Subkulturbeutel

wundervolle Weekend Links von John Coulthart

Nur auf Englisch. Sorry.

Reblogged von
{ feuilleton }
Being a journal by artist and designer John Coulthart, cataloguing interests, obsessions and passing enthusiasms.
I am not sure if I may reblog posts from { feuilleton }. I hope it’s ok, if not I’ll delete this post.

Ich könnt ja ständig da hin linken oder rebloggen, und ich hab John Coultharts Blog auch schon mal vorgestellt.

Heute hat er in seinen wöchentlichen Weekend Links was dabei, das mich besonders entzückt, weil zwei meiner Helden erwähnt werden: Robert Anton Wilson und Alan Moore. Und dazu Twitter. Ich hab neuerdings einen Account dort und das Zitat von John Higgs spricht mich sehr an!

Weekend links 316

“In the modern internet world you have what I talk about as the ‘War of the Certain’: people insisting that their absolutist viewpoint, in 140 characters, is exactly the right way to think, and anyone who doesn’t agree with them is terrible. If you’ve grown up reading Robert Anton Wilson this is awful. Having all of these certain people with no nuance or doubt, and no understanding of multiple-model agnosticism, is not going to go anywhere good.” Writer John Higgs talking to Ben Graham about RAW, Discordianism and related matters. A related matter: Higgs talks to Alan Moore about virtual-reality mysticism, creating a new counterculture, reinventing magick, and the eternal nature of time.

 

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Engel

Hier in der Gegend gibts schon lange so ein Stencil-Graffito von einem Engel am Galgen. Hat was. Passt zu der soulcrushing Tristesse, der ich hier auch oft begegne.

Gestern bin ich zwei von diesen Engeln begegnet, bei denen sich jemand die Mühe gemacht hat, den Strick weg zu kratzen.

Das gefällt mir.

Jetzt kann ich überlegen, wer das warum gemacht hat (ein Kind?), kann ne Predigt darüber halten, wie wir vielleicht scheinbar am Galgen hängen und doch in Wirklichkeit frei sind und wegschweben könnten –

oder ich kann das Bild auch einfach so stehen schweben lassen.

 

völlig normal

Liebe Gemeinde!

Ich hab einen Beitrag im Kopf, der sich beim Vorformulieren die ganze Zeit schon wie das Wort zum Sonntag anhört. Na dann.

Liebe Gemeinde,

als ich heute Morgen nach meinem Termin beim Arbeitsamt — Die hat auch eine Geduld mit mir, die nette Beraterin da! — als ich auf dem Weg vom Arbeitsamt an einer Kirche vorbeikam, da fiel mir an der Mauer nebendran ein Graffito auf.

Vorher fiel mir noch ein anderes Graffito auf, das meine Gefühle auf dem Weg zum A-Amt durch die Neckarstadt und die Quadrade an diesem goldüberpuderten Herbstmorgen adäquat zusammenfasste:

Und wie niedlich der winzige weiße Falter im A!
Aber ich komm ausm Predigen. Zurück auf die Kanzel.
Hier das Graffito an der Mauer neben der Kirche:

Ist das so?
Das ist wohl so.
Weil das, was normal ist, nicht normal  ist.
Nicht normal  im umgangssprachlichen Sinne.

Mit ’normal‘ wird im täglichen Sprachgebrauch meist ‚gesund‘, ‚angemessen‘, ‚richtig‘, ‚gut‘ und dergleichen gemeint.

Tatsächlich aber ist das Normale einfach nur das, was der Norm entspricht.
Und das ist, wenn es um gesellschaftliche Normen geht, meist weder gesund, noch angemessen, noch richtig, noch gut.
In so einer Welt ist es dann auch wirklich normal, dass wir uns verloren fühlen.

In Wirklichkeit ~

Ich konnte immer wieder feststellen, dass die Welt – damit meine ich jetzt nicht das, was wir oft mit „der Welt“ verwechseln, nämlich unsere westliche, kapitalistische Zivilisation, sondern die WELT. Die Wirklichkeit, das was IST.
Ich kann immer wieder feststellen, dass die Welt zwar unberechenbar ist, aber nicht feindlich. Und dass ich ein Teil von ihr bin. Mittendrin, eingebettet.
Das sind sehr schöne Momente, die ich leider noch nicht so oft erlebe.
Immer dann, wenn ich und meine Realität mit der Wirklichkeit im Reinen sind. Wenn mich kein schlechtes Gewissen plagt, keine verinnerlichten Erwartungen anderer, wenn mich keine Normen ersticken und ich mir auch grad mal keine Sorgen um die Zukunft mach.
Dann kann das Hier&Jetzt zu mir durchsickern, und dann durchströmt mich eine Freude, bei der auch ein Schmerz dabei ist, Liebe, Dankbarkeit und das Wissen um die Ungewissheit der Wirklichkeit. Ein Ziehen, ein Staunen.

Heute hatte ich so Momente nach dem Termin beim A-Amt, wo ich neuerdings hemmungslos aufrichtig bin. Seit ich das übe – aufrichtig zu sein – seitdem geht es mir besser und besser.

Und in solchen Momenten weiß ich, dass es überhaupt gar nicht normal sein muss, dass wir uns in der Welt verloren fühlen. Das es normal sein muss, dass wir uns so fühlen, wie oben beschrieben: im Hier&Jetzt verankert, Teil der Wirklichkeit. Im Glück der Ungewissheit und der Liebe.

Besser kann ichs nicht beschreiben, und ich hab echt noch viel zu üben, damit ich solche Momente OFT habe. Vielleicht immer. Ich vertraue darauf, dass das der wirkliche Normalzustand ist, für uns alle. Und dass wir in den letzten Jahrtausenden sehr vom Weg abgekommen sind und jetzt wieder dahin zurück finden. Ich denke, das ist unsere Aufgabe in unseren interessanten Zeiten: den Weg zu bahnen. Da eine Erkenntnnisse, hier eine Handlung, jetzt ein Moment. Kleine Schritte, einer nach dem andern.

Amen und Aye!

John Coultharts { feuilleton }

Auf deutsch würd er nicht wirklich Hans Kultherz heißen. Würd aber passen. :)

Seine Online-Galerie und seinen Blog habe ich vor einigen Jahren gefunden, als ich das Internet nach schönen Bildern des kabbalistischen Lebensbaumes absuchte. Er hat das Coolste von allen gemacht, finde ich. Hier.

Ich find bei ihm ganz viel, dass ich selber mag: Jugendstil, Symbolismus, Lovecraft, Hawkwind, Oscar Wilde, Wicker Man, Alan Moore, True Detective, Steampunk, Melechesh (arabische Metal-Band, für die er Cover macht) – das sind bloß paar Stichworte, die mir grad einfallen, zu denen er was gepostet hat.
Und dann finde ich auch immer wieder was, das ich eben noch nicht kannte, und das mir richtig gut gefällt. Nicht zuletzt seine Kunst.

Jo, mehr wollt ich gar nicht schreiben, ich wollt den Blog bloß denen empfehlen, die ihn noch nicht kennen und vielleicht auch Spässken dran haben.

{ feuilleton }

Stories are Maps

oder
Wie aus einem Satz eine Umherschweif-
und Gedankenwanderkarte wird.

mit viel Englisch

 

Neuerdings beschäftige ich mich mit Idries Shah, der ganz wunderbare Bücher zum Sufi-Sein geschrieben hat.
Im (sehr lesenswerten!) Eintrag der englischsprachigen Wikipedia zu ihm bin ich einem Gedanken begegnet, den ich schon lange liebe.

Unten im Abschnitt über Teaching Stories ist ein Auszug aus In Arabian Nights, einem Buch von Tahir Shah (Sohn von Idires Shah). Sein Vater hat ihm und seinen Bruder viele Geschichten erzählt und wird dazu zitiert:
These stories are technical documents, they are like maps, or kind of blueprints. What I do is show people how to use the maps, because they have forgotten.
Dies ist eine Lehrmethode der Sufis. Lehren durch Geschichten. Geschichten, die wie Landkarten sind.

Als ich das las, fiel mir natürlich sofort der Satz STORIES ARE MAPS ein.

Diesen Satz habe ich zum ersten Mal in dem schönen Notizbuch gefunden, das ich letztes Jahr in Berlin gekauft und dem Oger geschenkt habe.
Der Satz hat mich beim Durchblättern im Laden sehr angesprochen und hat wahrscheinlich den Ausschlag zum Kauf gegeben.

Gezeichnet ist er dort mit J. Winterson, ein mir bis dato unbekannter Name.

Gestern habe ich mir auf ello zufällige Beiträge anzeigen lassen, und da bin ich auf etwas gestoßen, das mir just jetzt einfällt. Denn was die Autorin da beschreibt, kommt mir vor wie das Erzählen einer Geschichte mittels einer Landkarte mit vielen Orten, die erkundet werden. Statt einer graden Straße zu folgen: Writing Matriarchy: Weaving Stories Together.

Heute habe ich im Netz nach „Stories are Maps“ gesucht.

Ich fand ein anderes Foto aus einem andern Notizbuch desselben Künstlers (DeafMessAnger).

Dann einen Auszug aus The Powerbook von Jane Winterson. In dem genau dieser Satz vorkommt.
Ich hab da eben ein bisschen drin gelesen, und was ich gelesen habe, hat mir gefallen. Mir gefällt auch der Titel The Powerbook, der wiederum gut zu dem schönen Notizbuch passt.
Was wir daraus machen können.

Dann fand ich schön zu lesende Erinnerungen eines ägyptischen Autors – Ihab Hassan -, der sich von Landkarten inspirieren lässt: Maps & Stories.

Und dies hier:

In seinem Vortrag erwähnt Julian Burrett eine Landkarte, die beim Auswendiglernen hilft: Die Loci-Methode.
Damit werden nicht nur Karten erschaffen, es werden auch Paläste errichtet.

Und worauf will ich mit diesem Eintrag hinaus?
Auf nichts Bestimmtes. Ich bin nur einem Satz gefolgt und hier und da umher gewandert. Hab bisschen kartographiert und paar schöne Aussichten gefunden.

Stories are Maps.