Neckar

Jo, Sommer.

Ich hab gewusst, dass das dies Jahr seltsames Wetter gibt. Es war trüb und kalt, und seit gestern ist es heiß, was ja schön ist, und heute scheint auch ununterbrochen die Sonne, was auch SEHR schön ist, und dazu ist es so schwül, dass jede Bewegung sich anfühlt wie Schwimmen. Schwimmen in Klamotten, die am Leib kleben. Ich würde den Schrank nach einer lockeren Stoffhose durchwühlen, wenn mir das nicht zu anstrengend wäre. Vielleicht tu ich auch das Unvorstellbare und rasiere mir die Beine. Ich hab zwei Röcke und zwei sehr schöne, seitlich offene Hosen aus Indien, die ich dann anziehen könnte. Also, eins davon.

Ja, ich glaub, wenn das morgen so ist wie heute, dann tu ich das Unvorstellbare. Sich heute nach der Schule aus der engen, feuchten, klebrigen Jeans zu schälen war grauenhaft.

Auf dem Heimweg, noch mitten in der klebrigen, feuchten, engen Jeans, hab ich am Neckar paar Fotos gemacht. Heldenhaft, finde ich. Hier sind zwei davon.

Das Grafitto ist ziemlich neu und sehr cool – und davor dieses schnuffige Tier. Ich bin begeistert, das wir solche am Neckar haben! Was auch immer genau das ist.

Übermorgen solls wieder 10° kühler werden. Na dann. Morgen jedenfalls zieh ich eine der indischen Hosen an.

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kein Widerstand

Mannheim ist heute, so wurde behauptet, der heißeste Ort Deutschlands. Ich hab keinen Zweifel, dass das stimmt. Das Leiden ist erst groß, bis ich mir dann zu Herzen nehme, was vorm letzten Dhikr geraten wurde: Kein Widerstand.

Wir gehn ja einmal die Woche zu den hiesigen Sufis, zur Musikmeditation (Dhikr). Vorher gibts Tee und Gespräch, und Mehmet erzählte, wie der Sheikh, ein älterer Herr, bei wahnsinnigen Temperaturen in einem vollgestopften Raum nicht geschwitzt habe. „Kein Widerstand“ ist, vermuten wir, sein Geheimnis.

Oke, so weit bin ich noch nicht, dass ich nicht schwitzen würd. Aber es macht mir nicht mehr so viel aus, wenn ich die Wirklichkeit hinnehme wie sie nun mal ist. Wenn ich akzeptiere, dass ich zur Zeit durchgeweicht bin, dann kann ich der Hitze eine Menge abgewinnen. Es ist wie in Indien. Es ist Räucherstäbchenwetter. Auf dem Balkon sind rosarote Lilien aufgegangen, aus denen süß duftender Nektar tropft. Die Luft ist wie Honig. Die Haut weicht auf und mir ist nicht mehr ganz klar, wo ich aufhöre. Ich verschwimme in die Umgebung. Drinnen und draußen verschwimmen. Es ist überhaupt Wetter zum Schwimmen, nicht nur im Wasser, sondern auch durch die zähflüssige Luft.
Ich war auch schon unterwegs in der Stadt. Auf den Neckar dümpelten die Schwäne. So liegen hier die Katzen flach auf den Boden ausgestreckt in der Wohnung verteilt.


Der Himmel ist grau auf dem Bild, denn die Luftfeuchtigkeit ist auch extrem hoch.

In der Stadt hatte ich einige wundervolle Aufenthalte in klimatisieren Geschäften.

Morgen müssen wir auch aus dem Haus, denn es ist OB-Wahl Wiederholung, nachdem unser Kandidat Kurz letztes Mal nicht die absolute Mehrheit geschafft hat. Die Wahlbeteiligung war bei 30%. Oje, Mannheim. Schnusel brachte gestern einen Zettel mit, der in der Neckarstadt West verteilt wird und mir die Tränen in die Augen treibt:

„Typisch Mannheim“, sagt Schnusel. Das ist dann wieder wundervoll. Und nu will ich hoffen, dass wir hier über die 30% kommen!

Und dass es dann doch mal bisschen abkühlt.

Üben

Heute Sonne und ein ziemlich kühler Wind. Ich hab ne Runde gedreht, mit dem Fahrrad, yödelü.
Fotomäßig –
Durch das Nachfragen im DSLR-Forum habe ich gelernt, was ein Digitalzoom ist und was der anrichtet. Nämlich ein Bild nicht durch Linse vergrößern, sondern durch Berechnung. Was zu Unsauberkeiten und Flecken führt.
Und dann habe ich festgestellt, dass ich den ständig verwendet habe, diesen Digi-Zoom. Ich hab ihn bei der neuen Kamera gar nicht erst aktiviert, und das hat zur Folge, dass ich halt nicht so nah an viele Motive rankomme, wie ichs gerne hätte. Damit hab ich nun zu arbeiten.

Außerdem hab ich ein neues Programm zur Bildbearbeitung, das kann RAW-Dateien bearbeiten. Das sind, äh, die Rohdaten. Mehr weiß ich nich. Argh. Ich mach halt rum, learning by doing, und werde dann doch mal so ein Fotografie-Turotial durcharbeiten. Hier jedenfalls Ergebnisse der heutigen Rundfahrt und meine ersten Bearbeitungs-Sünden.

Hier hab ich hemmungslos dranrumgemacht. Es ist geschmacklos, kitschig, unprofessionell, ich MAGS

Hier hab ich nur draufgehalten, die Kamera hat alles eingestellt und nen Filter beigesteuert (auch hier am Rand dunkler).

Der Vordergrund ist scharf, das Weiterwegge in der Bildmitte nicht. Da könnte Selber-Einstellen helfen.
Tutorial lesen. Üben.
Was mir gefällt: irnzwie sieht das Bild so … sahnig aus.

Dann endlich ein einigermaßen schönes Bild vom romantischen LU

Und eins, brutalst gegimped (Oder gedarktabelt? Ich weißes gar nicht mehr.) vom romantischen mannheimer Neckar.

Also, ich MAG die neue Kamera.   Und mein Fahrrad auch!  Triskel

Tüte, Ganesha, Schokoladenduft, Neumondwanderung

Eben auf dem Weg zum Kaufland hatten wir ein American Beauty Erlebnis, nur viel viel besser. Da ist doch diese Szene drin, wo der Jüngling von nebenan eine weiße Plastiktüte filmt, die vom Wind herumgeweht wird.
Achmoment, wozu gibts YouTube.


Diese Szene mein ich.
Und es ist, mal ganz ehrlich, eine ziemlich grauenvolle Szene. Schnulz schnulz schnulz und viel zu lang.

In Wirklichkeit ist das was ganz anderes. Und ich konnte kein Foto machen. Ihr müsst mir glauben und es euch vorstellen.
Heute war der Himmel wunderschön bewölkt, es gab Sonne, es gab wilden Wind, und auf dem Weg zum Kaufland sah ich einen Drachen fliegen. Dachte ich, und dann wars eine dünne orange Plastiktüte, die nen Aufwind erwischt hatte und flog. Am Himmel oben schwebte sie rum, und niemand außer dem Schnusel und ich haben sie gesehen, glaub ich.
Die Tüte flog eine ganze Weile hoch oben vor uns her und machte überhaupt keine Anstalten, zu Boden zu gehen, bis sie schließlich in einem der Bäume am Neuen Messplatz landete (da, wo neulich der Rummelplatz war).

Tja, und ich hatte meine alte Kamera zwar dabei, aber der Speicherchip steckte noch im Rechner.
Und ich hatte meine neue Kamera nicht dabei, weil ich sie noch nicht habe, HEUL.
Es kam Mail, dass sich die Lieferung noch verzögert.
Ich hab mir schon das Gesicht zerkratzen wollen wg. ojeojeoje, ich habs ja gewusst, ob die überhaupt jemals ankommt?
S’höifd ned.
Geduld üben.

Vormittags war ich alleine unterwegs gewesen, bloß einkaufen, zum Ökoladen. Dazu muss ich ne Ecke laufen, erst durch die Neckarstadt, dann über den Fluss. Da hatte ich den Chip in der Kamera und habe Fotos gemacht. Hier sind paar davon.


Das hab ich durch meine Sonnenbrille gemacht, drum ist dieser goldene Schimmer drüber. So sah alles aus.
Es ging ein Wind, es war feuchtwarm, die Bäume rauschten, und es roch nach Schokolade. Bliss.

Ich weiß nicht, ob so ein Anblick nur mich glücklich macht…
Ich finds hier jedenfalls wunderschön.

Hier war ich wieder auf dem Rückweg, hockte mit meinen Einkäufen in der Straßenbahn (mit Fahrkarte!) und hätte übers in-meine-Tasche-Fotografieren fast das Aussteigen verpasst…
In der Tasche zu sehen u.A. meine neue rabencoole Sonnenbrille in ihrer zerkratzen Hülle, einen neuen Holzrührstick zum Kerzenanzünden, die wunderhübsche 40-Jahre-Yogi-Tee-Jubiläums-Blechdose, die ich überhaupt nicht brauche und dringend kaufen musste, und rechts, bisschen verschwommen, der Ganesha-Anhänger, den ich neulich gebastelt habe und der auf seine Freilassung in der Stadt wartet.

An meiner Umsteige Haltestelle bin ich dann mit allem Geraffel grad noch rechtzeitig aus der Bahn gesprungen.
Meine Anschlussbahn lies auf sich warten, niemand war da, die Gelegenheit war günstig:
Ganesh wurde freigelassen.

Romantischer Ort…
Meisterwerk der Bildbearbeitung.

Nun ja.

Ich hab noch mehr von diesen kleinen Anhängern. Die Ganesh-Bildchen hab ich von Teebeutelhüllen, die ich zu schade zum Wegschmeißen finde. Außerdem hebe ich sowieso alles bunte Gezettel und Etikettel und Geschnipsel auf. Und Perlchen. Und ich hab ein Laminiergerät, yöh.
Die Rückseite sieht so aus (das Foto ist leider schlecht):

Als ich Neumondnachts unterwegs war, hab ich auch schon so einen aufgehängt.
Die Stadt ist so voller schöner, oft wirklich kunstvoller Graffiti, Poster, Aufkleber, Gestricktem und Gehäkeltem – ich möchte da auch was zu beitragen.
Diese Anhängerchen sind ja eher… naja, winzig, und kunstvoll sindse jetzt auch nicht so.
Sie sind halt… nett. Und ein kleiner Segen für den Ort, ja.

Die Neumondwanderung btw war sehr kurz und sehr schön. Wir haben nur eine kleine Runde gedreht. In den Straßen war es leer, aber hell wegen der Quecksilberdampflampen. An einer Bahntrasse hier wachsen Bäume und Gestrüpp, so ein Hauch Wildnis, und schon von Weitem hörten wir einen Vogel singen. Mitten in der Nacht, in der Stadt. Ganz laut, und sehr schön. Vielleicht wars eine Nachtigall. Ich kenn mich da nicht aus. Wir standen schließlich im Schatten, im Dunklen in der warmen Nacht in dieser Mini-Wildnis unter dem Baum, in dem der Vogel sang, und das war ~
Schön.

Herz

SoFi

Ich hab die Sonnenfinsternis gesehen, indirekt, seltsam dunkelfahles Licht. Ich hatte auch keine Brille dafür, aber es gibt ja Pflanzen, durch deren Lücken zwischen den Blättern die Sonne Abbilder von sich auf den Boden wirft.

Oder durch Lücken wo auch immer….

Gestern Abend war ich noch mal einkaufen, bloß hier in der Nähe im fetten Kaufland, so richtig ne Mall, wie ichse aus Amerika kenne. Bloß so ungleich viel… angenehmer, irnzwie. Auf dem Weg dahin war noch Nachmittagsfrühfrühlingssonne und ich hatte das Gefühl, als würde ich mich häuten. Ich bin so froh, dass ich hier bin, dass ich nicht mehr in München bin, in diesem grauen Star von Stadt ohne Geheimnisse. Alles Oberfläche.
Hier…

Hier findest du solche Sachen am Bauzaun:


„DAS CHAOS IST DIE LIEBE DER ANDERSDENKENDEN“
Bin nicht sicher, was das bedeutet; es kommen jedenfalls drei schöne, wichtige Dinge darin vor: Liebe, Chaos und Andersdenken.
Am Neckar bin ich mittags dem Frühling begegnet.
Wagen