Psychohygiene

Dunkle Zeit

Mir geht seit einiger Zeit das Gedicht „Weltenende“ von Else Lasker Schüler im Kopf rum. „Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär, und der bleierne Schatten, der niederfällt, lastet grabesschwer.“

Und was grad passiert, ist einfach zu perfekt, um wahr zu sein.

Klar, die Leute sind tot, das ist wahr. Nur, die Gründe, die uns angeboten werden, die sind so gut wie sicher nicht wahr. Aber wie schön doch alles zusammenpasst. Der deutsche besinnliche Weihnachtsmarkt, ein kostbares kulturelles Gut (Konsumgut), und dann kommt der dreckige Pole – achnein, es war doch ein afghanischer Flüchtling, der wg. Sexualdelikten aktenkundig war (HAM wir doch gewusst, die sind alle Sexualstraftäter!). Ich hab 3 Seiten angeklickt, und das ‚weiß‘ ich jetzt schon. Perfekt.

Und warum? Um uns in Angst und Schrecken zu halten. Um unseren Hass zu nähren, denn unsere Angst und unser Hass nährt wiederum die Parasiten, die uns ausbeuten.

Ich hab keinen Bock mehr auf den Mist. Und wisst ihr was? Ich hab auch keinen Bock mehr, aus Sorge nicht ernstgenommen zu werden, nicht deutlich zu sagen, was ich denke. Ich denke, nicht erst seit 9/11 hamse uns mit solchen Inszenierungen überhäuft. Und sie werden erst aufhören, wenn wir aufhören, ihnen auf den Leim zu gehen.
Wir können aufhören, ihnen auf den Leim zu gehen. Jetzt.

Und allen, die noch einen Rest an Bewusstsein spüren, rate ich aus tiefstem Herzen, Fensehen, Facebook, Twitter und andere Medien ZU MEIDEN.

 

Ich machs mir hier so hell ich kann.

 

Narzissmus – zweiter Teil

Es ist nicht von Beutung, was Leute sagen;
es ist nicht von Bedeutung, was sie denken.
Bedeutung, Auswirkung, Wirklichkeit hat das, was sie TUN.

 

Nachdem ich mir durch den ersten Teil notwendig Luft gemacht hatte, wollte ich am Nachmittag den zweiten Teil schreiben.
Den angefangenen Text habe ich inzwischen verloren. Ich glaube, das ist gut so. Ich hatte mich in einer Einleitung verzettelt, in der ich berichtete, was mir in letzter Zeit alles so an Narzissmus begegnet ist, direkt und indirekt. Erstaunliche Häufung, die bis jetzt anhält.

Ich habe auch online viel zum Thema gelesen. Und ich habe Hilfreiches gefunden. Trotzdem bin ich nicht zufrieden.

Ein Problem ist die verbreitete Akzeptanz narzisstischen Verhaltens. Typisch sind Aussagen wie diese:
„In unserer Welt der Likes und Selbstdarstellungen scheint der Narzissmus zuzunehmen. Ein Problem? Richtig dosiert dient die Eigenliebe der psychischen Gesundheit.“

Ich halte diese Begriffsverwirrung für sehr schädlich. Lucretia Tambourinfrau hat mir durch einen Kommentar dazu verholfen, da genau hinzusehen.
Es sind ’nur‘ Worte, aber durch das Vermischen und Verwässern von Bezeichnungen können wir das Problem nicht mehr deutlich sehen.
Sooo schlimm ist Narzissmus ja gar nicht, er hat ja auch gute Aspekte.
Nein, hat er NICHT. Und er ist noch viel schlimmer als du meinst.
Darum definiere ich, hier in diesem Blog, das Wort Narzissmus so, wie im ersten Teil geschehen.

Ich weiß, es gibt in der Psychologie den Begriff des ‚positiven Narzissmus‘.
Damit werden stabile Menschen bezeichnet, die sich selbst mögen, die gerne was schaffen, die sich Erfolg wünschen, für sich und die, die sie lieben. Sie können andere Menschen verstehen und unterstützen. Wer das kann, ist kein Narzisst.
Selbstliebe ist schön, wichtig, heilsam! Die Voraussetzung dafür, andere lieben zu können. Der Zugang zur Quelle, aus der Emapthie und Großzügigkeit sprudeln. Ein echter Narzisst kennt nicht mal einen Hauch wirklicher Selbstliebe – genau das ist die Wurzel des Übels! Selbstliebe hat NICHTS mit Narzissmus zu tun.
Was ist gewonnen, wenn ich einen ‚gesunden Narzissmus‘ definiere? Nichts, außer Sprachverwirrung und Desensibilisierung.

Sprache ist wichtig.

Und Selbstliebe ist wichtig. Sie ist das Gegenteil von Narzissmus und immunisiert uns gegen ihn.
Wenn ich mich selbst gut finde, kann mich Narzissmus in meiner Umgebung nicht berühren, nicht aussaugen.
Wenn ich mich selbst gut finde, habe ich es nicht nötig, selbst narzisstisches Verhalten zu zeigen.

Was wahr ist: sehr viele Menschen, auch wenn sie keine echten Narzissten sind, zeigen immer wieder narzisstische Verhaltensweisen. So füttern wir, die wir uns noch nicht stabil selbst lieben, den Narzissmus unserer Welt.
Nur, weil das weit verbreitet ist, ist es noch lange nicht ‚gesund‘ oder gut.
Es ist normal, ja.
Bloß, das Wort ’normal‘ hat umgangssprachlich eine Bedeutung bekommen, die nicht der Wirklichkeit entspricht.
Ich zitiere mich selbst:

Mit ’normal‘ wird im täglichen Sprachgebrauch meist ‚gesund‘, ‚angemessen‘, ‚richtig‘, ‚gut‘ und dergleichen gemeint.
Tatsächlich aber ist das Normale einfach nur das, was der Norm entspricht.
Und das ist, wenn es um gesellschaftliche Normen geht, meist weder gesund, noch angemessen, noch richtig, noch gut.
völlig normal

Ich will dazu beitragen, dass sich die narzisstischen Normen unserer Gesellschaft auflösen. Ich will, wie in Teil eins schon geschrieben, Vampire dem Sonnenlicht aussetzen.

Was also tun?

Darüber denke ich seit Wochen nach. Ausgelöst durch einige pathologische vollblut-Narzissten in meinem Leben. Seit ich sie als das erkannte, was sie sind – Vampire – sehe ich plötzlich überall Narzissmus. Auch bei mir selber. Nicht immer den hammerharten, superschwer zu therapierenden Vampir-Narzissmus, aber doch ungesunde Tendenzen. Und seit dem überlege ich, was ich da Heilsames machen kann. Zur Zerbröselung von Vampiren, zur Heilung der ungesunden Tendenzen im Alltag und in mir selber.

Und darüber schreibe ich dann in Teil 3.
Wow, ist das zäh mit diesem Thema. Ich wollte eigentlich nur einen kleinen Artikel dazu schreiben. 😛

Narzissmus – erster Teil

Das Thema wieder. Brainstorm.

Der erste Narzisst, unter dem ich bewusst gelitten habe, ist mir online begegnet. Ist viel Jahre her. Da habe ich zum ersten Mal begriffen, wie ausgeprägter Narzissmus wirkt, wie niederträchtig, gierig, zerstörerisch und völlig wahnsinnig diese Störung einen Menschen macht.

Ein Narzisst ist wie der Geisterfahrer auf der A8, der im Autoradio hört „Auf der A8 kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen“ und brüllt „Einer? HUNDERTE!“

Manche haben sich konsequent hochgebissen und werden so Abteilungsleiter, Chef, Steve Jobs oder Präsident von Amerika.
Dazu gibt es noch die unzähligen ‚kleinen‘ Narzissten, die sich zu ihrem Leidwesen mit durchschnittlichen Lebensumständen rumschlagen müssen. Sie trollen in Foren, mobben in Betrieben und Büros, stiften Umfrieden in ihren Nachbarschaften, saugen in Lerngruppen, quälen in Familien…
Ihr Name ist Legion.

Ein Narzisst definiert sich die Welt im Sekundenbruchteil neu und weiß, dass er Recht hat. IMMER.

Mit ihm zu diskutieren, zu versuchen, logische Argumente auszutauschen, ist völlig sinnlos. Es dient nur dazu, ihm Aufmerksamkeit zu verschaffen, und die braucht er.

Und er bekommt niemals genug. Weil er ein schwarzes Loch an Bedürftigkeit ist. Unersättlich. Du kannst strampeln und geben und dich aufopfern, es wird niemals genug sein, und das ist DEINE Schuld, du erbärmlicher Wurm!

Aufmerksamkeit durch Bewunderung und Anbetung sind dem Narzissten sehr wichtig, doch sie genügen niemals. Seine Hauptenergiequelle ist Reibung. Von ihm verursachtes Leiden anderer Menschen.
Er provoziert und verletzt und belästigt. Er findet instinktsicher deine wunden Punkte. Er quält, und das auf so manipulative, bösartige, niederträchtige Weise, dass wir es oft nicht erkennen. Und wenn wir beginnen, zu erkennen, können wir es erst gar nicht glauben. Weil wir nicht glauben wollen, dass ein Mensch so grauenhaft sein kann.

Um das Ausmaß des Entsetzens zu verstehen, hilt mir persönlich ein Bild:
Ein Narzisst ist kein Mensch, sondern ein Dämon, der einen Menschen in Besitz genommen hat. Dazu müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Niemand wird so geboren. Unsere Gesellschaft erzeugt den Narzissmus. Die Narzissten, die ich erlebt habe und erlebe, tragen großen Schmerz und grässliche Ängste in sich. Der Mensch in den Klauen des Dämons hat mein Verständnis, mein Mitgefühl. Das verletzte Kind ist nicht ’schuld‘. Nur ist an diesen Menschen kein Herankommen, denn der Dämon gaukelt ihm vor, er sei sein Verbündeter. Und der Dämon hat Hunger, und der Dämon will überleben. Wir – Dämon und gefangener Mensch – gegen die anderen.

Das verstehe ich.
Das heißt nicht, das ich Verständnis für den Dämon aufbringe. Ich habe mit ihm kein Mitleid, ich empfinde kein Mitgefühl.
Ich will ihn verhungern lassen. Ich will, dass er im brennenden Sonnenlicht zu Staub zerfällt. Ich will ihm einen Holzpflock durchs Herz treiben.

Denn Narzissten – männliche wie weibliche – sind Vampire.

So. Das ist noch lange nicht das, worüber ich zur Zeit nachdenke und worüber ich schreiben möchte. Das ist hier ist nur… eine Begriffsdefinition. Worum es mir geht ist der Umgang mit dem Narzissmus – in meinem eigenen Innern wie im Außen.

Dazu später, ich brauch jetzt erst mal ne Pause…

Love’n’Peace!

Novemberzauber

Das war ein interessanter Vollmond.

Ich hatte gestern richtig Stress in der Schule.

Ich habe danach zuhause getan, was ich mir selber hier immer wieder rate:
Geguckt, was meins ist und was nicht. Das Innere Nein praktiziert. Meine Auslöser angeguckt. Erkenntnisse gehabt: gesehen, dass ich grad ein altes Thema in neuer Form serviert bekomme. Überlegt, was ich tun kann. Festgestellt, dass mir nichts einfällt, außer dem Inneren Nein zu meinen und fremden schädlichen Mustern.
Das ist reichlich, schien mir nur zunächst so gut wie nix. Und doch…
Passend zur Mondmedi habe ich hingenommen, dass mir mehr nicht einfällt und mich mit Loslassen- und Vertrauen-Üben beschäftigt.

So bin ich heute erstaunlich gelassen in die Schule, auch wenn mein beleidigtes, entrüstetes Ego sich auf dem Hinweg öfters rührte. Ich habs angegrinst und weggeschickt. Hat gut geklappt.

In der Schule warteten Überraschungen auf mich. Sehr gute, erstaunliche Überraschungen.

Oh, es läuft nach wie vor nicht alles nach meinem Wunsch und meiner Vorstellung, und meine Auslöser wurden auch heute paarmal gedrückt. Doch all das hat seine Schwere und Dramatik verloren. Und statt, wie ich gestern noch irnzwie befürchtet hatte, mich gegen Nervereien von außen schützen zu müssen, hatte ich genug damit zu tun, missgünstige Reflexe in mir selber zu bemerken, fröhlich auszulachen und wegzuschicken. Work in Progress.

Warum schreib ich das hier hin?

Im Vertrauen, dass dieser Bericht, so skizzenhaft er auch sein mag, auch anderen die Wirksamkeit des Loslassens, des Inneren Neins, des Findens der eigenen Auslöser, des Vertrauens etc. zeigt.
Ich glaube, Lassen und Vertrauen sind die wichtigsten Zutaten in diesem magischen Heilzauber.

edit:

Ich hab grad das Gefühl, ich muss noch ergänzen:
Den Stress gestern habe ich… nicht verursacht, aber ans Licht geholt und verstärkt, indem mir der Kragen geplatzt ist und ich heftig ‚aufn Tisch gehaun‘ habe. Das erwähnt, damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde mich passiv beuteln lassen und nur in meinem Innern wirken. Gestern habe ich massiv ins Außen gewirkt, und die Überraschungen von heute wurden auch davon ausgelöst. Ich habe gewirkt und dann losgelassen. DAS ist der heilsame Trick.

 

P.P.S.
Die Erkenntnisse reißen nicht ab… vielleicht sollte ich den Blog nicht als Livetagebuch verwenden.
Nu bin ich eh schon dabei, also weiter.

Grad hab ich gesehen, dass einem anderen Ausbruch Ende September ein ähnliches Muster zugrunde liegt: Ich habe mal wieder jemanden enorm überschätzt. Wenn ich also die Leute nicht mehr so überschätze (-> mich selbst nicht mehr niederdeckel), dann brauch ich auch nicht mehr so heftig explodieren. Und schon wird die Welt ein kleines bisschen friedlicher.

 

Richard Rohr

Weil ich den doch immer wieder erwähne – ein für alle Mal ein Beitrag zu ihm, zu dem ich in Zukunft linken kann. Und nein, ich bin immer noch nicht zum christlichen Glauben übergetreten. Darum gehts nämlich überhaupt nicht, mir nicht, und Richard Rohr auch nicht.

Den amerikanischen Franziskanermönch Richard Rohr erwähne ich immer wieder, seit ich Ende März 2016 von meinem Gefährten ein Buch von ihm zu lesen bekam.*

Richard Rohr ist Amerikaner, katholischer Mönch und hat eine Art spiritueller Männerbewegung ins Leben gerufen. Oh, das bedient meine Vorurteile. Ein männerbewegter amerikanischer Katholik! schauder

Er ist TOLL, der HAMMER, heilsam, genial, klug, weise, ein Lehrer, ein Seelsorger, ich bin SO FROH, dass ich ihn entdeckt habe!

Allen, die Englisch lesen, lege ich sein Buch Falling Upward ans Herz.

Auf meiner Anschaffen-Liste steht an oberster Stelle ein Buch, das er zu den 12 Schritten geschrieben hat – Breathing under Water. Sobald ich das gelesen habe, berichte ich davon!

Auf YouTube sind viele Vorträge und Predigten von ihm zu finden, die sich wirklich lohnen. (Es gibt auch manches auf Deutsch, da hab ich mir bloß noch nie was von angehört, weil das jedes Mal für mich zu betulich rüberkam. Aber wer weiß, wahrscheinlich sind da auch gute Sendungen dabei.)

Viele seiner Bücher sind ins Deutsche übersetzt worden – wendet euch an die Buchhandlung eures Vertrauens!

Außerdem leider auch nur auf Englisch:

Ich bekomme täglich erbauliche E-Mails vom „Center for Action and Contemplation“, einer Organisation, die Richard Rohr gegründet hat.
Ich muss ehrlich zugeben, die meisten dieser Mails habe erst gar nicht gelesen, sondern sie ‚für später‘ in einen Ordner gepackt.
Seit ich die meisten doch gleich lese, stelle ich fest, dass ich fast immer was darin finde, dass ich SOFORT weiterverbreiten will.

Ich kann sehr empfehlen, sich für diese Mails anzumelden. (Es gibt auch nen wöchentlichen und monatlichen Rhythmus.)
Zusätzlich zu den regelmäßigen Schätzen im Postfach bekam ich einen Link, über den ich auf Soundcloud einige Vorträge von R. Rohr herunterladen kann. Einer davon, „Contemplative Prayer“, ist so subversiv, radikal, hilfreich, heilsam, erhellend und befreiend (es geht, neu-eso-deutsch gesagt, ums Meditieren – wozu, warum und wie), dass ich den schon zig mal per Mail verschickt, auf CD verschenkt und hier gepostet hätte, wenn ich dürfte. Ich habe deswegen beim CAC nachgefragt, und die möchten das nicht. X) Das ist halt nur für die, die sich für die regelmäßigen Mails angemeldet haben. Also meldet euch an! (Und solltet ihr dann Probleme beim Runterladen haben – die ham das da auf Soundcloud umständlich in kleinen Häppchen hochgefummelt – dann helfe ich gerne! Einfach Mail an mich.)

Eins von vielen Videos, eher zufällig rausgesucht. Sehr gut. Klar!


* Blogeintrag dazu hier. Da gehts um verschiedene Sachen, ich linke der Vollständigkeit halber.

Wut

Ich hatte am Samstag einen Wutausbruch.
Ich will nicht ins Detail gehen, es betrifft zwei Leute und unseren Lebensraum. Wir hatten vor ca. zwei Wochen ein freundliches und – dachten wir – klärendes Gespräch mit denen über Dinge, die nicht so weiter laufen können, wie sie seit viel zu langer Zeit liefen.
Sie liefen so nicht nur, weil die Leuts sich unangemessen verhalten haben, sondern auch, weil erst der Gefährte und dann auch ich uns das haben lächelnd gefallen lassen.

Beim Gespräch habe ich erklärt, was so nicht mehr geht und was ich nicht mehr möchte, und was ich unbedingt möchte – nämlich ein freundliches Verhältnis auf Augenhöhe. Und nicht mehr lächeln und immer nett sein, wenn es nicht angemessen ist.

Das Gespräch verlief gut, ich dachte, es wäre alles offen gelegt, klar und verstanden. Wir hatten ein erleichtertes Gefühl nach diesem Gespräch. Dass Merkur zu der Zeit immer noch rückläufig war – mei, bin ich abergläubisch?!? Ah bah!

Dann geschah dies und das, und zwar genau so, wie vor dem Gespräch. Nur mit mehr Hektik und Stress für alle beim Versuchen, Wünsche von uns zu erfüllen, die wir gar nicht geäußert hatten.
Merkur ist seit Donnerstag, den 22. 9. wieder direktläufig, Freitag geschah wieder was, und Samstagmorgen wachte ich früh auf. Ich wollte sofort wieder einschlafen. Sattdessen sickerten mir all die Dinge, die gelaufen sind, ins Bewusstsein. Und ich spürte, wie in meinem Leib eine Wut erst nur funkte und dann zu einem schönen dicken Feuer wurde. Kein schwelender Ärger, keine ängstliche Aggression, sondern eine dicke fette Wut.

Jo, und die hat sich dann an der Stelle entladen, wo sie hingehört.

Und jetzt ist jemand sehr entsetzt und verschreckt.

Ich war bis gestern noch ganz im Reinen mit all dem. Ich habe RECHT, ich war nicht beleidigend, persönlich oder sonstwie fies. Ich war einfach nur wütend darüber, wie Sachen gelaufen sind. Ich bin allerdings, wenn ich so wütend bin, sehr intensiv.

Jo, und ich habe, nachdem sich das jetzt zwei Tage gesetzt hat, begriffen, dass die Personen, bei der sich meine Wut entladen hat, überhaupt nicht verstanden haben, warum ich so wütend geworden bin. Die haben auch beim ‚klärenden Gespräch‘ nicht wirklich begriffen, was unser Anliegen ist.
Und ich bin im Reinen damit, dass es nun mal so zu sein scheint, dass mit Erklären nichts gewonnen ist. Das ist wie bei Kindern, die müssen auch nicht alles verstehen. Die können (noch) nicht alles verstehen, die müssen manchmal nur erkennen, wo die Grenze ist und sich daran halten.
So gesehen war meine Wut heilsam.

Und doch bin ich heute traurig. Es tut mir leid, dass ich so intensiv geworden bin. Das ist meine eigene ‚Schuld‘ – weil ich so lange nichts gemerkt habe, kam die Erkenntnis so krass und die Wut wurde so stark.

Und ich bin traurig, weil ich auch ENDLICH ent-täuscht wurde: Ich habe diese beiden Leute maßlos überschätzt. Das ist meine eigene ‚Schuld‘, das ist ein Muster meines Lebens, das ich auflösen muss, damit ich weiter komme: Ich muss aufhören, Leute zu überschätzen, über mich zu stellen, ihnen zu unterstellen, dass sie – tschuldigung, dass das so arrogant wirkt – dass sie das intellektuelle und emotionale Niveau haben, auf dem ich versuche, mich mit ihnen auszutauschen.

Ich würde gerne um Entschuldigung bitten… und wenn ich das täte und bei der Wahrheit bleibe, dann käme das grad so raus: „Es tut mir leid, dass ich euch all die Zeit so überschätzt habe. Ich habe jetzt erkannt, dass ihr beide überfordert seid und nicht versteht, was wir von euch erwarten. Ich bitte euch um Entschuldigung, dass ich vorausgesetzt habe, dass wir auf Augenhöhe miteinander sind. Ach, das habe ich ja nicht mal! Ich habe euch beide über mich gestellt, und stattdessen muss man euch nehmen wie Kinder.“

Das wirkt nicht wie eine Bitte und Entschuldigung, sondern wie eine Beleidigung.

Naja. Es hat mir jetzt gut getan, das hinzuschreiben, und ich lasse es weiter sacken. Ich bin voller Vertrauen, dass wir einen angemessenen Umgang miteinander finden werden. Merkur ist ja noch bis 6. Oktober in der Schattenarena. Neue Muster entstehen erst.

Oh, und wie! So wie’s lief läuft es jedenfalls nicht mehr.

 

 

Das Leben als Videospiel

Ich wollt endlich kurz die Videospiel-Analogie erklären, die mir zur Zeit so gut gefällt.

Es ist schon eine kleine Weile her, da hockte ich in der Straßenbahn und war wieder mal deprimiert wg. der Welt und des Konsums und der Leute und allem. Gründe find ich ja immer.

Ich habe eine Ahnung, aus welchem inneren Sumpf diese depressiven Phasen wachsen, wo sie ihre Wurzeln haben. Es hat was mit Freiheit zu tun, bzw. dem Gefühl, überhaupt nicht frei, sondern der Realität ausgeliefert zu sein.
Dieses Gefühl sitzt sehr tief, und es ist eine neuere Entwicklung bei mir (seit Friedrich), es nicht mehr als ’normal‘ und angemessen hinzunehmen, sondern es zu bemerken und dann abzustellen, so gut ich kann.

Ich hab schon verschiedene Strategien mit Erfolg angewandt, und an dem Tag in der Straßenbahn hat keine davon funktioniert.

Dann ist mir die Videospiel-Analogie eingefallen.
Dabei betrachte ich das Leben als ein Spiel und „mich“ als den Avatar, der darin Abenteuer erlebt. Vetch gibt es nicht wirklich, nur als Figur in diesem Spiel.
Es gibt auch Regeln, klar. Diese Regeln sind NICHT die Regeln und Gesetze des Standart-Realitätstunnels, in dem Vetch sich bewegt. Die sind oft ganz im Gegenteil Hindernisse, über und durch die Vetch sich weiterlevelt. Dabei lernt sie neue Skills, die ihr beim nächsten Level zugute kommen.

Die Regeln, die für Vetch gelten, werden durch das Ziel des Spieles definiert.
Nach den AD&D Regeln, die mein Einstieg in Rollenspiele waren, würd ich sagen, Vetchs Aufgabe ist es, sich von rechtschaffen-gut nach chaotisch-gut zu entwickeln.
(„Ein rechtschaffen guter Charakter handelt so, wie es von einer guten Person erwartet wird oder wie es von ihm verlangt wird.“ – „Ein chaotisch guter Charakter handelt, wie sein Gewissen es ihm vorschreibt, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, was andere von ihm erwarten.“ Zitate von hier.)

Als mir in der Straßenbahn dieser Gedanke kam — dass ich mich in einem sehr elaborierten Rollenspiel befinde — da verwandelte sich die Welt. Wo ich vorher Tristesse und überraschungsfreie, gleichgeschaltete Langeweile gesehen hatte, war plötzlich Geheimnis und Abenteuer. Alles ist Spiel, jede Person kann der nächste Kontakt sein, eine Aufgabe, eine wichtige Information für mich haben. Wer weiß, welche Lokäischens ich noch betrete, wer weiß, wo mich die Bahn hinfährt, was mich erwartet, was ich Neues lerne!

Und dazu die Gewissheit, dass die Skills, die Vetch bis jetzt gelernt hat, sie genau dahin gebracht haben, wo sie jetzt ist. Wo sie sie brauchen kann, um sie zu verfeinern und weiterzuentwickeln. Oder um neue Skills zu lernen. Und manchmal müssen solche Skills – Fähigkeiten – auch abgelegt werden, weil sie jetzt nicht mehr gebraucht werden und nur noch Slots belegen. Auch Gegenstände können aus dem Inventar geworfen werden, um Platz für Neues zu machen. Oder die Slots bleiben frei, das Reisen mit wenig Gepäck geht ja um so leichter.

Ja, die gefällt mir, die Videospiel-Analogie!


P.S.
Der Typ oben, der so interessant den Mantel öffnet, ist der Merchant aus Resident Evil 4. Er taucht immer mal wieder im Spiel auf. Bei ihm kannste Zeugs loswerden, das unterwegs eingesammelt wurde, und er verkauft auch sehr nützliche Sachen.
Der Zaubertrank ganz oben links ist aus Neverwinter Nights. DAS hab ich gern gespielt! Die Person, die die Bilder fürs Inventar gemacht hat, die ganzen Potions und Bücher und Zauberringe und Zeugs, die hat entzückende, magische, kleine Kunstwerke erschaffen.