verzäll

Kleisters Tempel

Apropos of nothing…

Grad fällt mir was ein, das ich in mal in einer Biographie über Aleister Crowley gelesen habe.

― Er hieß ja eigentlich Alexander Crowley, hat aber seinen Vornamen später geändert. Wie Alan Moore in den Anmerkungen zu Kapitel 9 von „From Hell“ schreibt: Hauptsächlich aus numerologischen Gründen, als er entdeckte, dass die Buchstaben in Alexander sich nur zum Cousin des Großen Tieres addieren.

Ich kenne ihn wiederum seit Langem als Kleister Crowley, denn ‚Kleister‘ schlägt mir jedes Textverarbeitungsprogramm von MSWord über Open Office bis zu Libre Office als Berichtigung von ‚Aleister‘ vor. Irnzwie ist bei mir Kleister hängengeblieben. Naja, dann auch wieder irnzwie logisch, dass Kleister klebt.―

Aber ich schweife ab.

Ich wollte erzählen, was ich in der Biographie über Kleisters Tempel gelesen habe. Er hatte eine kleine Wohnung, wenig Geld, ehrgeizige Vorhaben und Platzprobleme. Er brauchte zwei Tempel, einen für Weiße Magie und einen für Schwarze Magie. Für Weiße Magie hatte er, glaub ich, tatsächlich ein eigenes Zimmer mit vielen Spiegeln, aber für die Schwarze Magie war dann der Raum knapp, und er nahm einen großen Schrank, in den er sich zum Zwecke des Zauberns hockte. Drin war auch noch ein Skelett, das er versuchte, zum Leben zu erwecken, indem er es mit toten Vögeln und Suppe fütterte.

So steht es geschrieben.

KleisterSick, sick, sick ~ the humour of the Beast.

Stories are Maps

oder
Wie aus einem Satz eine Umherschweif-
und Gedankenwanderkarte wird.

mit viel Englisch

 

Neuerdings beschäftige ich mich mit Idries Shah, der ganz wunderbare Bücher zum Sufi-Sein geschrieben hat.
Im (sehr lesenswerten!) Eintrag der englischsprachigen Wikipedia zu ihm bin ich einem Gedanken begegnet, den ich schon lange liebe.

Unten im Abschnitt über Teaching Stories ist ein Auszug aus In Arabian Nights, einem Buch von Tahir Shah (Sohn von Idires Shah). Sein Vater hat ihm und seinen Bruder viele Geschichten erzählt und wird dazu zitiert:
These stories are technical documents, they are like maps, or kind of blueprints. What I do is show people how to use the maps, because they have forgotten.
Dies ist eine Lehrmethode der Sufis. Lehren durch Geschichten. Geschichten, die wie Landkarten sind.

Als ich das las, fiel mir natürlich sofort der Satz STORIES ARE MAPS ein.

Diesen Satz habe ich zum ersten Mal in dem schönen Notizbuch gefunden, das ich letztes Jahr in Berlin gekauft und dem Oger geschenkt habe.
Der Satz hat mich beim Durchblättern im Laden sehr angesprochen und hat wahrscheinlich den Ausschlag zum Kauf gegeben.

Gezeichnet ist er dort mit J. Winterson, ein mir bis dato unbekannter Name.

Gestern habe ich mir auf ello zufällige Beiträge anzeigen lassen, und da bin ich auf etwas gestoßen, das mir just jetzt einfällt. Denn was die Autorin da beschreibt, kommt mir vor wie das Erzählen einer Geschichte mittels einer Landkarte mit vielen Orten, die erkundet werden. Statt einer graden Straße zu folgen: Writing Matriarchy: Weaving Stories Together.

Heute habe ich im Netz nach „Stories are Maps“ gesucht.

Ich fand ein anderes Foto aus einem andern Notizbuch desselben Künstlers (DeafMessAnger).

Dann einen Auszug aus The Powerbook von Jane Winterson. In dem genau dieser Satz vorkommt.
Ich hab da eben ein bisschen drin gelesen, und was ich gelesen habe, hat mir gefallen. Mir gefällt auch der Titel The Powerbook, der wiederum gut zu dem schönen Notizbuch passt.
Was wir daraus machen können.

Dann fand ich schön zu lesende Erinnerungen eines ägyptischen Autors – Ihab Hassan -, der sich von Landkarten inspirieren lässt: Maps & Stories.

Und dies hier:

In seinem Vortrag erwähnt Julian Burrett eine Landkarte, die beim Auswendiglernen hilft: Die Loci-Methode.
Damit werden nicht nur Karten erschaffen, es werden auch Paläste errichtet.

Und worauf will ich mit diesem Eintrag hinaus?
Auf nichts Bestimmtes. Ich bin nur einem Satz gefolgt und hier und da umher gewandert. Hab bisschen kartographiert und paar schöne Aussichten gefunden.

Stories are Maps.

Mömp Zatschel

Als ich neulich dabei war, hinterm Haus ein paar Bananen zu vergraben, dachte ich, wie immer bei dieser Gelegenheit, freudig-wehmütig an meine liebste Begegnung mit dem Ewigen Bananenverkäufer zurück. Es war dies der Tag, an dem er sich selbst eine Banane verdiente, und ich finde, diese Geschichte sollte ich euch nicht vorenthalten.

Ich saß grad vor meiner Tonne beim Tee, da kam er einfach so vorbei, unangemeldet, wie er’s immer tut.

„Hi, Tach, lange nich gesehn, weiß schon“, sprach er, als ich freudig aufsprang, „hör zu, hast du noch das Feuerzeug, das du damals in A-dam abgezogen hast, als wir diese Satanistenmesse besuchten (was HAM wir gelacht!) und das einfach nicht leer wird?“

Ich griff in die Hosentasche und zog ein oranges Plastikfeuerzeug hervor.

„JAAAHH!“ brüllte der E.B., schnappte es, starrte darauf und reckte es dann triumphierend in die Höhe. „JAAHH! Das IST es! Das Feuerzeug der Macht! Hier!“ Und er deutete auf kleine Kerben am unteren Rand des Feuerzeuges, „diese vermeintlichen Narben, die von zahlreichen geöffneten (und geleerten) Bierflaschen zu zeugen scheinen, sind in Wahrheit Zeichen, eine Schrift des unaussprechlichen Grauens, lesbar nur für jene, die in schreckliche, unnennbare, sinistre, obszöne Geheimnisse eindrangen…“

„Mir scheint, du hast mal wieder nächtelang in Lovecraft geschwelgt.“

„…Geheimnisse, die so monströs sind, dass ich mich hier nur auf das Aussprechen der Worte beschränken will, die ich am Fuße dieses ominösen Feuerzeugs entziffern kann…“

Und seine Stimme wurde dunkel und bedrohlich als er vorlas:

„Brarg rampschel
mömp zatschel
blargh zasch mumpf
rompsatschel!

Dies sind Zeilen eines unaussprechlich alten entsetzlichen Gedichtes, dessen morbiden Inhalt ich grad nicht genau im Kopf habe…“ (Ich seufzte erleichtert.) „…aber es ist jedenfalls das Feuerzeug der Macht, und es ist unzerstörbar, was ich dir jetzt gleich beweisen werde!“

Mit diesen Worten zog er einen enormen Hammer unter seinem Umhang hervor, legte das Feuerzeug auf den Boden und schlug mit aller Kraft und dem Hammer darauf.

Es gab einen lauten Knall und orange Plastikfetzen flogen uns um die Ohren.

„Scheiße.“ sagte der E.B.

Das Gelbe Grinsen

  vom Wirken und Wandeln des Ewigen Bananenverkäufers  

 

„Die Banane ist das Lächeln der Natur“
(Volksmund)

„Die Natur hat ganz schön gelbe Zähne!“
(der Ewige Bananenverkäufer)

Nach langer und schwerer Meditation fühle ich mich nun geläutert und gereift, um über das zu sprechen, wovon ich bis dato nicht geschwiegen habe: Von meinen Erfahrungen mit dem Ewigen Bananenverkäufer.

Seinen Namen hörte ich zum ersten Mal vor vielen Jahren, als T.U., ein Freund und Mitbegründer des „Anarchistischen Weltbundes AWB“ (wir waren zu dritt), mir von einem Film erzählte. Darin war ein Mann aufgetaucht, der, einen Karren voller Bananen hinter sich herziehend, unermüdlich versuchte, diese zu verkaufen, den ganzen Film lang. Wir spürten sofort, dass wir es mit einem Charakter archetypischen Ausmaßes zu tun hatten.

In den Wirren meines bewegten Lebens habe ich T.U. lange Zeit aus den Augen verloren. Der Ewige Bananenverkäufer (E.B.) aber ist meinem geschärften Blick noch oft begegnet und lässt sich immer mal wieder bei mir blicken. Und so könnte es auch bei Euch sein, wenn das Wissen um den E.B. nicht verdrängt und verloren wäre. Zum Glück für Euch stelle ich nun meine Forschung und Erfahrung zur Verfügung.

Noch im frühen Mittelalter wusste man um den E.B. Zeugnis davon haben uns neben Anderen Monthy Python in ihrem Meisterwerk „The Holy Grail“ überliefert, in dem der E.B. in der Gestalt des Sir Bedevere erscheint.
Ich zitiere aus dem Drehbuch:

"EXTERIOR - SUNSET
 Fairly close HEAD-ON SHOT of the KNIGHTS riding along. BEDEVERE & ARTHUR at the front of the group, deep in conversation.
 BEDEVERE: And that, my lord, is how we know the Earth to be Banana-shaped.
 ARTHUR: This new learning amazes me, Sir Bedevere."

Bei sanftgelben Licht betrachtet ist die Queste nach dem Hlg. Gral nichts als die sehnsüchtige Suche nach sanftgebogener Gelbheit zu einer Zeit, da sich die grelle Weißheit des Christentums anschickte, alle alte Wahrheit zu überblenden. Nur in verschlüsselter Form konnte das Wissen über den E.B. tradiert werden, wie zum Beispiel in den Karten des Horseman-Hurrie-Tarots, das heute zu den verbreitetsten Tarot-Decks überhaupt zählt. Doch wer erkennt die Hinweise auf den E.B., von denen das Deck nur so wimmelt?

  • Hinter der schönen, zwei Krüge ausgießenden Frau auf der Karte DER STERN befindet sich ein Ibis, der auf einer Bananenpflanze sitzt.
  • DER MOND schimmert blassgelb über einem zwielichtigen Zaubertal – in eindeutiger Bananenform.
  • Zu Füßen der HOHEPRIESTERIN segelt die Bananenbarke ins Ungewisse der Anderswelt.
  • DER WAGEN wird von einer Kriegerin gelenkt. Sie trägt auf ihrer Brust ein Wappen mit gelbem Schräglinksbalken, in Heraldik-Fachkreisen auch
    „Banane“ genannt.
  • DER MAGIER steht vor einem Tisch mit magischen Geräten und reckt, als das mächtigste und wirkungsvollste, eine Banane in die Höhe.
  • DER NARR ist eine androgyne Gestalt, die von einem kleinen weißen Hund begleitet wird und auf einer hohen Bergklippe auf einer Bananenschale ausrutscht.
  • DER TEUFEL hat Hörner, die aussehen wie Bananen.

Dies sind nur wenige Beispiele, doch wer Augen hat und den Blick schärft, wird mehr und mehr entdecken.

Doch nicht nur in verschlüsselten Bildern vergangener Zeiten können wir den E.B. heute schauen. Denn er wandelt leibhaftig unter uns, ja!, noch immer, und so lange, als dass peinliche und blöde Taten uns seine Bananen einhandeln. Ob du ihn erkennst oder nicht, ob du deine Bananen wahrhaben willst, oder ob du sie zu ignorieren versuchst: auch zu dir ist der E.B. schon gekommen, und wahrlich: es war nicht das letzte Mal!

Ich bin das schon gewöhnt, weiß meist, wann ich mir wieder ’ne Banane eingehandelt habe und erkenne den E.B. problemlos. Er erscheint mir als dünner, unrasierter (und ich fürchte, ebenso ungewaschener) Typ mit langen, dunklen, fettigen Haaren.
Er trägt immer dieselbe gelbe Tunika, deren braune Flecken nach seinen Worten angefaulte Stellen von Bananen symbolisieren. Ich halte sie eher für nicht rausgegangene Tee- und Kaffeeflecken. Denn er will immer was Warmes zu trinken, und bei seiner enthusiastischen Erzählweise bleibt kein Teppich trocken.

Aber gleich in welcher Gestalt er zu dir kommt: du erkennst ihn spätestens an dem entnervenden Grinsen, mit dem er dir deine Bananen überreicht.

Diese Bananen sind ganz spezieller Natur. Ich vermute, sie wachsen im Garten der Göttin Oya, doch auf meine diesbezüglichen Fragen pflegt der E.B. wiehernd zu kichern und behauptet, die habe ich mir ganz alleine krummgebogen, die Bananen.

Was in einem gewissen metaphysischen Sinne auch zutrifft.

Wir alle sammeln in unserem Leben zahlreiche Bananen, und die meisten schmeißen diese Früchte ihrer vermeintlichen Niederlagen und Preise der Peinlichkeiten schnell in irgendwelche dunklen Ecken und versuchen sie zu vergessen. So wächst der Bananenstapel, bis er zusammenkracht und die gelben Krummfrüchte sich ins offene Licht ergießen. Und dann ist die Verlegenheit natürlich groß.

Es gibt nur eine Möglichkeit, die Bananen des E.B. für immer loszuwerden: Du musst sie essen!

Und davor scheuen die meisten zurück.

Aber wenn du dir ein Herz fasst, deine Banane akzeptierst und annimmst, sie schälst und hineinbeißt, wirst du feststellen, dass sie gar nicht so schlecht schmeckt.

Und alle Bananen des E.B. bergen ein Geheimnis: in jeder steckt ein kleiner Kosmischer Kicherfaktor, der beim Verdauen zu wirken beginnt.

Dann kannst du Träume haben, irre Inspirationen, unvermutete Kicks in neue Richtungen… Die Wirkungen sind so verschieden, wie die Anlässe, die Bananen einbringen.

Nur eins haben sie alle gemeinsam: sie werden dich heftig lachen lassen.

Und das ist das Schöne, das Wunderbare, die sanftgebogene Gelbheit der Bananen des Ewigen Bananenverkäufers.