Salbei

Neues aus dem Garten

Gestern gabs Kochen im Garten und wir lernten paar unserer MitgärtnerInnen kennen. Genau wie wir erwartet haben wars ein richtig schöner Nachmittag und Abend.

Demnächst, wenn die krasse Hitze gebrochen ist, werden wir Rübstiel und Mairübchen sähen — das geht alles im Herbst noch.
Mairübchen hab ich erst dieses Jahr für uns entdeckt – köstlich!
Rübstielsamen habe ich zu meiner großen Freude im Baumarkt gefunden.
Rübstiel kenne ich aus der Zeit als ich noch richtig klein war und das mein allerliebstes Lieblingsessen war. Nur meine Omi Solingen hat das je gekocht, und auch nur selten, weil das so ne Arbeit war. Ich weiß auch das Rezept nicht — ich werde eins finden. Vegetarisch.

Ich hab schon nach Rezepten im Netz geguckt, und dabei habe ich was rausgefunden: Rübstiel und Mairübchen sind dasselbe. Da war ich ma wieder baff. Rübstiel ensteht, wenn der Bauer die Mairübchen zu dicht säht. Dann gibts keine Rübchen, sondern nur viele dünnen Rübenstiele. Ist irnzwie logisch, und doch hats mich echt umgehaun, besonders, weil ich nun zwei verschiedene Samentütchen habe, einmal Rübstiel, einmal Mairübchen. Aus Feez sollte ich das Rübstiel sehr vereinzelt sähen und die Mairübchen ganz eng und dann mal gucken, was wächst.

Echt… Faszination Gartenplänet… oder so… Jedenfalls zeigt das , dass ich zu viel am Computer hocke. Der Garten ist ein Segen.

Der Endiviensalat muss dann auch noch verzogen werden (heißt das nicht so?). Lady of the Dan hat per Mail bestätigt, was ich auch vermutete, aber der Oger wollt ja nicht auf mich hören… Der steht jedenfalls zu eng. Und der Feldsalat und der Rucola, den wir gesäht haben, der wirds auch viel zu eng haben, falls da überhaupt was kommt. Wir waren so motiviert, und es war ja so heiß, also haben wir viel gegossen.
Echt viel gegossen.
Vielleicht wächst uns demnächst das Swamp Thing im Beet, könnt schon sein, wenn ich bedenke, wieviel Moos wir da aus dem Boden geholt haben. Viel, aber nur einen Bruchteil von dem, was noch drin ist… in dem Sumpf.

Dann wollte ich stolz Fotos vom Borretsch zeigen, den wir vom Gefährten seiner Ma mitgenommen und hoffnungsvoll in den Boden gerammt haben. Er welkte da paar Tage vor sich hin, ganz am oberen Beetesrand – ich hab versucht, ihn per Gimp bisschen sichtbarer zu machen…

… und dann war er plötzlich weg. Jemand hat ihn rausgerissen, und das hat mich ne kleine Weile richtig verstört.

Wir haben auch nen Verdacht. Unser einer Beetnachbar hat bestimmte Vorstellungen davon, wie breit und lang unser Beet zu sein hat. Ist’n alter Herr, ich will da nicht weiter drauf eingehen. Wenn ich ihn sehe, werde ich ihn fragen, ob ers war, und wenn er ja sagt, werde ich ihm freundlich aber sehr SEHR bestimmt klarmachen, dass er NIE WIEDER irgendwas bei uns im Beet anzufassen hat. Wenn ihn was stört, soll ers mit uns besprechen.
Wenn er nein sagt, will ich die Sache vergessen.
Der Borretsch war sehr welk, aber ich hab ihn GEMOCHT. Und die eine Pflanze hätts geschafft, bin ich sicher.

Naja, eine sehr nette Mitgärtnerin hat mir erlaubt, mich an ihrem Borretsch zu bedienen (ich möcht eh nur paar Blüten).

Trotzdem hat mich das sehr gebeutelt, dass sowas passiert, weil wir ja doch Illusionen von Friede, Freude, Eierkuchen, Community, Gemeinschaft, Love, Flowerpower und so gehegt haben.
Nachdem der Borretsch weg war, war mein zweiter Impuls: Das wird sofort dem Gartenchef gemeldet! Der Übeltäter muss an den Pranger und streng bestraft werden und-
Wir ham da überhaupt keinen Gartenchef. Aber ich habe schmerzvoll begriffen, wie es dazu kam, dass deutsche Schrebergärten zu dem Regeln-Missgunst-Blockwarthorror wurden, der sie heute viel zu oft sind.
(Was mein erster Impuls war, das möchte ich hier gar nicht hinschreiben…)

Naja, ich habe mich wieder beruhigt, sowas passiert halt in der nicht-ganz-so-perfekten-Welt, an die ich mich seit weit über 40 Jahren versuche zu gewöhnen –
Ich habs wirklich gut, wenn ich bedenke, was sonst noch alles passiert in der Welt. Wir saßen gestern mit sehr netten Leuten in der lauen Sommernacht im Garten, aßen köstlichen Curry, dort gewachsen (bis auf die Kokosmilch) und gekocht, ich hab dann noch Teelichter geholt und immerhin ein Foto gemacht vom Salbei-vor-Teelicht.

Und ein Foto von tagsüber, Hummel auf Sonnenblume.

Ich MAG Hummeln. Und Sonnenblumen. Und dass wir jetzt nen Garten haben.

 
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