Rassismus

Köln, die Medien & die Heuchelei

Reblogged von fadegrad.

Köln, die Medien & die Heuchelei

Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, nicht von Ethnien.

Zwei Vergewaltigungen (die gleiche Frau, zwei Täter), unzählige sexuelle Übergriffe und das trotz über 2000 Polizeieinsätzen … oh, sorry, das war nicht Köln, das war das Müncher Oktoberfest 2015. Gerade mal 3 1/2 Monate her und schon vergessen.

Damals gabs keine Sonderberichterstattung. Es gab keine Aussagen wie «Mit dem kulturellen Hintergrund war sowas ja zu erwarten. Die leben faktisch noch im Mittelalter, reine Machokultur». All die Journalistinnen und Journalisten, die sich jetzt «für die Opfer stark machen», verurteilten nicht ganz Bayern, oder jeden Lederhosenträger. Sie machten sich nicht mal die Mühe, die Mechanismen hinter den Übergriffen zu hinterfragen oder nur schon aufzuzeigen. Es gab keine politischen Sondersessionen, keine betrübt wirkenden Politiker zischten wütende Sätze in die Kameras der gespannt wartenden Presse.

Versteht mich nicht falsch: Ich will die Übergriffe in Köln nicht mit denen in München entschuldigen. Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, immer und überall. Da gibts nichts zu entschuldigen. Arschlöcher haben keine Nationalität, sondern nur ein Verhalten.

Mir gehts nicht um die Täter, um die soll sich der Rechtsstaat kümmern. Mir gehts um die politische und wirtschaftliche Instrumentalisierung der Übergriffe von Köln. Damit lassen sich Menschen mobilisieren, damit lässt sich hetzen – und nicht zuletzt: Damit lässt sich in den Medien Geld verdienen. […]

 

Spricht mir aus dem Herzen.
Das ist nur ein Kritzelbild, das ich vor Jahren gemacht habe,
mit einem Zitat von C. J. Cherryh (von mir sehr geschätze SciFi-Autorin).
Eine sehr kluge Erkenntnis für mich, dieser Satz.

 

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Vollmond und die GröFlAZ von Schifferstadt

Vollmond ist schon wieder vorbei. Es ist kühl geworden. Gestern saßen wir noch in einem Haufen netter Leute vorm Lokal und ich lauschte einer Diskussion über Das Kapital und ob der Marxismus wirklich schon gescheitert sei.
Wunderbar, dachte ich, als ich in den 20ern war, war ich unglücklich, weil ich dachte, solche Gespräche hab ich verpasst.
Außerdem dachte ich Warum immer reflexartig Marx, wenn das Wort Kapitalismus fällt? Könnwa ma ins Hier&Jetzt kommen?

Am Sonntag hatte ich unerfreuliche Erfahrungen aufm Schifferstädter Flohmarkt gemacht.

Auf nach Schifferstadt.


(Das ist allerding über/in LU.)

Abkassiert (unverhältnismäßig teuer), eingewiesen, zurechtgewiesen und informiert darüber, was verboten sei, wurden wir von der Größten Flohmarkteinweiserin Aller Zeiten. So ne, sorry, fette Mittelalte mit schwarzgefärbten Haaren, die z.B. entrüstet übern Platz plärrte, der große Schirm da müsse weg, es sei ein Pavillon angemeldet, kein Schirm. Dann machte GröFlAZ ein Foto, ums dem Chef zu schicken. Das weiß ich, weil sie auch das lautstark übern Platz plärrte.
Großes Kino.
Der Händer mit dem Schirm blieb unbeeindruckt, auch der Schirm blieb.
Immerhin, Chef hat sich bestimmt über das Foto gefreut. Und bestimmt noch mehr über die Beschwerde-Anrufe, die er später wg. der GröFlAZ bekam.

Der Markt war übrigens schlecht besucht (darum waren die unverschämten 30.- € Standgebühr schon beim Einfahren zu entrichten), sowohl von Händlern als auch von Kunden. Kein Wunder, da die GröFlAZ alle Kunden, die es wagten, vor 10h aufzutauchen, im Kommandoton vertrieben hat.
Wir hätten, wenn wir der GröFlAZ gehorcht hätten, auch erst um 10h aufbauen dürfen.

Manche böse Menschen (Ausländer!) hatten Planen an ihre Pavillons gehängt. Dahinter spielte sich zweifellos Unvorstellbares ab: Stände wurde unerlaubt vor 10h mit Waren bestückt.
„Was die da hinter den Planen machen!“ entrüsteten sich natürlich einige unserer braven, gesetzestreuen MitstandlerInnen. „Die bauen bestimmt schon auf, das dürfen die nicht! Das ist verboten!“
Als wir dann auch vor der Zeit mitm Aufbauen anfingen, kippte diese Einstellung und alle machten mit, so dass sich die anfangs noch zeternde GröFlAZ ihrer Macht beraubt von dannen trollte.

Da war noch mehr mit der GröFlAZ, noch viel mehr, und ich habe keine Lust, darüber zu berichten.

So manch andere MitstandlerInnen waren auch nicht angenehmer.
Für jedes Mal, das wir über die Flohmarktleitung und -führung schimpften, erwähnten unsere MitstandlerInnen Die Ausländer bzw. erbosten sich über Das Publikum (Ausländer).
Ausländer… achja, das sind die Leute, die auf Flohmärkten in der Regel mehr als die Hälfte vom Umsatz reinbringen. Ganz normale Leute. Viele nett, manche nervig.
Meine nervigste Kundschaft an dem Tag waren zwei deutsche Wiederverkäufer, die nicht mit absurden Preisvorschlägen aufhörten, auch nachdem ich schon acht bis neumal „Nein. NEIN. NEIEN!“ gesagt hatte.
Achja, und der Mitstandler, der einen flimsigen Modeschmuck-Ring aus angeblich Silber gegen zwei meiner Whisky-Tumbler eintauschen wollte und uns nach Relikten aus dem Dritten Reich fragte. („Vibes davon gibts hier reichlich“, sagte ich genervt, aber das drang irznwie nicht zu ihm durch.) Und der einfach nicht glauben wollte, dass wir sowas nicht haben. Nein, auch keine Postkarten. NEIN, auch keine Dokumente. NEIEN. SOWAS HABEN WIR NICHT.
Sollte ich je den Orden von meim Opa erben, den mein Däd noch hat, dann werde ich den vernichten, das ist mal sicher. Bevor irgendein #!<%$3& sich damit toll fühlt.

Für die viele Neuware aufm Markt (auch so ein Umsatz- und Atmosphäre-Killer) war übrigens nach Meinung diverser MitstandlerInnen nicht die Marktleitung verantwortlich (die auf ihrer Website übringens „ohne Neuwaren“ behauptete – genau deswegen sind wir ja zu diesem Flohmarkt hin), sondern das war Schuld dieser Händlerbanden — alles Ausländer, versteht sich.

Es war noch mehr Unerfreuliches, viel mehr, und ich habe auch da keine Lust, weiter zu berichten.

Ein zutiefst deutsches Erlebnis der widerlichsten Art.
Da hauchten mich Höllenschwaden aus einem Realitätstunnel an, den ich nicht haben will. Ich will wirklich, dass der weg geht.

Und ich werde nie mehr einen von der Firma Reis organisierten Flohmarkt besuchen, weder als Händlerin noch als Kundin.

Ich will lieber noch Fotos von was Schönem, Kreativen zeigen. Vom Mannheimer Brückenaward am Neckar am Abend vorher, als Vollmond war. Ein wundervolles Open Air Konzert, Eintritt frei.