Plastik

Das wars dann mit dem Onlinebanking

Wie ich sehe muss ich  Ende des Jahres die Bank wechseln. Ich bin bei einer lokalen münchener Bank (nein, nicht bei der „Münchner Bank“, und auch nicht bei der Sparkasse) und regele alles übers Onlinebanking, weil die hier in Mannheim natürlich keine Filialen haben.

Ich muss dann eine mannheimer Bank finden, die einigermaßen sozialverträglich ist und hier Filialen hat, so dass ich meine Bankgeschäfte wieder mit Zettel und Papier vor Ort ausführen kann. MEH.

Naja, früher gings nur so, hab ich auch geschafft, also was solls.

Trotzdem auch hochgradig ärgerlich, weil ich online-Banking SEHR praktisch finde. Nur werden jetzt – auf Ansage der Bankaufsicht, wer immer das ist – die Listen mit den TAN Nummern, die ich bin dato immer zugeschickt bekam, abgeschafft.

Sattdessen kann mich mir meine TANs per SMS auf mein Händi schicken lassen. Nö.
War nicht genau das die Ursache für das Kontoknacken, das vor gar nicht so langer Zeit bei der Postbank für viel Ärger gesorgt hat?
Außerdem – da bin ich halt stur – seh ich nicht ein, dass nur online-banken darf, wer auch ein Händi hat. Echt, seh ich nicht ein. Und insgesamt ist mir nicht wohl bei diesen geSMSten TANs, also mach ich das nicht.

Alternativ könnte ich mit einer „SecureApp“ „sichere Freigabe ohne TAN“ genießen – ja, wenn ich ein Schmartfon hätte. Was ich nicht hab. Habs noch nie vermisst. Und selbst wenn ich eins hätte: Bei sowas ist mir noch unwohler. Also nein.

Und dann gibts noch die Superlösung für so paranoide Händimuffel wie mich: die chipTAN. Wow. So geil. Da darf ich mir für knappe 10,- € ein batteriebetriebenes Gerät bestellen, das mir in Verbindung mit meiner Kundenkarte eine nur kurz gültige TAN generiert. Das sieht tatsächlich sicher aus.
Nur – ich hab genug Elektrokram in der Bud. Und ich will nichts mit Batterien. Ich will überhaupt nichts mehr aufgedrängt bekommen, das Strom frisst und aus Plastik ist. Auch wenns nur gaaaanz gaaanz wenig Strom ist.
Hey, ich bin grad dabei, zu minimieren und abzuschaffen. Wenn hier was Strom frisst, dann ist das mein Sojamilchmacher. Und ich hab, sorry, ich hab auch keine 10.- € dafür übrig. Da kauf ich mir lieber für 15.- € ein Set waschbarer Baumwollbeutel zum Gemüse-Einkaufen.

Och, Vetch, du bist albern und stur, das ist doch nur ein kleines Gerätchen, superpraktisch, am Ende stehst du ohne Giro-Konto da! (Das wird nämlich vielleicht gar nicht so einfach, ne neue Bank zu finden.)

Meine Bank kann nichts dafür. Wie ich eben am Telefon erfahren habe, müssen das alle Banken jetzt so machen.

Das ist blöd, deswegen kann ich aber trotzdem nicht bei meiner Bank bleiben, weil ich nun mal ab und zu ein Konto zum Überweisen brauch.

Und weil das jetzt alle Banken so machen müssen, genau darum mach ich da nicht mit.
Das wird im Großen nichts ändern – für mich ist das wichtig.
Ich lass mich nicht einlullen und zu was bringen, das mir gegen den Strich geht, nur weil die allermeisten anderen das widerspruchslos mitmachen. Die Lady am Telefon eben war auch ziemlich genervt, dass ich die tollen Alternativen nicht annehme und ich den supergeilen TAN-Generator nicht haben will. Sie kann ja auch nichts dafür, und ich habe auch nicht gemeckert. Trotzdem habe ich sie erbost. Da wird sozialer Druck ausgeübt, wenn du nicht mitmachst bei dem, was uns als normal und notwendig angeschafft wird.

Nicht mit mir, no way. Ich finde eine Lösung. Hab ja noch paar Monate Zeit.

Liebe Gemeinde

als mir eben beim Gelber-Sack-Zubinden die Schnur abriss, dachte ich zurück an eine Begegnung mit Dirk.
Der mir erzählte, wenn ihm beim Joghurtbecheraufmachen Teile des Deckels am Becher hängenblieben — oh elendes Gepuhle! — dann fluche er über die Unfähigen, die sowas herstellen.

Und ich wunderte mich, denn ich in solchen Momenten hadere ich mit mir und murmele Mist, das hätte ich sorgfältiger machen müssen!

So unterschiedlich reagieren Menschen auf die Wirklichkeit, gemäß ihrer installierten Programme…
Dirk und ich haben da beide voll einen an der Waffel.

Was solls, ich ess jetzt meinen Joghurt nur noch aus Pfandgläsern. Und wir produzieren immer noch einen gelben Sack voll Plastikmüll pro Woche. Wir arbeiten dran, dass das weniger wird. Viel weniger. Sowas ist wirklich wichtig.