November

Widrigkeiten

Heh, die Tage hab ich noch gedacht, ich bin zur Zeit so im Reinen mit allem, so zuversichtlich und vertrauensvoll und froh unter allem― Da kommt doch bestimmt demnächst ein Dämpfer. Ist doch immer so.

Wobei ich so ne Ahnung habe, dass diese Dämpfer nicht kommen müssen, sondern nur kommen, wenn ich mit ihnen rechne, weil in mir ein Programm von Schuldgefühlen losgeht und mir ins Ohr flüstert: „Dir gehts zu gut! Das darf nicht sein! Du brauchst einen Dämpfer!“

Und solange ich das glaube, solange bekomme ich Dämpfer.

Prompt nachdem ich das gedacht habe, die Tage, begegnen mir nervige Widrigkeiten. Wenn ich unachtsam bin und mich verhalte wie immer, lasse ich sie manchmal andocken und was auslösen. Damit blähe ich sie weiter auf.
Bis ichs merke.
Dann muss ich die Luft rauslassen. Indem ich mich abwende, sie sein lasse und mich dem Wesentlichen, Naheliegenden zuwende.

Das färbt die Wahrnehmung, dabei übersehe ich dann fast – nur fast! – was mich alles nicht aus der Balance wirft. Viele Dinge geschehen zur Zeit, die sonst immer zu lang wirkender, realitätsdefinierender Niedergeschlagenheit geführt hätten. Nicht mehr!

Und das Merken und Luftrauslassen klappt auch viel besser als immer.
Immer ist vorbei!

Ich habe heute süße Pöppel mit einem Hauch Pfefferminzöl gemacht. Erstaunlich lecker.

Ich war heute auch bei der Post, ziemlich spät am Tag, und mein Päckchen wurde nicht genommen, weil das Format nicht ging. Das heißt, der Gang war umsonst. Muss ich morgen noch mal hin.

Wieder eine kleine blöde Widrigkeit.

So bin ich unverrichteter Dinge wieder heimgegangen. Über der Schule, an der ich auf dem Weg vorbeikam, kreiste ein riesiger Schwarm Krähen und Dohlen. Was ein Lärm, was für ein Anblick!

Und der Himmel, violett und grau und blassblau und leuchtendes Orange.

Widrigkeiten? Was für Widrigkeiten? Was sind Widrigkeiten?

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Straßenmusik

Musik auf der Straße. Das war auch gestern. An diesem trüben, traurigen Novembertag: eine türkische Hochzeit.
Das hat mir sehr gut getan, als ich unterm Putzen plötzlich die Trommeln hörte. Ich hab mich aus dem Fenster gehängt und fast ne Minute gefilmt. So hats geklungen:

Letztes Jahr im Sommer ging das mal ein paar Stunden lang so. Darum LIEBE ich es hier. Sowas macht mich glücklich, wirklich.
Ich liebe diese Art von Musik, sie befreit und elektrisiert mich. Und ich bin dankbar und glücklich darüber, dass so etwas hier möglich ist, auch paar Stunden lang. Es gibt Orte, viele sind nicht weit von hier, da würde bei den ersten Trommelschlägen die Polizei gerufen werden wegen Ruhestörung.

Ich kann gut verstehen, dass diese Art von Musik nicht allen Menschen Freude macht. Aber ein paar Mal im Jahr ist es zu tolerieren. Als ich noch in Köln lebte, habe ich ein paar Tage im Jahr grausig schwerfälliges Getrommel und dämlichste Sauflieder toleriert, die da die ganze Stadt durchziehen.

Und hier höre ich türkische Musik, so archaische wie gestern, und auch den wundervollenen Türkpop, afrikanische Musik, Balkan-Klänge, Rock und Elektro und und und. Aus Händis, Fenstern, Autos, offenen Kneipentüren oder weil irgendwo ein Open Air Konzert ist. Mir gefällt das. Ich bin so FROH, dass ich in Mannheim wohne.

November Lila

Hier im Blog habe ich vor einiger Zeit schon von Orange auf Lila umgestellt.
Es endet die Ernte- und Sterbe-Tide und es beginnt die Reise durch die Unter- bzw. Anderswelt. Die Tore zwischen den Welten sind weit offen. Gefeiert wird das z.B. mit Allerheiligen, St. Martin (Laternen!) Halloween und Samhain. Den letzten Begriff vermeide ich, erstens, weil ich wenig bis keine Ahnung von keltischer Tradition habe, und zweitens weil ich nicht weiß, wie er korrekt ausgesprochen wird.
Ich selbst nenne die Zeit HelOwEen. Ich übersetze das mit „Hels AugenAbend“ oder Es ist der Abend vom Jahr und Hel sieht uns.
Das ist völlig unwissenschaftlich und sprachlich inkorrekt und alleine meine persönliche Assoziationskette. Ich erwähns nur, weils ein bisschen rüberbringt, was in dieser Zeit des Jahres Thema ist.

Der Übergang ist schon länger zu spüren, feiern werd ich zum Neumond, nächste Woche am 11. 11. Mittwoch.

Das genügt von meiner Seite (außer, es steigt noch was auf, wer weiß). Es gibt wie immer links und rechts und überall wunderschöne Beiträge zum Thema der Tide, drum brauch ich mich da nicht verkünsteln.

Stattdessen möcht ich teilen, was hier noch auf dem Balkon wächst.
Schnuffliges lila Gewusel.

Und wow, die ist grad neu geschlüpft, und es warten noch mehr Knospen! Natürlich kommt sie jetzt in Lila.

Und auf dem andern Balkon blühen immer noch Duftende Platterbsen (werden auch Wicken genannt, sind aber keine, wie ich gelernt habe). Alle in Lila. Eine davon ist am Anfang vom Beitrag zu sehen.

Außerdem – ich war eben einkaufen, und auf dem Heimweg bin ich dem hier begegnet. Die Frucht zur Jahreszeit, so am Straßenrand verschwendet. Vermischt mit Abfall, mit Gift. Profan und magisch. Seltsam. Und schön.