Sommer

Jo, Sommer.

Ich hab gewusst, dass das dies Jahr seltsames Wetter gibt. Es war trüb und kalt, und seit gestern ist es heiß, was ja schön ist, und heute scheint auch ununterbrochen die Sonne, was auch SEHR schön ist, und dazu ist es so schwül, dass jede Bewegung sich anfühlt wie Schwimmen. Schwimmen in Klamotten, die am Leib kleben. Ich würde den Schrank nach einer lockeren Stoffhose durchwühlen, wenn mir das nicht zu anstrengend wäre. Vielleicht tu ich auch das Unvorstellbare und rasiere mir die Beine. Ich hab zwei Röcke und zwei sehr schöne, seitlich offene Hosen aus Indien, die ich dann anziehen könnte. Also, eins davon.

Ja, ich glaub, wenn das morgen so ist wie heute, dann tu ich das Unvorstellbare. Sich heute nach der Schule aus der engen, feuchten, klebrigen Jeans zu schälen war grauenhaft.

Auf dem Heimweg, noch mitten in der klebrigen, feuchten, engen Jeans, hab ich am Neckar paar Fotos gemacht. Heldenhaft, finde ich. Hier sind zwei davon.

Das Grafitto ist ziemlich neu und sehr cool – und davor dieses schnuffige Tier. Ich bin begeistert, das wir solche am Neckar haben! Was auch immer genau das ist.

Übermorgen solls wieder 10° kühler werden. Na dann. Morgen jedenfalls zieh ich eine der indischen Hosen an.

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LAMMAS

Schnitterfest, Schnitterin, Kräuterweihe, Lugnasad – wie auch immer: es hat angefangen.

Es ist die letzten Tage noch mal so unglaublich heiß und schwül gewesen, wir haben gelitten und es war doch wundervoll. Ich liebe das, wenn es so heiß ist, dass innen und außen nicht mehr klar getrennt sind, wenn ich selber nicht mehr weiß, wo ich aufhöre und meine Umgebung anfängt.

Das war vorgestern jäh mit einem heftigen Gewitter vorbei. Seit dem ist es abgekühlt, es fegt ein wilder Wind, der manchmal in so starke Böen explodiert, dass ich mir Sorge mache, irnzwas geht kaputt oder fliegt weg. Der Himmel ist in Bewegung, voller Wolken, manchmal strahlt die schöne gelbe Sonne, manchmal ist es gradezu nebelgrau. Das wechselt im Minutentakt.
Es ist was los in der Atmosphäre, und es liegt eine Ahnung von Herbst in der Luft. Und wir haben noch nicht mal August!

Vorgestern habe ich das deutlich gespürt, diesen Herbsthauch, und ich fands viel viel zu früh. „Wird wohl bald Lammas sein“, hab ich gedacht. Genau hab ichs nicht gewusst.
Gestern dann habe ich die ersten Samen des Jahres geerntet, von der Tentakelpflanze. Da wusste ich: es ist soweit.

Hab nachgeguckt, ah ja, am ersten August. Oder am Vollmond um die Zeit rum (das wär diese Woche Freyjatag). Auf dieser Seite wiederum wird der Termin genau berechnet und für den 14.08.2015, 02:59 h postuliert.

So genau, finde ich, ist der Übergang von Litha-tide nach Lammas-tide nicht festzulegen. Ich spüre, dass Lammas jetzt anfängt, ich finde, auch der Eintrag von Sólveig passt dazu: Boooohya Dämonentag. Krähen, düstere Wolken – jo.

Ich werde also Kräuter sammeln und meinen Kräuterweihstrauß machen. Vielleicht finde ich ja diesmal auch irgendeine Verwendung dafür.
Seit Jahren mach ich das um diese Jahreszeit, und nie hab ich mit dem Kräuterstrauß mehr angefangen, als ihn über meinen Altar zu hängen und irnzwann im nächsten Jahr wegzuwerfen (oder teilweise in den Muhmenpott zu bröseln). Vielleicht hab auch mal damit geräuchert, würde ja zum Frühlingsfest gut passen.

Ich glaube, die größte Wirkung hat der Kräuterweihstrauß für mich darin, dass ich durch die Stadt streife und Kräuter sammle. Das scheint absurd und unmöglich – und das ist der große Spaß an der Sache. Ich finde immer 7 oder 9 Kräuter. Lavendel wird oft zur Zierde gepflanzt, auch Weihrauch. Irnzwas von meinem Balkon/Fensterbankpott war immer dabei. Und so. Ich werd streifen, sammeln und natürlich hier brühwarm berichten.

Was auch für mich zur Lammas-tide gehört: Samen sammeln, die dann nächstes Jahr als Seedballs gezielt verteilt werden. Das wollte ich als Projekt für unsere KlientInnen im Kontaktladen anbieten, dazu kam es nicht. Vielleicht in einem andern Rahmen. Stadtwanderung zum Kräuter- und Samen-Sammeln. Und im Frühling Seedballs herstellen und auswerfen.

Zu überlegen ist vielleicht auch noch die Verbindung von Lug(nasad) zu Loki. Jetzt wächst jedenfalls die Kraft der Dunkelheit, und das ist gut so, denn das Licht und die Hitze würden uns sonst verbrennen.

Vielleicht mach ich die Tage auch noch ein Ritual zur Feier des Tidenwechsels. Früher wollte ich das für alle 8 Feste machen und habs kein Jahr geschafft (außer in den Jahren, da ich in der Akademie HAGIA war). Also was solls. Wenns sich fügt, wird gefeiert.

Der Sommer ist nicht vorbei, es kann noch richtig warm und schön werden.
Die Tentakelpflanze hat jedenfalls noch Pläne.

Screaming Parties und noch drei Bilder

Lady of the Dan hat sich geäußert.

Zu den Mauerseglern:

Das ist schön, dass Du Dich für die Mauersegler begeisterst (und sie vor allem nicht wie so viele für Schwalben hältst). Was für eine Gruppennamenliste! „exaltation of“ wäre eigentlich die passende Bezeichnung, denn was die da veranstalten, sind sogenannte „screaming parties“ – zu welchem Zweck, weiß keiner, aber es ist SO schön (weils eben gar keinen Zweck hat).

Screaming Parties! Wie wundervoll! Das will ins Hexikon!
Doch unter welchem Begriff?
MAUERSEGLER – SCREAMING PARTY – ZWECK – ?
Da muss ich noch drüber nachdenken.

Derweil hab ich nach screaming party im Netz gesucht und das gefunden:

Unter dem Video auf YT sind noch viele Infos zu Mauerseglern.
They often form ’screaming parties‘ during summer evenings where about 10-15 gather and fly around in circles, all calling out to each other.
Weil das Leben so schön ist, und das Fliegen durch den Sommer!

Aber oh weh, die Bilder waren nicht die richtigen Bilder. Die richtigen Bilder waren „mehr dezent (keine rote Kanne, glaub ich?), vor allem aber wegen der Art der Farbkopie, es wirkte wie aus dem 19. Jahrhundert, kolorierte Photographien, nein, Daguerrotypien von Teegeschirr„. Das klingt toll! Ob die überhaupt von mir waren? Was ist eine Daguerrotypie? Ah, das mit dem Silber.

Ich biete drei weitere Bilder an. Also, immer dasselbe, das war daheim in Köln-Rodenkrichen, Fensterbank bei Vattern.

So, jetzt reichts mir, jetzt hab ich dreimal hintereinander „-krichen“ statt „-krichen“ SCHON WIEDER! mir doch egal
Die Bilder.

Vielleicht war ja eins davon eins von den dreien.

das Wetter ist wieder deutsch X)

Die letzten Tage war hier Anderswelt. Ich hatte oft Räucherstäbchen an, das hielt die Fliegen fern. Dann die Geräusche, die Musik aus diversen Fenstern, Stimmen, auch Gesang. Nachts die Grillen. Viel, laut, manchmal aggressiv und irnzwie too much, genau wie die unglaubliche Hitze und Schwüle. Ach, und das Ein-Finger-Klavier, vermutlich ein Kind. Es übt Kalinka, das kenn ich aus München, da wurde das auch paar Wohnungen über mir oft geübt. Dort wars ne Bontempi-Orgel. Hier ist es ein Klavier, und wenns mit Kalinka fertig ist, übts lange Zeit das Thema von Pippi Langstrumpf. Alles, alles ist gut.

Heute ist es merklich kühler, und so sehr ich aufatme, gestern wars schöner. Heute ist der Himmel wolkig und das Licht hat wieder so ne normale gräuliche Trübung.

Tolle neue Fotos hab ich einglich auch keine, in letzter Zeit wars das Übliche: Himmel, Balkonblumen und Molly.

Und ein Bild in den Hof nebenan, durch den Regen, dens gestern auch mal gab (danach war die warme feuchte Luft heiße dickflüssige Luft). Das Bild hab ich heute schön gefunden, aber der Ausschnitt passt dann doch nicht, und schließlich hab ichs immer mehr verfremdet. Jetzt bin ich so zufrieden, dass ich es hier vorführen will.

Das ist das Original

Und hier was draus geworden ist.

Gefällt mir, sieht aus wie ne Grafik.

Mauersegler

Ich liebe ihre Schreie, ich liebe es, wenn sie weit oben Richtung Unendlichkeit winzige Punkte am Himmel sind, und ich liebe es, wenn sie tief über den Dächern in Rudeln nach Mücken jagen.

Das sind keine Schwärme, das sind Rudel. Meuten.

Das war gestern Abend. Der Himmel war so SCHÖN! ♥

Im Englischen haben Vogelschwärme je nach Spezies oft lustige Namen (hier ist ne Liste). Ne Gruppe von Swifts – Mauersegler – heißt aber bloß „flock“. A Screech of Swifts fänd ich passender. A Swift of Swifts.

 

 

kein Widerstand

Mannheim ist heute, so wurde behauptet, der heißeste Ort Deutschlands. Ich hab keinen Zweifel, dass das stimmt. Das Leiden ist erst groß, bis ich mir dann zu Herzen nehme, was vorm letzten Dhikr geraten wurde: Kein Widerstand.

Wir gehn ja einmal die Woche zu den hiesigen Sufis, zur Musikmeditation (Dhikr). Vorher gibts Tee und Gespräch, und Mehmet erzählte, wie der Sheikh, ein älterer Herr, bei wahnsinnigen Temperaturen in einem vollgestopften Raum nicht geschwitzt habe. „Kein Widerstand“ ist, vermuten wir, sein Geheimnis.

Oke, so weit bin ich noch nicht, dass ich nicht schwitzen würd. Aber es macht mir nicht mehr so viel aus, wenn ich die Wirklichkeit hinnehme wie sie nun mal ist. Wenn ich akzeptiere, dass ich zur Zeit durchgeweicht bin, dann kann ich der Hitze eine Menge abgewinnen. Es ist wie in Indien. Es ist Räucherstäbchenwetter. Auf dem Balkon sind rosarote Lilien aufgegangen, aus denen süß duftender Nektar tropft. Die Luft ist wie Honig. Die Haut weicht auf und mir ist nicht mehr ganz klar, wo ich aufhöre. Ich verschwimme in die Umgebung. Drinnen und draußen verschwimmen. Es ist überhaupt Wetter zum Schwimmen, nicht nur im Wasser, sondern auch durch die zähflüssige Luft.
Ich war auch schon unterwegs in der Stadt. Auf den Neckar dümpelten die Schwäne. So liegen hier die Katzen flach auf den Boden ausgestreckt in der Wohnung verteilt.


Der Himmel ist grau auf dem Bild, denn die Luftfeuchtigkeit ist auch extrem hoch.

In der Stadt hatte ich einige wundervolle Aufenthalte in klimatisieren Geschäften.

Morgen müssen wir auch aus dem Haus, denn es ist OB-Wahl Wiederholung, nachdem unser Kandidat Kurz letztes Mal nicht die absolute Mehrheit geschafft hat. Die Wahlbeteiligung war bei 30%. Oje, Mannheim. Schnusel brachte gestern einen Zettel mit, der in der Neckarstadt West verteilt wird und mir die Tränen in die Augen treibt:

„Typisch Mannheim“, sagt Schnusel. Das ist dann wieder wundervoll. Und nu will ich hoffen, dass wir hier über die 30% kommen!

Und dass es dann doch mal bisschen abkühlt.