Rosen

Dienstag, 18. & Mittwoch, 19. Juli ~ Dankesammlung

Gestern, Dienstag 18. Juli

Gestern habe ich kein einziges Foto gemacht. Aufm Amtsgericht waren einige echt schöne Motive, und obwohl dort nicht fotografiert werden darf, hätte mich niemand erwischt. Ich überlege grad – ich wollte schreiben, dass ich zu träge war, doch die Wahrheit ist, dass ich dachte, wenn ich Fotos ausm Amtsgericht – und wenns nur von der schönen, altmodischen Toilette ist – im Internetz poste, dann könnte ich Ärger bekommen. Oje. X)

Ich war für einiges dankbar, gestern:

 
Aufm Gericht ist es gut gelaufen. Es war keine Verhandlung, sondern ein Termin zur gütlichen Einigung. Der Gefährte und ich waren uns im Vorfeld einig, dass eine ‚gütliche Einigung‘ für uns nicht in Frage kommt. Ich möcht nach wie vor nicht ins Detail gehen, bevor das alles abgeschlossen ist. Das bewahrt mich auch davor, meinen Emotionen freien Lauf zu lassen… 😛 Nur soviel:
Wir wurden von Ex-Vermieters verklagt wg. etwas, das sie selbst vermasselt haben. Wenn sich bei der Verhandlung die Wahrheit durchsetzt, haben Ex-Vermieters alle Kosten ihrer Klage zu tragen.
Die Richterin hat gestern stattdessen eine Einigung vorgeschlagen, die weiter ging, als wir erwartet haben: Ex-Vermieters sollen alle Ansprüche fallen lassen. Das ist super, wirklich.
Nur hätten wir damit die bis jetzt angefallenen Kosten anteilig zu tragen.
Wir haben oft und mühsam und leider vergeblich versucht, uns gütlich zu einigen. Wir haben nicht geklagt. Wir haben nicht gelogen. Wir haben unfreiwillig bereits reichlich Zeit und Kraft opfern müssen. Uns jetzt Ruhe und Frieden quasi zu erkaufen — dazu sind wir nicht bereit. Wir lassen es auf die Gerichtsverhandlung ankommen. Da ist ein gewisses Risiko dabei: Wenn die Ex-Vermieterin nicht einen Heilschub erlebt, wird sie vor Gericht eine fette Lüge vortragen, und wenn ihr geglaubt würde…
Unser Anwalt hat uns da keine Illusionen gemacht – vor Gericht setzt sich nicht immer das Recht durch. Das wissen wir. Es geht hier um etwas anderes. Wir haben lange Zeit nachgegeben, gelächelt und gestrampelt, um Ex-Vermieters bei Laune zu halten. Das ist das einzige, das wir uns vorzuwerfen haben – und jetzt ist damit Schluss.

Also, ich bin dankbar, wieder, für unseren Anwalt. Und dafür, dass die Richterin keinen einzigen Anspruch der Ex-Vermieters in die gütliche Einigung miteinbezogen hat. Ich hoffe, sie ist uns nicht gram, dass wir trotzdem nicht darauf eingehen.
Mei, müssen wir das Gericht glücklich machen? Ich denke nicht. Ich denke, das Gericht soll die glücklich machen, die im Recht sind. (Wir haben außerdem noch zwei Wochen Bedenkzeit… Wobei ich gar nicht weiß, ob Ex-Vermieters überhaupt mit dieser Einigung einverstanden wären.)
Genug jetzt davon.

 
Gestern war’s heiß und schwül und ich habe den Rest des Tages aufm Bett verbracht. Eigentlich wollte ich was malen, dann war ich zu erschöpft für irgendwas. Ich habe stattdessen endlich das Buch zuende gelesen, das mir der Gefährte vorletztes Jahr geschenkt hat. Klasse Buch. Jetzt kann ich mit dem Buch anfangen, das mir der Gefährte dieses Jahr geschenkt hat. =) Wahrscheinlich heute noch.

 
Ich hab die Haferschnitte vom Gefährten bekommen. ❤ Wer Haferschnitten kennt, weiß, was das bedeutet.

 
Ah, das Gedicht. Ich hab was geschrieben, als ich aufm Gerichtsflur hockte und wartete – ich bin nämlich nicht verklagt, ich bin Zeugin, und darum sollte ich nicht mit rein.
Da aufm Flur war so gut wie nichts los, und doch war die Atmosphäre dicht und intensiv.

Dieser Ort ist voller Kaffee
Wut, Angst, Entrüstung
Enttäuschung, Bitterkeit,
Klarheit, Besonnenheit.
Triumph und Sieg und Demütigung
hilfloser Zorn, Gier und Dummheit
all das wabert hier.
Wahrheit, Gerechtigkeit
Auch sie…
Auch sie.
Wahrheit ist überall.
Auch hier.
 

Heute, Mittwoch 19. Juli

Heute hab ich viele Fotos gemacht.
Ich bin dankbar für:

Endlich hab ich ein Foto von dem CD-behängten Haus gemacht, das zwar nicht gut ist, doch zumindest zeigt, warum das Haus so magisch ist. Siehe links.
Ich weiß nicht, ob die Leute es wg. der Vögel oder einfach aus Freude mit lauter CDs behängt haben. Im Wind schwingen sie, in der Sonne glänzen und glitzern sie bunt und sehen aus wie Seifenblasen.
Ich find das typisch Hemshof. CDs sind Plastikmüllschrott, und doch verzaubern sie hier die Fassade und sehen wunderschön aus.

 

Und hier — ist das Hibiskus? Glaubschon. Vor dem mit CDs behängten Haus. Ach, es ist so schön hier!

Und Rosen hab ich fotografiert. Ich liebe die Rosen im Hemshof.

 
Jeden Tag freu ich mich über meinen neuen Farn! ❤
 
Desweiteren bin ich dankbar, dass ich heute keinerlei Pflichten mehr habe. Es ist zu heiß für Pflichterfüllung.
Morgen ist compfrei und wir bringen Nelly in die Tierklinik, wo sie die Metallschiene rausoperiert bekommt. Wenn nicht das Röntgenbild wider Erwarten zeigt, dass es noch nicht so weit ist.

Also bis übermorgen. =)

 
Das Gedicht ist ein altes Lied von mir, das ich bisschen up to date gebracht hab. Mir ist grad danach.

WEG

ein mann hat mal gesagt
ohne vor die tür zu gehn
kannst du die ganze welt verstehn
ich glaub das nicht

ich schau zum fenster auf
der himmel sieht grau aus
doch der wind, der draussen streunt
hat keine farbe

ich mag bilder von wegen
wenn die sich schlängeln und fließen
du siehst nie wo sie enden
möchte sie gehn: weg

ich leb schon lang
innem anderen land
manche Leute sagen
sowas hats nie gegeben

die kennen es nicht
und ich bin unsichtbar
für die und ich webe
mein eigenes leben ja

und wenn wind
mir in die haare weht
steigt mein herz: ein drache
heiss, weit und frei

weil meine beine
wirklich auf der erde stehn
kann ich leicht
die weiten wilden wege gehn

es ist zeit

 

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Im Gewitter der Rosen

Heute hab ich compfrei, doch dieses Gedicht geht mir seit Tagen durch die Seele und ich habs nicht mehr ganz zusammenbekommen, also MUSSTE ich jetzt den Rechner anmachen und es finden. Was ne Zeit gedauert hat, weil die meisten Sites, die es bringen, die zweite Strophe weglassen. Ja, die erste Strophe genügt, steht für sich, passt. Trotzdem: das Gedicht hat zwei Strophen, und hier sind sie. Von Ingeborg Bachmann, deren Lyrik mir immer Gänsehaut macht.

 

IM GEWITTER DER ROSEN
Ingeborg Bachmann

Wohin wir uns wenden im Gewitter der Rosen,
ist die Nacht von Dornen erhellt, und der Donner
des Laubs, das so leise war in den Büschen,
folgt uns jetzt auf dem Fuß.

Wo immer gelöscht wird, was die Rosen entzünden,
schwemmt Regen uns in den Fluß. O fernere Nacht!
Doch ein Blatt, das uns traf, treibt auf den Wellen
bis zur Mündung uns nach.