Verschwörung

Mal was Erfreuliches

Apropos of Nothing. Über Rumgesurfe bin ich gestern irnzwie zu Scientology gekommen. Mit denen hab ich mich lange nicht mehr beschäftigt.

Als ich 16 war hatten die in München parallel zur Leopoldstraße ihr Zentrum (Gibts das noch? Können die sich die Miete noch leisten?) und missionierten auf der Straße. Das durften die damals noch, ist lange her.
Ich wurde mehrmals angequatscht von nett aussehenden jungen Typen, die mich fragten „Wieviel Schuhe haben Sie an?“
Ich bin bis heute nicht dahinter gekommen, was die Frage soll. Das ist wahrscheinlich ihr ganzer Sinn und Zweck. Jemanden verdutzt machen.

Sie boten nen Psychotest an, der mich sehr neugierig machte, aber der war erst ab 18. Als ich zum dritten oder vierten Mal auf der Straße bzgl. der von mir getragenen Schuhmenge angesprochen wurde, als uns (ich war mit einer Schulfreundin unterwegs) wieder dieser Test angeboten wurde, da wollte ichs endlich wissen. Mein Onkel hatte zu der Zeit in der Nähe einen Laden, und er gab mir die erforderliche Unterschrift als „Erziehungsberechtigter“. Wasn Aufwand ich mir gemacht habe, ich hätte auch um die Ecke gehen und die Unterschrift selber einsetzen können. Aber ich war, trotz Punk-sein-wollen, ein eher braves Mädchen.

Wir wurden ins Zentrum geführt. Ich erinnere mich nicht an Einzelheiten, ich weiß, dass mir die Inneneinrichtung nicht gefiel.
Bevor es an den Test ging, bekamen wir einen Einführungsfilm über Dianetik gezeigt, der mich sofort abstieß. Ich hatte damals absolut keine Ahnung, was das für ein Verein ist. Als ich den Film sah, wusste ich schnell, auf welchem Schiff ich da war:
Sehr amerikanisch, unseriös, pseudowissenschaftlich, manipulativ, durchgeknallt, geldgierig.

Dass ein 16jähriges Mädchen das alles gleich gesehen haben will – das ist nix Besonderes. War alles in dem Film drin. So gesehen: Super Film.

Mit dieser Info im Hintergrund, dabei aber, wie es meine Art war, lieb und nett zu jedermann und auch bisschen eingeschüchtert (wir hatten uns diesen Besuch ja ‚erschlichen‘) machte ich endlich den Test. Anfangs, subversiv!, hatte ich vorgehabt, immer das Gegenteil von dem anzukreuzen, was ich selber dachte. Das hab ich erst auch durchgehalten, aber irgendwann kamen Fragen, da konnte ich das nicht mehr. Z.B. ob ich Todesstrafe gut fände. Da konnte ich nur „NEIN“ wählen.

Dann kam es zur Auswertung. Die wurde in einem Vier-Augen-Gespräch vorgenommen von einem jungen Mann. Junge Männer waren damals der Gral für mich… Er war auch sehr freundlich und sehr verständig. Er sagte, aus meinem Test gehe eine große Zerissenheit hervor (das wird wohl gestimmt haben…) und ich fühlte mich verloren und unglücklich. (Oh, das stimmte. Ich war 16.) Ich sei in höchstem Grade selbstmordgefährdet. Er gab mir noch zwei Jahre zu leben.

ABER es gebe Rettung für mich. Dianetik-Einführungsseminar 180.- Mark (oder so). Und dann weiter, weiter durch die Seminare, wenn ich überleben wolle.

Naja, ich bin noch da, ganz ohne Dianetik.

 

Was das Erfreuliche an der Sache ist:
Ich hab über die Jahre immer mal wieder gesehen, wie Scientology krakenartig sich ausbreitet und großen Schaden anrichtet. Was für ein widerlicher, gefährlicher, gieriger, aggressiver, manipulativer, auch mörderischer Misthaufen das ist.
Gestern bin ich seit Langem mal wieder mit der Materie in Berührung gekommen, und was sehe ich: Schisma. Flucht und harsche Kritik aus den eigenen Reihen, eine alternative Scientology-Sekte, und das Mutterschiff scheint langsam pleite zu gehen.
Ich denke, in paar Jahren ist Scientology-der-Krake gegessen. Scientology als eine Glaubensrichtung und Sekte unter andern Sekten wird wahrscheinlich bestehen bleiben. Es gibt Leute, für die ist das ein spiritueller Weg. Das sei ihnen unbenommen, solange ihr Ziel nicht Geld und Macht ist. Wenn sie nicht aggressiv missionieren, nicht manipulieren und sich wirklich mit ihrer eigenen Vervollkommnung beschäftigen. Seltsame Weltbilder finden sich auch in anderen Glaubensrichtungen.

 

Scientology. X) Als gäbs nicht Wichtigeres. Aber das hat mich gestern wirklich erfreut.

 

edit
„in paar Jahren ist Scientology-der-Krake gegessen“
Uargh! Wie eklig, Vetch!

Außerdem möchte ich die Kraken-Community um Entschuldigung bitten. Kraken sind faszinierende Tiere, die es nicht verdient haben, durch Scientology-Analogien beleidigt zu werden.