Schach

♛ Schach ♛

Das ist ein ziemlich alter Text von mir, den ich eben ausgegraben habe und jetzt hier hinklatsche, weil ich ihn immer noch gern hab. 🙂

Ich saß grad im Café und schrieb, da schnappte ich folgenden Satzfetzen auf: „Da wo ich schmeiße, da muss ich stehen bleiben?“
Verwirrt schaute ich auf und sah: am Nebentisch wurde Schach gespielt.

Ach, Schach!

Das königliche Spiel. Das Spiel der Feldherren und Perser. Schon im 12. Jahrhundert wusste Wolfram von Eschenbach, dass Schachfiguren wunderbare Wurfgeschosse abgeben. Eine Taktik, die heute leider ziemlich in Vergessenheit geraten ist. Ich habs aber schon mehrmals mitansehen dürfen, es ist herrlich, vor allem beim Rasenschach. Schachbretter sind ja manchmal magnetisch. Die Legende erzählt, dass eines sogar Reis anzog, so dass man auf einem kleinen Schachbrett den ganzen Reis des halben chinesischen Reiches stapeln konnte. Vielleicht war es auch bloß ein provinzgroßes Rasenschachbrett. Wieder eine Legende zerstört. Aber wenn DER Sack Reis in China umfiele, das würden wir hier bestimmt merken. Ich selbst kann ja kein Schach. Ich mein, ich weiß wohl, wie die Figuren ziehen, aber ich habe noch jede der etwa dreizehn in meinem Leben gespielten Partien verloren. Dabei kann ich sogar rochieren. Ich machs auch immer, obwohl ich eigentlich nicht weiß, was es soll. Immerhin beeindruckt es meine Gegner. Außer einmal, als ich mit einem Banausen spielte, der nicht wusste, was ne Rochade ist. Er war daher nicht beeindruckt, sondern beschuldigte mich des Schummelns. Es war mir nicht möglich, ihn von der Regelgemäßheit meines Zuges zu überzeugen. War dann auch egal. Meine blödste Partie spielte ich vor mehr als 30 Jahren im Bus, als wir von Bonn aus ins Schullandheim fuhren. Meine Busenfeindin Katrin hatte dieses Magnetschach und wollte ausgerechnet mit mir spielen. Wenn ich ein Schachbrett hätte, würd ich auch mit mir spielen wollen, dann würd ich vielleicht mal gewinnen, weil ich ja immer verlier. Damals hatte ich Schwarz und gerade meinen ersten Bauern rausgerückt (C7 auf C5), da schob sich Helga zu uns und fragte „Na? Wer gewinnt?“ Was ham wir gelacht. War doch eh klar, wer gewinnt. Das erinnert mich übrigens an die Musikstunde, die ich zwei Jahre später im Münchener ‚Max-Joseph-Stift‘ absaß. Unsere Musiklehrerin war eine ex-Operettensängerin und ihr Stifts-Chor war sogar schon im Radio gewesen. Der Unterricht machte trotzdem echt Spaß, und einmal bekamen wir die Hausaufgabe unser Lieblingsstück vorzustellen. Eine Mitschülerin war besonders begeistert und jubelte unserer Lehrerin zu: „Ich mag so gern dieses eine von Beethoven: ta-ta-ta-TAAA! Kennen Sie das?“ Doch, so war es. Aber ich war beim Schach. Die meisten Partien, die ich miterlebte, erlebte ich von außen, als Zuschauerin. Manchmal freiwillig, wie damals in München an der Freiheit, wo die Freiluftbretter mit den großen Plastikfiguren sind. Da hab ich so manche Stunde vertrödelt, immer in der Hoffnung, was zu Rauchen aufzutreiben. Es gab aber meist bloß Fusel, und Rochaden hab ich auch nur wenige gesehen. Immerhin flog mal die eine oder andere Figur dem ein oder andren an den Schädel. Nicht schlecht, aber bei Wolfram waren es Marmorfiguren gewesen. Allerdings wären Marmorfiguren in Freiluftgröße bisschen schwer zu heben, obwohl Alkohol ja Riesenkräfte verleihen kann. Unfreiwillig hab ich auch schon einiges an Schach aushalten müssen. Besonders deutlich vor mir sehe ich noch das Gewusel von ca. 5-7 Kids, das sich anlässlich des Passauer OpenAirs nahe meiner Lagerstätte um ein Schachbrett tummelte. Der gemeine Großmeister von nebenan macht sich ja keine Vorstellung davon, wie anstrengend und laut so eine Schachpartie mit 5-7 Halbstarken werden kann! „Wer’s dran? Hee! Wer’s dran?!?“ „Hör auf mich zu beuteln Mann oder du frisst die Dame quer!“ „JETZT mach ich den KÖNIGSzug!“ „Du spielst ja gar nicht mit!“ „ICH würfel jez!“
Auch hier von Rochaden keine Rede.

 

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