Pooja

Wie SIE  dich kriegen

Ich habe, wie schon andernorts mehrfach von mir behauptet, einen wirklich guten BullShit Detektor.
Darum wage ich mich furchtlos auf die abgefahrensten Züge (hehe, wasn schönes, schiefes Bild) und bereise seltsame Gegenden.
Ich vertrau auf meinen Bullshit-Detektor.
Aber ich hab auch gelernt:
Wenn ich mich tief in einem bestimmten Realitätstunnel hineinbegebe, obwohl mein BSD mich warnt, dann nehme ich ihn immer weniger deutlich wahr.
Wenn ich meinen BSD ignoriere, verliere ich mit der Zeit den Draht zu ihm.
Ich hatte mal einen denkwürdigen (und heilsamen) Absturz in Verschwörungstheorien. Der Flughafen von Denver war mein Eingangstor zur Hölle, und das ist auch wirklich ein grusliger Ort – zumindest sind das die Eindrücke, die ich übers Internet gewonnen hab. Sehr seltsames Juju.

Jedenfalls, ich hab mich da ca. zwei Wochen lang von seltsamer Site zu durchgeknallter Site geklickt. Von angeklicktem Link zu angeklicktem Link wurde mir mulmiger und ich fühlte mich immer mieser.
Das Perfide ist, dass in dem Sumpf immer wieder Lichter aufblitzen, die interessante Aspekte der Wirklichkeit erhellen, die ich vorher so noch nicht wahrgenommen hatte. Will sagen: manchmal finde ich was, das andockt. Auch gute Sachen, Techniken, Einstellungen und so.
Damit hab ich andern Mist auch ernst genommen und weiter verfolgt, weil ich dämlicherweise dachte: wenn das da Sinn ergibt, dann muss das andere auch stimmen.
Zum Schluss habe ich niemandem mehr getraut.

Wie ich das hinschreibe finde ich: Das war auch ein Gang ins Labyrinth und wieder raus.

Ich habe niemandem mehr getraut, auch nicht mir selbst.
Vor allem nicht mir selbst. Ich habe meine Warnglocken nicht mehr ernst genommen („Halt dich fern von dem Mist!“), sondern mich gefragt, ob das Einflüsse von DENEN wärn. SIE, die mich von Weg zur Wahrheit abhalten wollen. Du kannst dir ja nie wirklich sicher sein.

Meinem Doc, bei dem ich damals einmal die Woche auf der Couch lag, dem ich vertraue, hab ich als ich im Sumpf drin war auch nichts davon erzählt. Die Diskussion wollte ich mir ersparen. Er ist wahrscheinlich auch von IHNEN geprägt. Ich wollte erst mal selber wissen, wo ich stehe.

Wo ich stehe?
Ich stand allein, nicht mal mich selber hatte ich noch.
So hatten SIE mich erwischt.

Es ging mir richtig schlecht in diesen zwei Wochen. Da ist so viel Unglück und Schmerz und Angst in den Visionen der Betroffenen.
Und andere sind da, Vampire, die diese Angst schüren und damit Geld und Aufmerksamkeit saugen. Mit ihren grauenhaften Büchern und Vorträgen und DVDs etc.

Am Ende war ich bei den Visionen einer Frau angelangt, die erzählte, in der 5. Dimension kreise ein mächtiges metallenes Satelliten-Gefängnis um die Erde, eingerichtet von irnzwelchen Aliens (SIE halt), und da werden alle hier leuchtenden Seelen reingesaugt. SIE sehen das sofort; wenn hier eine Seele mächtig pulst und erwacht, dann schlurps. Für ewig. Kein Entkommen.
Wow, da musste erst mal drauf kommen. Die ultimative Hoffnungslosigkeit.

Und ich entsetzt und am Hirnen, ob was dran sein könnte. O Grauen.

Da war ich in der Mitte des Labyrinths angelangt.

Und dort, am Nullpunkt, dachte ich, weil ich nicht wirklich gerne leide:

Oke, nehmen wir an, jemand erzählt mir, da gäbe es nen Typen, der sei rot und habe Schwanz, Dreizack und Hörner, der wolle mich kriegen, und dann müsse ich ewig an einem feurigen Ort leiden.
Wer mir das erzählt, den lach ich aus.
Und wenn eine mir erzählt, irnzwelche Aliens wollten mich per kosmischen Staubsauger in der 5. Dimension für immer in einen Metallkasten sperren, das halt ich für möglich?

Da hörte ich meine innere Hohepriesterin schallend lachen.
Sie kam an und sagte:
Faszinierende Fragen, dochdoch. Und jetzt Schluss mit Unfug und Humbug. Hast du nichts zu tun?

Und so kam ich wieder auf den Weg aus dem Labyrinth raus.

Diese Geschichte ist mir natürlich nicht zufällig eingefallen. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit sehr mit meiner Einstellung zu Gottheiten, meiner eigenen Pooja (Anbetung) Praxis und was ich von all dem halten soll. Klüger geworden achte ich dabei sehr auf meinen BSD.

Und ich komme immer mehr ins Reine mit all dem.

Mein BSD springt z.B. an, wenn Leute irgendwelche Götter-Fanfiction zu UPG erklären. (UPG = Unverifizierte Persönliche Gnosis)
Meine persönlichen UPG-Erlebnisse kann ich nur schwer in Worte fassen, und ich seh vor allem auch keinen Anlass dazu.
Ich will nicht von mir auf andere schließen. Es gibt Erkenntnisse, die gehören geteilt, für diejenigen, die damit was anfangen können.
Aber der Drang, von jedem mit Poseidon geteilten Cappuccino im Internet zu erzählen (ein harmloses Beispiel), der lässt meinen BSD anspringen.

„Demut“, btw, ist ein Wort, das bei mir den letzten Tagen aufgekommen ist. Ein Konzept, über das ich nachdenke. Ich hab das Gefühl, es hat seine Zeit und seinen Zweck.
Ja klar, das ist ausgelöst von Sólveigs Beitrag gestern. Seit gestern bis eben hatt ich hier kein Internt und habe viel nachgedacht und geschrieben. Der Text oben ist ein Ergebnis davon. Und wie ich sehe, sind Sólveig und ich zu sehr ähnlichen Schlüssen gekommen.

Und damit das klar ist: Ich vergleiche die Polytheistische Szene nicht mit dem Verschwörungstheorien-Sumpf.

Worum es mir geht: Ich wollte zeigen, wie wichtig es ist, dass wir unseren eigenen BSD bemerken und ihm vertrauen.

 

Ergänzung am 16. 6. 2016:
Hier der Link zu einem m. E. sehr faszinierenden Interview, das ziemlich lang ist, von zwei Typen, mit jeweils echt fettem englischen Dialekt.
Also, ich habs verstanden, dann können andere das auch. Braucht vielleicht bisschen, um sich reinzuhören. In dem Interview kommen beide Themen vor, die oben angesprochen werden: Die Gruppendynamik in spirituellen Zusammenhängen – der Interviewer, Opaque Lens, hat grad richtig Stress in einer Esoschwebbs-Community, in die er gezogen ist. Also, eine richtige Stadt. Das ist noch mal ne Nummer ekliger als ne Internet-Community, denk ich.
Und der Interviewte, Neil Kramer, hat außerdem eine dezidierte Meinung zu IHNEN: Es gibt sie, seit tausenden von Jahren. So fucking what? Mach dein Ding, sei frei, entwickle dich, wachse, und erlebe, wie dein Leben immer reicher wird an Magie und Synchronizitäten.
Aye!

Neil Kramer on Shamanic Freedom Radio