Sterben

Herbstfest

Tscha, seit gestern denk ich über einen Artikel zum Herbstfest nach. Ich hatte beschlossen, keinen zu schreiben.

Warum?

Mei, es ist andernorts doch alles schon geschrieben worden, schön und mehrfach. Und ich selber mach nichts Besonderes mehr zu den Festen, kein Ritual. Ich dekoriere nur um (auch den Blog) und lass die Zeit wirken.

Jetzt kam eben ein Beitrag von Sólveig, bei dem ich erst mal grinsen musste, weil sie anfangs ähnliche Gedanken hegt.
Mabon… oder so… | Tales of an Urban Priestess

Dann gehts schnell zum Wesentlichen.

Davon angeregt möcht ich jetzt doch was zum Herbstfest schreiben, aus meiner Perpektive.

Erntedank ist ein Aspekt dieses Festes. Es gibt viele Möglichkeiten, das zu feiern: Altäre schmücken und Sachen draufhäufen (so wie ich Kram in mein kleines zweites Sonnenschiff gehäuft habe ). Wir können Listen machen mit dem, was wir übers Jahr geerntet haben, wir können Collagen kleben, Gedichte schreiben, Wandteppiche weben… der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Was wir aber auch bedenken sollten: Dies ist der Beginn der Dunklen Zeit.
In der HAGIA, wo ich zwei Jahre lang bei den Matriarchalen Mysterienfesten (von und mit Heide Göttner-Abendroth) mitgefeiert habe, war dieses Fest das Todesfest. Wir sind gestorben.
Mehr möchte ich nicht dazu sagen. Heide ist (oder war) sehr
empfindlich, wenns darum geht, ihre Arbeit weiter zu verwerten.
In dem Fall passt das.

Was sich bestimmt zu lesen lohnt sind Bücher wie „Die Göttin und ihr Heros“, in dem Heide beschreibt, wie um diese Jahreszeit der Heros stirbt und in die Unterwelt gelangt, um zu Yule wiedergeboren zu werden.

 

Wir selber können jetzt über unseren eigenen Tod nachdenken. Können wir gehen? Können wir sagen: „Dieses Leben war erfüllt!“? Können wir unsere angehäuften Sachen und /oder unsere Lieben zurücklassen?
Sehr heilsam, da mal drüber nachzudenken. Und zwar richtig, so dass du es spürst! Ja, das kann sehr weh tun.

Ich denke, es gibt wenig Übungen, die uns deutlicher machen, was wir geerntet haben, ob wir wirklich leben, ob wir im Reinen sind und wo noch zu lösen, zu heilen, zu weben ist. Wo wir unfertig sind, wo wir unglücklich, verstrickt und erstickt sind.

Sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen, kann das akute Leben so viel süßer machen. Es kann dazu führen, dass wir uns von Dingen befreien, die uns am Leben hindern.
Damit wir, wenn es so weit ist, in den Tod gehen können. Nicht gerissen werden, weil wie hier noch nicht fertig sind, noch so viel machen wollten und gar nicht richtig gelebt haben.

Ich denke, sich einmal im Jahr mit unserem Sterben zu beschäftigen, ist SEHR gesund.
Diese eine absolute Sicherheit, die wir alle teilen, die überrascht doch tatsächlich immer wieder Leute, wenns dann so weit ist.

Passend dazu gibt es die Mythe von Inannas Abstieg in die Unterwelt. Inanna muss alles zurücklassen, was ihre Rollen im Leben definiert und kommt als nackte Essenz in der Unterwelt an.
Daran habe ich natürlich auch gedacht, als ich meine Geschichte vom Labyrinth (inkl. des Tarot-Legemusters) aufgeschrieben habe.
(Und dieses Gedicht erzählt auch davon.)

So, das genügt. Einen wundervollen Herbst uns allen – also voller Wunder. Ich hab hier schon viele Kerzen an, weil es draußen duster ist und regnet.
Das Licht zieht jetzt nach innen; dort finden wir es.

Wie schön!