Schluss mit Wurst

es war sowas von neblig

Und doch ist das Thema KLARHEIT.

So habe ich auch einen Vorsatz fürs Neue Jahr gefunden, obwohl ich das nicht vorhatte. Er hat sich aufgedrängt. Klarheit als Werkzeug zum Erfolg meines schönen alten Projekts Schluss mit Wurst!

 

Dazu gibts noch mehr zu erzählen. Es gibt überhaupt ne Menge zu erzählen. Nur bin ich Hier&Jetzt immer noch zwischen den Jahren. Morgen ist Putztag. Übermorgen fahr ich nach München. Wenn ich wiederkomme, werd ich in den AllTag eintreten, und ich freu mich drauf. Ich möcht mal wieder in Ruhe am Computer sitzen und Bilder posten und schreiben, schreiben!

Jetzt erst mal nicht ganz pünktlich, dafür von Herzen allen ein gutes neues Jahr! Und überhaupt.

Bis bald!

 

Rechtfertigen

Das Thema ist mich neulich durch einen Beitrag hier angesprungen, und seit dem nervts mich. Durch meine zyklische Tagebuchstruktur (siehe ein Artikel vorher) sehe ich, dass ich selber all die Jahre durch das Gefühl hatte, mich rechtfertigen zu müssen. Ich schreibe ‚hatte‘, weil ich das Gefühl zur Zeit so gar nicht habe und drauf komme, dass es ein völlig krankes Konzept ist.

Das wusste ich natürlich vorher schon, intellektuell. Bloß hat das nichts daran geändert, dass ich trotzdem immer wieder das GEFÜHL hatte, mich rechtfertigen zu müssen. Und so hab ichs getan, natürlich ‚unbewusst‘.

Es ist bloß so:

Es gibt Dinge, die sind nicht zu rechtfertigen. Manches ist einfach schlicht scheiße, punkt.

Dann gibts Momente, da hab ich Mist gebaut. Da kann ich um Entschuldigung bitten, ich selber kann mich weder entschuldigen noch – absurd!- rechtfertigen. Wenn ich Mist gebaut hab, was gibts da zu rechtfertigen?
(Wahrscheinlich gibts Mist weguzuschaufeln, da sollte ich dann meine Zeit und Energie drauf fokussieren.)

Und dann gibts die vielen, vielen Momente, da hab ich getan, was ich für angemessen halte, und dann habe ich plötzlich das Gefühl, ich müsste das rechtfertigen. Vor wem? Warum?
Wozu?!?

Nee, issn krankes Konzept, rechtfertigen.

Wobei ~ Nachgedanke:

Diese Erkenntnis trifft mich nicht einfach so, sondern weil ich neuerdings, seit ich mich für die HP-Schule entschieden habe, mit der Welt im Reinen bin.
Ich muss z.B. nur noch einmal zum A-Amt. Aber wenn dann wieder von außen was käme, das mich (scheinbar) unter Druck setzte, wie schnell würd ich dann wieder ins Gefühl rutschen, ich müsse mich rechtfertigen?

Jetzt ist nicht die Zeit, darüber nachzudenken.
Ich wär ja bescheuert, wenn ich jetzt mit Absicht in den Rechtfertigungspfad einbiegen würde, da ich doch grad nicht drauf bin.
Jetzt wird hier das Gebiet erkundet.


(Wie schön, den Schneeflocken beim Durchfliegen dieses Bildchens zuzugucken, find ich.)

Die Alte, das Mädchen und die Königin

Diesen Text habe ich Dezember 2012 in einem Message-Board gepostet, nachdem ich mich dort über einige Beiträge eines Mitglieds geärgert hatte.
Ich hatte einen Traum erzählt, der mit meiner Beziehungsunfähigkeit zu tun hatte und war dabei zu dem Schluss gekommen, dass ich aufhören muss, die kleine Prinzessin zu sein, die auf den Prinzen wartet. Dass ich stattdessen Königin werden muss.
Der Betreffende, der übrigens immer schon und immer noch sehr gute und sehr hilfreiche Beiträge schreibt, vor allem bei Fragen zu Träumen, mochte das Wort „Königin“ nicht und nannte es ‚Ideologie‘. Wir hatten eine sanfte Auseinandersetzung darüber, ohne Einigung. Ich fühlte mich (zu Recht, wie ich immer noch finde) völlig missverstanden.

Ich sah zu dieser Zeit zwei Möglichkeiten, zwei verschiedene Impulse regten sich in mir:
Auf der einen Seite fand ich es schrecklich, dass ich ausgerechnet mit diesem Mitglied uneinig war. Er hat da ein sehr gutes Standing, er schreibt meistens sehr gute Sachen, er hatte sich die Mühe gemacht, meinen Traum zu analysieren ― ich hatte das Bedürfnis, alles wieder gut zu machen, Harmonie und Einigkeit herzustellen. Liebe und Frieden.
Auf der anderen Seite war ich wirklich erbost und fühlte mich von diesem Missverstehen bedroht und ausgelöscht.
Und wenn ich mich bedroht fühle und erbost bin, kann ich formidabel, kalt brutal und zielsicher verletzend sein. Manche kennen das vielleicht von sich selber…

Nu hatte ich zu der Zeit schon einige Erfahrungen und Lernphasen hinter mir, drum wusste ich, dass keiner dieser beiden Pole irgendetwas mit der Souveränität der Königin zu tun hatte, die ich gerne sein wollte.

Also habe ich einen Weg zwischen den beiden Polen gefunden.
Statt einerseits einzuknicken, zu winseln und zu schleimen,
statt andererseits meine Position brutal zu behaupten und durch Streiten zu verteidigen
habe ich beschlossen, dass ich nichts verteidigen und nichts entschuldigen muss.
Ich habe stattdessen den Text unten geschrieben und in dem Board gepostet.

Und ich poste ihn hier noch mal, weil er auch ein Thema behandelt, dem ich hier immer wieder begegne:
Den inneren Stimmen in uns. Den verschiedenen Rollen, Wesenheiten, Mustern, Aspekten, persönlichen Archetypen, wie auch immer wir sie nennen wollen. Oft sind es Selbsthasser, destruktive Muster, kleine und große Monster.
Die Prinzessin und die Hohepriesterin sind beileibe nicht die einzigen, die sich in mir tummeln. Sie sind allerdings beide sehr stark, und sie haben mir beide in meinem Leben sehr geschadet. Der Text ist ein Versuch, klar zu machen, wer bei Vetch das Sagen hat. Wenn ich meine inneren Muster nicht weg bekomme, dann sollen sie sich gefälligst auf meine Seite schlagen, mich unterstützen und aufhören, unbeaufsichtigt auf Autopilot Mist zu bauen.

Außerdem ist der Text ein Beitrag zu meinem Projekt Schluss mit Wurst.

Und jetzt genug eingeleitet. Here goes:

Die Alte, das Mädchen und die Königin

Ich wanderte neulich meine Grenzen entlang – ich kenn die immer noch nicht wirklich gut. Manchmal scheinen sie gar nicht da zu sein, manchmal kann ich nicht genau erkennen, wo ich aufhöre und mein Gegenüber anfängt.
Und doch war ich da nicht zum ersten Mal unterwegs, in meinem Grenzgebiet. Mit den Jahren hab ich dort einige Erfahrung gesammelt.

Ich war grade damit beschäftigt, etwas wegzuschaufeln, das neulich über meine Grenzen in meinem Reich abgeladen worden ist (auf meine eigene Einladung hin, muss ich dazu sagen) aber da überhaupt nicht hingehört.
Angenehme Arbeit, hat was Meditatives, tut mir gut. Ich finde sogar ab und zu nen kleinen funkelnden Stein in dem Haufen, den ich gebrauchen kann und aufhebe. Ich sing mir eins dabei.
Wie ich so am Schaufeln bin, da stapft plötzlich an mir vorbei, hoch aufgerichtet, entschlossenen Schrittes, diese große hagere Frau mit der Maske. Wie immer ganz in Weiß. Ihre rechte Hand liegt auf dem Griff des Schwertes, das sie immer an ihrer Seite trägt. Schnurstracks steuert sie auf die Grenze zu, und sie hat doch tatsächlich das Schwert schon halb aus der Scheide gezogen! Das geht ja mal GAR nicht!
Ich brülle
STOP!
Sie erstarrt.
„Wo willst du hin, wenn ich fragen darf?“
Wie ein Turm steht sie da, das Schwert halb aus der Scheide, den Rücken zu mir. Wie eine Salzsäule.
„Wo willst du hin?“ frage ich noch mal, freundlicher.
Sie rührt sich immer noch nicht, aber ich höre ihre brüchige, kratzige Stimme sagen
„Rüber. Den zerleg ich!“
„Huh? Wen? Warum?!?“
„Er hat dich beleidigt!“
„Hä? Unfug und Humbug. Niemand hat mich beleidigt; das wüsst ich.
Reg dich ab! Steck dein Schwert wieder ein und komm zurück.
Sofort!“
Sie rührt sich nicht, sie gehorcht mir nicht, nur das Schwert zuckt noch ein kleines bisschen weiter aus der Scheide.
„Ich zerleg ihn“ flüstert sie heiser
Sie sieht sogar von hinten furchterregend aus.

Ich weiß nicht, wo der Impuls herkommt. Ich lasse die Schaufel fallen, laufe zu ihr und umarme sie von hinten.
Unglaublich, sie wird sofort noch steifer.
„Hey“, sag ich. „Hey, reläx. Das ist nicht gesund, wenn du dich immer so aufregst! Das muss dich doch schrecklich anstrengen. Außerdem will ich hier kein Blut sehen. Von niemandem!“
Die Salzsäule wird ein bisschen weicher. Ich löse meine Arme und drehe sie um. Sie wehrt sich nicht. Sie steht mir gegenüber, meine Hände auf ihren Armen. Ihre weiße, glatte, blinde Maske ist entsetzlich anzusehen.
Ich hebe die Hände zu ihrem Gesicht und nehme ihr die Maske ab. Sie lässt es geschehen.
Darunter ist eine alte Frau. Eine alte Frau mit einem strengen Gesicht, mit tiefen, bitteren Furchen um den Mund und um die Augen. Und in diesen Augen stehen Tränen.
Aber sie blinzelt nicht. Wenn sie blinzeln würde, würden ihr die Tränen über die Wangen laufen, und ich weiß: bevor sie das zuließe, würde sie sich eher selber in ihr Schwert stürzen.
Ich tu so, als sähe ich die Tränen nicht. Ich sage
„Sag mal, hast du nicht diesen schönen großen Kessel?“
Sie runzelt die Stirn, sie überlegt. Sie nickt.
„Den brauch ich, ich will was kochen. Ich erwarte Gäste.“
„Ich weiß nicht…“ sagt sie mit ihrer krächzenden Stimme „Ich weiß nicht genau, wo er ist…“
„Dann such ihn!“ sag ich.
Sie nickt wieder. Setzt sich in Bewegung ins Landesinnere, wo sie ihr Haus hat. In dem irgendwo der Kessel sein muss.
„Lass das Schwert hier!“ sag ich.
Sie dreht sich um. „Mein Schwert? Das habe ich noch nie aus der Hand gegeben!“
„Du brauchst es nicht, im Landesinnern. Ich kanns hier brauchen, an der Grenze. Gibs mir.
Bitte.“
Zögernd gibt sie mir das Schwert.
Dann, mit einem viel leichteren Schritt, eilt sie in Richtung ihres Hauses, den Kessel zu finden.

Gut.

Ich guck mir das Schwert an. Es ist echt schön, ich mag Schwerter. Ich kann mit ihnen umgehen, beim Tanzen geben sie so einen ganz eigenen Schwung, wennde sie geschickt schwingst.
Aber das hier ist wirklich sehr lang und breit und echt schwer.
Weil das hier mein eigenes magisches Reich ist, gehorchen mir die Dinge, wenn ich wirklich WILL. Diesmal will ich wirklich, und das Schwert schrumpft ein zu einem praktischen, scharfen Küchenmesser.
Fein.
Ich stecke das Messer in meinen Gürtel, bücke mich nach der Schaufel und will grad weiterschaufeln,
da steuert an mir vorbei, auf die Grenze zu, eine Frau.
Sie ist aufgedonnert in einem schwarzen Minirock, ein enges Top mit weitem Ausschnitt, der sich bei ihr nicht wirklich lohnt, dazu superunpraktische Highheels. Ich kann nicht genau sehen, wie sie aussieht, sie ist völlig überschminkt.
In den Händen hält sie ein silbernes Tablett, darauf ein riesiger rosa Kuchen.

Nä, neh?

„Und wo willst jetzt du hin mit diesem Zuckerberg?“
Sie dreht sich um, knickst, lächelt süß, und sagt
„Du warst so unfreundlich zu dem netten Mann, er hat sich solche Mühe gegeben, und du hast dich gar nicht bedankt! Ich will mich entschuldigen!“
„Hä?!?
Was geht hier AB!? ARGH!
Komm mal her!“
Sie gehorcht. Immerhin.
So von Nahem sieht der Kuchen noch abenteuerlicher aus. Der dicke rosa Zuckerguss ist verziert mit roten und gelben Herzchen, silbernen Kügelchen, lila Blümchen, grünen Marzipanblättern – mir wird ganz schwummrig von dem Anblick.
„Gib mir mal diesen- Was IST das für ein – Kuchen? Ist da überhaupt Kuchen, unter all dem Zuckerguss?“
„Natürlich!“ sagt sie und zieht eine Schnute. „Ich kann sehr gut backen!“
„Ist das so?
Gib jetzt her!“
Zögernd überlässt sie mir das Tablett. Es ist schwerer als ich dachte, und ein Duft – nein, ein süß-klebriger Geruch von viel zu vielen künstlichen Aromen steigt mir in die Nase. Schawürg!
Ich balanciere das Tablett auf einer Hand, ziehe mein Messer aus dem Gürtel und kratze bisschen an dem Zuckerguss.
„NEIN!“ quietscht sie. „Das darfst du nicht, der Kuchen ist für den netten Mann!“
„Pass auf,“ sag ich, „ich sorg dafür, dass der Mann den Kuchen bekommt, und du gehst und hilfst der alten Lady, den Kessel zu finden und zu schrubben. Wir wollen dann was kochen, wir erwarten Gäste.“
„Gäste? Super!
Ich kann gut kochen!“
„Bestimmt…
Wartet mit dem Kochen auf mich! Unbedingt!“
„Jaa… Meh.“
„Los jetzt!“
Sie wuselt ab.
„Warte mal!“
Sie hält an, und ich geh zu ihr und wische ihr mit meinem (unbenutzen und unbespuckten!) Taschentuch die Farbe aus dem Gesicht. Himmel, die ‚Frau‘ ist ein kleines Mädchen, vielleicht 13 oder so!
„Hast du dir den BH ausgestopft?“
Sie nickt.
„Als erstes zieh dir mal was anderes an!“
„Möh.“
„Du brauchst keinen BH! Lass dir von der Lady was geben, die hat bestimmt nen hübsches weißes Kleid für dich. Und zieh diese Schuhe aus, damit kannst du ja gar nicht richtig laufen.
Ich bring dir dann Tanzen bei, ja?“
„JAH!“ sagt sie. Rennt los, kickt dabei die Highheels von den Füßen. Kleines Mädchen. Ich guck ihr hinterher.

Dann kratze ich den ganzen Zucker von dem Dings auf dem Tablett. Darunter ist ein ziemlich kleiner brauner Kastenkuchen. Ich mach mir ein Stück ab, um zu probieren.
Die Kleine kann tatsächlich was. Scheint mit Honig und Früchten gesüßt, ist richtig lecker.
Ich stell den kleinen Kuchen an die Grenze, als Dankeschön.

Dann mach ich mich auf zu dem Haus, wo die beiden den Kessel schon gefunden, geschrubbt und übers Feuer gehängt haben.
Wir ham zu tun, wir erwarten Gäste. Es wird gutes Essen geben, und Musik, Gesang und Tanzen. Und so. Ich freu mich!

Cairnchen


Ausgelöst durch einen Artikel bei Solveig hab ich mich an den Traum mit den 3 Steinen erinnert, hier erwähnt. Und an mein Vorhaben, an bestimmten Orten diese kleinen Cairns aus drei Steinen hinzustellen.

Also hab ich das gleich auf dem Weg zum Einkaufen gemacht. Zu diesem Zweck hab ich drei flache Steine mitgenommen, die ich in München gesammelt hatte. Manche Leute heben einfach alles auf… Ich war jetzt froh, die zur Hand zu haben. Und vor allem war ich beeindruckt, dass ich wusste, in welcher Kiste und darin in welcher Dose die sind. (Hier steht immer noch das meiste von meim Zeugs in Kisten rum.) Das war alles Sein Wille grins

Es war bisschen Volk unterwegs. Andererseits, hier ist immer Volk unterwegs, kümmert sich um die eigenen Angelegenheiten und lässt einander hauptsächlich in Ruhe.
Außerdem hab ich gemerkt, dass die Kamera auch Sicherheit gibt, wenn ich von dem Trip ‚Wie peinlich, ich fotographiere Mülleimer“ runterkomme und einsteige in den Trip „Ich bin KÜNSTLERIN. Ich fotografier sowas, damit werd ich reich und berühmt.“ Hehe.
Hat funktioniert. Das Ergebnis ist ein Winzhäufelchen von Cairnchen, das nur bei konzentriertem Hinsehen zu finden ist.
Und jetzt wirds gepflegt.

Eigentlich wird sowas ja mit den Steinen gemacht, die vor Ort sind. Das ist vielleicht manchmal nicht möglich.
Gucken, was der Ort so bietet. Kronkorken gehen. Vielleicht finde ich Schöneres.

Warum?
– Ganz schlicht: Weil mich sowas, wenn ich es finde, sehr erfreut, und ich wünsche mir, dass es andern auch so geht. Obs nun Leute, freundliche Wesen oder Gottheiten sind.
– Dann: um zu Üben. Das ist Teil meines Projekts Schluss mit Wurst. Schluss mit Wurst Ich übe, mutiger zu werden, indem ich harmlose (bzw. schöne), aber unübliche Dinge in der Öffentlichkeit tu.

Und dann darf ich die auch bisschen größer machen…