ein enges Top mit weitem Ausschnitt, der sich bei ihr nicht wirklich lohnt, dazu superunpraktische Highheels. Ich kann nicht genau sehen, wie sie aussieht, sie ist völlig überschminkt.
In den Händen hält sie ein silbernes Tablett, darauf ein riesiger rosa Kuchen.

Nä, neh?

„Und wo willst jetzt du hin mit diesem Zuckerberg?“
Sie dreht sich um, knickst, lächelt süß, und sagt
„Du warst so unfreundlich zu dem netten Mann, er hat sich solche Mühe gegeben, und du hast dich gar nicht bedankt! Ich will mich entschuldigen!“
„Hä?!?
Was geht hier AB!? ARGH!
Komm mal her!“
Sie gehorcht. Immerhin.
So von Nahem sieht der Kuchen noch abenteuerlicher aus. Der dicke rosa Zuckerguss ist verziert mit roten und gelben Herzchen, silbernen Kügelchen, lila Blümchen, grünen Marzipanblättern – mir wird ganz schwummrig von dem Anblick.
„Gib mir mal diesen- Was IST das für ein – Kuchen? Ist da überhaupt Kuchen, unter all dem Zuckerguss?“
„Natürlich!“ sagt sie und zieht eine Schnute. „Ich kann sehr gut backen!“
„Ist das so?
Gib jetzt her!“
Zögernd überlässt sie mir das Tablett. Es ist schwerer als ich dachte, und ein Duft – nein, ein süß-klebriger Geruch von viel zu vielen künstlichen Aromen steigt mir in die Nase. Schawürg!
Ich balanciere das Tablett auf einer Hand, ziehe mein Messer aus dem Gürtel und kratze bisschen an dem Zuckerguss.
„NEIN!“ quietscht sie. „Das darfst du nicht, der Kuchen ist für den netten Mann!“
„Pass auf,“ sag ich, „ich sorg dafür, dass der Mann den Kuchen bekommt, und du gehst und hilfst der alten Lady, den Kessel zu finden und zu schrubben. Wir wollen dann was kochen, wir erwarten Gäste.“
„Gäste? Super!
Ich kann gut kochen!“
„Bestimmt…
Wartet mit dem Kochen auf mich! Unbedingt!“
„Jaa… Meh.“
„Los jetzt!“
Sie wuselt ab.
„Warte mal!“
Sie hält an, und ich geh zu ihr und wische ihr mit meinem (unbenutzen und unbespuckten!) Taschentuch die Farbe aus dem Gesicht. Himmel, die ‚Frau‘ ist ein kleines Mädchen, vielleicht 13 oder so!
„Hast du dir den BH ausgestopft?“
Sie nickt.
„Als erstes zieh dir mal was anderes an!“
„Möh.“
„Du brauchst keinen BH! Lass dir von der Lady was geben, die hat bestimmt nen hübsches weißes Kleid für dich. Und zieh diese Schuhe aus, damit kannst du ja gar nicht richtig laufen.
Ich bring dir dann Tanzen bei, ja?“
„JAH!“ sagt sie. Rennt los, kickt dabei die Highheels von den Füßen. Kleines Mädchen. Ich guck ihr hinterher.

Dann kratze ich den ganzen Zucker von dem Dings auf dem Tablett. Darunter ist ein ziemlich kleiner brauner Kastenkuchen. Ich mach mir ein Stück ab, um zu probieren.
Die Kleine kann tatsächlich was. Scheint mit Honig und Früchten gesüßt, ist richtig lecker.
Ich stell den kleinen Kuchen an die Grenze, als Dankeschön.

Dann mach ich mich auf zu dem Haus, wo die beiden den Kessel schon gefunden, geschrubbt und übers Feuer gehängt haben.
Wir ham zu tun, wir erwarten Gäste. Es wird gutes Essen geben, und Musik, Gesang und Tanzen. Und so. Ich freu mich!

Die Angst vorm Tod

Als ich 18 Jahre alt war und noch zur Schule ging und bei meinem Vater in Köln-Rodenkrichen wohnte –

Wir wohnten in so einem typischen Vorort, wie es ihn in fast allen Städten gibt. Kleinere Straßen, Ein- und Mehrfamilienhäuser, Vorgärten, Koniferen und Bambusgrasbüschel. Garagen und Parkplätze am Haus. Da wohnen Leute, die gut verdienen. Ich mag solche Gegenden nicht. Für mich sind sie steril und tot.

In dieser Umgebung vegetierte ich so vor mich hin.
Ich fühlte mich einsam, hässlich und das Leben war Sache der anderen. Ich hatte keinen Teil daran und solche Sehnsucht.
Das Fatale war, dass ich gar nicht wusste, wo das Leben ist, das ich wollte. Ich sah davon wenig bis nichts in der Realität, die ich für die Welt hielt.
Manchmal fand ich Spuren, denen ich nur zaghaft folgte. Sie führten in Gebiete, die anrüchig waren. Oder/und sie machten Mühe. Meditieren zum Beispiel. Ich hatte mich damals zur Zen-Buddhistin erklärt und deswegen öfters Zoff mit meinem Vater, der fand, ich würde in einer Sekte landen. Weia.

Woran ich dagegen zu dieser Zeit Anteil hatte, großen Anteil, das war die bleierne Schwere der 80er. Angst vor AIDS, Atomkrieg und Umweltzerstörung.

In diesen wunderbar fruchtbaren Boden der Hoffnungslosigkeit, Deprimiertheit und Angst klatschte die Katastrophe Tschernobyl.

Ich fing an, nachts aufzuwachen. Mit einem Schlag hellwach. Vor mir das Nichts. Das Schwarze. Der Tod.
Das ging viele Nächte so. Ich lag im Dunkeln, alle schliefen, und ich versuchte das Entsetzen einzudämmen. Ich werde sterben. Ich werde tot sein Es wird NICHTS sein – NICHTS

Zu versuchen, das NICHTS zu begreifen, ist grauenvoll.

In diesen Nächten, da ich in nullkommanix aus dem Schlaf in hellwache Angst gerissen wurde, war mir danach, aufzuspringen und schreiend durch die Wohnung zu rennen.
Das tat ich natürlich nicht, weil, das hätte alle im Haus geweckt. Von denen hätte mir niemand helfen können. Außerdem rennt man nicht schreiend rum, mitten in der Nacht! Was sollen die Nachbarn denken?
Also rang ich den Impuls nieder und versuchte stattdessen, ruhig und regelmäßig und tief zu atmen. Zu akzeptieren, was mich quälte. Es anzunehmen. Ich fand, das sei der Zen-Mönch-Weg.

Das Ergebnis meiner Bemühungen war, dass ich nachts von Todesangst aus dem Schlaf gerissen wurde und schreiend durch die Wohnung rennen wollte.
Was ich nicht tat.
Stattdessen versuchte ich, ruhig und tief zu atmen, meine Angst zu bekämpfen („Angst ist Versagen und der Vorbote des Versagens“ flüsterte dazu Kleister, der alte Lebenskünstler), den Tod anzunehmen (is doch ganz normal, don’t fear the reaper…), das NICHTS zu begreifen-
ARHHHHRR! Ich will schreiend durch die Wohnung rennen!

Mit dieser Methode kam ich also nicht weiter.

Schließlich hab ichs begriffen. Das, was zu begreifen war. Nicht das NICHTS, das ist unbegreiflich, und es ist vermessen, sich dahin aufmachen zu wollen. Es führt zu Wahnsinn. Dazu fällt mir Lovecraft ein.

Schweife nicht ab, oh Troubadoura. WAS hast du begriffen, damals, als das unnenbare Grauen dich beutelte?

Ich habe aufgehört, mich mit dem Intellekt retten zu wollen und endlich begriffen, was gemeint ist, wenn spirituelle LehrerInnen vom Annehmen sprechen.
Ich hab aufgehört zu kämpfen.
Da bist du, Angst. Da ist Tod, da ist Nichts. Ich werde sterben und ich habe ANGST. Nimm mich, gibs mir, ich wehre mich nicht mehr.
Ich ließ den Atem los und die Kontrolle fahren~

Da ging etwas durch meinen Körper wie eine Welle, und dann lag ich im Bett, in meinem Zimmer mit den großen Fenstern, erhellt vom Licht der Straßenlampen, das durch den Garten des Vermieters hereinfiel.

Hallo Angst?
Wo bist du?

Naja, sie war weg.

 
Sie ist dann lange Zeit so nicht wiedergekommen. Manchmal regt sie sich, und ich kann jetzt damit umgehen. Nämlich gar nicht – umgehen. Stattdessen SEIN lassen. Kein Widerstand.

Außerdem ist mir etwas sehr Wichtiges aufgefallen.

Angst vorm Tod, sei es so dramatisch wie damals in den 80ern, oder auch nur schwelend, im Untergrund quälend, habe ich nur in Zeiten, da es mir schlecht geht.
Diese Todesangst ist dabei nicht Ursache, sondern Symptom.

Schlecht geht es mir, wenn ich nicht lebe. Wenn mich ausgeliefert fühle, eingefangen, ohne Kontrolle. Wenn das Leben in mir erstickt wird, dann kommt die Angst.

Darum denke ich, Todesangst ist ein künstlich erzeugtes Phänomen, das zu nichts gut ist, außer das Elend zu verstärken und unsere Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen abzuziehen.

Sterben ist wahrscheinlich kein Problem, wenns soweit ist. Der Tod ist kein Problem, er ist, und mehr weiß ich nicht. Das NICHTS kenne ich nicht.
Was mich Hier & Jetzt am Leben hindert, das ist ein Problem.

Über solche Probleme möchte ich jetzt nur etwas ganz Abstraktes sagen:
Es sind Monster, die ihr Eigenleben haben und nicht sterben wollen. Sie ernähren sich u.A. von Angst, und sie möchten nicht von uns wahrgenommen werden, sondern ungestört beiben. Manche befinden sich als Programme in uns selbst, viele durchseuchen unsere Zivilisation.

 

 

s.a. ACHTZIGER JAHRE