SumOfUs

Abschaffung des Bargeldes

Mein Gefährte war hatte eben einen Termin wg. Bankwechsel, wg. neuerdings Gebühren bei seiner alten Bank für – wie heißt das – beleghafte Überweisungen. Also, dass du am Schalter mit ausgefülltem Schein Geld überweist. Einzahlen von Münzen auf das eigene Konto kostet bei seiner alten Bank jetzt auch Gebühren: 7,50 €. Wow.
Als mein Gefährte darüber nicht erfreut war, wurde ihm gesagt: „Wechseln Sie doch auf ein Online Konto.“
Er: „Ich habe bereits ein Onlinekonto bei einer anderen Bank. Was ich möchte ist eine Filialbank vor Ort, bei der ich bar-“
Bankperson: „Ich erklär Ihnen mal, wie das funktioniert mit dem Onlinekonto.“
Es ist schon bisschen gruselig, wenn du merkst, dass du grad mit einem Cyborg sprichst.
Er: “ Ich möchte KEIN Onlinekonto bei Ihnen, ich möchte keine Gebühren für Münzeinzahlung auf mein eigenes Konto zahlen, und ich möchte auch keine Gebühren für eine papierhafte Überweisung zahlen.“
„Das machen jetzt alle Banken.“ Ahja. Wenn du es sagst, Bankperson. Dann gibt es natürlich keine Alternative.

Bei der neuen Bank gibt es auch keine Schalter mehr in dem Sinne; immerhin kannste da das Geld am Automaten einzahlen und per Einscannen auch bar überweisen. Derweil kostenlos.

Diese Terminals kosten Arbeitsplätze, das ist ein schöner Nebeneffekt, um Angst und Stress zu erzeugen.
Die Hauptagenda dieser Entwicklung ist die Abschaffung des Bargeldes.

Mein Gefährte hat das eben beim Beratungstermin vorsichtig zur Sprache gebracht, so ein bisschen mit dem Gefühl, als Spinner abgetan zu werden. Dass das Bargeld abgeschafft werden soll. (Er hat das von mir, ich erzähl viel solcher Dinge hier daheim, über das, was Sie so alles machen und vorhaben.)

Der junge Berater, ein freundlicher BWL-Juppie, hat nur müde die Augenbrauen gehoben. Natürlich wird das Bargeld abschafft, das ist lange beschlossene Sache und ist in einigen Ländern schon passiert.
Warum? Ich gebe jetzt wieder, was der junge Bank-Mann gesagt hat, so wie mein Gefährte es mir grad erzählt hat:
Kontrolle. Die Mächtigen der Welt (O-Ton junger Bank-Mann) wollen wissen, was wir mit unserem Geld machen. Wenn du zur Bank gehst und 20.000 € in bar abhebst, dann ist das weg, dann weiß niemand mehr, was du damit machst.
Wer diese Mächtigen seien, hat mein Freund gefragt. Och, also, für ihn, sagt der junge Bank-Mann, zum Beispiel Trump. Die Rotschilds. Die, wie ich jetzt durch den jungen Bank-Mann erfahren habe, auch Bitcoin erfunden haben. Bitcoin ist eine elektronische Währung, auf die ich beim Stöbern in diversen Anonymous-Aktivisten-Blogs gestoßen bin. Da stehen sie total drauf, die Hackerkids. Soso.

Ich möchte noch ergänzen, dass es durch rein elektronische Währung nicht nur darum geht, zu kontrollieren, wo du dein Geld ausgibst. Klar, damit kann man sehr deutlich sehen, was für ein Typ Mensch Konsument jemand ist, aber dafür gibt es ja schon Smartphones und Facebook.
Es geht noch um was anderes: Wenn wir nur noch elektronisch bezahlen können, dann ist es ein Leichtes, jemanden zur völligen Unperson zu machen. Dann kannst du, wenn deine Karte gesperrt ist, nicht mal mehr auf ein öffentliches Klo.

Mein Gefährte sagt, der junge Bank-Mann habe nicht sonderlich beunruhigt gewirkt, sondern wie einer, der sich mit den Gegebenheiten, die er nicht ändern kann, abfindet und sich darin durchschlängelt. Ist halt so. Alternativlos.

Nun ja. Er hat auch gesagt, dass sehr viele Kunden nachfragen, wenn sie in Aktien und Fonds investieren, wofür das Geld verwendet wird. Viele wollen keine Waffengeschäfte. Viele Moslems wollen wg. ihrer strengen Regeln z.B. auf keinen Fall in Pornografie investieren. Diese Bank bietet darum spezielle Fonds für genau solche Wünsche an.

Das ist ja mal gut.

Wir gucken derweil nach Öko-Banken. Natürlich haben wir beide auch Online-Konten, und wir haben endlich bemerkt, dass wir Onlinegeschäfte auch wunderbar bei einer Ökobank tätigen können. Selbst wenn das ein paar Gebühren kostet – wir spenden auch beide immer wieder an AttacAvaaz, BlockupyCampact, Sea Shepherd, Oxfam, Amnesty International, FoodWatch, WeMove, SumOfUs, Walk Free… Und dann sind wir bei Banken, die u.U. genau die Misstände finanzieren, gegen die diese Organisationen kämpfen? Bullshit!

Ich muss zugeben, der Bericht des Gefährten von seinem Banktermin hat mich eine kurze Zeit eben erst erbost und dann richtig gegruselt. Und das ist nicht gut. Es geht hier nämlich nicht nur um Geld und Macht – es geht letztendlich um Energie*.
Darum hab ich mich an Morgan’s gewandt, um mich trösten zu lassen.
Erst hat mich die Antwort noch mehr gegruselt, dann musste ich lachen.


I STILL DON’T UNDERSTAND
It’s too late now to explain. We’ll catch you next time around.
Bewilderment always waits in ambush. Relax — we’ve got you covered.

(Sinngemäß: ICH VERSTEHE IMMER NOCH NICHT
Zum Erklären ist es jetzt zu spät. Das nächste Mal klappts. Bestürzung liegt immer auf der Lauer. Entspanne dich — wir haben dich aufm Schirm.)

Jaja, so ausgeliefert können wir uns natürlich fühlen, vor dem großen Bösen Megacomputer. Ich hab immer noch nicht verstanden – bzw. kurz mal wieder vergessen, dass ich das glauben SOLL.
Die lauernde Bestürzung hat mich an einen Vers aus den Apokryphen erinnert:

Der lebendige Jesus sagt: „Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet. Und wenn er findet, wird er erschüttert sein. Und wenn er erschüttert ist, wird er erstaunt sein. Und er wird König sein über das All.“

Ich bin enstpannt. Hier&jetzt, da wo ich bin, gibt es Bargeld, und mein Gefährte hat gleich um die Ecke eine neue Bank gefunden, die akzeptabel ist. Der nächste Schritt ist online-Ökobänking, und langfristig halte ich Herz und Augen offen für wirkliche Alternativen: Tauschringe, alternative Währungen, geldlos(er) leben. All das wurde schon mit Erfolg ausprobiert, und weil wir so viel mehr sind als wir glauben sollen, bin ich voller Vertrauen, dass sich Wege öffenen und wir uns Wege bahnen raus aus der Matrix. Wir haben’s aufm Schirm. Wir sind bereits dabei.

* Dazu schreib ich demnächst einen Artikel. Nur kurz reingerieben: Je besser es uns innerlich geht, desto besser wirken wir gegen Missstände in der Welt. So einfach ist das.

Ich wurde geweckt

vom Geräusch herabfallender Vögel aufs Dach. Ahja, Trump hat also gewonnen. Wie einer twitterte, erst  9/11, jetzt 11/9.

Ich wollte erst was von George Carlin (bless his soul) posten, es ist ein wunderbarer Clip auf YT zum Thema election, voting und politicians.
Achwas, wer mag, findet den selber.

Nee, ich zitiere lieber was von Walk Free, grad getwittert;

An election is one moment. There are daily opportunities to serve others. Thousands of orgs doing worthy work. Find one. Join in.

„Eine Wahl ist ein Moment. Es gibt täglich Gelegenheit, anderen zu helfen. Tausende von Organisationen tun Wertvolles, Wirksames. Finde eine. Mach mit!“

Hier ein paar aufgezählt. Falls jemand des Angsthabens und Meckerns müde ist, sich vernetzen will, mit anderen zusammen was MACHEN will, dann ist das ein guter Einstieg.

AttacAvaaz, BlockupyCampact, Sea Shepherd, Oxfam, Amnesty International, FoodWatch, WeMove, SumOfUs, Walk Free

Nur einige.

Ja, es ist nix mehr wie immer. Immer ist vorbei. Kommen wir in die Gänge!

Was tun mit der Wut

„Mögest du in interessanten Zeiten leben!“
Chinesischer Fluch

Ich bin gebügelt von den Nachrichten, die mein Gefährte bei gmx vorfindet und mir weitererzählt, von brennenden Flüchtlingsheimen. Von dem Bus voller Flüchtlinge, der von verbrecherischen Volksverhetzern aufgehalten wurde, wo die Polizei zuschaut und schließlich verängstigte Kinder im Schwitzkasten rauszieht, und dann erzählt, die seien ja selber schuld, sie hätten sich gewehrt. (Wahrscheinlich haben Focus, Bild, Welt etc. aufregendere Artikel, hier was dazu von der ruhigeren FAZ. Reicht mir.)

Ich bin angewidert, ich bin den Tränen nahe, ich könnte kotzen, ich könnte Sachen durch die Wohnung schmeißen und schreien, ich könnte auf die Straße rennen und dem nächsten armen Typen, der auch nur vage aussieht wie Söder oder Seehofer eins in die Fresse haun-
Ich will das nicht. Ich kenne diese hilflose, verzweifelte Wut von früher. Ich will das nicht mehr.
Mein Gefährte und ich, wir versuchen, uns zu beruhigen. Wir versuchen, uns nicht selber zu hassen, weil es uns so gut geht. Wir leben im Überfluss und haben sogar von den allerrechtesten Geistesgestörten nichts zu fürchten, weil wir beide blaue Augen haben und besser deutsch können als die meisten unserer stolzdeutschen MitbürgerInnen. Ich will mich deswegen nicht schuldig fühlen!

Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Ich will umweltfreundlich leben, ich will aus dem Konsumterror raus. Ich will den nicht um mich rum haben. Ich will auch keine wahnsinnigen, gewalttätigen, rechten Bürger-Terroristen um mich rum haben. Ich will nie mehr volksverhetzende Scheiße von irznwelchen AfD Leuten hören oder lesen.

Und ich will auch nicht so wütend werden, dass ich irnzwann mit der Axt um die Häuser renne und meinen Teil zur Gewaltspirale beitrage.
Niemandem ist geholfen, nichts ist besser geworden, wenn es mir schlecht geht oder wenn ich selber zur Brandstifterin werde, auch wenns – meiner Meinung nach – ‚die Richtigen‘ treffen würde.

Ich sag mir, das wird dieses Jahr noch viel schlimmer werden. Es war immer immer schlimm auf der Welt, so ca. seit 8000 Jahren. Nur, es kommt uns immer näher. Vordem war das halt früher oder woanders. Jetzt kommt es immer näher, die Ausbeutung, die ausgelebte Nazimentalität.

Ich bin sicher: Unsere interessanten Zeiten sind eine Zeit der Entscheidung. Wir müssen uns offen bekennen, wir müssen konsequent handeln. Wir müssen uns für eine Seite entscheiden.

Und das erst mal so Verwirrende dabei: Es stellt sich nicht die Frage nach ‚links‘ oder ‚rechts‘. Es stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln wir kämpfen wollen, und an welcher Front.

Denn die Mittel heiligen den Zweck.

Und das bedeutet für mich: Klar geh ich auf ne Demo, wenn es sich fügt. Klar unterzeichne ich Petitionen und spende kleine Beträge für wichtige Zwecke, wenn Avaaz, Campact, SumOfUs, Walkfree, We Move, Sea Shepherd etc. darum bitten. Klar verteilen wir Anti-TTIP-Türanhänger in der Nachbarschaft.

Und vor allem gebe ich meinen hilflosen Zorn ab. Ich will den nicht. Ich gebe meinen Zorn und meine Wut der Erde, KALI, TARA ~ sie weiß, was damit zu tun ist. Das ist nicht meine Entscheidung, ich habe kein Recht auf Vergeltung, Sühne, Gerechtigkeit. Das liegt nicht in meiner Hand. Ich hab mit mir selber genug zu tun: Heil sein, in meine Mitte finden. Nur wenn ich dort bin, kann ich heilsam wirken, und das maße ich mir ja an: Ich will heilsam wirken.

Wie das geht, das muss ich lernen. Üben. Ausüben. Das ist jetzt gefragt, wir alle sind gefragt. Und ich vertraue darauf, dass die Menschen Frieden wollen und heilsames Sein verwirklichen. Ich hoffe nicht, und ich warte nicht – ich VERTRAUE darauf, weil ich sehe, dass viele andere Menschen so fühlen, sich entscheiden, dementsprechend handeln. Hier wächst z.B. etwas auf dem Boden von Foodsharing: YUNITY

Es gibt viele Menschen, von denen ich lernen kann – und ich will mich vernetzen. Ein Schritt nach dem anderen.
„Nach innen spirituell, nach außen politisch“ hat Heide Göttner-Abendroth gesagt.

 
edit:
Das ist ja nicht das erste Mal, dass mich dieses Thema umtreibt. Ein schönes Zitat dazu, das mir grad gut tut, findet sich hier: Jenseits von Bekämpfen oder Mitmachen.